Geopunkturkreise

Ankerpunkte für eine neue Kulturbildung, Teil 5:
Der erste Geopunkturkreis in Amerika steht in Foxhollow, Kentucky.

von Leslie Luchonok erschienen in Hagia Chora 31/2008

Leslie Luchonok, der schon in den 70er-Jahren mit Marko Pogaˇcnik in dessen slowenischer ­Künstlergemeinschaft über die Zukunft der Erde nachgedacht hat, beschreibt die Entstehung eines Geopunkturkreises auf dem Gelände einer ökologischen Farm in Kentucky.

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Der Plan, in den USA einen Geopunkturkreis zu errichten, hatte bereits vor einigen Jahren erste Gestalt angenommen. In der letzten März-Woche des Jahrs 2008 war es dann soweit: Auf der Foxhollow-Farm in Kentucky wurden Steine graviert und anschließend zu einem Geopunkturkreis aufgestellt. Viele Menschen haben mit all ihrer Kraft zur Geburt dieses Projekts beigetragen, und sicherlich hatten sie auch Unterstützung von Seiten der unendlich vielen nicht-menschlichen Wesenheiten, mit denen wir Gaia teilen.
Das Foxhollow-Projekt entwickelte sich aus dem ersten Zweijahresprogramm der von Ana und Marko Pogaˇcnik geleiteten nordamerikanischen Geomantieschule. Die Gruppe der Auszubildenden kam erstmals im Frühjahr 2006 zusammen und traf sich im Verlauf des Zweijahreskurses noch weitere sechs Male, um mit Ana und Marko zu arbeiten und zu lernen. Die Seminare fanden in den weiträumigen Landschaften der US-Bundesstaaten Georgia, Vermont, Minnesota und Arizona statt. Sie deckten ein weites Feld geomantischer Themen ab und umfassten sowohl Einzel- als auch Gruppenübungen und geomantische Praxis in der Landschaft.
Zu Beginn des Jahrs 2007 wählte Marko die Foxhollow-Farm in Kentucky als Standort für einen Geopunkturkreis aus. Der Betreiber des etwa 485 Hektar großen ökologischen Landwirtschaftsbetriebs hatte seine finanzielle Unterstützung für das Projekt zugesagt. In den folgenden Monaten waren die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Ausbildung neben ihrem Unterricht auch mit den Vorbereitungen des für Frühling 2008 angesetzten Foxhollow-Projekts beteiligt. Das Spektrum der Vorbereitungsarbeiten reichte von ganz praktischen Dingen bis zu geistiger Arbeit: die Organisation von Reisen und Unterkünften, die Suche nach geeigneten Steinen für die Installation, Unterricht in Kosmogramm-Zeichnen oder Medita­tion über das Thema, dem der zukünftige Geo­punkturkreis gewidmet sein sollte: die vielen Facetten der Präsenz des Göttlichen auf Erden. Marko Pogaˇcnik hatte 28 Aspekte formuliert, um dieses große Thema in Worte zu fassen.
Ein Geopunkturkreis entsteht immer als internationales Projekt, in dem Teilnehmer aus verschiedenen Ländern zusammenwirken. Bei diesem Projekt würde zwar außer Ana, Marko und seiner Frau Marika niemand aus Europa praktisch an den Steinen arbeiten, aber viele jenseits des Atlantik lebende Menschen waren auf andere Art beteiligt: Marko schickte ihnen eine Liste mit möglichen Themen und Aspekten, so dass jeder und jede intuitiv einen Aspekt auswählen konnte (oder vielleicht von dem betreffenden Aspekt selbst ausgewählt wurde?), um anschließend ein Kosmogramm zu entwerfen, das die Essenz und Qualität des Aspekts zum Ausdruck bringen sollte.
Marko bereitete sich auf die Realisierung des Steinkreises vor, indem er die an ihn zurückgesandten Zeichnungen in Augenschein nahm. Die Geomantie-Gruppe in den USA hatte zur Vorbereitung praktische Probleme zu lösen. Es galt, Werkzeuge für die Steinbearbeitung zu beschaffen. Selbstverständlich gehörte auch die spirituelle Einstimmung und die Suche nach Inspiration zu unserer Vorbereitung.

