In Gedenken an Dag Hammarskjöld

von Wilhelm Krahn-Zembol erschienen in Hagia Chora 33/2009

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Dag Hammarskjöld war Jurist und ein tief christlicher und spiritueller Mensch, der in einer sehr schwierigen Zeit der Vereinten Nationen deren zweiter Generalsekretär war. Während seiner Dienstzeit wohnte er in New York und im schwedischen Backåkra, wo er sich ein großes Anwesen auf dem Land mit Blick auf das weite Meer gekauft hatte. Dort, wo er später eine überkonfessionelle Kapelle errichten wollte, findet sich heute eine Gedenkstätte, ein Steinkreis, um den schon viele Menschen in Gedenken an ihn und seine Gedankenwelten gewandelt sind.
Dag Hammarskjöld kam am 17. September 1961 auf dem Höhepunkt der Kongokrise bei einem Flugzeugabsturz, dessen Umstände bis heute nicht geklärt sind und den viele als Attentat einschätzen, ums Leben. Zwei Monate vor seinem plötzlichen Tod verfasste er das folgende Gedicht:


Müde
und einsam.
Müde
bis der Verstand schmerzt.
Von den Klippen
rinnt Schmelzwasser.
Taub die Finger,
bebend die Knie.
Jetzt gilt es,
jetzt darfst du nicht loslassen.

Anderer Weg
hat Rastplätze
in der Sonne,
sich zu begegnen.
Aber dieser Weg
ist der deine,
und es gilt jetzt,
jetzt darfst du nicht versagen.

Weine,
wenn du kannst,
weine,
doch klage nicht.
Dich wählte der Weg –
und du sollst danken.
Ein Besuch seiner Gedenkstätte inspirierte mich, selbst Jurist, zu den folgenden Zeilen.

Kein Sieger
Und kein Besiegter,
Nur ein jeder,
Der sich selbst besiegte,
Half den Blick
Zu heben und zu kehren,
Zu richten und zu weiten,
Von unten nach oben,
Von oben nach unten,
Von außen nach innen und innen nach außen,
Auf dass auf einer höheren Stufe
Alles,
Nähe und Ferne,
Großes und Kleines,
Sogar Gutes und Böses
Ganz anders
Wieder werde eins
Und alle
Nur gewinnen,
Da sie nunmehr alle miteinander
Wie neugeboren
Mit neuen Augen schauen
Auf diese kostbare Welt!