Die Sprache Gaias verstehen

Geomantische Untersuchung eines Bioland-Hofs im Münsterland

von Jutta Watzlawik erschienen in Hagia Chora 31/2008

Die Geomantin Jutta Watzlawik, in ihrer ursprünglichen Profession Indologin, pflegt eine besondere Verbindung zur Landwirtschaft: Sie war jahrelang als Schäferin tätig und studierte Agrarwirtschaft. Hier beschreibt sie ein Beratungsprojekt, das ihre geomantischen Interessen mit ­ihrer Leidenschaft für die Öko-Landwirtschaft verbindet.

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Wie ungleiche Schwestern haben sie sich einst im Kern­münsterland entfaltet: die eine auf einem mächtigen Kiessand­rücken von über 80 km Länge und die andere inmitten von drei riesigen Flach­senken südlich davon. Ihre Namen sind wenig poetisch und lauten ganz einfach „Hohe Ward“ und „Davert“1, was aus dem Niederdeutschen übersetzt etwa die „oben Gewordene“ und die „unten Gewordene“ heißt. Während auf dem Gebiet der Hohen Ward Siedlungsspuren aus der späten Jungsteinzeit belegt werden können, geht man davon aus, dass die sumpfigen Wälder ­Davert lange Zeit unberührt blieben.

Der Hof
Im Kaminzimmer des 172 Jahre alten Bauernhauses sitzen an einem Tisch voller Karten und Fotos Bauer Johannes und ich. Über uns hängt eine große Leuchte, auf deren hölzernem Rund Figuren angebracht wurden, die für die Menschen stehen, die noch vor 50 Jahren auf diesem Hof gelebt und gearbeitet haben. Zwölf waren es mit den Kindern damals, heute sind es vier: das Bauernehepaar, der kleine Sohn und ein Lehrling. Manchmal hilft eine Praktikantin, und für den Hofladen des Biolandbetriebs wurde ein Teilzeitjob eingerichtet. Auf zumeist sandigem Mergel mit nur 25 bis 40 Bodenpunkten betreibt Johannes einen 50 Hektar großen Gemischtbetrieb mit 30 Milchkühen und Nachzucht (Rotbunte) sowie einigen Hühnern. Der Weideanteil ist recht groß. Das auf den Futterflächen erzeugte Kleegras wird zu Anwelksilage verarbeitet, und für diejenigen Futterverwerter, die nicht zur Gruppe der Wiederkäuer gehören, werden Getreide und Kartoffeln angebaut. Dazu gibt es einen Hausgarten, einige Katzen und den freundlichen Hund Jimi. Auf einem alten Torbogen steht die Jahreszahl 1810, damals wurden noch Hand- und Spanndienste für den Baron geleistet, der auf der nahe gelegenen Wasserburg, Haus Borg, lebte. Seit 1982 bewirtschaftet Johannes in der vermutlich siebten Generation den Hof seiner Ahnen, den er sukzessive auf biologische Wirtschaftsweise umgestellt hat. Doch nun, dreimal sieben Jahre nach dem Umstellungsprozess, gibt es eine neue Vision, nämlich den Betrieb als landwirtschaftliche und soziale Zelle spirituell, emotional und materiell zukunftsfähig zu gestalten. Die Geomantie soll diesen Prozess unterstützen und ausrichten helfen.
Will man dem Wesen eines landwirtschaftlichen Organismus geomantisch näherkommen, ist es nötig, sich zuerst dem ihn umgebenden Landschaftsraum zu widmen. Denn er ist Grundlage und originärer Informations- und Kraftspender des von Menschenhand geschaffenen Kulturraums. Im landwirtschaftlichen Zusammenhang besteht Kulturraum aus dem sogenannten Hofaußenraum, den Nutz- und Brachflächen des Hofs, und aus dem Hof­innenraum, wo sich Wohnhaus, Ställe, Scheunen und Ähnliches befinden. So ergibt sich eine Dreigliederung in der geomantischen Arbeit, die sich zunächst an dem von außen nach innen strömenden Kräfte- und Informationsfluss orientieren muss, um die Urkraft, die den betreffenden landwirtschaftlichen Betrieb durchpulst, zu verstehen, aufzugreifen und schließlich die zur Vision kristallisierte Kraft gestaltend in den Kulturraum hineinzutragen.

