Wie die Kunst zum Königsstuhl kam

von Kerstin Scheumann erschienen in Hagia Chora 33/2009

Ganz in der Nähe meines Wohnorts liegt ein bewaldeter Hügel. Eine interessante Basaltkuppe an seinem höchsten Punkt nennt der Volksmund „Königstuhl“. Etliche Mythen ranken sich um den verwunschenen Ort. Vor vielen Jahrhunderten soll hier ein Thingplatz gewesen sein. Recht wurde hier gesprochen. Die Kuppe ist von einem Wallgraben aus keltischer Zeit umgeben. Er schützte eine von drei Vorburgen einer großen Stadtanlage auf dem Dünsberg. Etliche Hügelgräber belegen das Interesse noch früherer Vorfahren an diesem Ort.
Der Königstuhl fasziniert mich, seitdem ich ihn das erste Mal besuchte. Wenn man den Berg hinaufgeht, rechnet man nicht mit seiner Gestalt. Ich erlebe ihn als einen imposanten, kräftigen Ort, an dem sich weibliche und männliche Polaritäten vereinen. Der tiefe Graben umschließt die aufrechte Basaltspitze. Immer, wenn ich hierher komme, kann ich auftanken, sogar Lösungen für Alltagsprobleme finden. Der Ort unterstützt mich, Entscheidungen zu treffen.
Für meine kunstpädagogische Magisterarbeit wählte ich das Thema Land-Art: Kunst in und mit der Natur. Neben der theoretischen Beschäftigung mit dieser besonderen Art von Kunst gestaltete ich praktisch ein Land-Art-Werk. Mehr als ich anfangs ahnte, führte mich die Arbeit in der Landschaft zu einem Dialog mit der Erde. Der Königstuhl wurde Schauplatz von zwei Kunstwerken. Das erste war ein großes Dreieck aus Geröll, das sich wie eine Spiegelung vor der realen Basaltkuppe am Boden ausbreitete. Zu der zweiten Arbeit führte mich ein unheimliches Erlebnis.