Stadtplanung in Äthiopien
Im Dezember 2007 erfuhren wir von einem Hagia-Chora-Abonnenten, dem Landschaftsarchitekten Günter Quentin, er sei nach Äthio pien übersiedelt. Selbstverständlich interessierte uns seitdem, wie es möglich ist, Geomantie in die äthiopische Stadtplanung einzubringen. In diesem Frühjahr führten wir ein erstes E-Mail-Interview.
Herr Quentin, Sie sind zusammen mit Ihrer Frau Beate Birkigt-Quentin im Jahr 2007 in die Stadt Addis Abeba gezogen, um beim Bau einer neuen Stadt mitzuwirken. Ihre Frau hat eine Professur an der Architektur-Fakultät der Universität in Addis angenommen. Was hat Sie an diesem Land so sehr angezogen?
Schon seit vielen Jahren haben sich meine Frau und ich für verschiedene Länder Afrikas engagiert, sei des durch Patenschaften, Unterstützung von Aktionen und oft auch durch Kurzzeitexpertisen und Gutachten. So kam es, dass wir vor sieben Jahren bereits einmal in Äthiopien waren, um ein Gutachten zum sanften Tourismus zu erstellen. Mit einer Mediation konnten wir damals zur Lösung eines Konflikts zwischen unterschiedlichen Interessensgrupen beitragen. Dieser Aufenthalt war für uns ausschlaggebend, dass wir diesem Land mit seinem extrem geringen Lebensstandard bevorzugt helfen wollten.
Hier in Addis Abeba können wir uns insbesondere in der Ausbildung von Studenten engagieren. Ein neuer Masterstudiengang für ökologische Stadtplanung und Umweltschutz wird aufgebaut, die ersten Abschlussarbeiten der Studenten stehen gerade an. Einige dieser Studenten werden die Chance bekommen, in diesem Gebiet zu promovieren und unsere Gedanken einer lebenswerten Umwelt im Land fortzusetzen.
Woraus besteht Ihre Arbeit?
Ich arbeite an ökologischen Stadtplanungen als Freiberufler. Meine hiesigen Mitarbeiter leite ich nach dem Prinzip an, die Stadtplanung als ökologisch fundierte Strukturplanung aufzubauen und nicht die Fehler der westlichen Zivilisation nachzuahmen. Die intensiven privaten Kontakte zu Studenten und jungen Mitarbeitern sind für uns der Schwerpunkt unserer Tätigkeit, die wir immer unter der Prämisse sehen, dass wir als Gäste schon nach kurzer Zeit das Land wieder verlassen werden. Die Herangehensweise, die wir vermitteln, besteht im Erforschen und Weiterentwickeln der eigenen Kultur, und wir denken, dass dies erkennbare Spuren hinterlassen wird. Jedenfalls bereitet es uns nach inzwischen zwei Jahren große Freude, zu sehen, wie unsere „Schüler“ mitlerweile ihre Welt mit anderen Augen sehen.
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