Mitsprache auf allen Ebenen

Transpersonale Inspiration in der politischen Arbeit

von Thomas Meyer erschienen in Hagia Chora 32/2009

Thomas Mayer ist Aktivist und Pionier für die direkte Demokratie in Deutschland und regionale Währungen. Nach seiner Wahrnehmung werden gesellschaftliche und politische Entwicklungen von unsichtbaren ­Begleitern mit­getragen und beeinflusst – eine kühne These einerseits, eine authentische persönliche Erfahrung andererseits. In der Geomantie dürfen wir letztlich immer nur das erfahrende Subjekt als Basis der Be­urteilung annehmen. Aus dieser Perspektive halten wir seinen Beitrag für einen wertvollen Anstoß, die Einbindung öffentlichen Wirkens in das größere Ganze, das auch die unsichtbare Welt umfasst, weiterzudenken.

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Zwei Jahrzehnte lang habe ich poli­tische Kampagnen, Volksbegehren und soziale Erfindungen organisiert. Was mir dabei am wichtigsten war, darüber konnte ich nicht reden. Wenn man eine breite politische Bewegung repräsentiert, dann kann man nicht offen über Erfahrungen wie das „Hereinstrahlen von Engeln“ sprechen, auch wenn man der Überzeugung ist, dass dies die ganze Bewegung in Wahrheit erst ermöglicht. Noch sind die höhersinnlichen Wahrnehmungsfähigkeiten und spirituellen Begriffe in unserer Gesellschaft zu wenig ­geübt. Aber ich denke, dass sich dies dank der begonnenen Erdwandlung1, die viele Menschen seit der Jahrtausendwende wahrnehmen, bald ändern könnte. Und so möchte ich einige Erfahrungen zu den geistigen Hintergründen des sozialen Lebens beisteuern, um weitere Beobachtungen in diesem wichtigen Gebiet anzuregen.
Das soziale Leben mit all seinen Höhen und Tiefen wird durch Handlungen von uns Menschen gebildet. Dabei können wir uns immer wieder frei entscheiden und Weichen stellen. Doch wir sind beeinflusst. In den Tiefen der Seele und der Natur erlebe ich vielfältige Wesenheiten, die im Hintergrund das Weltgeschehen antreiben.
Wahrnehmungsmethoden wie Imagination, Inspiration und Intuition ermöglichen hier den Zugang. Mir geht es so, dass ich mich dabei in eine überwache, konzentrierte Bewusstseinsverfassung bringe und darauf achten muss, zwischen Projektion und tatsächlicher Wahrnehmung zu unterscheiden. Die Begegnung mit diesen Wesen hat für mich dann eine ähnliche Evidenz wie die Begegnung mit physisch inkarnierten Menschen oder Tieren. Um in eine sichere und differenzierte Wahrnehmung zu kommen, ist es in meinen Augen unabdingbar, für die oft schwer in Worte zu fassenden Eindrücke geisteswissenschaftliche Begriffe zu bilden. Wer zum Beispiel nur den Begriff „Energiefeld“ hat, wird nie die vielfältigen Ausprägungen verschiedener Arten von geistigen Wesen, sondern immer nur „Energiefelder“ erleben können.

Engel für Volksabstimmung
Ich erinnere mich noch genau an jene Zugfahrt im Februar 1993 von Bonn nach München. Nach Bonn war ich 1988 gezogen, um die Einführung der bundesweiten Volksabstimmung voranzubringen und den Verein „IDEE e. V.“ (heute „Mehr Demokratie e. V.“) aufzubauen. Damals war die Idee der direkten Demokratie in Deutschland kaum bekannt und das Misstrauen gegenüber der Bevölkerung größer als heute. Wir hatten bewegte Jahre, organisierten Kongresse, starteten eine Zeitschrift, sammelten zusammen mit 40 prominenten Künstlern 400 000 Unterschriften für eine „Volksabstimmung gegen FCKW“, initiierten Petitio­nen für die Einführung des kommunalen Bürgerentscheids in mehreren Bundesländern, mischten nach dem Fall der Mauer bei der Formulierung der Landesverfassungen der neuen Bundesländer mit – und dann schien das Tor für die Einführung der Volksabstimmung auf Bundes­ebene offen!