Wild und dunkel: die Davert
Stundenlang gehe ich versunken, ohne einem Menschen zu begegnen, durch das 2500 Hektar umfassende moorige Waldgebiet, das im Jahr 2001 unter Naturschutz gestellt wurde. Hainbuchen- und Eichenbestände wechseln sich ab mit Birken- und Heideflächen. Helle Moorbirkengemeinschaften wachsen schlank und oft seltsam verdreht zusammen mit Erlen aus dem sumpfigen Waldboden. Rehwild, Eichelhäher, Spechte, Schmetterlinge, Wildschweinspuren und Millionen von Mücken sind meine Begleiter. Mit jedem Schritt tauche ich tiefer in den Zauber einer Landschaft ein, die in ihrem moorigen Schoß die Erinnerung von Jahrtausenden bewahrt und ihre zeitenlose Weisheit in alle Herzen versenkt, die offen sind für ihre Sprache. Die Davert: ein kulturschaffender Lebensraum, Herausforderung und Mühsal für viele Menschen, die an ihren Grenzen wohnen, Rettung und Sinngebung für die, die zu ihr Zuflucht nehmen.
Ich atme und spüre, rieche und schmecke das Wesenhafte dieses großen Landschaftsraums. Gefühle von Schwermut, Zurückweisung, Verwirrung, Herausforderung und Geborgenheit durchströmen mich in schneller Abfolge. Auf kleinstem Raum scheint sich die Intensität der Plätze von abladenden zu sehr aufladenden Orten zu verändern. Ich verirre mich, mir wird schwindlig, und selten verspüre ich den Drang, mich zu setzen und zur Ruhe zu kommen. Es ist, als hörte ich viele Lieder, viele Stimmen gleichzeitig und zu schnell verklingen, als dass es mir gelänge, eine kleine Melodie, eine vollständige Information zu fassen. Ausgeliefert fühle ich mich, verloren und allein, allein, allein. Geduldig versuche ich immer wieder, mich anzunähern, und spüre nur langsam, wie eine wachsende Vertrautheit meine unbestimmte Verwirrung löst. Endlich gelange ich, geführt von der Gebärdensprache der Bäume, zu den Orten, die ich aufsuchen wollte, weil ich mit der Hand über der Karte dort eine attraktive Qualität wahrgenommen hatte. Hier versinke ich in stiller Meditation in Bilder aus früheren Zeiten, die hier bewahrt und erneuert werden.
So gestärkt begebe ich mich zum Wahrzeichen der Davert, zur sogenannten Teufelseiche. Dieser mächtige, halb abgestorbene Baum ragt wie eine Geste voller Emotionen, welche die Nähe von Verzweiflung zu grenzenloser Liebe ausdrücken, als lebendige Skulptur empor: äußerlich eine Fratze, im geistigen Abbild jedoch aufnehmende Liebe und Trost. Hier kann ich mich im Wesen der Davert wiederfinden. Ich lasse mich weiter durch das Land führen und mache Bekanntschaft mit vielen besonderen Bäumen. Auf einer alten „Schäferwiese“, die allerdings schon seit vielen Jahren keine Schafe mehr gesehen hat, lädt mich eine alte Eiche in ihrer Mitte zum Verweilen ein. Mein Blick fällt von dort auf ein „Baumtor“, durch das hindurch ich weiter in den Wald hineingehe, um nach kurzer Zeit einen magischen Raum voller Weisheit und Licht zu betreten. Kaum war ich verwundert und berührt stehengeblieben, verschmelze ich mit der Erde, falle gleichsam in sie hinein. Je tiefer ich falle, desto kindlicher, einfacher und reiner fühle ich mich, aufgesogen von der magischen Kraft Gaias. Alles Schwere fällt ab, alte Muster springen wie Eisenbänder entzwei, und ich bade in Liebe und Freude.
Wie eine riesige Gebärmutter stellt sich die Davert meinem inneren Auge dar: dunkel, feucht, das Chaos, in dem überflüssige Kräfte vergehen oder aus dem das Neue entsteht. Hier scheint mir das alte Wissen bewahrt zu werden, und verzerrte feinstoffliche Informationen werden gelagert oder gehen transformiert, erneuert und gereinigt wieder in die Lebensprozesse ein. Die Davert ist wie der große Topf, in dem Gaia rührt, um Neues hervorzubringen: neue Lieder, neue Visionen, neue Geschichten. Sie gibt ihre Geschenke denen, die vertrauen und den Mut haben, sich mit dem Dunklen zu verbinden.

