Kraftort Sardinien

Radiästhetische Rätsel der Nuraghen

von Wolfgang Burk erschienen in Hagia Chora 32/2009

Die Mittelmeerinsel Sardinien beheimatet erstaunliche megalithische Bauwerke. Die Nuraghen, rätselhafte Steintürme der Bronzezeit, überziehen die Landschaft mit einem geomantischen Netz, denn viele stehen untereinander in Sichtkontakt. Wolfgang Burk bereiste die nördliche Hälfte der Insel und lässt uns an seinen radiästhetischen Untersuchungen teilhaben.

 Diesen Artikel als Adobe Acrobat PDF herunterladen (690 KB)

Einen erholsamen Urlaub hatten wir geplant, mit Ruhe und viel Natur. Auf das, was mich dann plötzlich im Mai 2008 auf Sardinien erwartete, hatte ich mich viel zu kurz – eigentlich erst richtig im Flugzeug – vorbereitet. Sardinien kann als ein steinreiches und großes Museum unter freiem Himmel bezeichnet werden – das lässt das Herz jedes Radiästheten sofort schneller schlagen! Die 7000 Nuraghen, mysteriöse pyramidenartige Steinkonstruktionen, die über die ganze Insel verteilten Dolmen, die „Riesen-Grabstätten“ oder „Gigantengräber“ genannten steinernen Tempel, die „heiligen Brunnen“ mit einer Aura von Kraft und Zeitlosigkeit und Hunderte von fantastischen Granitfelsformationen machen die Mystik dieser Insel aus.
Bei der Nachbearbeitung und Recherche im Anschluss an die Reise hatte ich aber kein so schlechtes Gewissen mehr hinsichtlich meiner geringen Vorbereitungen und Überraschungen auf Sardinien, denn bislang ist weder geklärt, wer die Erbauer der Nuraghen genau waren, noch woher sie kamen. Man vermutet ihren Ursprung in der Bronzezeit. Nur eine geringe Anzahl von Monumenten wurde erforscht, aber in den Museen finden sich etliche bronzene Fundstücke aus jener Zeit. Den Nuraghen wird Festungscharakter ebenso zugeschrieben wie ein Zweck für kultische Handlungen einschließlich der Bestattungsbräuche. ­Wikipedia berichtet nur wenig über die rätselhaften Steintürme: „Nuraghen (auch Nuragen geschrieben) sind die prähistorischen und früh­geschichtlichen Turmbauten der Bonnanaro-Kultur (ca. 1800–1500 v. Chr.) auf Sardinien und der mit ihnen untrennbar verbundenen, nachfolgenden Kultur (ca. 1600–238 v. Chr.), der sie den Namen Nuraghenkultur eintrugen. Es gibt sie in gro­ßer baulicher Vielfalt. Nach neuerer Schätzung wurden etwa 6500 errichtet. 1962 waren […] noch Überreste von ca. 7000 Nuraghen registriert worden, das entspricht im Durchschnitt 0,27 pro km2. Am häufigsten sind sie im Westen und im Zentrum Sardiniens.“
Wir konnten auf unserer Reise in zehn Tagen fast 1600 Kilometer auf der Nordhälfte der Insel zurücklegen und hatten dennoch das Gefühl nach Hause mitgenommen, uns erholt zu haben. Bezaubernd, zumeist einsam gelegen und schweigend stehen die Türme wie gigantische, geordnete, hohle Steinhaufen in der Landschaft, bis zu 20 Meter hoch, mit Seitentürmen und Überresten kleiner Steinbehausungen. Ihre Abstände sind vielfach so, dass sie in Sichtkontakt zur nächsten Anlage stehen.
Die eindrucksvollsten dieser vorgeschichtlichen Bauwerke sollen die Nuraghe Su Nuraxhu bei Barumini, die Nuraghe Lossa, die Nuraghe Sant’Antine, die mächtige Königsnuraghe und die Nuraghe Santa Sabina sein. Eine weitere Besonderheit Sardiniens sind etliche Brunnentempel, von denen man den 3000 Jahre alten Brunnen Santa Cristina sicherlich als einen ehemals sehr bedeutenden Kult- und Initiationsplatz bezeichnen kann: Zu den Zeiten der Tag- und Nachtgleiche scheint die Sonne bei Sonnenaufgang genau auf den Wasserspiegel des Brunnens, und der Vollmond scheint einmal alle 18 Jahre durch eine Öffnung im Brunnenraum-Gewölbe und spiegelt sich im Wasser. Etwa 50 Wasserkult­orte sind auf Sardinien bekannt, die sehenswertesten Quell- und Brunnenheiligtümer sind Predio Canopoli in Perfugas, Sa Testa bei Olbia, Santa Vottoria bei Serri und der bereits erwähnte Brunnen Santa Cristina bei Paulilatino in der Provinz Oristano.
Sehr eindrucksvoll sind auch die sogenannten Gräber der Riesen, megalithische Strukturen in verlängerter Bogenform mit einem internen rechteckigen Raum für die kollektiven Bestattungen von zahlreichen Verstorbenen. Ihr Ursprung muss auch in der nuraghischen Zivilisation liegen. Ein Beispiel für ein solches Riesengrab ist Coddu Vecciu.
An vielen ihrer heiligen Orte, insbesondere in Brunnenanlagen, hat uns die Nuraghenkultur filigrane Bronzefiguren aus dem 7. bis 8. Jahrhundert v. Chr. hinterlassen, ca. 500 davon sind auf der Insel gefunden worden. Sie sind in der Regel 40 cm hoch und mit der Technik des Bronzegusses im Wachsausschmelzverfahren hergestellt. Wie diese Kunstform auf die Insel gelangte, ist unklar, allerdings war sie im Mittelmeerraum durchaus verbreitet, auch die Etrusker stellten in dieser Zeit Bronzefiguren her.1