Die Beziehung zur Landschaft
Zur Realisierung des Projekts kamen 25 Menschen am 21. März zusammen, einem Vollmondtag, einen Tag nach der Frühjahrs-Tagundnachtgleiche. Als die Teilnehmenden aus verschiedenen Orten in Kanada und den USA eintrafen, waren Marko, Marika und deren Tochter Ana schon mitten in der Arbeit. Sie bearbeiteten Steine, durchwanderten das Gelände der Farm und koordinierten logistische Fragen mit den Gastgebern und Organisatoren Janey und Brian Newton.
Die ersten Tage waren dem Wiederzusammenwachsen als Gruppe gewidmet. Wir stimmten uns konzentriert auf das Projekt ein, erkundeten das Land und übten uns in bildhauerischer Arbeit, wobei uns Marko und Marika als geduldige und fachkundige Lehrer zur Seite standen. Zu unserer Landschaftserkundung gehörte auch eine Untersuchung der geomantischen Systeme der Umgebung, so wie wir es bereits mehrfach mit Marko und Ana geübt hatten, ebenso wie die Arbeit zur Stärkung der Ganzheit, Balance und Vitalität des gesamten Systems. Ein Geopunkturprojekt umfasst ja bereits per Definition die weitere Landschaft ebenso wie die detaillierte Ausarbeitung und Positionierung der Steine, die dazu bestimmt sind, Kraft und Bewusstsein zu bündeln und in das große Ganze hinein auszustrahlen.
Noch während wir uns in einer Scheune im Meißeln von Kosmogrammen übten, gravierten Marko und Marika neun Steinstelen mit von ihnen entworfenen Kosmogrammen zur Stärkung des Landschaftsraums der Farm. Sie wurden so im Gelände platziert, dass sie in Beziehung zum Land, zu den Energiezentren sowie zur spirituellen Essenz der Foxhollow-Farm stehen.
Schließlich waren alle so weit, dass sie ein Kosmogramm des Geopunkturkreises auf „ihren“ Stein übertragen konnten. Neben den Kosmogrammen, die den 28 Aspekten der Präsenz des Göttlichen gewidmet waren, wurden noch sechs Kinesiogramme in einige der Steine gemeißelt. Sie hatten die Aufgabe, die Transformation der Schattenaspekte menschlicher Beziehungen zum Göttlichen spiegeln.
An einem Morgen gönnte sich die Gruppe eine Pause von der Arbeit an den Steinen und traf sich auf dem sanft ansteigenden Hügel, auf dem die Steine aufgestellt werden sollten, um die exakte Platzierung jedes einzelnen Steins zu eruieren. Während wir uns über die Anhöhe verteilten, suchte jeder nach dem richtigen Ort für „seinen“ Stein – was gar nicht so einfach ist, wenn man zu einem Kreis finden möchte und ständig seine Position ändern und neu abstimmen muss, weil die anderen auch ihren Standort wechseln. Zu guter Letzt war dann für jeden Stein ein Standort gefunden, etwas hangaufwärts auf der anderen Seite einer Straße, hinter der bereits sieben der Foxhollow-Steine „eingepflanzt“ worden waren. Diese sieben bilden ihrerseits eine Ergänzung zu einem Grundstein, der in einiger Entfernung auf dem Hügel steht.

Ein gemeinsamer Prozess
Diese erste Begehung des Hügels steht beispielhaft für viele Erfahrungen, die den Gruppenprozess im Zentrum dieser Arbeit ausmachen. Nicht eine einzelne Person gibt vor, wo die Steine zu stehen hätten, sondern alle vertrauen in einen dynamischen Prozess, der aus der Synergie und Schaffenskraft einer Gemeinschaft entsteht, indem jeder Einzelne ebenso wie die gesamte Gruppe ihre Intuition und Energie in den gemeinsamen Fluss gibt.
Die Gruppe kam jeweils am Morgen und am Abend zusammen – morgens, um sich auf den Tagesplan einzustimmen, und abends, um die Arbeit des Tags im Gespräch zu reflektieren. Marko hielt an den Abenden zudem einige Vorträge und gab eine geomantische Führung für eine größere Gruppe interessierter Besucher aus der Gegend von Louisville.
Nur wenige Tage nachdem wir in Foxhollow zusammengekommen war, begann die große Unternehmung, die gravierten Steine zu ihrem zukünftigen Standort auf dem Hügel zu transportieren. Löcher wurden gegraben, Maschinen in Startposi­tion gebracht, und Teams bildeten sich, um den Steinen in ihre vorbereiteten Betten zu helfen. Bevor die Steine jeweils abgesenkt wurden, gab der Logistik-Leiter ein Zeichen, und jeder Teilnehmer rezitierte jeweils das Thema seines Kosmogramms, während der Stein an seinen Bestimmungsort gebracht wurde. Mit Gebeten, Liedern und Meditiationen, unter Schnaufen, Drücken und Schaufeln wurden die riesigen Steine in die rote Erde von Kentucky gepflanzt. In einer Art Taufzeremonie wuschen wir schließlich jeden Stein, um ihn von den Resten des Zements zu befreien, der verarbeitet wurde, um die Steine in Position zu halten – ein Akt der Segnung und des Danks.
Gemeinsam gelang es, an einem Tag 21 Steine auf dem Hügel aufzurichten. Die restlichen sieben Steine fanden am darauffolgenden Tag ihren Platz. Das Wetter und die Winde des frühen Frühlings waren dynamisch und dramatisch – ein passender Gegenpart zur kollektiven Anstrengung.
Das gemeinsame Tun und das Projekt waren noch nicht zu Ende. In den folgenden Tagen richteten wir unsere Aufmerksamkeit noch einmal auf die Balancierung und Kräftigung des geomantischen Systems von Foxhollow sowie auf die Verbindung des Steinkreises mit der Umgebung, den Kraftorten Nordamerikas und des Planeten. Wir umarmten Gaia und wurden von ihr umarmt. Inspiriert durch den Aufruf, unser gemeinsames Unterfangen der göttlichen Präsenz auf Erden zu widmen, vertieften wir unsere Verbindung zur Göttlichkeit, die sich in und auf dieser geliebten Erde manifestiert. Auf diese Weise hoffen wir, einen Beitrag zur Vertiefung und Erneuerung der menschlichen Beziehung zum Göttlichen und zur Erde, wie sie in dieser Zeit des Übergangs und Wandels geschieht, geleistet zu haben. +