Das Logo und die Kraft der Zeichen

Teil 5: Der kreative Prozess

von Hans-Jörg Müller erschienen in Hagia Chora 30/2008

In vier Beiträgen hat Hans-Jörg Müller Methoden des ener­ge­tischen Logo-Designs vorgestellt. Im abschließenden Beitrag der Artikelreihe fasst er anhand von Beispielen aus der ­Praxis den Prozess der geomantischen Logo-Gestaltung zusammen.

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 Eine geomantische Optimierung von Zeichen und Formen, wie in den vor­angegangenen Artikeln beschrieben, lässt sich üblicherweise recht systematisch durchführen. Hingegen ist die Neuentwicklung bzw. substanzielle Überarbeitung eines Logos mit dem Anspruch einer tiefen und mehrdimensionalen Stimmigkeit so lebendig, komplex und individuell, dass sie nur in Teil­bereichen systematisierbar ist.
Als wir 1992 begannen, geomantische Prinzipien auch für die Logo-Gestaltung umzusetzen, wurde schnell deutlich, dass neue Vorgehensweisen erforderlich waren, die sich in vielen Kundenbegegnungen bis heute stark weiterentwickelt haben. Auch wenn diese im Verlauf des Weges immer wieder neu angepasst werden, versuche ich hier, den von uns erarbeiteten Prozess der geomantischen Logo-Entwicklung strukturiert darzustellen.

Die Gestaltungsphasen
Bei der Entwicklung eines Corporate Designs, aus dem sich alle folgenden Gestaltungen wie die der Geschäftsausstattung oder der Prospekte, das Produkt-Design oder Web-Design ableiten, steht das Logo im Mittelpunkt und beinhaltet damit meist alle Tiefenaussagen seines neu entstehenden Umfelds. Dementsprechend nehmen wir uns bei solchen Aufgaben am Anfang möglichst immer den erforderlichen Raum, um alle systemischen Wirkungen des Logos von vornherein optimal auszugestalten.
Jeder Gestaltungsprozess ist individuell. Manche Kunden bringen gleich ihre gefundenen, ausgedachten oder auch erträumten Bildideen mit, andere beschreiben ihre unternehmerische Situation als primären Ausgangspunkt. Heute empfehlen wir nicht mehr, vor einem ersten Termin auf entsprechende Zeichensuche zu gehen, sondern starten immer da, wo der Kunde gerade steht. Allerdings haben sich wesentliche Prämissen als zielführend erwiesen, die schon zu Beginn eingebracht werden sollten:
• Keine zu frühe Festlegung
Gefundene Zeichen sofort grafisch zu perfektionieren, raubt dem Zeichen die Möglichkeit, sich zu entfalten. Gerade vom Kunden selbst gefundene Bildideen erzeugen einen hohen Grad an anfänglicher Identifikation, sind aber oft nicht ausreichend kommunikativ, sondern wollen erst einmal grundsätzlich in eine multidimensional stimmige Form weiterentwickelt werden. Hier braucht es im Entwicklungsprozess einen Vertrauensrahmen, der deutlich macht, dass die persönliche Verbindung erhalten bleibt, auch wenn das Zeichen selbst sich wandelt.
• Der Kraft folgen
Die Dynamiken des Zeichenträgers, des Unternehmens sowie des Prozesses selbst fließen spielerisch in die Zeichengestaltung ein. Dieser scheinbar unbewusste Verlauf führt immer zum Ziel – mit unerwartet stimmigen, oft überraschenden Lösungen.
• Logozentrierte Moderation
Wenn während der Gestaltungssitzung das Zeichen im Mittelpunkt der Argumentation steht, entsteht ein multidimensionaler Wahrnehmungs- und Gesprächsrahmen, der durch die universelle Sprache der Form Ebenen der Symbolik, der Unternehmensdynamik oder der Marktkommunikation direkt verbindet.
• Erst die Identiät, dann die Erfolgsfaktoren
Ein häufiger Fehler bei der Zeichenentwicklung mit Geomantie, Feng Shui oder auch Radiästhesie ist die vorschnelle Umsetzung von Wissen über Zeichenoptimierung. Das Zeichen muss seine Identität voll entfaltet haben, bevor es diesem Prozess unterzogen wird, sonst bleibt es – unabhängig von Kraft oder Ästhetik – oft auf einer rudimentären Ebene stehen.
• Das Gesamtfeld eröffnen
Nach der Festlegung des Bedeutungsschwerpunkts und der Kommunikationsausrichtung (z. B. Individualität des Zeichens für Einzelpersönlichkeiten versus Universalität und Marktorientiertheit) gilt es abzuschätzen, welcher Gesamtkontext vor dem eigentlichen Prozess transparent gemacht werden muss. Oft sind es unbequeme oder verdrängte Aspekte, die gerne an den Schluss gestellt werden, dann aber den laufenden Prozess blockieren oder gar in Frage stellen.
• Offenheit für Sonderwege
Wichtig ist, die Intentionen des Kunden auch in energetischer Hinsicht zu verstehen. Für die jeweilige Anforderung kann es sinnvoll sein, Sondermethoden wie „Kraftbilder“, „Zufallsspiel“, „Zeichenentwicklung aus Unterschriften“ zum richtigen Zeitpunkt heranzuziehen.
• Stilfreiheit
Im Lauf der Zeit legt sich jeder Gestalter – oft unmerklich – ein Repertoire an Gestaltungsmitteln oder Grafik-Programmen zu, das einen bestimmten Stil ausdrückt. Um jedes Zeichen aber aus seinem Feld, aus dem Innenraum seines Trägers oder dem geistigen Impuls des Unternehmens entwickeln zu können, ist die Arbeit mit Handzeichnungen, an denen sich auch der Kunde frei beteiligen kann, sehr empfehlenswert.

