Einladung zur Schreibwerkstatt

von Johannes Heimrath , Lara Mallien erschienen in Hagia Chora 33/2009

Was ist die Essenz einer geomantischen Wahrnehmung? Wie kann ich beschreiben, was ich erfahre, spüre, mit allen Sinnen sehe, nicht nur mit den Augen?
Für diese Ausgabe hatten wir im Internet zur „Schreibwerkstatt Geomantie“ aufgerufen. Gesucht waren kurze Texte von Leserinnen und Lesern über geomantische Erfahrungen. Das gängige Geomantie-Vokabular sollte möglichst vermieden werden. Vielmehr sollten die Schreiberinnen und Schreiber bei dem bleiben, was tatsächlich zu spüren, zu sehen oder zu hören gewesen ist. Wir meinen, dass solche Texte vielleicht ermutigen können, auf eine freiere, vielfältigere und reichere Art über geomantische Erlebnisse zu sprechen als es die in Teilen bereits zur nicht mehr hinterfagten „Fachsprache“ der Geomantie vermag.
Die Einladung lautete: „Beschreibe auf einer A4-Seite eine geomantische Wahrnehmung, sei es auf einem Berggipfel, in einer Kathedrale oder in der U-Bahn, in der für dich eine Erkenntis oder Inspiration gelegen hat, die du mit anderen teilen möchtest. Versuche dabei, die Sprache nicht als etwas Einengendes oder die reiche Wahrnehmung Reduzierendes zu empfinden, sondern verbinde die Sprache ganz mit deinem Erlebnis und finde einen Weg, dich authentisch auszudrücken.
Mit dieser Einladung verbinden wir den Wunsch, dass fünf Aspekte in diesen Texten realisiert sind:
! Freiheit – den Gedanken keine Grenzen setzen, keine Scheu haben und glauben, man könne nicht schreiben.
! Fülle – sich trauen, einen reichen Text zu schreiben, der die eigene Ausdrucksfähigkeit ganz ausschöpft.
! Authentizität – bei dem bleiben, was wirklich erlebt und gefühlt wurde, gängige Geomantie-Vokabeln wie ‚Energie‘ etc. vermeiden. (Eine Energie selbst ist im Grund uninteressant, wenn man das zugehörige Gefühl, ihre Farbe, ihren Duft, ihren Klang nicht erfährt.)
! Reife – ein erwachsener Text in vollständigen Sätzen, der eine gesunde Reflexionsfähigkeit gegenüber dem Erlebnis vermittelt.
! Selbstbewusstsein – ein Text, der verdeutlicht, dass der Schreiber zu seiner eigenen Wahrnehmung steht, sie für wahr nimmt, aber nicht absolut setzt.
Bei Bedarf werden wir die Texte lektorieren – wir erwarten also keine literarisch perfekten Einsendungen, sondern vor allem authentische Aussagen. An Fehlern oder stilitischen Schwächen können wir in Absprache mit den Autorinnen und Autoren weiterarbeiten. Deshalb keine Angst – wer Lust hat auf dieses Experiment, ist herzlich zur Schreibwerkstatt eingeladen und wird von uns alle notwendige Unterstützung oder bei Bedarf auch Beratung erhalten.“

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