Buchbesprechung
Das Lachen der Geister
Meine Reise zu Schamanen - Magie und Rituale am Amazonas
Die Künstlerin Nana Nauwald arbeitete viele Jahre mit der Anthropologin Felicitas Goodman, die über die rituellen Körperhaltungen indigener Völker und deren tranceinduzierende Wirkung forschte. Sie reiste in viele Länder, um schamanische Kulturen zu erforschen, inbesondere an den Amazonas. „Das Lachen der Geister“ erzählt von ihren Reisen in entlegene Dörfer im peruanischen Dschungel. Das liest sich so spannend wie ein Krimi und gibt zugleich tiefe Einsichten in die Schamanenkultur am Amzonas. Nana Nauwald hat Freundschaft mit einem alten Schamanen, seinen Schülern und deren Familien geschlossen, und diese Menschen merken bald, dass sie mehr erfahren möchte, als eine „Ayahuasca-Touristin auf einem exotischen Selbsterkenntnis-Trip“, und so lassen sich alle Beteiligten auf ein gemeinsames Abenteuer des Lernens, Liebens, Heilens und der Erkenntnis ein.
Nana Nauwald hat für sich einen Kanal zu der jahrtausendealten Tradition der Schamanenkultur am peruanischen Amazonas geöffnet, so dass ihr dessen Pflanzen- und Tiergeister in der gleichen Gestalt begegnen wie den indigenen Heilerinnen und Heilern. Das wird bereits am Anfang des Buchs deutlich, als sie sich dem Trance-Zustand ihres Schamanen-Begleiters anschließt und dabei in eine gefährliche Situation gerät. Auch ohne, dass sie ihm von ihrer Vision erzählt, weiß ihr Begleiter, was sie gesehen hat.
Es sind geistige Naturgewalten, die Nana Nauwald als Wanderin zwischen den Welten hier begegnen, sie gerät mehrmals an die Grenzen ihrer Existenz. Sie erlebt, dass auch „Schamanen nur Menschen sind“ und keine Heilige, erfährt sich Eifersucht und geistigen Angriffen ausgesetzt. Vor allem aber erfährt sie bedingungslose Freundschaft und Solidarität. Die Herzlichkeit ihrer amazonischen Freunde strahlt von allen Seiten des Buchs und bewirkt, dass man beim Lesen trotz der Ausflüge in ferne Geisterwelten immer die Bodenhaftung behält. Dazu trägt auch die „aufgeklärte“ Geisteshaltung von Nana Nauwalds Lehrern bei, wie sie in Zitaten wie diesem deutlich werden: „Ich wünsche dir, dass du bei einem anderen Schamanen erfährst, dass alles Lebendige einen Geist hat, dass man diesen Geist auch sehen, hören oder fühlen kann, dass du dich mit ihm verbinden kannst, dass er dir helfen oder schaden kann. Wenn du das auf unterschiedliche Weise erfährst, dann brauchst du niemandem mehr zu glauben, dann hast du die Wirklichkeit erfahren, dann weißt du sie.“
Nana Nauwald ist leidenschaftlich um dieses „Wissen“ bemüht, das ihr erlaubt, die Ebenen ihrer Wahrnehmung wirklich unterscheiden zu lernen. Für diese Unterscheidungskraft Worte zu finden, ist nicht leicht – in Europa ist uns die Sprache dafür abhanden gekommen. Das Buch ermutigt, dass wir für all unsere Wahrnehmungen wieder eine lebendige Sprache finden können, und dass jede und jeder hier einen ganz eigenen Weg finden kann.
Edition Sphinx, Hugendubel, München 2008, 352 Seiten, 19,95 Euro
ISBN: 978-3-7205-9006-8