Lebendige Prozesse
Wenn Kunden den Prozess, in dem das Zeichen sich bildet, miterleben können, entsteht eine hohe Identifikation mit dem Zeichen.
So kann der Kunde den Gestalter beständig inspirieren und direkt auf die Vorschläge reagieren. In der Präsenz des Kunden kann der Gestalter wesentlich inspirierter arbeiten, weil er durch dessen „Feld“ Kontakt zu den unformulierten Intentionen halten kann.
Sicherlich gibt es auch schwierige Kundensituationen. Neben dem allgemein üblichen Zeitdruck gehört beispielsweise zu den Herausforderungen, dass sich ein Kunde im laufenden Prozess plötzlich nicht mehr verstanden fühlt. Obwohl er sich Zeiteffizienz wünscht, kann es sein, dass ihm ein Prozess zu schnell voranschreitet, dass die Seele nicht nach­kommt. Hier gilt es dann anzuhalten, das Erreichte zu formulieren, zu hinterfragen oder Zeit zum Verdauen zu geben, damit sich der Konflikt des Kunden zwischen Effizienz und Tiefe nicht auf das Zeichen überträgt.
Man sollte in der geomantischen Arbeit an Zeichen auch nicht in die Falle tappen, seine Auftraggeber in unangemessene Tiefenprozesse zu führen. Das geschieht zuweilen, weil entsprechende Hintergründe vom Berater gesehen und ohne Reflexion wohlmeinend vermittelt werden. Jede Neugestaltung löst persönliche innere Prozesse aus, denn sie formt oder manifestiert eine neue Identität. Die­se Dynamik wird nicht selten vom Kunden oder vom Berater unterschätzt. Der Prozess wird dann vom Kunden als zu umfassend und unüberschaubar empfunden. Um einer Überforderung von vornherein zu begegnen, gilt es zunächst immer – auch intuitiv – zu prüfen, welche Intensität wirklich gefragt und erforderlich ist. Und dann gilt es natürlich insbesondere, den Prozess nachvollziehbar zu
kommuni­zieren.
In lebendigen Entwicklungsprozessen, die jeweils ihre eigene Dynamik entfalten, ist es entscheidend, einen Fahrplan im Hintergrund zu besitzen. Um jederzeit Klarheit über die Aufgabenstellung und die jeweils angemessene Methode zu erhalten, haben wir verschiedene Grundprozesse charakterisiert und ihnen einen Namen gegeben. Nachfolgend eine kurze Beschreibung einiger dieser Prozesse mit entsprechenden Fallbeispielen aus der Praxis:

