Lothar und Naturwesen

in Fachfragen/Austausch

am 07.09.2000 schrieb Konstantin Messmer:

Bei uns im mittleren Schwarzwald hat der Orkan Lothar große Kahlflächen geschlagen. Ich bin nicht oft dortgewesen, aber jedes Mal fühlte ich mich irgendwie deprimiert. Heute habe ich eine Wanderung zu einem Kraftort im Schadensgebiet gemacht, und auf dem Rückweg überfiel mich eine tiefe Traurigkeit, für die ich keine Erklärung aus meinem Innern hatte. Es war richtiggehend lähmend, obwohl ich zu Beginn frohen Mutes war. Kann es sein, dass durch den großflächigen Verlust alter Bäume heimatlose Elementarwesen umherirren, die diese Stimmung verursachen? Hat jemand ähnliche Beobachtungen gemacht? Wenn es zuträfe, was kann man tun? Wie helfen? Ich habe ein bißchen Erfahrung mit Marco Pogacniks Übungen zur Heilung der Mitwelt; aber ich fühlte mich an Ort und Stelle allein und kraftlos, es gelang mir nicht, Zugang zu einer höheren Ebene zu finden.

Ich würde mich über einen Erfahrungsaustausch freuen.

Konstantin

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am 22.10.2000 schrieb Johannes Heimrath:

Lieber Konstantin Messmer,

könnte es vielleicht auch "nur" Trauer sein? Die zerbrochenen Baum-Leiber, das durch gewaltige Kräfte turbulent veränderte Lebensenergiefeld, die dichte und intensive Information, die aus den langsam dahinsterbenden Pflanzenzellen strahlt - all das ist doch auch unserem Körper eigen, tief vertraut auf Zellebene.

Ich denke, das Erlebnis der Trauer ist ein wichtiges Element in unserem Lebensprozess, das wir unter anderem dem Körper immer wieder gönnen sollten. Die Information, die er an Orten, an denen das Vergehen stark wahrgenommen werden kann, aufnimmt, wird von seine Zellen benötig, um sich zu orientieren, zu lernen und letztlich zu leben. Wenigstens scheint dies eines der Resultate der Biophotonenforschung zu sein: dass die sterbenden Zellen (also auch unsere eigenen) im Prozess des Todes, der ja unterschiedlich lang dauert, dem Weltganzen ein Feedback geben, das das Ganze bereichert.

Vielleicht rührt ein Teil unserer Trauer davon her, dass wir zwar bemerken, dass uns etwas gesagt wird, wir aber nicht verstehen, was es ist. Der polnische Biophysiker Prof. Slawinsky hat kürzlich am Schluss eines Vortrags über die Informationsvorgänge bei sterbenden Zellen das Bild gebraucht, mit unseren wissenschaftlichen Messmethoden könnten wir inzwischen das Klappern der Schreibmaschine hören, aber den Text könnten wir nicht lesen.

Mein gegenwärtiges Lebensgefühl wehrt sich ein wenig dagegen, bei jeder "Beschädigung" in der Natur gleich die armen Naturgeister zu bedauern und immer nur an "Heilung" zu denken. Ich könnte mir vorstellen, dass solche Orte wie der gewaltige Windbruch auch zur Versenkung über den Tod und das Danach bzw. das Weiter (oder das ewig Seiende?) einladen können. Vielleicht ist das der Dialog, den der Geist der Natur an so einem Ort mit uns führen möchte?

Herzlich, Johannes Heimrath

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am 23.10.2000 schrieb Konstantin Messmer:

Lieber Johannes Heimrath,
ich danke herzlich für die Antwort. Die Erklärung kommt meinem eigenen Empfinden sehr nahe. Ich habe inzwischen herausgefunden, dass in meinem Innern eine unausgelebte Traurigkeit vorhanden war aufgrund einer bestimmten Konstellation in meiner Herkunftsfamilie, da ist offenbar eine Resonanz aufgetreten, und vielleicht hat sie mir geholfen, diese Vergangenheit ans Tageslicht zu bringen.
Ich habe auch nicht den Eindruck, dass wir die Naturwesen bedauern müssen, sondern einfach nur aufmerksam darauf sein, ob sie uns etwas mitteilen möchten. Ich habe es in Nachhinein als Aufforderung verstanden, an meiner eigenen Traurigkeit zu arbeiten. Heilung findet ja zuerst innen statt.

