Der Körper – die kleine Erde
Seit ich mich erinnern kann, suchte ich Wege, mit der Erde in Verbindung zu treten. Am Anfang des Lebens, in der Kindheit, gelang das beim Zusehen einer Schnecke, die langsam über die Erde gekrochen kam. Ihr Erdkontakt war so perfekt, dass ihr Anblick mich lehrte, wie es sein könnte, wenn ein ganzes Leben nur Erdverbindung wäre – was es ja auch ist. Die Schnecke zu beobachten, löste tiefe Befriedigung im Körper aus.
Heute beobachte ich, dass Menschen, mit denen ich an ihrer Erdverbindung arbeite, ein Gefühl tiefster Befriedigung erlangen, wenn sie über ihre Fußsohlen in die Erde atmen. Ein Gefühl tiefster Ruhe. Wenn ich mit Menschen über längere Zeit diese tiefste Ruhe aufsuche, dann finden sie oft einen Punkt in ihrem Körper, den man „die höchste Konzentration ihres Selbsts“ nennen könnte. Oft rufen sie dann erstaunt: „Das bin ja ich, das ist mein Selbst. Das kannte ich ja gar nicht!“
Sie erleben eine Ganzheit, die Voraussetzung zur Weiterentwicklung der eigenen Menschlichkeit ist. Der Körper hat ihre Führung übernommen. Der Körper zeigt den Weg zum Eigenen. Und das auf sehr poetische Weise. Geradezu liebevoll und mit Humor bringt er uns auf den Weg zum Selbst. Denn den Weg zum Erwachen, sagen die Weisen, finden nur jene, die ihren Körper in seiner Erdqualität erkennen können. Was vielleicht so viel heißt, wie das Zulassen und Würdigen einer Körperintelligenz, die meist durch unsere Verstandesintelligenz verstellt ist.
Eigentlich ist unsere Existenz immerwährend und ununterbrochen dabei, uns über den Körper den Weg zu weisen. Die Grammatik dieses Wegweisers ist bestechend. Jeder Teil des Körpers hat eine wegweisende Aufgabe, spricht in einem System von Symbolen, leitet uns – mal mühevoll, mal mühelos – durchs Leben.
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