Buchbesprechung

Die Kraft der Verbundenheit

Plädoyer für ein heilsames, neues Körperbewusstsein

von Beatrix Pfleiderer

Buchbesprechung von Jutta Gruber

„Plädoyer für ein heilsames, neues Körperbewusstsein“ ist der Untertitel von Beatrix Pfleiderers neuem Buch „Die Kraft der Verbundenheit“. Mit diesem Körperbewusstsein meint sie eine „erdverbundene Körperintelligenz“, die unserer westlichen Kultur weitgehend verlorengegangen ist. Der Allgemeinplatz über das, was unsere Kultur alles verloren hat, ist schnell dahingesagt, aber nur wenigen Autorinnen gelingt es, hier in die Tiefe zu gehen, das Wesen dieses Verlusts in all seinen Dimensionen zu beschreiben und zugleich einen wirklich nachhaltigen Weg zur Heilung aufzuzeigen. Beatrix Pfleiderer ist eine der Pionierinnen auf dem Gebiet der Medizinanthropologie in Deutschland. Ihrer langjährigen Tätigkeit im Rahmen ihrer Professur an der Universität Hamburg während der 80er- und 90er-Jahre ist es im Wesentlichen zu verdanken, dass Krankheit heute in der Wissenschaft nicht mehr nur als objektiv zu bewertender Zustand gilt, sondern als ein kulturelles Phänomen: Die Kultur bestimmt nahezu unerkennbar, aber unumgänglich, wie wir unseren eigenen Körper erleben und welche Krankheiten wir daraus entwickeln. Beatrix Pfleiderers anthropologische Feldforschungen in Indien, Afrika und Europa führten sie schließlich zu einer Zeit der „inneren Feldforschung“: Sie absolvierte eine Ausbildung bei Stan Grof in Holotropem Atmen, machte nachdrückliche Erfahrungen mit den Naturkräften der Vulkan­insel Hawaii, wo sie eine Lehrfarm für Permakultur aufbaute und eine therapeutische Arbeit mit Gefangenen begann.
Auf diesem Weg entstand ihre Methode zur Selbsterfahrung und Selbstheilung – der „TARA-Process“ – und eine Reihe von Texten, die das vorliegende Buch zusammenfasst. Man wird beim Lesen zur Begleiterin oder zum Begleiter von Beatrix Pfleiderers inneren und äußeren Reisen. Der Leser wandert mit ihr zu indischen Tempeln, schwimmt mit ihr im Pazifischen Ozean zwischen Delfinen, vertieft sich in den Anblick der brodelnden Lava auf der Vulkaninsel Hawaii oder ringt mit ihr gemeinsam in therapeutischen Situationen, sei es im Gefängnis oder in Einzelsitzungen mit andersweitig „gefangenen“ Klientinnen und Klienten um Zugang zu dem verwundeten Ort, an dem der Körper seine Verbindung zur Erde verloren hat. Beatrix Pfleiderer spricht vom „Erdbewusstsein“, von einer tiefenökologischen Dimension der Psychotherapie, von der verlorenen Kultur der Göttin und von der Feld-Dimension des Körpers, deren Leugnung die Verbundenheit mit allem, was ist, ebenso unterbricht wie das herrschende Patriarchat. So wird nach wenigen Seiten des Buchs bereits deutlich, dass es hier nicht etwa um das Hochjubeln einer neuen Therapiemethode geht und auch nicht um den neuesten Trick zum persönlichen Glücklichsein. Beatrix Pfleiderers Blick umfasst immer die ganze Kultur. Das mit farbigen Fotografien stimmungsvoll ausgestattete Buch kann alle bestärken, die ahnen, dass die Erfahrung des In-Beziehung-Seins mit sich selbst und allem, was ist, die wesentliche Voraussetzung für einen persönlichen wie auch dem gesamten kulturellen Heilungsprozess ist.

Drachen Verlag, Klein Jasedow 2009, 136 Seiten, 22,50 Euro

ISBN: ISBN 978-3927369-38-2

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