Mit der 1990 wiederhergestellten Einheit Deutschlands war das Grundgesetz abgelaufen, eine Verfassungskommission wurde gebildet. Der Slogan „Wir sind das Volk!“ war in aller Munde, und wir beschäftigten uns lange mit Lobbyarbeit. Bekanntlich endete alles wie das Hornberger Schießen, und die bundesweite Volksabstimmung wurde in der Verfassungskommission abgelehnt.
Das wurmte mich. Wie weiter? Wenn es doch nur möglich wäre, dass die Frage, ob das Volk die Volksabstimmung will, nicht von voreingenommenen Politikern, sondern vom Volk selbst beantwortet wird? Wo nur könnte eine Volksabstimmung über die Volksabstimmung stattfinden? In Bayern! Ja! Dort könnten wir eine landesweite Volksabstimmung einleiten, um den Bürgerentscheid in Gemeinden und Städten einzuführen. Bayern hatte zu dieser Zeit die „besten“ Regelungen. „Beste“ steht in Anführungsstrichen, denn im baye­rischen Volksbegehren müssen 900 000 Stimmberechtigte innerhalb von zwei Wochen im Rathaus unterschreiben, um einen Volksentscheid einzuleiten. Für die initiierende Bürgerinitiative ist das knochenhart, doch es hatte in der bayerischen Geschichte schon einige Male geklappt. Und Alternativen gab es nicht, denn damals waren in allen anderen Bundesländern die Hürden noch unüberwindbar.
Ich lebte und meditierte und schlief mit dieser Idee über Monate. Wir zogen in ­Bayern Fäden und versuchten, ein tragendes Aktionsbündnis, bestehend aus allen Organisationen außerhalb der regierenden CSU, zusammenzufügen. Und jetzt saß ich im Zug nach München auf dem Weg zur entscheidenden Sitzung. Im Speisewagen bei einer Tasse Kaffee fragte ich mich: Wird es gelingen? Und ich dachte an das Volksbegehren, dachte intensiver, machte einen meditativen Griff nach innen, und der Gedanke verwandelte sich in eine Heerschar von Engeln. Eine große Engelsschar, Hunderte oder Tausende Engel strömten schön und kraftvoll von oben, vom Himmel zu uns herunter. Ein erbebender, willensergreifender Ton erklang. Die Engel schrien wie Posaunen.
Das Erlebnis hatte eine starke Wahrheits-Evidenz. Es war wirklicher als das Erleben der materiellen Welt. Es brachte mir die Gewissheit, dass das Volksbegehren von der Engelwelt unterstützt wird. Ich ging wieder in die Sinneswelt zurück, empfand den bewegenden, kräftigen Nachklang in meinem Herzen, wartete eine Weile und schaute aus dem Fenster. Dann nahm ich den Gedanken an das Volks­begehren wieder als Vehikel und lebte weiter in den heranrückenden Engeln.
Das folgende Treffen war ein voller Erfolg. Ein potentes Bündnis kam zustande, wir starteten. Ich wurde Sprecher des Volksbegehrens „Mehr Demokratie in ­Bayern“, war für die Organisation verantwortlich und zog nach München. Das Engelserlebnis brachte mir die Verpflichtung, mit vollem Einsatz beizutragen, dass das Volksbegehren gelingen möge, und so gab ich mich vollständig dieser anstrengenden Aufgabe hin. In den folgenden Jahren stand ich seelisch in diesem Engelerlebnis, es nährte mich fortwährend und war meine größte Motivationsquelle. Mir erschien es, als ob diese herangerückten Engel den Seelenraum des Volksbegehrens erfüllten und die Aktionsgruppen, die sich in ganz Bayern bildeten, befeuerten.
