Geopunkturkreise

Ankerpunkte für eine neue Kulturbildung, Teil 6: Das Hologramm Europas in Ljubljana

von Marko Pogačnik erschienen in Hagia Chora 32/2009

Während der sechsmonatigen Ratspräsidentschaft Sloweniens in der Europäischen Union sollte ein Geopunkturkreis, der die Einheit Europas symbolisiert, in der slowenischen Hauptstadt Ljubljana entstehen. Marko Pogaˇcnik berichtet, wie diese Vision in Erfüllung ging.

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Der Geopunkturkreis in Ljubljana, der als Hologramm ganz Europa abbildet, versteht sich als politisch-geoman­tisches Projekt. Dahinter steht die Frage, ob Geomantie zu politischen Prozessen, z. B. die Konstituierung der „Vereinten Staaten von Europa“, etwas beitragen kann. Die Möglichkeit, daüber zu forschen, ergab sich für mich durch den Umstand, dass die Republik Slowenien in der ersten Hälfte des Jahres 2008 die sechs Monate andauernde Ratspräsidentschaft der Europäischen Union innehatte.
Schon zwei Jahre zuvor hatte ich dem damaligen, inzwischen verstorbenen Präsidenten Sloweniens Janez Drnovšek die Idee eines Geopunkturkreises mit dem Thema Europa nahegebracht. Er befürwortete das Projekt und versprach, mit der Regierung darüber zu beraten. Leider fiel seine Entscheidung für den Geopunkturkreis genau in die Zeit, in der sein Gesinnungswandel, seine neue ethische Ausrichtung, in der Öffentlichkeit bekannt wurde: Präsident Drnovšek hatte begonnen, öffentlich vom tieferen Sinn des Lebens und von der bevorstehenden Erdwandlung zu sprechen, er hatte sich für eine vegane Lebensweise entschieden und sich spirituellen Themen zugewendet. Diese Wandlung führte weithin zu Irritationen, denn der in unserer Kultur herrschende Verstand fürchtet sich vor der Öffnung für größere Zusammenhänge.
Präsident Drnovšek, ein exzellenter Wirtschaftsfachmann, führte die slowenische Regierung zehn Jahre lang. Zuvor war er der letzte Präsident Jugoslawiens gewesen. Eine schwere Krankheit verhalf ihm zu einem neuen persönlichen Weg. Nach fast einem Jahr des Rückzugs kam er gesund und mit neuem Elan in die Öffentlichkeit zurück und überraschte mit herausfordernden Aussagen. Während dieser Phase stellte ich ihm meine Projekte vor und erfuhr, dass ihm meine Bücher inzwischen wohlbekannt waren. ­Diese Begegnung war der Beginn unserer Freundschaft und meiner Mitarbeit bei der von ihm gegründeten „Bewegung für Gerechtigkeit und Entwicklung“. Leider wurden viele von Drnovšeks neuen Projekten seitens der herrschenden politischen Parteien aus Angst vor Veränderung unterschwellig blockiert, darunter auch die Idee des Hologramms von Europa. Vermutlich haben ­diese Blockaden auch dazu beigetragen, dass seine Krankheit zurückkehrte.

