Die Sprache Gaias verstehen

Geomantische Untersuchung eines Bioland-Hofs im Münsterland

von Jutta Watzlawik erschienen in Hagia Chora 31/2008

Die Geomantin Jutta Watzlawik, in ihrer ursprünglichen Profession Indologin, pflegt eine besondere Verbindung zur Landwirtschaft: Sie war jahrelang als Schäferin tätig und studierte Agrarwirtschaft. Hier beschreibt sie ein Beratungsprojekt, das ihre geomantischen Interessen mit ­ihrer Leidenschaft für die Öko-Landwirtschaft verbindet.

Wie ungleiche Schwestern haben sie sich einst im Kern­münsterland entfaltet: die eine auf einem mächtigen Kiessand­rücken von über 80 km Länge und die andere inmitten von drei riesigen Flach­senken südlich davon. Ihre Namen sind wenig poetisch und lauten ganz einfach „Hohe Ward“ und „Davert“1, was aus dem Niederdeutschen übersetzt etwa die „oben Gewordene“ und die „unten Gewordene“ heißt. Während auf dem Gebiet der Hohen Ward Siedlungsspuren aus der späten Jungsteinzeit belegt werden können, geht man davon aus, dass die sumpfigen Wälder ­Davert lange Zeit unberührt blieben.

Der Hof
Im Kaminzimmer des 172 Jahre alten Bauernhauses sitzen an einem Tisch voller Karten und Fotos Bauer Johannes und ich. Über uns hängt eine große Leuchte, auf deren hölzernem Rund Figuren angebracht wurden, die für die Menschen stehen, die noch vor 50 Jahren auf diesem Hof gelebt und gearbeitet haben. Zwölf waren es mit den Kindern damals, heute sind es vier: das Bauernehepaar, der kleine Sohn und ein Lehrling. Manchmal hilft eine Praktikantin, und für den Hofladen des Biolandbetriebs wurde ein Teilzeitjob eingerichtet. Auf zumeist sandigem Mergel mit nur 25 bis 40 Bodenpunkten betreibt Johannes einen 50 Hektar großen Gemischtbetrieb mit 30 Milchkühen und Nachzucht (Rotbunte) sowie einigen Hühnern. Der Weideanteil ist recht groß. Das auf den Futterflächen erzeugte Kleegras wird zu Anwelksilage verarbeitet, und für diejenigen Futterverwerter, die nicht zur Gruppe der Wiederkäuer gehören, werden Getreide und Kartoffeln angebaut. Dazu gibt es einen Hausgarten, einige Katzen und den freundlichen Hund Jimi. Auf einem alten Torbogen steht die Jahreszahl 1810, damals wurden noch Hand- und Spanndienste für den Baron geleistet, der auf der nahe gelegenen Wasserburg, Haus Borg, lebte. Seit 1982 bewirtschaftet Johannes in der vermutlich siebten Generation den Hof seiner Ahnen, den er sukzessive auf biologische Wirtschaftsweise umgestellt hat. Doch nun, dreimal sieben Jahre nach dem Umstellungsprozess, gibt es eine neue Vision, nämlich den Betrieb als landwirtschaftliche und soziale Zelle spirituell, emotional und materiell zukunftsfähig zu gestalten. Die Geomantie soll diesen Prozess unterstützen und ausrichten helfen.
Will man dem Wesen eines landwirtschaftlichen Organismus geomantisch näherkommen, ist es nötig, sich zuerst dem ihn umgebenden Landschaftsraum zu widmen. Denn er ist Grundlage und originärer Informations- und Kraftspender des von Menschenhand geschaffenen Kulturraums. Im landwirtschaftlichen Zusammenhang besteht Kulturraum aus dem sogenannten Hofaußenraum, den Nutz- und Brachflächen des Hofs, und aus dem Hof­innenraum, wo sich Wohnhaus, Ställe, Scheunen und Ähnliches befinden. So ergibt sich eine Dreigliederung in der geomantischen Arbeit, die sich zunächst an dem von außen nach innen strömenden Kräfte- und Informationsfluss orientieren muss, um die Urkraft, die den betreffenden landwirtschaftlichen Betrieb durchpulst, zu verstehen, aufzugreifen und schließlich die zur Vision kristallisierte Kraft gestaltend in den Kulturraum hineinzutragen.

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