Stille
Siegfried Prumbach und Johannes Heimrath
Das Gespräch zwischen Siegfried Prumbach und Johannes Heimrath fand auf dem Wasser statt. Wir hatten anlässlich von Siegfried Prumbachs Besuch in der Hagia-Chora-Redaktion eine Segeltour unternommen und lagen vor der Insel Usedom im Krumminer Wieck vor Anker, während es draußen dunkel wurde und der Regen auf das Deck trommelte. Vielleicht ist deshalb das Leitbild dieses Gesprächs das „schwarze Wasser“ …
Johannes Heimrath: Wir erleben heute, wie essenzielle Teile der uns bekannten westlichen Gesellschaft zusammenbrechen. In diesem Prozess ringen verschiedene Trends um Einfluss: Menschen, die sich selbstbestimmt neu organisieren, Unternehmen und Regierungen, denen verschiedene Ressourcen gehören und die ihre Macht verteidigen – wir wissen nicht, in welche Richtung sich das System entwickeln wird. Wenn wir uns andere Szenarien wünschen als Kollaps, Chaos oder Bürgerkrieg, wie können wir dann dazu beitragen, dass positive Trends Oberwasser bekommen? Wie können wir jetzt vorwegnehmend erforschen, wie wir später, nach einem wohl unvermeidbaren, wenn auch in seiner Dramatik nicht voraussagbaren Zusammenbruch eigentlich leben wollen? Wie organisieren wir uns, wie sieht die Wirtschaft aus? Dabei kann uns nur ein positives Bild von unserem Erd-Planeten leiten.
Siegfried Prumbach: Daran schließt noch eine weitere Frage an: Was tut die Erde? Sie verfügt über systemische Reaktionsmuster, über Feedback-Strukturen, mit denen sie auf das Fehlverhalten von Systemen einwirkt. Das Verhalten des Menschen wird in einer Feedbackschleife auf ihn zurückgeworfen. Wir erleben gegenwärtig, wie sich das Erdmagnetfeld immer weiter abschwächt, niemand weiß, was für Folgen das haben wird, aber es gibt Untersuchungen zu einem Zusammenhang zwischen einer Zunahme an Psychosen und dem Abnehmen des Erdmagnetfelds. Andererseits führt die gleiche Magnetfeldabschwächung zu einer Erhöhung der DMT-Ausschüttung in der Epiphyse oder, anders ausgedrückt, zu einer Bewusstseinserweiterung. Ganz offensichtlich steuern wir auf einen Knotenpunkt der Geschichte zu. Alles beschleunigt sich, seien es die persönlichen, die gesellschaftlichen oder die globalen Prozesse.
JH: Derzeit kursieren Hunderte von Szenarien zum Jahr 2012. Ich halte das meiste für reine Symbolik und suche die längerfristige persönliche Ebene. Was tun „wir“ jetzt, ausgehend von der spezifischen Art, wie wir jetzt die Welt betrachten? Wo sehen wir unsere Aufgabe, und was müssten wir tun, um sie richtig zu erfüllen?
SP: Diese Frage stellt sich für mich genauso. Was geschieht mit uns, wenn wir diese Beschleunigung, diese Zuspitzung erfahren? Ich kann das verdrängen, aber letztlich erzeugt der Blick in die Zukunft existenzielle Ängste. Das bringt mich sofort an den Punkt, wie ich mit meinen Ängsten umgehe. Verdränge ich sie und sage mir: alles Verschwörungstheorien? Oder nehme ich alles sehr ernst und kann dann bald vor lauter Angst nicht mehr atmen?
Diese Fragen waren meine Motivation, im Frühjahr dieses Jahrs nach Peru zu gehen. Ich stand an einem Punkt, an dem ich nicht mehr wusste, wie es mit meiner geomantischen Arbeit eigentlich weitergehen soll. Heute haben wir einen ausgeprägten Pluralismus in der Geomantie-Szene erreicht. Es gibt so viele Schulen und so viele ausgebildete Menschen, die alle aktiv sind – was wunderbar ist, aber ich vermisse einen roten Faden. Aber so ist es wohl jeweils am Ende einer Entwicklungsphase, es zerstreut sich zunächst alles. Das ist der falsche Zeitpunkt, in einen Aktionismus zu verfallen. Ich spürte für mich deutlich die Aufgabe, in mich selbst hineinzuschauen: Wie nehme ich mich selbst wahr als Geomant? Wie werde ich wahrgenommen? Und wie bin ich vielleicht wirklich? Darauf lassen sich nicht so einfach Antworten finden. Das Selbstbild ist Ergebnis der eigenen Konditionierung, und wie mich andere sehen, ist wiederum deren Konstruktion. Was also steckt wirklich im eigenen Selbst? Der Weg dahin führt über die Wahrnehmung.
An diesem Punkt habe ich angefangen, mich für die Dialogarbeit von David Bohm zu interessieren. Ich konnte diese Methode in meine Arbeit einbringen und erlebte, wie Menschen dadurch in die Lage versetzt werden, Abstand zu gewinnen und sich selbst ganz neu anzuschauen. Aber wenn der Prozess vorbei war, ging man wieder zurück in den Alltag. Das ist ja auch in Ordnung, man muss ja auch essen und Bier trinken. Aber es blieb so wenig von den Erkenntnissen aus dem Dialogprozess übrig …
JH: Im Sinn von Bohm wäre es dann konsequent gewesen, den Prozess zur Realität werden zu lassen. Dann ist auch das Bier, das man trinkt, Teil dieser Dekonstruktion der Konditionierung, die ja im Idealfall nicht zu einer neuen Konstruktion führt, sondern zu einem Zustand, in dem immer die Frage nach dem, „was ist“, innerlich aufrechterhalten wird – so ähnlich formulierte es Krishnamurti. Dieses Fragen kann so verinnerlicht werden, dass es zu einer Haltung wird.
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