Geopunkturkreise

Ankerpunkte für eine neue Kulturbildung, Teil 8: Fokuspunkt des Friedens in Ljubljana

von Marko Pogačnik erschienen in Hagia Chora 3435/2010

Der neue Geopunkturkreis in Slowenien steht mitten in einem Einkaufszentrum, einem ­Tempel der Konsumkultur, der die Beziehung zur Natur unseres Planeten abhandengekommen ist. Das Projekt sorgte für öffentliche Diskussionen und ist heute Treffpunkt für Friedensmeditationen.

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Die geomantisch inspirierte Künstlergruppe VITAAA hat in Ljubljana, der Hauptstadt Sloweniens, im vergangenen Jahr einen neuen Geopunkturkreis errichtet. Er steht mitten im größten Einkaufzentrum der Stadt, dem „BTC City“. Der Kreis bildet ein doppeltes Oval von 14 Megalithen. Sie wurden mit 29 eingemeißelten Kosmogrammen versehen, die den verschiedenen Aspekten des Friedens gewidmet sind. Die Mitglieder von VITAAA, der slowenischen Geomantiegruppe des „Lebensnetzes Geomantie und Wandlung“, haben sie gemeinsam gestaltet.
Mit der Vorstellung dieses Projekts möchte ich auch an die ursprüngliche Inspiration erinnern, die zum mittlerweile weltumspannenden Projekt der Geopunkturkreise führte: Im Jahr 2004 fuhr ich mit Peter Frank zu einem Hagia-Chora-Seminar, und wir sprachen über zukünftige Lithopunkturprojekte. Damals kam mir plötzlich die Idee, dass solche geomantische Arbeit sich ganz ausdrücklich dem Entstehungsprozess des „neuen Raums“ widmen könnte.

Mehrdimensionale Raumstruktur
Der Begriff „neuer Raum“ steht in diesem Zusammenhang für eine Raumstruktur, deren zunehmende Manifestation ich seit rund zehn Jahren beobachte und beschreibe. Ihrer mehrdimensionalen Qualität wegen vermute ich, dass es sich dabei um eine bislang unbekannte Qualität handelt, die nach und nach durch den Prozess der gegenwärtigen Erd- und Klimawandlungen entsteht. Ich begreife dieses Phänomen als das Wirken der selbstheilenden Kräfte der Erde, durch die eine mögliche Zerstörung des Lebens auf dem Planeten womöglich verhindert werden kann.
Auf der Fahrt mit Peter Frank entstand folgende Idee: Durch die Errichtung von Steinkreisen mit entsprechenden Kosmogrammen überall auf der Welt könnten Verankerungspunkte geschaffen werden, durch die sich die Qualität des neuen Raums – bildhaft gesprochen – auf Erden niederlassen kann. Und zwar schon bevor die gesellschaftlichen, politischen und ökonomischen Umstände eine Neustrukturierung des Lebensraums zulassen. Die Verkörperung einer zukunftsorientierten und im neuen Raum angesiedelten Kultur kann meines Erachtens nur stattfinden, wenn wir Menschen aktiv daran mitwirken. In der aktuellen Vorbereitungsphase liegt daher der Schwerpunkt auf der Errichtung eines „Übergangskörpers“ für die neue Raumstruktur und für die begleitenden Visionen einer zukünftigen „Geokultur“ (siehe mein Beitrag auf Seite 38): Meiner Meinung nach wäre ein wichtiger Entwicklungsschritt vollzogen, wenn sich die neuen Visionen durch die sie begleitenden Kräfte und Wesenheiten in Geopunkturkreisen als sichtbare und energetisch wirkende Zellen niederlassen könnten. Der „Fokuspunkt des Friedens“ in Ljubljana ist ein gutes Beispiel dafür.