Kultiviert und licht: die Hohe Ward
Der Hiltruper See, der nach Kies- und Sandabbau entstanden ist, und ein gut instandgehaltenes Wegenetz machen die Hohe Ward zu einem beliebten Naherholungsgebiet der Münsteraner. Heute ist das Gebiet bewaldet, doch weisen frühere Aufzeichnungen den mächtigen Os (eine während der Eiszeit entstandene bahndammähnliche Aufschüttung von Schmelzwassersanden) als offene, waldarme, sandige Heidefläche aus. Was die „hoch gewordene“ Hohe Ward mit ihrer dunklen, nach „unten gewordenen“ Schwester Davert gemeinsam hat, ist das allgegenwärtige Wasserelement. Heute wird diese Gegend vornehmlich zur Trinkwassergewinnung genutzt.
Zusammen mit Freunden mache ich mich auf den Weg in die Hohe Ward. Von einem Gräberfeld, das von der späten Jungsteinzeit bis in die spätere Eisenzeit belegt ist, hatte ich gehört und von einem alten Freistuhl, wo ein großer Findling heute noch an eine mittelalterliche Femegerichtsstätte, den Galgenknapp, erinnert. Leicht und angenehm fühlte es sich an, durch diesen Wald zu gehen, klar sind die Strukturen, eindeutig die Baumgesten, die mich auf Orte mit besonderer Atmosphäre aufmerksam machen. Der Boden scheint Licht auszustrahlen, vor meinen Augen tanzen Pflanzenwesen. Am Rande eines Felds, auf dem jede Menge Feuerstein zu finden ist, erreichen wir eine parkähnlich gestaltete Lichtung: einen Raum von Klarheit, Frieden und ruhiger, wissender Erhabenheit. Je näher wir dem Zentrum kommen, desto stärker wird auch das Gefühl der Weichheit der Erde. Im Zentrum des Orts befindet sich ein von einem Wassergraben umgebener, kreisrunder, von Eichen umstandener Hügel. Durch andächtiges Begehen mache ich mich mit dem Geist des Orts vertraut und setze mich an den Stamm einer Eiche. Tiefer Frieden erfüllt mich. Körperlos tauche ich ein in das Innere des Hügels und tanze geweiht wieder heraus. Es ist wie ein Spiel, und doch tiefstes, heiliges Mysterium. Sind wohl an diesem Ort über Jahrhunderte hinweg Rituale gefeiert worden? Vielleicht ist es deshalb leicht, hier die Weisheit Gaias zu integrieren.
Nach einer langen „Traumzeit“ durchstreifen wir weiter die Hohe Ward, gehen durch „Feenwälder“, wo trotz dichtem Baumbestand goldenes Licht aus der Erde zu dringen scheint, und erspüren seltsam verwinkelte Wege. Ich treffe auf eine Wegkreuzung, die ein regelmäßiges, akkurates Pluszeichen bildet, deren Wege jedoch nach einigen Metern scheinbar grundlos mitten im Wald enden. Nach genauerer geomantischer Untersuchung entpuppen sich zwei Wegenden als Quellpunkte starker Kräfte, die ich als Leylinienquellpunkte bezeichne. Ihre Qualität, die sich im jeweiligen Pflanzenbewuchs ausdrückt, ist völlig unterschiedlich. Lieblich, jungfräulich und licht der eine, geschmückt mit wunderschönem, in diesem Wald einzigartigem Blumenbewuchs, und väterlich, machtvoll, beinahe abweisend der andere, mit kreisförmig stehenden, trotzigen, alten Eichen. An der geheimnisvollen Wegkreuzung kreuzen sich die beiden Leylinien und laufen nordöstlich und südwestlich an „Goldemars Grab“ vorbei. Dabei strömt die Drachenlinie mit der lichten, lieblichen Qualität Richtung Davert über den Hof, von dem ich hier berichte.