Wenn Zeichen neu gefunden werden wollen – Die Symbol-Evaluierung
Von den ersten Vorstellungen oder inneren Bildern eines Kunden bis zum angemessen reduzierten, aber komplexen und stimmigen Zeichen ist es oft ein langer Weg, selbst wenn er nur einen kurzen Zeitraum beansprucht. Der bedeutendste Schritt ist immer der Findungsprozess, der aus den unterschiedlichsten Quellen schöpfen kann. Wir unterscheiden hier die direkte und die indirekte Findung. Bei der direkten Findung geht es um eine tendenziell logische Ableitung. Man verbildlicht das Produkt oder die Leistung, indem man einen Kreis passender Symbole zusammenstellt und nach einem Auswahlverfahren weiterentwickelt. Oder man findet eine Symbolisierung der Firmenphilosophie, des Alleinstellungsmerkmals oder des Claims und setzt sie in Zeichensprache um.
Ein weiterer Weg ist, die ersten Bild­ideen als Ausgangspunkt zu wählen: Erste Überlegungen werden zunächst abstrahiert und dann weiterentwickelt.
Zu den direkten Findungswegen gehört auch die Methode der Intentionsverbildlichung: Während der Kunde seine Vorstellungen und Ideen vorträgt, zeichnet man permanent mit, um die Inhalte unmittelbar in eine Bildsprache umzusetzen.
Die sogenannte offene Findung bezieht sich tendenziell auf geistige Quellen. Dies geschieht beispielsweise bei der Zufallsauswahl: Dem Kunden werden eine Vielzahl von (vorher sortierten) Zeichen präsentiert, so dass er eine Anregung zur Verdichtung der Auswahl erhält. Oder während einer assoziativen Entwicklung: Klar benannte Inhalte werden von allen Beteiligten assoziativ bebildert und danach einem Auswahlverfahren unterzogen. Zuweilen bringt der Kunde wichtige Inspirationen ein: Träume oder inspirierende innere Bilder, die direkt umgesetzt werden können. Inspiration kann auch bewusst gesucht werden, indem nach der komplexen Aufführung aller gewünschter Aspekte (individuell) eine überbewusste innere Symbolfindung stattfindet.
Alle Wege führen zum Ziel. Die Methode wird nach jeweiliger Aufgabenstellung (z. B. Individualzeichen versus Universalzeichen), persönlicher Stimmigkeit oder dem Prozessverlauf gewählt.

Wenn Zeichen echte Sprünge machen – Die Logo-Revolutionierung
Bei der Arbeit mit einem bestehenden Zeichen stellt sich zunächst die Frage, ob eine leichte Evolution angesagt ist, oder ob es um eine deutliche Revolution geht. Letztere ist mit großen Chancen verbunden, aber auch mit ähnlich großen Gefahren. Die Gefahr ist selbstverständlich der Verlust der Wiedererkennbarkeit für den bisherigen Markt, die Chance die Neufindung einer relevanten Zielgruppe. Dies kann dann erforderlich sein, wenn die bisherige Zielgruppe nicht den langfristigen Vorstellungen des Unternehmens entspricht oder wenn das Unternehmens-Image eine deutliche Neuorientierung erfordert. Auch wenn ein Zeichen über Jahrzehnte nicht gepflegt wurde, kann der klare Schritt der Revolutionierung erforderlich sein. Doch erst, wenn ein Unternehmen in Misskredit geraten ist oder ein bisheriger Markt komplett zusammengebrochen ist, ist es sinnvoll, dem Unternehmen eine Neukreation, die nichts mit dem Alten zu tun hat, zuzumuten. Deshalb versuchen wir immer, zumindest noch erkennbare Zitate des Bisherigen einzubeziehen.