Gruß Konstantin Meßmer

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am 04.07.2003 schrieb Lhatara:

Heute morgen hab ich mal der Reihe nach die Themen hier angeklickt und bei der Trauer hat es "gefunkt". Denn seit gestern nehme ich Traurigkeit wahr und auch ein Gefühl des Verlassenseins und Erschöpfung. Mir fielen einige Gedanken zur Trauer ein, die ich vor längerer Zeit mal gelesen hatte. In einem Brief oder in einem anderen Forum ? Hab`s vergessen. Danke, dass ich mich durch die obigen Beiträge wieder erinnern konnte.

Alles Liebe
von
Lhatara

* * *

Trauer ist die TIEFSTE Spirituelle ERfahrung in Manifestation und es gilt, die TIEFE in der Trauer zu sehen.

Die Trauer zeigt, dass Formen zurückgezogen werden und dadurch RAUM für Neues geschaffen wird. Das ist sehr effektiv und wir können uns (eigentlich) über die Tiefe freuen.

So wächst am schnellsten etwas Neues ! Aber nicht Habgierig sein, sondern SCHWEIGEN im Abstrakten Sinne. Sprich die Trauer vollständig empfangen und diesem Empfinden nicht ausweichen. Sich in der Trauer einfach auf Freude ausrichten ...

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am 04.07.2003 schrieb Konstantin Meßmer:

Liebe Lhatara,
schön, dass es nach über zweieinhalb Jahren eine Resonanz gibt im Forum. Ich habe viel erlebt und in mir verwandelt seither. Traurigkeit ist das Gefühl, welches spürbar wird, bevor eine Energieblockade sich lösen will. Die Energieblockade entsteht immer durch einen Schmerz oder einen Verlust. Indem die Traurigkeit akzeptiert und ausgedrückt wird, kann sich die durch den Schmerz hervorgerufene Blockade lösen. Deshalb ist Sich ausweinen die beste, unmittelbarste Konfliktbewältigung. Trauer hat immer etwas mit dir und deinem Leben zu tun. Du brauchst dich nicht in der Trauer auf die Freude auszurichten. Spüre ganz und innig die Traurigkeit. Die Freude kommt von ganz alleine, wenn du den Schmerz angenommen hast, der hinter der Trauer steht. Manchmal ist es schwer und dauert lange.
Konstantin

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am 08.07.2003 schrieb Peter H. Burger:

Hallo,

als Lothar durchgezogen war und ich Bäume sah, die in etwa zwei Meter Höhe abgedreht wurden, da war für mich der Schmerz der Bäume deutlich wahrnehmbar. Nun Jahre danach hat die Natur, die grössten Verletzungen selber geheilt. Aber es gibt noch Flächen, wo es unerlöste Schmerzstellen gibt und wen es dort hinführt, der hat was mit dieser Ortsenergie gemein.
Wie die Natur sich selber heilt, kann man sehr deutlich in den Südvogesen erleben. Entlang der Route de Cretes (Versorgungsstrasse im 1. Weltkrieg und heute Panoramastrasse), wo jeder Quadratmeter durch Bomben und Krater verletzt und mit Blut befleckt wurde, wachsen jeden Sommer Millionen von Berg-Wohlverleih (Arnika).
Die Natur heilt ihre Narben selber und oft hatte ich das Gefühl, dass die Wanderer, die heute durch dieses Blütenmeer ziehen, wiederinkarnierte Gefallene des 1. Weltkriegs sind. Sie kehren an die alten Stätten zurück und suchen dort ihre Heilung.
Aber das sind natürlich nur persönliche Wahrnehmungen. Doch habe ich vor etwa 10 Jahren dort eine Blütenenergie der Arnika hergestellt und viele Menschen, die diese Blütenenergie (ähnlich der Bachblüten) intuitiv wählten, mussten Narben von inneren seelischen Kriegen ausheilen. Zwei Frauen erzählten mir zudem, dass sie in Rückführungssitzungen erfahren hatten, dass sie in französischen Schützengräben gefallen waren.
Meine persönlichen Erfahrungen zeigen, dass jeder Ort seine eigene Energie hat und genau die Menschen anzieht, die damit was zu tun haben.
Auch Reisen zu besonderen Orten sind meist nochmal eine Rückkehr zu Plätzen mit tieferer seelischer Bedeutung (Plätzen früherer Leben).

Manches wird uns bewusst, vieles leben wir total unbewusst aus. Aber es hat immer seinen tieferen Sinn!