Ein landwirtschaftlicher Betrieb zwischen Religio und Vision
Anhand des Kartenmaterials und nach vielen Gesprächen mit dem Landwirt bereite ich mich auf die Hofbegehung vor. Die Flächen des Biohofs sind mit Ausnahme von drei Weiden- bzw. Wiesenflächen, die in der Davert verteilt liegen, arrondiert. Viele Wassergräben und Bachläufe strukturieren die Flächen, manche wurden im Lauf der Zeit verlegt, andere zugeschüttet. Hecken und neu gepflanzte Obstbaumreihen bestimmen das Bild. Auch hier blieben die Flure von den Errungenschaften der Zivilisation nicht verschont: Eine aktive Ölpipeline zieht sich im Untergrund von Westen nach Osten quer durch einige Felder, eine doppelte Stromtrassenführung verläuft rechtwinklig dazu in Nordsüdrichtung, die Bundesstraße 54 bildet im Südwesten einen Riegel zwischen Hofflächen und Davert.
Das Studium der Flurkarten ergab dennoch auffallend wenige Blockaden im Ener­giefluss und lenkte die Aufmerksamkeit auf andere Phänomene: die Beziehung vieler Flächen zur Dreiecksform. Überdies konnte ich mittels intuitiver Ferndiagnose an zentraler Stelle des Hofaußenraums einen Kreuzungspunkt dreier Leylinien ausmachen. Als Schlüssel für die Betriebsindividualität erschien mir ein Waldstück mit der Bezeichnung „Steingraben“, das die Betriebsflächen zum Norden hin in Dreiecksform abschließt. Interessant, dass mich Bauer Johannes unaufgefordert auf das in seiner Haustür befindliche Dreieck aufmerksam machte. In seiner Mitte birgt es einen pupillenartigen Kreis und wirkt dadurch wie ein göttliches Auge. Im Türrahmen kreuzen sich zwei tulpenähnliche Blumen, die jeweils drei Blütenblätter aufweisen. In meiner geomantischen Arbeit auf landwirtschaftlichen Betrieben tritt immer wieder der Aspekt der Dreiheit2 in den Vordergrund. Es scheint dies das Ursymbol oder die „Grundnote“ zu sein, auf dem das „Orchesterwerk“ eines landwirtschaftlichen Organismus aufgebaut ist. Je klarer die Ausprägung des spirituellen Bewusstseins auf einem bäuerlichen Betrieb, desto offensichtlicher die Dreiecksform und das ungehinderte Strömen der feinstofflichen Energieflüsse zwischen den Eckpunkten und darüber hinaus.
Mein erster Weg führt mich daher zum Steingraben, dem von drei Bachläufen umgebenen, hauptsächlich aus Eschen bestehenden Waldstück. Johannes nennt den Steingraben das Kronenchakra seines Hofs. Keine Brücke führt über den Hemmerbach, der südlich zum Wäldchen fließt, ich muss auf einem glitschigen Holzbrett den Übergang wagen. Auf der anderen Seite em­pfängt mich eine kraftvolle, strahlende Atmosphäre, so dass ich diesen Ort mit seinen vielen Eschen als Sonnenplatz deute. Am Waldteich lasse ich mich nieder, um mich zu versenken und in passiver Wachsamkeit zu lauschen. Schnell spüre ich, dass dies ein Ort ist, dessen Wirksamkeit weit über den landwirtschaftlichen Organismus hinausgeht und von überregionaler Bedeutung ist. Hier verbinden sich Weisheit und Aktivität von Davert und Hoher Ward, hier geschieht kosmischer und irdischer Austausch, hier verbinden sich Polaritäten. Ich sehe hier eine Gemeinschaft hoher geistiger Wesenheiten am Erhalt der Erde mitarbeiten: Mir scheint, sie empfangen hier Informationen, verarbeiten sie, senden sie wieder aus und unterhalten Verbindungen zu anderen Kraftorten: eine Art Synapse im Organismus Gaias. Dabei wirken sie im Bereich des menschlichen Bewusstseins genauso wie innerhalb des Erdbewusstseins. Auf der Ebene dieser Wirksamkeit existiert keine Polarität, sondern nur Einheit und Ganzheit. Solange Menschen die „Arbeit“ der hier im Steingraben versammelten Wesen nicht stören, sind sie willkommen.
Nach einer längeren Pause führt mich mein Weg weiter über einen Acker zu einem kleinen Holzhaus. Die an der Hütte stehende wunderschön gewachsene Eiche erregt meine Aufmerksamkeit. Deutlich kann ich an einer Seite den Verlauf einer Leylinie wahrnehmen. Ihrem Richtungsverlauf folgend, komme ich auf einen Weg, an dem sie die bereits auf meiner Karte eingezeichnete Leylinie kreuzen müsste. Nach einer längeren Untersuchung dieses Kreuzungspunktes ließ sich der Verlauf einer dritten Leylinie wahrnehmen, die hier ebenfalls kreuzt. Ich hatte das „Herz“ des Betriebsorganismus gefunden.
Ein anderer wesentlicher Kraftpunkt ist ein künstlich angelegter, dreieckiger Teich mit abgerundeten Ecken, an den sich auf einer Seite eine alte Schlehenhecke anschmiegt. Der Teich wirkt so natürlich an dieser Stelle, weil der wasserundurchlässige Mergelton im Untergrund eine Teichfolie überflüssig macht. Der Ort war auch vor der Gestaltung des Biotops immer nass und nicht bearbeitbar gewesen. Ich deute ihn als Platz des Mondes.
Neben dem Ort der Sonne (Steingraben) und des Mondes (Teich) fand ich auch einen Planetenpunkt, der die Qualität des Saturns verkörpert, an einer mit hohen Eschen bewachsenen Stelle am Flaggenbach. Diese drei planetaren Qualitäten sind nach Rudolf Steiner die drei Verdichtungs- oder Bewusstseinszustände, die der Erdentwicklung vorausgegangen waren. Ich nehme das als einen Hinweis darauf, dass sich hier im Hofaußenraum Essenzen der ewigen Weisheit Gaias bewahrt haben.