Zwei typische Bauformen
Allein der nördliche Inselteil hat derart viel an Natur und Kultur zu bieten, dass ich mir viele dieser Schätze erst bei einer nächs­ten Reise erarbeiten kann. Mein Interesse galt zunächst den Nu­raghen. Man unterscheidet zwei Hauptformen von Nuraghen, die mit verschiedenen Bautechniken errichtet wurden. Die Korridor-Nuraghen sind geschichtlich älter; sie haben eine eher längliche Form mit gang- und tunnelartigen Innenräumen unterschiedlicher Größe.2 Die Tholos-Nuraghen hingegen sind die auf dem obigen Foto abgebildeten Kegelstümpfe, deren aus Steinblöcken errichtete Mauerwände nach oben hin zulaufen. Sie bilden ein sogenanntes falsches Gewölbe oder Kraggewölbe, indem auf dem runden Grundriss die jeweils nächste Mauer aus großen Steinblöcken etwas nach innen versetzt wurde, so dass sich ein aus konzentrischen Ringen bestehender, nach oben immer schmaler werdender, runder Innenraum ergibt.3
Fast jede Nuraghe hat oben eine „Aussichtsterrasse“, für deren Bedeutung mehrere Alternativen diskutiert werden, von der Überwachung der Umgebung bis hin zu astronomischen Beobachtungen. Von vielen Nuraghen ist nicht mehr sehr viel übrig, abhängig von der verwendeten Gesteinsart. Diejenigen aus Basalt sind meist wesentlich besser erhalten, während andere aus Sandstein erbaute im Lauf der Jahrtausende stark erodiert sind.

Polarisation der Steine

Die Nuraghe Majori bei Tempio Pausania ist eine derjenigen, die ich auf meiner Reise radiästhetisch näher untersucht habe. Laut Google Earth war mit Stand vom 7. November 2006 noch keine der bedauerlicherweise nahe an der Nuraghe vorbeigeführten Hochspannungsleitungen zu erkennen, die mich bei meinen Mutungen aus östlicher Richtung störten. Unter Vorbehalt hierdurch ausgelöster Polaritätsveränderungen möchte ich folgende Untersuchungsergebnisse darstellen (siehe Abbildungen rechts):
Oben auf der Aussichtsplattform kann man laut dem vor Ort ausliegenden Prospekt mit den Nuraghen Lu Polcu, Budas, Izzana, Naracheddu, Naraconi, Moniti die Deu, Agnu und Agnu Bonvicinu Sichtkontakt aufnehmen. Radiästhetisch stellte ich hier oben fest, dass die Steine, die den Boden der Plattform bilden, neutral polarisiert sind. Die sehr niedrigen und meines Erachtens als Bewehrung daher ungeeigneten Begrenzungsmauern der Plattform sind nach innen hin positiv polarisiert. Das hat eine aufladende Wirkung auf die Füße – wir konnten hier lange stehen, ohne müde zu werden. Die oberen und unteren Flächen der Steine der Begrenzungsmauer zeigten eine ständige Polaritätsveränderung wie im Sinn eines Wechselfelds – meinen Untersuchungen zufolge verursacht durch Yin- und Yang-Felder, die in die Kanten der Steine gelegt worden sind. Auf die Plattform fällt von oben eine linksdrehende, also negativ gepolte Strahlung ein, die wie eine stehende Welle wirkt. Mir schien, dass dieses Phänomen nicht nur durch die Hochspannungsleitung in der Nähe verursacht wurde. Den Effekt dieses Felds erlebten wir im Innenraum der Nuraghe. Wir empfanden ihn als neutral und mit seinen 10 Grad Unterschied zur Außentemperatur als kalten Raum, in dem schon die ausschwitzenden Steine die dehydrierende Wirkung anzeigten. Sollte das Raum- und Strahlungsklima dieser Stätte eine Mumifizierung bewirken? Auffällig war, dass die den Innenräumen zugewandten Steinflächen keine Polarisierung zeigten. Nur die Kanten strahlten nach oben und unten in die Wände hin wechselnd polarisiert ab. Im Vergleich dazu sind die Außenwände der Nuraghe positiv polarisiert, ebenso wie die Oberfläche der leichtfüßig zu begehenden Stufen zur Plattform hinauf.
Auch an dem Riesengrab Coddu Vecciu in der Nähe von ­Arzachena fand ich ein Strahlungsklima, das typischerweise eine ­mumifizierende Wirkung von Grabkammern unterstützt. Die nach Osten ausgerichtete Eingangsplatte schien mir die Funktion einer Antenne im Schnittpunkt zweier Energiefelder zu haben. Sie trennt meiner Beobachtung nach ein mächtiges Yang-Feld auf dem Vorplatz der Begräbnisstätte von einem intensiven Yin-Feld im Inneren der Grabkammer, das dehydrierend und mumifizierend wirkt. Auch an den Großsteingräbern in Norddeutschland, Schweden oder Bornholm kann man solche Wirkungen beobachten.
Ein Beispiel, dass die Wirkung der Nuraghen-Steine sogar einen Kompass ablenken kann, ist die Nuraghe Su Paddagghiu, die an der Nordküste Sardiniens liegt, etwa in Richtung 5 Uhr von Castelsardo, zwei Kilometer vom Ort Tergu entfernt. Ihr Eingang war nur auf Knien kriechend zu durchqueren und führte in einen sehr schmalen, mannshohen Vorraum. Von hier konnte ich in das Dunkel des ebenfalls nur kriechend erreichbaren Zentrums blicken, das ich aus Sorge vor Schlangen aber nicht aufsuchte. Als ich mit dem Kompass die Ausrichtung des Eingangs vermaß, zeigte er am Boden korrekt nach Norden. Auf Höhe der Unterkante des Eingangs-Deckstein ergab sich aber eine Missweisung von 60 Grad. Dies entsprach auch dem Wert etwa einen Meter vom Eingang entfernt auf dem Boden gemessen.