Vom 6. bis 19. Februar 1995 lief dann die Eintragungsfrist des Volksbegehrens. Bis zum Schluss war nicht klar, ob es gelingen würde. Dann kam der letzte Tag. In München bildeten sich lange Menschenschlangen auf dem Marienplatz vor dem Rathaus. Und immer mehr Menschen strömten aus den U-Bahnschächten, und alle wollten sich eintragen! Die Öffnungszeit des Eintragungslokals wurde verlängert bis tief in die Nacht, damit sich alle eintragen konnten. Es war unglaublich!
Mit 1,2 Millionen Unterschriften war das Volksbegehren ein grandioser Erfolg, und im Oktober 1995 fand beim Volksentscheid unser Gesetzentwurf auch die Mehrheit der bayerischen Bevölkerung, die damit zum ersten Mal seit 50 Jahren der regierenden CSU nicht folgte.
Inzwischen gehören kommunale Bürgerentscheide in Bayern zum politischen Alltag, bald wird der Tausendste stattfinden. Der bayerische Durchbruch strahlte aus, viele Volksbegehren in anderen Bundesländern folgten. Die direkte Demokratie ist in Deutschland auf dem Weg. (Weitere Infos: www.mehr-demokratie.de,
www.omnibus.org.) Wie war ein solcher Erfolg möglich? Ich meine, weil viele Engel für die Volksabstimmung waren und weil es Menschen gab, die diesen posaunenden Engeln Platz in ihrer Seele ließen.
Wenn ich das so märchenhaft schreibe, dann könnte die Frage aufkommen: Was ist mit all den guten und wichtigen Initia­tiven, die gescheitert sind? Waren da die Engel nicht dafür? Die Vorgänge sind natürlich komplex. Es könnte sein, dass gerade ein Scheitern im Sinn der begleitenden Engel war, um bestimmte Lern­erfahrungen zu ermöglichen. Es könnte sein, dass eine Initiative verfrüht war und es um eine Samensetzung und noch nicht um eine Blüte ging. Es könnte sein, dass ein Menschenkreis gar nicht wegen dem vordergründigen Aktionsziel zusammengekommen ist, sondern um altes Karma aufzulösen. Oder es könnte vielleicht sein, dass man einfach bestimmten widerstreitenden Kräften im Seelenraum der Initiative so viel Raum überließ, dass es die Ini­tiative überforderte. Meine Erfahrung ist: Wenn man in einer suchenden Haltung in die geis­tigen Hintergründe von sozialen Vorgängen blickt, wird man oft überrascht, und es gibt immer etwas zu entdecken.
Eine solche Suchhaltung kann gleichzeitig auch stark motivieren. Die Seele öffnet sich, und tragende Kräfte können besser einfließen und werden damit zu eigenen Kräften. Das geschieht selbst dann, wenn die bewussten Erlebnisse sehr verschwommen bleiben.
Selbstverständlich wirkten nicht nur Engel an der Einführung der Volksabstimmung mit. In den verschiedenen Kampagnen konnte ich auch ein starkes Mitwirken von Elementarwesen beobachten, den Wesen, die den Seelenraum der Erde bilden. In dem Buch „Rettet die Elementarwesen“2 habe ich dies am Beispiel des Volksbegehrens „Faires Wahlrecht in Hamburg“ ausführlich geschildert. Jetzt möchte ich noch vom Wirken eines Menschen beschreiben, der bereits verstorben war.