Geomantische Impulse
Bedingt durch die Lage der Kraftorte, waren die feinstofflichen Kräfte im nördlichen Bereich stark, doch südlich des Hof­innenraums fiel das Energieniveau ab, was sich nicht zuletzt in ackerbaulichen Problemen auf den südlichen Flächen zeigte. Die Nord-Süd-Verbindung störte eine an beiden Seiten dicht bewachsene, kleine Asphaltstraße, die zu einem alten Wegkreuz führt. Sie verstärkt den ostwestlichen Kräftefluss, der den Nordsüdfluss bricht und vermindert. Im südlichen Hofaußenraum, der von jeher weniger Beachtung fand, da auch die Kühe und das Jungvieh hierher nie auf die Weide geschickt worden waren, befindet sich zwar ein vom Landwirt kürzlich gestalteter germanischer Baumkreis, doch ihm fehlt ein kräftiges, impulsgebendes Zentrum.
Als Ergebnis der geomantischen Untersuchung zeigten sich mir drei „Tore“, deren Öffnung wichtige Impulse auf der Bewusstseinsebene des landwirtschaftlichen Organismus setzen würden.
! Die bewusste, geistige Anbindung des Hofs an Davert und Hohe Ward, um durch die kulturschaffende Kraft dieser beiden Landschaftsräume Zukunft zu prägen.
! Die Gestaltung der Leylinienkreuzung zur Bewusstmachung der zentralen Bedeutung dieses Kraftorts für den Bauernhof und darüber hinaus.
! Das Anbinden der südlichen an die nördliche Betriebsfläche durch das Unterstützen eines harmonischen feinstofflichen Kräftestroms.
In einer kleinen Gruppe von mit dem Bauernhof verbundenen Menschen gingen wir an einem Sonntag los, um in Gemeinschaft die drei ersten Impulse zu setzen. Wir begannen mit einer Begehung der Davert und der Ortung des Punkts, der die enge Verbindung und Offenheit des landwirtschaftlichen Betriebs mit den Visionskräften der Davert symbolisieren sollte. Die Verbindung mit der Hohen Ward war bereits durch die Leylinie, deren Quellpunkt sich in der Hohen Ward befindet und die durch den Steingraben sowie durch die Leylinienkreuzung strömt, gegeben. Den Verbindungspunkt in der Davert konnte ich über die Karte leicht ausmachen, indem ich den Mittelpunkt des Kreises, der den Leylinienkreuzungspunkt auf dem Betrieb mit den beiden Hofflächen, die sich inmitten der Davert befinden, verband. Der Kreis diente hierbei auch als Symbol für Einheit und Vernetzung.
In unserer gegenwärtigen Zeit dominiert das Rechteckige unsere Landschafts- und Städtegestaltung. Die Kraft der Entfaltung, die Kraft des Neuen, die Macht des Zukünftigen findet jedoch in kreisförmigen Figuren ihren Ausdruck. So setze ich bewusst neben die den Hof bestimmende Form des Dreiecks den Kreis, der in die Zukunft hinein wirken soll.
In einem unberührt wirkenden Waldstück der Davert, nicht weit entfernt von einer Lichtung mit einem größeren Waldteich, fanden wir den auf der Karte wahrgenommenen Kreismittelpunkt an einem Ort, dessen Baumbewuchs einen Kreis erahnen ließ und dessen Atmosphäre uns berührte. Hier traten wir in emotionalen Dialog mit dem Wesen der Davert und baten um Unterstützung für unser Anliegen, den Hof und die darauf arbeitenden Menschen mit zukunftsfähigen Visionen zu nähren und die Gemeinschaft der Menschen und Institutionen um den Hof herum wachsen zu lassen. Wir empfingen eine Welle von Harmonie und Liebe, und uns wurde bewusst, dass die Tatsache, dass wir diesen für den Hof so wichtigen impulsgebenden Punkt in der Davert und nicht auf den Flächen des Betriebs verorteten, von den Wesenheiten der Davert mit Freude aufgenommen zu werden schien. Plötzlich begannen die Vögel zu singen, und der mit Wolken verhangene Himmel hellte sich auf. Solchermaßen beschenkt, bereiteten wir uns auf unsere nächste Aufgabe vor.
Die Leylinienkreuzung bildet auf der Ebene der zum landwirtschaftlichen Organismus gehörenden Flächen das Herzzentrum. Der Raum der Kreuzung wird durch Hecken-, Weg- und Zaunführung gevierteilt, und es bot sich an, dies in die Gestaltung einzubeziehen. Das nordöstliche Viertel wird von einer meist staunassen Ackerecke gebildet, das südöstliche wie das nordwestliche Viertel umschließt die Ecke einer Kuhweide, und das südwestliche Viertel ist die Ecke einer für die Hühner- und Bienenhaltung vorgesehenen Obstwiese. Von Süden nach Norden führt ein Hauptweg vom Hof zum Steingraben, den ich auch „Engelfokus“ nannte. Der Bauer selbst formulierte den Wunsch, die staunasse Ackerecke zu einem Teich umzugestalten. Die Pflanzung von je einem Baum in den Ecken der beiden Kuhweiden sollte die ausgewogene Gestaltung des Herzensraums komplettieren. Im Westen, der Davert zugewandt, wird eine Flatter­ulme, wie sie auch in der Davert zu finden ist, stehen, und im Osten, der Hohen Ward zugewandt, eine Esche. So finden sich nun im Herzzentrum auch zweimal zwei Polaritäten symbolisiert: Wasser (Teich) und Wärme bzw. Feuer (Obstbäume, Bienen), männlich (Esche) und weiblich (Ulme).

