Im Dialog mit der Landschaft

von Johannes Groht erschienen in Hagia Chora 32/2009

Der dritte Beitrag von Johannes Groht in seiner Reihe über die Menhire in Deutschland lenkt den Blick auf die Standorte der Steine. Offensichtlich verkörperten sie nicht nur die Kraft der Ahnen, sondern standen auch in einer tiefen Verbindung mit der Landschaft der Steinzeit.

Keinen Satz habe ich auf meinen Reisen zu den Menhiren so oft notiert wie: „Steht auf der Höhe, aber nicht auf dem Gipfel.“ Im Lauf meiner Recherchen wurde das geradezu zu einem Kriterium für die „Echtheit“ der Steine. Wo es die Landschaft erlaubt, stehen fast alle Monolithen auf Hügeln oder Bergen, ohne jemals wirklich den Scheitelpunkt zu berühren. Dabei spielt die Höhe der Erhebungen keine Rolle. Wo dieser Umstand nicht zutrifft, steht der Stein entweder an einer Quelle, in Sichtverbindung zu einem Berg – oder das Land ist ganz flach.
Ich habe mich gewundert, dass diese Beobachtung bisher kaum Eingang in die Fachliteratur gefunden hat. Möglicherweise ist das ein Indiz für die Wahrnehmungsweise früherer Forscher, die sich allein auf die Steine als isolierte Forschungsobjekte konzentriert haben. Offenbar stehen die Steine aber nicht einfach für sich, sondern immer auch in Beziehung zu bestimmten Erscheinungen der Natur oder zu anderen Heiligtümern. Solche Bezugsorte können Gräber sein, Quellen – oder eben Berge.
Steine, die unterhalb des Gipfels stehen, kann man nicht von weit her sehen – und nur aus bestimmten Richtungen. Einerseits führt das Deutungsversuche ad absurdum, die Menhire hätten eine Funktion als Orientierungspunkte in der Landschaft gehabt.
Wer durch bergige Landschaften wandert, wird schnell gewahr, dass sich große, natürliche Landmarken wie Berge oder auffällige Felsen wesentlich besser zur Orientierung eignen als die verhältnismäßig kleinen Steine, die so schnell hinter Bäumen und Hügeln verschwunden sind.