Ein Ahne inspiriert das Regiogeld
im Jahr 1997 las ich einen Aufsatz von Dieter Suhr mit dem Titel „Netzwerk neutrales Geld“3 und war wie vom Blitz getroffen. Mich faszinierte die Art seiner Gedankenbildung: trocken, nüchtern, glasklar und gleichzeitig kristallen leuchtend, voller Konzentrationskraft, forschendem Denkwillen und plastischer Gestaltung. Gleich zu Beginn schreibt er: „Obwohl die folgenden Überlegungen sehr einfach sind, stoßen sie in den Köpfen der Menschen auf Widerstand. Sie scheinen bewährter Praxis und vertrauten Theorien zuwiderzulaufen. Doch nicht die ­neuen Ideen selbst sind schwer zu begreifen. Schwierig ist nur, sich von den alten Vorstellungen, die uns noch fest im Griff haben, zu befreien.“ Der Aufsatz beschreibt dann system­immanente Schwächen unseres Geldsystems im Zusammenhang mit den „Transaktions- und Liquiditätskosten“, die zu einer „strukturellen Nichtneutralität des Geldes“ führen. „Auf diese Weise bewirkt das Geld, dass die Armen, die Bedürftigen und die wirtschaftlich Aktiven für den Überfluss der Reichen, der Satten und der Untätigen sorgen. Und es zeigt sich, inwiefern das überlieferte Geld nicht nur ökonomisch ineffizient, sondern auch ungerecht und unfair ist.“ Er skizziert dann ein „Netzwerk neutrales Geld“. Die Kernidee ist, innerhalb des bestehenden Geldwesens einen abgeschirmten, aber wettbewerbsfähigen Geldkreislauf zu bilden, in dem andere Regeln gelten, die zu einer „Neutralität des Geldes“ führen.
Für mich war das eine herzerfüllte Willensbegegnung. Angefeuert begann ich, darüber zu sprechen, weitere Freunde gesellten sich dazu, und wir starteten ein Forschungsprojekt. Ein eigenes Geldsys­tem mit eigenen Regeln war damals noch sehr ungewohnt und kaum denkbar, und es war für uns eine harte Pionierarbeit, die Ideen bis auf den Boden der erdennahen Umsetzung zu bringen. Nach der Produktion von 1,2 kg Forschungsberichten startete Christian Gelleri dann Ende 2002 das Regionalgeld mit dem Namen „Chiemgauer“ (www.chiemgauer.info). Viele Menschen brachten ihre Kreativität ein, und ein rasantes Wachstum folgte. Heute gibt es in Deutschland über 60 Regiogeld-Initiativen, Keimzellen für ein gerechteres Geldsystem (www.regiogeld.de).
Dieter Suhr war Professor für öffentliches Recht an der Universität Augsburg. Seine Veröffentlichungsliste ist lang. Er starb am 28. August 1990 im Alter von 51 Jahren bei einem merkwürdigen Tauch­unfall auf Kreta, wo er mit seiner Frau und drei Kindern den Urlaub verbrachte. Das „Netzwerk neutrales Geld“ war in seinen letzten Lebensjahren sein Herzensanliegen, das er in Augsburg umzusetzen versuchte, wozu damals die Zeit natürlich noch nicht reif war.
Ich hatte 1997 noch nicht die Möglichkeit, das Wirken von Verstorbenen klar zu differenzieren. Eine Freundin bemerkte dann einmal, dass Dieter Suhr ganz anwesend und präsent im Raum sei, wenn ich über Regiogeld spräche. Wenn ich heute auf diese Erlebnisse blicke, würde ich die Impulse, die ich vom nachtodlichen ­Dieter Suhr erhalten habe, als seine „Willensschübe“ bezeichnen, und sehe, wie er in liebevoller Weite die heutige Bewegung für Regiogelder unterstützt und stärkt. Auch jetzt, beim Schreiben dieser Zeilen, fühle ich mich von ihm umhüllt und ernährt. Es ist für ihn eine große Genug­tuung, dass sein Herzensanliegen im sozia­len Leben langsam Fuß fasst. Mir scheint es sogar, dass er durch seinen frühen Tod mehr für die Reform unseres Geldsystems tun konnte, als es ihm als Lebender möglich gewesen wäre. Als Ahne kann er jetzt viele Menschen, die sich seelisch öffnen, aus dem Inneren ihres eigenen Herzens heraus berühren und motivieren.

Verbindung mit dem Gruppenengel
Mit den geschilderten Beispielen einer Zusammenarbeit mit geistigen Wesen im sozialen und politischen Leben möchte ich anregen, einmal in diese Richtung zu blicken. Nur wenn man einen Anfang wagt, können sich diese Dimensionen langsam eröffnen.