Harmonisierungen
Nach der langen Zeit des intensiven Austauschs mit Landschaftsraum und landwirtschaftlichem Organismus waren alle Beteiligten bereit für die Durchführung dreier bewusstseinsverbindender ­Rituale. Beginnend im Norden des Hofaußenraums wollten wir Impulse zur Anregung des feinstofflichen Kräfteflusses geben. Praktisch handelte es sich um das Setzen von je einem Kupferstab im Steingraben (Engelfokus), Herzzentrum (Kraftlinienkreuzung) und in der Mitte des germanischen Baumkreises. So sollten die drei Kraftorte über Resonanz vernetzt bzw. stabilisiert und durch eine „Prozession“ von Nord nach Süd der Kräftefluss in dieser Richtung verstärkt werden. Wie sich die Rituale der Erdakupunktur im Einzelnen gestalten würden, wurde nicht vorbestimmt, sondern sie entfalteten sich im gemeinsamen Tun. Wir ließen uns ohne Vorgaben auf diesen Prozes ein, jeder war aufgerufen, dabei auftretende Widerstände sofort kundzutun. Nach einigen Stunden war es uns mit Hilfe von geomantischen Ritualen, Visualisierungen, Tanz und Segenswünschen gelungen, die beschriebenen Orte in unser Bewusstsein zu nehmen, miteinander zu vernetzen und ihre Strahlkraft zu verstärken: Der Steingraben, an dem sich die Synthese der Kräfte der Landschaftsräume Davert und Hohe Ward vollzieht, die Leylinienkreuzung als vitalenergetisches Zentrum und Herzensraum, die neue Mitte im germanischen Baumkreis als Quelle für neue, soziale, lebensfördernde Impulse, in den alle Kräfte des Ortes einfließen. Als Abschluss unseres Rituals pflanzten wir die Esche neben dem Teich am Baumkreis als Symbol für den dreifachen Aspekt in der harmonischen Ganzheit dieses landwirtschaftlichen Organismus.

