Editorial

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

von Johannes Heimrath , Lara Mallien erschienen in Hagia Chora 3435/2010

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geschafft! Endlich ist wieder eine neue Ausgabe von Hagia Chora erschienen. Der Weg bis hierher war
abenteuerlich. In der Ausgabe 33, die Anfang des Jahres erschien, hatten wir bereits berichtet, dass die
Zeitschrift nur dann auch wirtschaftlich eine Zukunft hat, wenn sie sich wandelt:
von einem überwiegend durch Anzeigen finanzierten Heft zu einem Projekt, das auch finanziell von den Beiträgen der Leserinnen und Leser lebt. Deshalb hatten wir die Erhöhung der Abopreise und die Möglichkeit, Förderabos abzuschließen, angekündigt. Die Reaktion darauf war sehr ermutigend. Nur wenigen Kündigungen standen viele neue Förderabos gegenüber, und es wurde deutlich: Das
ist der richtige Weg. Aber bis dieser neue Weg zu einer neuen Ausgabe führte,
vergingen mehr Monate, als uns lieb war. Deshalb danken wir Ihnen, liebe Leserinnen
und Leser, herzlich für Ihre Geduld und Treue.

Die Verzögerung ergab sich in erster Linie durch die Notwendigkeit, vor dem Druck der neuen Ausgabe alte Verbindlichkeiten tilgen zu müssen, wobei uns Freunde vertrauensvoll unterstützten – also eine Nachwehe der wirtschaftlichen Schwierigkeiten vor allem des vergangenen Jahrs. Aber nun sind fürs erste die Steine aus dem Weg geräumt: Es geht weiter mit der Zeitschrift Hagia Chora!
Besonders freut uns, dass wir im Lauf des Prozesses eine neue Helferin für die redaktionelle Arbeit gefunden haben: Anja Daume, Journalistin und Landschaftsplanerin mit geomantischem Hintergrund, unterstützt uns seit Sommer beim Lektorat der Texte und in Zukunft auch bei der Planung neuer Themen.

Im Lauf der vergangenen Monate, in denen wir das Zeitschriften-Projekt auch von den Arbeitsabläufen her auf neue Beine stellen konnten, hat sich so viel Stoff angesammelt, dass nun eine Doppelausgabe erscheint. Auf den vielen Seiten lässt sich wieder einmal sichtbar machen, wie breit das Spektrum
der Geomantie heute ist. Da geht es zum Beispiel einerseits um die konkrete Utopie einer zukünftigen Gesellschaft, in der die Beziehung des Menschen zur Erde der rote Faden des Lebens geworden ist, und andererseits um geomantische Traditionen, deren Ursprünge viele Jahrhunderte zurückliegen. Selbstverständlich kommen auch praktische Projekte im Hier und Jetzt vor, sogar geomantische
Spontankunst mitten in der Münchener Fußgängerzone. Da stehen individuelle, intuitive oder künstlerische Ansätze neben ganz handfesten geologischen, baubiologischen
und medizinischen Untersuchungen. Welch ein Reichtum!

Den Impuls, diesen ganzen Reichtum an Erlebnissen, Praxis und Forschungen
miteinander zu teilen, empfinden wir als Grundton in diesem vielfältigen Klang.
Und wenn man zusammenkommt, um seinen Reichtum gemeinsam zu teilen,
feiert man ein Fest – vielleicht ein Erntedankfest. Für uns ist es ein festliches
Gefühl, die Zeitschrift endlich wieder drucken zu können, und wir hoffen, dass
Sie beim Lesen ein ebenso festliches Vergüngen haben werden.
Aus dem gemeinsamen Feiern und Teilen entsteht Dankbarkeit. Kürzlich sagte
die Umweltaktivistin und Tiefenökologin Joanna Macy in einem Interview in
unserem neuen Magazin „Oya“, das wir dieses Jahr als Nachfolgerin unserer alten
Zeitschrift „KursKontakte“ aus der Taufe gehoben haben, Dankbarkeit gegenüber
der Erde sei ein zutiefst subversiver Akt. Denn damit entferne man sich aus der
Haltung der Konsumgesellschaft, die immer nur nimmt und nimmt, statt zu begreifen,
dass der Kreislauf des Lebens das Schenken zur Grundlage hat. In dem
Moment, wo wir allem Leben in unserem Planeten gegenüber Dankbarkeit empfinden,
sollte es nicht mehr möglich sein, etwas zu tun, was sich gegen Mensch
und Natur richtet. Könnte dieses Gefühl von Dankbarkeit das Zentrum einer vielgestaltigen,
zeitgenössischen Geomantie sein?

Mit den besten Wünschen zu Erntedank,
Lara Mallien und Johannes Heimrath