Seit einigen Jahren leite ich zusammen mit Agnes Hardorp Kurse in anthroposophischer Meditation. Dabei konnte ich auch Erfahrungen sammeln, wie die Verbindung zu einem Engel, der sich um ein Projekt, ein Unternehmen oder eine Schule kümmert, gut möglich ist. Im Folgenden beschreibe ich am Beispiel einer Schule vier Schritte, die zu einer Verbindung auf dieser Ebene führen. Das Bild eines Engels oder eines behütenden Wesens ist dabei hilfreich – ob man seine Anwesenheit als wesenhaft erfährt oder ihn eher symbolisch sieht, ist dabei zweitrangig.
1. Vorstellung: Sich die Schule als Haus möglichst plastisch vorstellen, innerlich durch alle Räume gehen, dann sich die Schüler vorstellen, die Lehrer, die Eltern, die Beziehungen der Schule zur Stadt, zu den Behörden. Dadurch erhält die Verbindung zum Engel der Schule einen soliden Grund. Man geht von tatsächlichen Wahrnehmungen aus und wird in der Seelenstimmung objektiver. Gleichzeitig lebt man sich in den Standpunkt des Schul­engels ein. Das Schulleben in all seinen Facetten ist seine Außenwelt, er nimmt die Geschehnisse der Schule ständig wahr.
2. Gefühl: Wenn die Vorstellungen aufgebaut sind, dann die Aufmerksamkeit auf das Herz verlagern. Kann ich die Schule auch fühlen? Wie fühlt sich der Schulgarten an? Wie fühlt sich die Turnhalle an? Wie die Stimmung in den Klassen? Das ist ein Schritt nach innen. Das Vorstellungsbild ist jetzt nicht mehr wichtig, sondern es geht um das Gefühl, um die Herzensverbindung zum Schulorganismus. Dieser Schritt kann nicht übersprungen werden, denn die Kommunikation mit geistigen Wesen läuft immer über das Herz. Ohne Herzensverbindung gibt es keine Kommunikation – oder nur eine illusionäre. Vielleicht wird man hier auch auf sich selbst zurückgeworfen und merkt, dass man gar keine Lust hat, sein Herz zu öffnen, zum Beispiel auf Grund von Verletzungen. Dann kann man versuchen, dies zu lösen.
3. Kommunikation: Wenn die Herzensverbindung besteht, dann ist man eigentlich schon ganz direkt mit der Entität des Engels der Schule verbunden und kann ein inneres Gespräch mit ihm beginnen. Es muss nicht ein verbales Gespräch sein, die nonverbalen Ebenen (Bilder, Ges­ten, Gefühle, Töne etc.) sind oftmals relevanter. Man kann bestimmte Fragestellungen vorbringen, kann sich aber auch nur öffnen und anregen lassen. Nur die wenigsten Menschen können Engel direkt und klar erleben. Das ist auch nicht wichtig, denn durch die aufgebaute Verbindung können sie in die scheinbar „eigenen“ Gedanken, Gefühle und Willens­impulse gut hineinwirken, vielleicht nicht zu 100 Prozent, aber doch zu einem spürbaren Anteil. Das merkt man zum Beispiel daran, dass man ganz neue Impulse, Blickwinkel und Einsichten erhält. Wenn man nur zu den Gedanken und Gefühlen kommt, die man sowieso schon hatte, dann war man vermutlich nicht mit dem Schulengel in Kontakt.
4. Auswertung: Viele Erlebnisse schwingen fein in der Seele und werden erst griffig, wenn man sie mit anderen bespricht oder aufschreibt.
Wer sich regelmäßig so mit dem Engel einer Schule, eines Unternehmens oder Projekts austauscht, wird merken, was für ein großartiger Gewinn das ist.

Was hat das mit Geomantie zu tun?