Einsichten und Aussichten
Einige Wochen später sitze ich mit Johannes in der guten Stube seines Hofs und erläutere ihm die Symbolik des Kosmogramms, das sich als Nachhall der geo­mantischen Arbeit gezeigt hat. Es ist das Kosmogramm für einen Hof, der die Impulse, die Mutter Erde in dieser Region zum Ausdruck bringen will, in die Zukunft trägt: Das Kreuz steht für die Erdenkraft, die vier Himmelsrichtungen, für Ordnung, Stabilität, Verwurzelung und für den physisch-materiellen Aspekt des Hoforganismus. Das Dreieck, das sich unter anderem in der Form der Hofflächen wiederfindet, ist Symbol für die zyklischen Phasen Säen, Wachsen, Ernten sowie für die drei Planeten-Qualitäten und drei Kraftorte. Der Kreis schließlich steht für das zyklische Modell der Zeit, für Ganzheit und weise Zukunftsvision. Der zunehmende und abnehmende Mond symbolisiert die Landschaftsräume Hohe Ward und Davert, die beiden Schwestern, deren spirituelle Kraft die Zukunft gestalten soll. Der Mond zeigt zudem die weibliche Grundstruktur dieses Landschaftsraums an. Seit dem Mittelalter haben sich männlich strukturierte Wasserburgen und Herrschaftshäuser als Gegenpole in dieser Region ausgebildet, die dazu neigten, ihren Machtanspruch auf Mensch und Natur auszudehnen. Heute sind die Herrschergeschlechter ausgestorben, die Davert wurde Naturschutzgebiet, und die Macht fließt nun denjenigen zu, die sich in ihrem Herzen und Bewusstsein mit der Erde und ihren Landschaftsräumen verbinden. Und solchermaßen definiert sich auch die besondere spirituelle Zielsetzung dieses Hofs, dessen Aufgabe es sein soll, neue Methoden einer Zusammenarbeit mit den Kräften der Erde zu verwirklichen. Das bedeutet ein sinnvolles Arbeiten mit den Erdkräften, wie sie sich gerade hier entfalten wollen. Das Hinhören und Verstehen der Sprache Gaias wird eine ausgewogene Gestaltung des Betriebs zur Folge haben: Naturbelassene Flächen, extensive Nutzung und intensive Feldbewirtschaftung werden ihre Räume dort finden, wo die Erde sie anbietet. Neue Erfahrungen und landwirtschaftliche Ansätze werden zu Inspirationen für die zukünftige regionale und überregionale landwirtschaftliche Entwicklung. Interdisziplinärer Austausch, regionale und überregionale Kooperation werden ebenfalls wichtige Aspekte der Arbeit sein. Bei all dem ist es wichtig, dass die Erdung des Betriebs, die Verwurzelung, stabil bleibt. Dies geschieht, indem die Milchviehhaltung weiterhin Mittelpunkt des landwirtschaftlichen Organismus bleibt. Kühe tragen Kosmos und Erde in sich und verleihen unter anderem durch den Rhythmus der Melkzeiten diesem sehr auf spirituelle und soziale Aufgaben hin orientierten Bauernhof die nötige Struktur. Es gilt nun, die in diesem Jahr gegebenen Anregungen und Impulse wirksam werden zu lassen, die ersten Gestaltungsvorschläge zu verwirklichen und während des Winters innerhalb des Familien- und Freundeskreises die soziale Basis für die zukünftigen Aufgaben zu schaffen. +

Eine ungekürzte Fassung dieses Artikels ist auf www.geomantie.net abrufbar.

Anmerkungen: (1) Aus dem Niederdeutschen: warden (werden), daal (ab, hinunter) (2) Der landwirtschaftliche Jahreslauf besteht aus drei Jahreszeiten: Säen, Wachsen, Ernten. In der heiligen, verborgenen Zeit der Winterruhe erneuern sich die Lebenskräfte