Über das Müssen
in Ethik geomantischer Arbeit
am 02.12.2000 schrieb Johannes Heimrath:
Liebe ForumsfreundInnen,
nachdem nun doch einige Zeit verstrichen ist, in der eine scheinbare Ruhe um die uns bewegenden Fragen zu beobachten war, möchte ich an einer Frage weiter arbeiten, die uns vermutlich alle bewegt:
"Warum tun wir, was wir tun?"
Damit das nicht ganz so trivial klingt: Ich habe nochmal die vielen langen und gewichtigen Beiträge speziell in diesem Forum "Ethik geomantischer Arbeit" gelesen (ich hoffe jeder weiß, dass man ein Thema zum bequemen Lesen z.B. ganz ausdrucken kann, wenn alle Beiträge ausgeklappt sind). Dabei kommt immer wieder die Formulierung vor, das und das "müssen wir tun", "muss man so sehen", abgewandelt "dürfen wir tun" etc. Ist der Grund unseres (geomantischen) Handelns ein Müssen? Oder ein Dürfen? Wer beauftragt uns? Wer erlaubt uns da etwas?
Als Einstieg könnte mein Beitrag !msg-geo3a28abbac2614-! (Nr. 40 in "Pyramiden in Deutschland") dienen.
Herzlich, Johannes Heimrath
am 04.12.2000 schrieb Stefan Brönnle:
Lieber Johannes,
schön Dich mal wieder in "Deinem" Forum zu sehen!
In Ersatz der Beantwortung Deines neuen Beitrages bei den "Pyramiden" zu nächst hier ein paar Worte:
Ich meine, du hast nur meine damals geäußerten Gedanken noch weiter gebracht und etwas philosophischer diskutiert. Wie Du richtig schreibst, müßte es nicht heißen "Wer gestalten will, muß werten", sondern richtiger: "Ich gestalte und werte".
Deine Überlegungen an dieser Stelle entsprechen den beiden Grundauffassungen fernöstlicher Philosophie und Mystik: Dem Wu Wei (Daoismus), dem "Nicht tun" (und dadurch das Gemäße tun) und dem ´47. Spruch aus der Bhagavadgita: "Nur um Taten bemühe dich, niemals um (deren) Ergebnisse; nie sei der Lohn einer Tat für Dich Ursache (des Handelns)! Du sollst nicht am Nicht-Tun haften! Gottes gedenkend, tu die Taten.....".
Tun und Nicht Tun, Müssen und nicht Müssen sind natürlich in letzter Konsequenz als polare Kräfte zeitgleich da. Nur leider nur in jenem Zustand in dem alle Polarität gleichzeitig da ist! Damit wird das Müssen zum Können.
Interressanterweise leitet sich unser Wort "Müssen" ethymologisch vom althochdeutschen MOT her, was ein Prät.-Präs. darstellt und ursprünglich "ich kann, finde die Möglichkeit" bedeutete!
Im Sinne unserer Raum-Zeit-Qualität "muß" ich also handeln (wie Du auch bei den "Pyramiden" geschrieben hast), da ich durch meine bloße Existenz bereits gestaltend wirke und damit handle. Im Sinne einer höheren Einheit der Dinge, ist aber diese Existenz frei gewählt und damit ein "Kann" --- eben "MOT".
am 08.12.2000 schrieb Johannes Heimrath:
Lieber Stefan,
seit ich hier oben in Vorpommern lebe, höre ich fast täglich den Spruch: "wat mut dat mut". Das ist natürlich eine etwas "platt" gesagte Wahrheit, die auch noch etymologisch ihre Wurzeln dort hat, wo du sie für "dat mot" herleitest.
Danke für deine schönen Worte. Wie machen wir da weiter? Sind nur noch Musik, Malerei, Träume ... Medien, in denen sich der Gedankenstrom zutreffend ausdrücken kann?
