Buchbesprechung

Feng Shui: Die Struktur der Welt

Geschichte, Philosophie und Konzepte der chinesischen Raumpsychologie

von Manfred Kubny

Buchbesprechung von Marianne Rattay

Als Ende der 80er-Jahre Feng Shui über Amerika und Hongkong nach Europa kam, wurde es zunächst als eine weitere Methode zur Lebensverbesserung pragmatisch aufgenommen und verwertet. Es war eines unter vielen Lebenshilfe-Konzepten, wurde gelehrt und angewendet, aber kaum einer machte sich ernsthaft Gedanken darüber, woher dieses Wissen kam, geschweige denn über seinen kulturhistorischen Hintergrund. In den wie Pilze aus dem Boden schießenden populären Büchern, deren Autoren fleißig voneinander abschrieben, wurde zwar in der Einleitung immer etwas von uralter chinesischer Tradition erzählt, die wahren Zusammenhänge blieben aber meist im Dunkeln.
Das änderte sich ein wenig um die Jahrtausendwende, als immer mehr asiatische Meister nach Europa kamen, um Kurse über „klassisches“ oder „traditionelles Feng Shui“ anzubieten. Das Wissen wurde entsprechend vertiefter und professioneller, jedoch wurden fast nur die Formeln und Rezepte vermittelt, die Ursprünge und geschichtlichen Zusammenhänge waren in der Regel weiterhin nicht von großer Bedeutung. Eine wissenschaftlich fundierte Auseinandersetzung fehlte; insbesondere für die deutschen Sinologen war und ist das Thema Feng Shui, im Gegensatz zum Yijing, zu sehr mit dem Geruch der Esoterik behaftet. Dieses Defizit wird nun von Manfred Kubny beseitigt, dem es mit dem ersten deutschsprachigen wissenschaftlichen Werk zum Feng Shui gelingt, Historie, Philosophie und auch die Widersprüche der chinesischen Denkweise über die Struktur der Welt in der Landschaft und im Raum eindringlich zu schildern. Er belegt seine Darstellungen anhand von Übersetzungen aus den Originaltexten der verschiedenen Zeitalter und Epochen. So ist dieses Buch ein Meilenstein auf dem Weg, der uns dazu führen kann, den Beruf des Feng-Shui-Beraters professioneller zu etablieren.
Manfred Kubny beschreibt die chinesische Denkweise in großer Tiefe und räumt gewaltig mit einigen Mythen auf, die seit Jahren in der Szene herumgeistern. Besonders interessant ist, dass die Chinesen scheinbar unvereinbare Lehren nebeneinander stehen lassen, da es nicht ihrer Tradition entspricht, eine Theorie durch eine neuere abzulösen, wie dies in den westlichen Wissenschaften üblich ist. Dieser Umstand verlangt von den westlichen Feng-Shui-Beratern ein noch intensiveres Studium, um damit der Essenz des Ganzen gerecht zu werden.
Ich halte das Buch für eine wichtige Forschungsarbeit. Sicherlich kann man bei manchen Schlussfolgerungen anderer Meinung sein, aber Kubnys neues Buch ist ein „Must Have“ für alle, die sich ernsthaft mit dem Thema beschäftigen oder es noch wollen. Ich hoffe, dass weitere Feng-Shui-Bücher in dieser Richtung folgen mögen.

Drachen Verlag, Klein Jasedow 2008, 44 Seiten, 34,90 Euro

ISBN: ISBN 978-3927369-34-4

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