Unerwartete Geschenke
Alle weiteren Bemühungen um die Realisierung des Geopunkturkreises waren zunächst vergeblich. Erst zwei Tage nach dem Tod Janez Drnovšeks im Februar 2008, als Slowenien schon fast zwei Monate die EU-Ratspräsidentschaft innehatte und ich nicht mehr daran glaubte, das Hologramm rechtzeitig realisieren zu können, kam eine unerwartete Wende. Ein Traum brachte mich zur Überzeugung, der gerade verstorbene Präsident habe dabei als Agens der Inspiration mitgewirkt und etwas verwirklicht, was er als Staatspräsident nicht tun konnte. Die Lage war nämlich zunächst aussichtslos gewesen. Der Vorschlag für das Hologramm Europas lag inzwischen beim Stadtrat von Ljubljana, der aber keinen Willen zeigte, das Projekt zu realisieren. Wie aus Zufall ereignete es sich nun, dass zwei Tage nach dem Tod von Janez Drnovšek auf Antrag unseres Geomantievereins erneut eine Sitzung mit dem Vizebürgermeister von Ljubljana stattfand. Das war der Moment der Wende. Es hieß plötzlich, dass die Stadt unser Projekt begrüße, aber der Geo­mantieverein VITAAA müsse selbst für die Ausführung und Finanzierung sorgen, denn es sei zu spät, einen Pos­ten dafür in den Finanzierungsplan einzustellen. Lediglich für die Genehmigung und für die Pflege des Orts nach der Aufstellung des Geopunkturkreises könne die Stadt sorgen. Das war erfreulich, doch finanziert war das Projekt damit immer noch nicht. Nach langem Warten entschied sich schließlich das Slowenische Kultusministerium für eine Teilfinanzierung aus seinem Notfallbudget. Auf dieser Basis war dann der von unserem Projekt begeisterte Bürgermeister Zoran Jankovi´c bereit, für die restliche Finanzierung zu sorgen. Bei einem Treffen mit Firmen, die in Ljubljana Geschäfte eröffnen wollten, sprach er über das Hologramm Europas und lud alle ein, einen Beitrag für die Realisierung des Steinkreises zu leisten. Unser Verein schrieb anschließend alle Firmen an, und etwa die Hälfte war zu einer Spende bereit. Die künstlerische Arbeit der 36 Mitwirkenden wurde der Stadt geschenkt. Was wir als Geschenk von der Stadt erhielten, ist die beste mögliche Lage für das Hologramm in einem kleinen Park an der großen Kreuzung am Eingang in die Stadtmitte. Hier kreuzen sich nicht nur Straßen, sondern mitten im Park auch zwei Ley­linien, die ich schon in meinem Buch über die Geomantie von Ljubljana im Jahr 1988 dargestellt habe.
Nach der Entscheidung im letzten Moment hatten wir nur noch vier Monate Zeit, das Ganze zu realisieren. Die feierliche Eröffnung mit einer Blaskapelle in festlichen Uniformen fand am 31. Juni 2008, dem letzten Tag der EU-Ratspräsidentschaft Sloweniens, statt. Über hundert Menschen waren zur Eröffnung gekommen, darunter auch Botschafter der EU-Länder wie Deutschland, Italien, Polen, Österreich, Mazedonien usw. Anlässlich der Eröffnung wurde ich erstmals für die Tagesschau des nationalen Fernsehens interviewt, und zwar gemeinsam mit dem italienischen Botschafter, der gefragt wurde, wie ihm das Kosmogramm seines Landes gefalle.

Das Hologramm Europas
Die 27 Steinsäulen des Hologramm Europas stehen für die 27 Mitgliedsstaaten der EU, hinzu kommen noch sechs Säulen für die Anwärterstaaten und ein weiterer Stein mit sieben eingemeißelten Kosmogrammen, gewidmet den Plätzen in Ljubljana, die das Hologramm mittragen. Die Gestalter der Kosmogramme waren Akteure aus dem Lebensnetz Geomantie und Menschwandlung. Die meisten kamen aus Slowenien, aber es gab auch Teilnehmer aus Tschechien, Italien, Kroatien, Österreich und Deutschland. Das Hologramm soll das Urbild Europas darstellen. Dabei spielen nicht nur einzelne Länder eine Rolle, sondern auch geomantische Phänomene, wie wichtige Berge, Seen, Flüsse, Ozeane, vitalenergetische Zentren und sakrale Orte Europas. Für jedes Land und jeden ausgewählten Ort wurde ein Kosmogramm entworfen. So enstanden insgesamt 78 Kosmogramme, darunter auch solche zur Wandlung verschiedener Muster, durch die Europa in seinem Wesen blockiert wird.
Dieser Geopunkturkreis sollte den Nabel bzw. den Omphalos Europas verkörpern. In meiner Vision des Landschafts­tempels von Europa liegt Ljubljana etwa im Mittelpunkt der Achse zwischen Kreta und Island und bietet sich daher als Nabel an. Das Hologramm verbindet die geo­mantische Bedeutung und die Rolle, die Ljubljana im Verlauf der Geschichte als europäische Hauptstadt immer wieder gespielt hat, zu einer politischen Aussage: Es geht darum, ein Bewusstsein zu fördern, das Europa nicht nur als funktionelle Einheit sieht, sondern als Holon, in dem Menschen verschiedener Nationen zusammen mit den Landschaften und Wesenheiten der Erde ihre Heimat finden können – ein Heim im Sinn eines schöpferischen und geistig erfüllenden Raums.
Der Steinkreis ist der Versuch, die positiven Kräfte in den politischen Vorgänger der EU durch die Aktivierung der urbildlichen und vitalenergetischen Grundlagen unseres Kontinents zu unterstützen. Kann es sein, dass wir uns bereits ein wenig stärker als Bürger der Europäischen ­Union fühlen …?