Geoformance für heilige Orte

Mitmach-Aktion zum Tag der Erde am 25. April 2010

von Siegfried Prumbach erschienen in Hagia Chora 33/2009

Die Erde versteht kein Deutsch und auch kein Bayerisch. Sie spricht durch die ökosoziale Intelligenz des Wir, sie kommuniziert mit Systemen. Können wir auf Grundlage dieser Erkenntnis neue, kreative Wege in der Geomantie wagen?

Am Tag der Erde im April 2009 hat auf Münchens Marienplatz eine erste „Geoformance“ stattgefunden: Achtzig Menschen trafen sich, stimmten sich auf den Platz ein und spannten Regenschirme auf. So wurde ein Muster auf dem Platz sichtbar: Es zeigten sich die Archetypen für eine Geburt in Liebe. Teilnehmer waren neben einigen speziell an Geo­mantie Interessierten vor allem Menschen, die sich für eine neue, spirituelle, erdverbundene Politik engagieren.
Der Tag der Erde könnte sich als Tag für Geoformances im öffentlichen Raum etab­lieren – Aktionen, mit denen wir uns diesen Raum erobern, um unser Eingebundensein in die Erde auszudrücken. Der öffentliche Raum gehört heute nicht mehr der Allgemeinheit, sondern den Verwaltungen. Wir brauchen heute aber Räume, die nicht vom Besitzdenken der Menschen in Anspruch genommen werden. Wir brauchen Räume des Lassens, die verdeutlichen, dass die Erde nur sich selbst und dem Kosmos gehört. Wir brauchen Räume, die Menschen bewusst nicht betreten. In japanischen Shinto-Tempeln werden heilige Bezirke, in die kein Mensch einen Fuß setzen soll, mit einem „Shimenawa“, einem geflochtenen Seil eingehegt. So entstehen Räume, die vor jedem menschlichen Machen bewahrt bleiben. Solche Räume sollten heute in den Zentren der Konsumkultur entstehen – in München, Hamburg, Berlin, Frankfurt … Zum Tag der Erde möchten wir solche Zellen eines neuen Kulturimpulses sichtbar werden lassen – wenigstens für einen Tag.

Einladung zum Mitmachen
Jede und jeder kann sich an der Geoformance 2010 beteiligen. Es geht ganz einfach:
• Suche dir eine Fläche im öffentlichen Raum deiner nächstgelegenen Stadt oder deines Dorfs, die du zum heiligen Bezirk erklären möchtest: Betonplatten einer Fußgängerzone, ein Stück Asphalt, einen Gehweg, eine Mauer, ein Sechseck auf einer Wiese im Park, einen Baum auf einem belebten Platz.
• Suche dir ein „Shimenawa“, eine Schnur, um den Bereich abzugrenzen. Das kann ein buntes, selbstgeknüpftes Band aus Stoff-Fetzen sein, ein Paketband mit bunten Wimpeln daran, ein dickes Seil oder auch einfach ein Absperrband von einer Baustelle.
• Fertige ein paar Stäbe an, die man in die Erde stecken oder auf Asphalt aufbauen kann, um das Band anzubringen.
• Überlege dir eine Aufschrift, die den Sinn des Bezirks für alle, die vorbeigehen, kenntlich macht – ein Satz, mit Kreide auf die jeweilige Asphalt-Stelle geschrieben oder auf ein Schild, z. B. „Dieser Bezirk gehört der Natur!“ oder „Dies ist ein sakraler Raum!“.
• Am Tag der Erde stellst du die Installation auf, nimmst einen Fotoapparat und einen Notizblock mit und wartest, was passiert. Wie verändert der eingehegte Bezirk den Platz? Wie reagieren die Passanten? Womöglich wird über ein Schild oder persönliche Ansprache die Einladung ausgesprochen, mit der Installation zu interagieren, z. B. eine persönliche Gabe an das Band zu hängen. Es könnte zu jeder Stunde eine Einladung zu einer Meditation für alle Vorbeigehenden geben. Vielleicht werden hier auch Geschichten oder Gedichte vorgelesen oder Musik gemacht und getanzt?
Wer besorgt ist, dass die Polizei kommt und das Ärgernis beseitigen lässt, kann sich vorher bei der Stadt eine Genehmigung für eine künstlerische Intervention besorgen. Wer lieber ein bisschen subversiv sein will, erklärt im Zweifelsfall auch die Interaktion mit der Behörde zum Teil der Kunstaktion.
• Schicke Bilder und Texte, mit denen du die Aktion dokumentierst, an die Hagia-Chora-Redaktion, veröffentliche sie außerdem auf deiner Internetseite, oder poste ein Video auf YouTube, mache eine Ausstellung daraus. Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt.
Dies ist eine Aktion, die allen gemeinsam gehört, eine Aktion für die Allmende, den Raum des Gemeinsamen, und für den heiligen Ort, den die Menschen freilassen. +

Beratung zur Organisation der Geoformance 2010:

Anima Mundi e. V., Siegfried Prumbach
Tel. (0 26 85) 98 61 00
info@anima-mundi-akademie.de

 

am 08.01.2010 schrieb Stefan Brönnle:

Hallo!
Der "Tag der Erde" ist traditionell eigentlich der 22.April und nicht wie in der Haedline irrtümlich geschrieben der 25.April.
Infos dazu z.B. auch bei Wikipedia und vielen anderen Websites.

Grüße
Stefan Brönnle
www.stefan-broennle.de

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