Ein Kreis in den Disteln
Auf dem Weg zum „Elefanten“, einer eindrucksvollen Felsformation fahren in der Hochsaison täglich ganze Busladungen achtlos an der Nuraghe Su Paddagghiu vorbei. Sie hatte noch mehr Überraschungen für mich bereit als nur die Ablenkung der Kompassnadel. Neben dem zerrissenen Zaun freute ich mich über den bequemen Zugang zu dieser Tholos-Nuraghe durch ein Feld plattgewalzter Disteln. Gespürt hatte ich die Besonderheit des Orts schon, aber es hat etwas länger gedauert, bis mir klar wurde, hier etwas ganz Ähnliches vor mir zu haben, wie es in einem Dutzend Bücher in meinem Regal beschrieben ist – einen „Kornkreis“? Erst beim Abstieg erkannte ich den Wirbel der niedergelegten Disteln, der mir keine Ruhe ließ, bis ich ihn einige Tage später erneut besuchen und mit ausreichend Zeit untersuchen konnte. Pilzkreise ja, Kornkreise – na ja. Man liest viel über Baum- und Rapskreise … und glaubt nicht alles. Aber einen Kreis von Disteln!? Würde ich nicht schnell die Erklärung am Fuß des Hangs im ­parallel zur Schnellstraße verlaufenden Feldweg in Form von Caterpillar-Spuren finden? Trotz akribischer Suche fand ich weder Raupenspuren, noch Verletzungen an den Disteln und sah auch nicht die Möglichkeit, mit einem solch schweren Gerät diesen Distelkreis mit seinen sich überlagernden Pflanzen zu produzieren. Beim Versuch, selbst eine Distel mit dem Fuß umzuknicken, benötigte ich erhebliche Kraftanstrengungen und mehrere Anläufe, denn der „ausgeschäumte“, kammerartig aufgebaute Hohlstengel bot eine ausgeprägte Widerstandskraft. Noch größer wäre der notwendige Krafthebel geworden, wollte man die Distel oder gar ein ganzes Feld, in dem sich die Pflanzen gegenseitig ineinander verhaken, direkt am Boden umlegen, wie es bei der ­Nuraghe geschehen zu sein schien. Verwundert war ich auch über den fehlenden Bewuchs zwischen den Pflanzen. Nur eine einzige am Boden liegende blühende Distel fand sich, ansonsten nur ein wenig neues Gras.
Umso interessanter ist, dass unter Google Earth bei der ­Nuraghe Su Paddagghiu ein Foto vom Dezember 2007 aufgeführt wird, das den Distelkreis bereits zu diesem Zeitpunkt zu zeigen scheint. Handelt es sich um ein wiederkehrendes Phänomen? Ich möchte mir an dieser Stelle keine Spekulationen über Distelkreise erlauben. Der Kreis ist nur ein weiteres Beispiel für die vielen rätselhaften Phänomene von kreisförmigen Formationen in verschiedensten Bewuchsarten, die sich weltweit finden, weitab von der Kornkreis-Szene in England, wo die Kreise inzwischen wohl allzu offensichtlich Land-Art-Kunstwerke sind. 

Anmerkungen:
(1) http://de.wikipedia.org/wiki/Bronzefiguren_der_Nuraghenkultur
(2) www.ilportalesardo.it/archeo/vilfranca.htm
(3) http://de.wikipedia.org/wiki/Nuraghe

Literaturempfehlung: Andreas Stieglitz: Entdeckungsreise durch Sardinien, Nu­raghen und Naturerlebnis, Books on demand, 2008, ISBN 3-8338-0170-4.