Erdkultur – ein Manifest

von Marko Pogačnik erschienen in Hagia Chora 32/2009

In dieser Kolumne beschreibt der Geomant, Bildhauer und Erdheiler Marko Pogaˇcnik seine Wahrnehmung der gegenwärtigen Erdwandlung. In letzter Zeit wurde die Kommunikation mit dem Erdbewusstsein zu seinem zentralen Thema.
Hier stellt er sein Manifest für eine neue Gaia-Kultur oder „Erdkultur“ vor, die Vision einer Partnerschaft von Erde und Mensch.

Die Menschheit ist mit Gaia, der Erdseele, verheiratet. Wir liegen sozusagen im selben Bett mit ihr. Und doch haben wir vergessen, die Liebesbeziehung zu ihr zu pflegen. Ist das nicht die Katastrophe hinter den vielen Katastrophen, die uns Lebewesen der Erde plagen?
Das geomantische Wissen, durch das wir begreifen könnten, wie intim der Leib des Menschen mit dem Leib der Erde verbunden ist, ist in unserer Kultur fast vollständig verlorengegangen. Nur langsam werden wir uns wieder der vitalenergetischen Systeme bewusst, die sowohl den Leib des Menschen wie auch den Organismus der Erdoberfläche beleben. Langsam gewinnen wir das Wissen von der Intelligenz der Natur zurück, die dieselbe Intelligenz ist, die es dem Menschwesen möglich macht, zu denken, sich emotional auszudrücken, Erinnerungen anzusammeln und in der materiellen Welt schöpferisch zu werden.
Wir teilen ein gemeinsames Schicksal, seit sich die Evolutionen der Erde und des Menschen miteinander verkoppelt haben. Man kann nicht erwarten, dass die Erde dieselbe bleibt, nachdem dem Menschen die Freiheit gegeben wurde, auf der Erde schöpferisch zu werden. Man kann auch nicht erwarten, dass der Mensch dasselbe Geistwesen bleibt, nachdem uns die Möglichkeit geschenkt wurde, uns auf Erden zu verkörpern und uns als Lebewesen der Erde zu erfahren.
Die tiefe, schicksalhafte Beziehung zwischen der Erdseele und dem Menschen lässt sich nicht durch formelle, nur auf die Instanz des Verstands gegründete Maßnahmen regulieren. Wir brauchen nicht nur Maßnahmen gegen die Erwärmung der Atmosphäre, sondern ein ganzes Spektrum alternativer Werkzeuge, um die Beziehungen zwischen Mensch und Gaia zu erneuern.
In den letzten Dekaden wurden auf der globalen Ebene viele Schritte unternommen, um eine planetare Kultur zu gründen, die auf das Wesen der Erde eingestimmt wäre:
! Ökologische Aktivitäten stellen den ersten grundlegenden Schritt dar, durch den die Menschheit heute relativ übereinstimmend ihren Willen ausdrückt, ihre Haltung dem Erdplaneten gegenüber zu ändern.
! In einem nächsten Schritt verbreiten verschiedene Initiativen das Wissen von der mehrdimensionalen Natur der Erde einschließlich des Menschen. Die Erfahrungswissenschaft der Geomantie wurde zu einer ganzheitlichen Ökologie weiterentwickelt. Geomantie bemüht sich, der modernen Kultur mit Wahrnehmungsmethoden aus weniger bekannten Dimensionen des Seins die Ausdehnung der Lebenskraft in der Landschaft verständlich zu machen.
! Die gegenwärtige zivilisatorische Krise verlangt einen weiteren Schritt in der Richtung einer Partnerkultur auf dem Erdplaneten, eine Kultur, die sowohl die Weiterentwicklung des Wesens Mensch als auch die Weiterentfaltung der Erde mit all ihren Wesenheiten und Dimensionen ermöglichen würde. Lasst uns eine solche zukünftige, schon jetzt entstehende Kultur „Gaia-Kultur“ nennen – oder vielleicht gar „Erdkultur“?