Herzlichst
Peter H. Burger

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am 30.08.2004 schrieb Angelika Linhardt:

Hallo Konstantin,
mir ist ganz klar, was Du hier spürst. Es sind die Seelen der ohne Vorwarnung gefällten Bäume. Mir ist persönlich etwas ähnliches passiert. Mein Mann ließ 8 Bäume in unserem Waldstück fällen, obwohl wir sie nur kappen wollten. Ich wurde vor Schmerz fast wahnsinnig. Heute weiß ich, daß ich die Todesschmerzen der Baumseelen spürte. Dies war auch der Beginn meiner intensiven Spürigkeit, die ich heute beruflich im Feng Shui (Beratung und Geomantie-Erdheilung) zum WOhle der Menschen nutze. Viele Grüße Angelika

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am 08.02.2005 schrieb astro:

Freunde, wir sollten endlich Abschied nehmen von der Vorstellung, dass "die Natur", "Gott" oder das Leben schlechthin nur "gut" seien. An dieser Vorstellung des zu Ende gegangenen Neptun-Zeitalters ist die Menschheit die letzten 2000 Jahre immer wieder gescheitert und droht heute gänzlich zu scheitern. Unsere Mutter Erde ist der Planet der Polarität. Es gibt nicht nur Yang, sondern auch Yin, nicht nur Licht, sondern auch Schatten. Es wird höchste Zeit, dass wir die Schatten annehmen. Die Teufel, die wir aus der Tür weisen, kommen durch die Hintertür zurück- und dann sind sie wirklich böse.

Nicht zuletzt durch meine Kontakte zu Naturgeistern habe ich gelernt, dass gut und böse menschliche Wertungen sind, die der Natur fremd sind. Die Natur ist einfach Natur, weder gut noch böse, sondern einfach die, die sie ist. Sie funktioniert nach ihren Gesetzmäßigkeiten, ob uns das nun passt oder nicht. Hüten wir uns also davor, nur "das Gute" (Yang) zu suchen und tun zu wollen. Je mehr wir dies tun, desto mehr ziehen wir den Gegenpol (Yin) an; denn alles auf Erden strebt nach Ausgleich. Und: "Wahrlich keiner ist weise, der nicht das Dunkel kennt." (H. Hesse). Man kann auch im Licht gefangen sein; das ist lt. Sananda vielleicht die schlimmste Falle.

Zum Schluss noch ein Gedicht von mir zu dem Thema:


Yin und Yang


So lange
wir
in Kategorien
von
gut und böse
schwarz und weiß
Gott und Teufel
denken
fühlen
und handeln
so lange
werden wir
Kreuzzüge führen
töten im Namen Gottes
täuschen und enttäuscht werden
Täter und Opfer sein

Erst
wenn wir
unsere dunkle Seite
annehmen
Abschied nehmen
von Idealen
unsere Begrenztheit
erkennen
den Tod
das Leid
das Altern
nicht mehr
verdrängen
werden wir
ganz
und kommen
als Menschen
einen Schritt
weiter






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am 19.03.2006 schrieb Wolfgang Körner:

Die Aufforderung gut und böse hinter sich zu lassen, ist wohl schön und richtig. Nehmen wir einmal an, wir hätten das auch mit allen Konsequenzen getan.

Es taucht dann zuerst eine große Leere auf. Wir überwinden auch die Angst vor diesem unbekannten Zustand. Wir bemerken, dass wir hier nur bestehen können, wenn wir die bedingungslose Liebe in uns sich ausbreiten lassen.

Eine tiefe Achtung gegenüber beiden Seiten wird sich in uns ausbreiten. Vür allem gegenüber dem "Bösen". Stellt euch mal vor für was für einen undankbaren Job die sich bereit erklärt haben! Die dualen Menschen zur Erkenntnis zu bringen, sie in alle Tiefen zu stürzen - un das alles nur, damit sie das GANZE erkennen. Direkt könnte man Mitgefühl mit dem Bösen entwickeln. Wobei gleichzeitig völlig klar ist, dass die "Handlungsanweisungen", die sie uns einprägen wollen, überhaupt keine Chance haben über uns verwirklicht zu werden. Egal ob sie uns mit ihrem speziellen "Licht" blenden wollen oder an unsere unbewussten Wünsche sich ankoppeln.

Als Geomant sollte man nicht mit einem, sondern mit beiden Füßen in Ganzheit stehen.

So long
Wolfgang




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