"Ein Act des inneren Gemüths"

in Allgemeines

am 24.01.2005 schrieb Groepler-Roeser:

In der neuen Ausgabe des Spiegels fand sich der folgende Artikel:
(http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,328008,00.html)

"GEFÜHLTE WIRKLICHKEIT
Lebt die Menschheit in der Matrix?
Von Markus Becker"

Becker berichtet über einen gewagten Schluss eines wahrscheinlich risikobereiten Konsortiums von Wissenschaftlern, bestehend aus Astrophysikern, Philosophen und Computerwissenschaftlern.

Hiernach könnte die Menschheit eine beliebig geschöpfte Simulation sein. Zumindest messen einiger der Kollegen der Simulationswahrscheinlichkeit ímmerhin 20% zu.

Das ist aber nur die Spitze des Eisberges:

"Robin Hanson, Wirtschaftsprofessor an der George Mason University im US-Staat Virginia, postulierte im "Journal of Evolution and Technology" gar Regeln, um den Schöpfern der Simulation zu gefallen. Sein erlösendes Rezept: Weniger auf andere achten, mehr für das Jetzt leben, sich stärker an wichtigen Entwicklungen beteiligen, unterhaltsamer sein - und die vielen berühmten Menschen um einen herum glücklich machen. Wer gut genug ist, glaubt Hanson, werde nach dem Ende seiner Computerexistenz vielleicht nicht gelöscht, sondern in eine andere Simulation oder gar in die reale Welt der Programmierer kopiert.

Astrophysiker Davies glaubt, solche Ratschläge solle sich die Menschheit zu Herzen nehmen. Denn zu viel des Nachbohrens führe womöglich zu einem bösen Ende. "Jetzt, da die Programmierer wissen, dass wir ihnen auf der Spur sind, ist das Spiel aus", argwöhnt der Forscher. "Sie könnten ihr Interesse verlieren und die Delete -Taste drücken."

Die Frage, die sich an dieser Stelle eröffnet, wäre die Frage nach den Folgen einer solchen Theorie!

Gelten die von den Menschen im Laufe der Jahrtausende geschaffenen Instrumente zu einem friedlichen Miteinander, dem Streben nach dem freien Willen als fremdinitiierte Mechanismen, die uns jederzeit entzogen werden können?

In einer jüngeren wissenschaftlichen Darstellung von Gehirnwissenschaftlern wird demgemäß sogar wiederholt vom freien Willen als Illusion gesprochen, der - wenn er auch sehr wichtig als Ziel sei -, so dennoch nicht erreichbar oder gar feststellbar sei!

Was für ein Graus.

Abgesehen von der These, daß wir nicht "tun, was wir wollen", sondern "wollen, was wir tun", welche letztenendes nicht einmal eine These wäre, wenn die Voraussetzung - der Wille - in eine andere betrachterliche Priorität (Die ICH-Perspektive scheint wohl angemessen, wenn es um den Willen geht)gesetzt würde, wage ich ernsthaft zu bezweifeln, daß den erkennenden Wissenschaftlern am Individuum gelegen war.

Die "anerkannte" oder vereinbarte Interpretation der modernen neurologischen Forschungsergebnisse läßt unweigerlichen Schluß zu, das Macht und Herrschaft sich in einer Art negativen Renaissance, die der scheinbaren Wiederbelebung von Demokratie nur Zentralistisches abgewinnen möchte.

Vermittels präventiven Gehorsams infolge sogenannter relevanter Erkenntnisse wird uns Menschen regelrecht der freie Wille ausgeredet und damit ist er juristisch sogar angreifbar, selbst wenn er nicht einmal nach den Prinzipien einer austeilenden Gerechtigkeit anderen Menschen Schaden zufügen würde oder sogar nicht hat.

Denn er ist ein "Act des inneren Gemüths", stellt Kant 1797 fest und legt damit eine wesentliche Grundlage der "freien Willensbildung". Das Heer der Sprachwissenschaftler nimmt s nun vielleicht zu genau, indem die Bildung des Willens wohl allein frei und damit getreu logischen Denkprinzipien er [der Wille] selbst es nicht sein solle. Ein Postulat?

Wie das neben den zunehmenderen Sanktionen gegen die Schulpflichtverletzung auch neojuristisch aussieht, kann man hieran leicht feststellen:

http://www.mdr.de/mdr-info/urteile/743217.html

Das cogito ergo sum wird nurmehr zu einem abgehobenen Zustand derer, die das Denken und die Bildung bis hin zu einer würdigen ICH-Entwicklung gepachtet haben wollen.

Ich bin schwer geneigt, die Matrix-Hypothese anzunehmen, nur frage ich mich gelegentlich, ob die Programmierer wirklich so extern arbeiten?!

Möglicherweise betrifft das nicht unbedingt die hier gemeinten Diskussionen zur Weltenwirklichkeit, aber ich denke, daß der Begriff "meiner Umgebung" nicht soweit vom Heute und Jetzt entfernt sein kann. Das "Früher" ist ein sehr relatives Format, welches in der kosmischen Geschwindigkeit von Null bis Unendlich tolerieren kann.

Leider verbinden wir heutzutage damit zu häufig und obendrein gesellschaftlich normiert und legitimiert überkommene Werte, statt im Sinne einer kosmischen Ewigkeit - dessen, was ich einmal tat -!

Groepler-Roeser

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