Das würde uns (zumindest mich) befriedigen, aber zugleich in eine recht insuläre Position befördern. Und da wollen wir ja nicht hin. Wir wollen ja zu mehr Relevanz, zu mehr Wirksamkeit, zu mehr Effektivität in unseren Beiträgen zur Sanierung unserer Beziehung zur Welt gelangen. Da "mut/mot" es doch Wege geben, jenseits der Polarität (transpolar) Inhalte zu vermitteln, die Grrundlage der von uns gesuchten Ethik sein können. (Wahrscheinlich suchen wir ja gar nicht die neue Ethik, sondern wir ringen um einen angemessenen Ausdruck dafür).
Oder nicht?
Liebe Grüße, Johannes
am 18.12.2000 schrieb Josef VOLSA:
Servus Johannes, Servus Stefan!
Dieses "tun müssen" ist etwas, das mich auch schon lange Zeit bewegt. Ich möchte diese Fragestellung daher noch um eine weitere Dimension erweitern. Um das "tun dürfen". Ich habe inzwischen viele Beispiele dafür, dass nicht alles, was man tun kann, auch tun darf und nicht alles, was man tun darf auch tun muss.
Ich denke, dass dies eine Frage der Verantwortung für sein Handeln ist und wie man mit dieser Verantwortung umgeht.
In der Hoffnung nun etwas Schwung in die Diskussion gebracht zu haben
Viele Grüße aus Wien
Josef VOSLA http://www.volsa.com
am 21.09.2001 schrieb Sina:
Hallo!
Wie ich sehe, fand diese Diskussion vor fast einem Jahr statt, aber vielleicht wird mein Beitrag doch noch gelesen oder wird als noch aktuell oder sogar als Denkanstoss angesehen...
Ich möchte mich nur kurz dazu äußern, denn ich finde dieses Thema auch sehr interessant.
Ich finde, wir sollten das Wort "müssen" sowieso aus unserem Wortschatz streichen. Jedenfalls in dem Sinne, in dem wir es heutzutage gebrauchen: nämlich als ein Wort, daß Zwang ausübt. Das ist jetzt eine subjektive Bewertung, aber man kann es selber auch mal ausprobieren:
Versucht mal das Wort "müssen" eine Woche lang aus eurem Wortschatz zu streichen. Insbesonders dann, wenn ihr euch etwas vornehmt. Also alle Sätze, die mit "Ich muss heute das und das tun..." anfangen. Und dann versucht einmal zu erspüren, wie ihr euch fühlt, wenn kein "muss" vorhanden ist. Ich finde, hinter einem "muss" steht immer ein Zwang. Sei es von mir selbst auferlegt, weil ich weiss, dass ich heute oder sonst irgendwann etwas zu tun habe oder von anderen, die etwas von mir erwarten. Es ist also immer eine Erwartungshaltung da und damit ist auch Druck da. Die Frage ist, wollen wir mit diesem Druck leben? Dieser Druck aber, meine ich, macht uns passiv. Wir sollten also auch einmal versuchen das "ich muss" durch "ich will" oder "ich mache jetzt das und das." zu ersetzen und wieder herausfinden wie wir uns dabei fühlen. Meine Erfahrung hat gezeigt, dass ich mich wirklich freier fühle, wenn ich das "müssen" weglasse und nicht sage "ich muss heute einkaufen gehen, weil ich nichts mehr zu essen im Haus habe", sondern "ich gehe" oder "ich will gehen". Das wirkt besonders gut bei Verpflichtungen. Wir wissen, wir haben es zu machen und haben vielleicht keine Lust und trotzdem sagen wir mal "ich mache es heute." Wenn ich mich bewußt für etwas entscheide, fühle ich mich viel freier.
Damit beziehe ich mich jetzt auf den Wortgebrauch "müssen" im praktischen Alltag und lasse die Version "dürfen" außen vor.
