Die Steinreihen von Carnac
Zum ersten Mal sah ich die imposanten Steinreihen bei Carnac, als ich mit 15 Jahren im Jahr 1977 mit meinen Eltern während eines Frankreichurlaubs diesen heiligen Ort besuchte. Die Anziehung, die er auf mich ausübte, blieb jahrzehntelang erhalten. Im vergangen Jahr, im Herbst 2008, habe ich die Steine endlich wieder gesehen, besser gesagt: wieder gespürt.
Meine Partnerin und ich unternahmen im September 2008 eine Entdeckungsreise in die Bretagne. Während der letzten Woche dieser Reise waren wir in Carnac. Nach einer sturmgebeutelten Anreise in den frühen Morgenstunden fühlten wir uns wie Gestrandete, die herzlich aufgenommen wurden. Ein gutes Frühstück in einem typischen französischen Café stärkte uns an Leib und Seele. Wenigs tens einen kurzen Besuch wollten wir den Steinfeldern an diesem Morgen abstatten. Mit großer Überzeugung versicherten wir einander, dass wir nur mal schauen wollten, ohne uns tiefer einzulassen, denn die lange Fahrt im Dunkeln und bei Sturm hatte uns sehr erschöpft.
Sobald wir nach einer kleinen Wanderung von zwei Kilometern die ersten Riesen sehen konnten, schien es uns, als schickten sie Informationen. Und als wir mitten zwischen den Steinreihen standen, trat immer deutlicher das Gefühl für eine Bedeutung der Steine in uns hervor. Dieses heilige Gefühl, das ich schon als Jugendliche dort empfunden hatte, war wieder deutlich spürbar. Nicht nur aus Erschöpfung schloss ich die Augen und ließ mich auf dieses Gefühl ein. Da kamen die Bilder von Menschen, die dort an Land gekommen, vielleicht gestrandet waren, und wie sie als Dank für ihr Überleben in ritueller Weise regelmäßig neue Steine aufstellten. Jede Steinreihe stand für eine Sippe. Wurden neue Menschen geboren, gab es einen neuen Stein oder auch manchmal zwei. So sind diese Steinreihen von Jahr zu Jahr gewachsen, und das wurde natürlich kräftig gefeiert. Diesem Bild folgend wären die Steinreihen wie eine Art Stammbaum zu deuten.
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