Manche Leser fragen sich vielleicht, wo in diesen Ausführungen nun der Bezug zur Geomantie liegt. Spielen denn Orte, Landschaften und Räume für die politische Arbeit eine wesentliche Rolle? Darauf weiß ich keine eindeutige Antwort. Es gibt sicherlich Wechselwirkungen zwischen Landschaften und politisch-sozialem Leben – doch diese sind für mich auf der geo­mantischen Ebene zu fein und komplex, als dass ich sie klar greifen könnte.
Hat sich zum Beispiel die bayerische Landschaft durch die Einführung des kommunalen Bürgerentscheids geändert? Oder wie ist die Landschaft in Rheinland-Pfalz anders, so dass dort die direkte Demokratie noch kaum Fuß fassen konnte? Ich habe keine Idee, wie ich solche konkreten Fragen beantworten könnte. Mir fällt nur ein, dass Bayern in der Nähe der Schweiz liegt, weshalb Wilhelm Hoegner auf der Flucht vor den Nazis einige Jahre in der Schweiz verbrachte und dort die Praxis der direkten Demokratie begeistert miterlebte. Er wurde nach dem Zweiten Weltkrieg erster Ministerpräsident Bayerns und setzte sich stark für eine möglichst gute Regelung von Volksbegehren in der neuen bayerischen Verfassung ein. In Rheinland-Pfalz fehlte eine solche Persönlichkeit. Zur Erklärung der Unterschiede erscheint mir das Auftreten eines inspirierten Menschen und die geografische Nähe zur Schweiz evident. Dagegen ist mir kein geomantisches Phänomen bekannt, das überzeugend zur Erklärung der Unterschiede heran­gezogen werden könnte.
In der geomantischen Praxis ist bekannt, dass sich in den feinstofflichen Ebenen einer Wohnung der seelisch-geis­tige Zustand der Bewohner widerspiegelt. Gleiches kann man auch für öffentliche Gebäude, Unternehmen oder gar für ganze Städte feststellen. Doch wie betrachte ich in einer ähnlich ortsbezogenen Weise ganz Deutschland? Gibt es bestimmte über Deutschland verteilte Landschaftsorgane, an denen man den Zustand des sozialen Lebens eines Volks im Ganzen erkennen und bearbeiten kann?
Ich kenne in der Nähe des Stuttgarter Landtags einen Ort, den Geomanten als Fokus des Erzengels von Baden-Württemberg bezeichnen. Vermutlich gibt es viele weitere Fokusse dieser Art, und wenn ich mich meditativ auf Baden-Württemberg konzentriere, dann komme ich mit diesem Erzengel in Kontakt, auch wenn ich weit davon entfernt bin. Dieser Fokus erleichtert mir die Wahrnehmung, spielt in meinen Augen aber keine „wesentliche Rolle“. Dagegen spielt der für Baden-Württemberg zuständige Engel selbst eine große Rolle. Dieser ist nicht räumlich begrenzt, auch wenn er an bestimmten Orten besonders erlebbar ist.
Vielleicht führt folgender Ansatz weiter: Wenn ich die Grenze in ein anderes Land überschreite, erlebe ich immer auch einen Eintritt in einen anderen Seelenraum, in dem eine andere Sprache, andere Lebensziele, Werte, Aufgaben, Impulse usw. leben. Und dies prägt sofort mein Denken, Empfinden und Sprechen. Ich vermute, dieses Erleben ist eine komplexe Mischung von jeweiligen Volks­engeln, die die ganze Landschaft und das soziale Leben durchdringen, kollektiven Gedankenformen, einer kollektiven Prägung der Naturelementarwesen, besonderen Strukturen von Lebenskräften und weiterem. Im Ländervergleich wird dann deutlich, wie differenziert diese großen Seelenräume sind. 

 

Anmerkungen:
(1) Vgl. Mayer, Thomas; Aderhold, Hans-Joachim: „Erlebnis Erdwandlung – Berichte und Texte einer Zeitzeugenschaft“, Verlag Ch. Möllmann, 2008.
(2) Mayer, Thomas: Rettet die Elementarwesen, Neue Erde, 2008.
(3) Der Aufsatz von Dieter Suhr ist im Internet veröffentlicht: www.sffo.de/sffo/suhrnngd.html.