Vielleicht liest ja noch jemand diesen Beitrag und diskutiert mit mir weiter. Ich würde mich freuen!
Sina.
am 23.09.2001 schrieb Stefan Brönnle:
Ein wunderbarer Beitrag!
Ich habe ebenfalls die Erfahrung gemacht, dass das was und wie wir Denken unsere Art der Wahrnehmung und damit unsere Wirklichkeit bestimmt. Gerade in dieser Zeit der Spannung, in der die Politiker sich gegenseitig in Sachzwänge setzen und nur noch Reagierende sind, bzw so erscheinen wollen, ist die Erkenntnis der persönlichen Freiheit im Handeln und Denken ein wesentlicher Erlösungsimpuls.
Danke für diese "meditative Übung", die ich geradezu für ein "MUSS" in unserer Zeit halte.
Stefan Brönnle
am 21.06.2002 schrieb Lhatara:
Zitat :
>>> Dabei kommt immer wieder die Formulierung vor, das und das "müssen wir tun", "muss man so sehen", abgewandelt "dürfen wir tun" etc. Ist der Grund unseres (geomantischen) Handelns ein Müssen? Oder ein Dürfen? Wer beauftragt uns? Wer erlaubt uns da etwas? <<<
Ha !
Heute morgen ist mir sehr nach * wir dürfen * !
Ich sehe alles ein großes Geschenk an !
Sogar das folgende dürfen wir freudig tun !
Das Gelöbnis /die Anrufung
âIch tue meine Pflicht mit fester Entschlossenheit und mit ernstem Streben.
Ich schaue nach oben, ich helfe nach unten;
ich träume nicht und raste nicht.
Ich mühe mich ab; ich diene; ich ernte; ich bete.
Ich bin das Kreuz, ich bin der Weg.
Ich achte mein Werk für nichts;
ich erhebe mich über mein überwundenes, niederes Selbst.
Ich töte meine Wünsche, ich kämpfe und ringe
und suche keinen Lohn.
Ich verzichte auf Frieden.
Ich entsage der Ruhe und unter der Wucht von
Schmerz und Leid verliere ich mich und finde
mein Selbst und gehe ein in den Frieden.
All das gelobe ich feierlich unter Anrufung meines Höheren Selbstes.â
(aus âEine Abhandlung über die sieben Strahlenâ von Alice A.Bailey, Seite 156)
Alles, alles Liebe
Lhatara
am 25.09.2002 schrieb Peter H. Burger:
Dieses "tun müssen" ist etwas, das mich auch schon lange Zeit bewegt. Ich möchte diese Fragestellung daher noch um eine weitere Dimension erweitern. Um das "tun dürfen". Ich habe inzwischen viele Beispiele dafür, dass nicht alles, was man tun kann, auch tun darf und nicht alles, was man tun darf auch tun muss.
Hallo allerseits,
"müssen" tun wir garnichts, sondern reagieren aus uns und handeln, weil es uns treibt so zu handeln, anstatt es zu lassen.
Das Eingreifen in die Welt ist ein biologischer Motor, dem sich keiner ganz entziehen kann. Aber wer lernt zuzuschauen und das Handeln zu lassen erfährt eine neue Dimension der Erkenntnis.
Ein einfaches Beispiel:
Als Rutengänger kann ich versuchen das energetische Leid einer Person oder Familie zu verändern oder dies lassen. Indem ich meine Mutung, meine Wahrnehmung mitteile, aber jede weitere Handlung lasse, greife ich nicht in ein Leid ein sondern respektiere den Weg des Anderen, so wie er ist.
Meine Mutung ist somit ein Impuls der zu Wandlung führen kann, wenn der Andere soweit ist.
Aber ich greife nicht ein, sondern biete nur eine Erfahrung an und habe Geduld mit dem Geschehen das wir Schicksal nennen.
Eine gute Zeit wünscht
Peter H. Burger
http://www.peterburger.de
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