Friedenskreis im Einkaufzentrum
BTC City ist ein gigantisches Einkaufs- und Vergnügungszentrum am Stadtrand von Ljubljana, so wie es heutzutage Tausende in aller Welt gibt. Zwölf Stunden am Tag ist dort Betrieb. Man kann sich vorstellen, dass durch diese Ansammlung von Menschen, die meist egozentrierte Ziele verfolgen, ein gigantisches Feld von ungeerdeten und hektisch schwingenden Kräften entsteht – eine Herausforderung für das Gleichgewicht der Erde.
Im Herbst 2008 traf ich den Direktor des Einkaufszentrums, um unser Projekt vorzustellen. Ich beschrieb, wie hier aus dem Impuls heraus, einen konzentrierten „Fokuspunkt des Friedens“ zu schaffen, ein Steinkreis mit eingravierten Kosmogrammen entstehen könnte – ein weltweit wirkendes, ausgleichendes Feld. Es wurde mir anschließend ein winziger Platz auf dem großen Gelände und die Übernahme der Kosten angeboten. Auf dem zugewiesenen Platz stehen übrigens die letzten beiden älteren Bäume auf dem Gelände, zwei Tannen.
Nach einigen Wochen traf ich mich mit der Künstlergruppe VITAAA zu einer Meditation. Wir wollten gemeinsam verschiedene Aspekte von Frieden erspüren, die dann durch Kosmogramme fokussiert werden sollten. So entstand eine Liste von Friedensqualitäten, die vom „Frieden als Ursprung des Ursprungs“ bis zum „Frieden unter den Völkern und Nationen“ reichte. Jeder wählte ein Thema und hatte danach drei Monate Zeit, das entsprechende Kosmogramm zu gestalten. Während einer gemeinsamen Werkwoche wurden die Kosmogramme von uns gemeißelt und etwas später aufgestellt.

Konfliktpotenzial
Wie realistisch ist jedoch die Annahme, dass Geopunkturkreise weltweit auf die Erde und unsere Kultur einwirken können? Als kuriose Art der Bestätigung ließe sich eine Kampagne deuten, die sich in Slowenien gegen Geomantie, Geopunktur und vor allem gegen die Kunst der Kosmogramme richtet. Immer wieder wird versucht, geomantische Kunst zu entwerten. Dabei gibt es doch, zumindest in Europa, einen politischen Konsens, dem Schutz der Erde und der Natur Priorität einzuräumen.
Nachdem der „Fokuspunkt des Friedens“ aufgestellt worden war, wurden in einigen slowenischen Medien Kosmogramme allen Ernstes als Verursacher von Krebs und als Vehikel zur Eroberung des Planeten durch eine bösartige außerirdische Zivilisation verdammt.
Kosmogrammen einen negativen Einfluss auf die Gesundheit zu unterstellen, mag verunsichern und einschüchtern. Sehr befremdlich, aber interessant im Zusammenhang mit einer Geopunkturaufstellung als „Fokuspunkt des Friedens“ sind Spekulationen über eine durch sie beförderte kriegerische Eroberung. Mit dieser Beschuldigung tritt das dualistische Mus­ter vom ewigen Kampf zwischen Gut und Böse zutage, ein Bewusstseinsmuster, das dem Bestreben nach wirklichem Frieden entgegenwirkt.
Für mich zeigt sich darin wieder einmal der Geist unserer Epoche, der Geist der Wandlung. Er verlangt, alle veralteten Muster, die im Unterbewusstsein eines Individuums oder unserer Kultur walten, an die Oberfläche zu holen. Die Sichtbarmachung dieser Muster ist die Voraussetzung für die Wandlung.
Das Muster des ewigen Kampfs zwischen Gut und Böse, durch das Friedens­initiativen weltweit immer wieder zunichte gemacht werden, wurde durch den „Fokuspunktes des Friedens“ in Ljubljana erneut in das allgemeine Bewusstsein gehoben. Die VITAAA-Gruppe versucht nun, durch monatlich im Steinkreis stattfindende Friedensmeditationen an der Wandlung der konfliktstiftenden Muster zu arbeiten.