Wenn sich Zeichen wandeln wollen – Die Motivmetamorphose
Dieser Weg folgt formal dem Prinzip des lebendigen, organischen Wachstums und steht damit dem Gedanken der evolutionären Reihe nahe. Durch Methoden wie Umstülpung, Leerraum-Integration, Dynamik-Manifestation, Dynamik-Fortsetzung, geometrische Vereinfachung und Erweiterung, morphologische Formenkreisbildung oder Organismus-Komplettierung kann das Erstzeichen sich nun frei aus sich selbst heraus entfalten. Dieser Prozess kann auf ein für sich stehendes, einzelnes Zeichen zielen oder auf einen Formenkreis, der in Variationen an verschiedenen Stellen des Corporate Designs ein Leitmotiv bildet. In diesen Entwicklungsprozess können recht einfach Intentionen des Kunden, geistige Leitbilder oder marktorientierte Kommunikationsinhalte abstrakt integriert werden. Wichtig ist, sich nicht an Zwischenergebnissen festzuhalten, sondern den beständigen, ununterbrochenen Fluss der Entwicklung bzw. der Metamorphose so weit zu unterstützen, bis das ­finale Zeichen selbst steht. Nicht selten gewinnen alle Beteiligten den Eindruck, dass ab einem bestimmten Punkt das Zeichen versucht, sich selbst in ganzer Fülle zum Ausdruck zu bringen. In diesem Zusammenhang taucht immer wieder der auch in der Kunst berühmte Punkt auf, wo „es“ einfach fertig ist, wo das Zeichen quasi „unberührbar“ wird.
Eines unserer frühen Projekte war 1995 die Gestaltung einer Corporate Identity für das Unterhaltungsgastronomie-Unternehmen „Die Kaiserin“. Das Logo entstand im Zug des Gesamtprojekts, das primär mit der geomantischen Konzipierung der damals größten Diskothek Deutschlands mit dazugehörigen gastronomischen Event-Räumen befasst war. Die „Kaiserin“ erhielt ihren Namen – und ihre entsprechende Bedeutung – durch die bekannte Tarot-Karte. Wir standen vor der Aufgabe, ein Zeichen zu entwickeln, das einen hohen erzählerischen Wert besitzt und sich auch plakativ weiterentwickeln lässt zu einem Bildkonzept, mit dem sich auch Innenräume gestalten lassen, ohne in beliebigen Fantasy-Kitsch abzugleiten. Das Zeichen sollte also einerseits als abstraktes Logo zu verwenden sein, andererseits aber auch die Kaiserin selbst als Archetyp darstellen und ihr ein aktuelles Gesicht geben.
Das Grundkonzept des Zeichens entstand durch eine Konstruktion, welche die Dreiheit bildlich und geometrisch widerspiegelt. Drei Kreise bilden die Hauptkonstruktion: der erste, der die Unterwelt, den körper- und trieborientierten Aspekt der Örtlichkeit verbildlicht, der zweite, obere, der zwei sich vor der Kaiserin verneigende weibliche Figuren andeutet und den sichtbaren Raum der Kaiserin markiert, und der dritte im Schnittpunkt beider Welten, der damit ein wahrnehmendes Auge, sozusagen die Bewusstheit der Kaiserin selbst sublim zum Ausdruck bringt. Getragen wird das Zeichen vom farblichen Spiel zwischen Gelbocker und Tiefblau, die sich leicht versetzt komplementär verhalten. An der Spitze steht der Genius, der abstrakte „Kopf“ der Kaiserin als hochgesättigter roter Punkt, der die Höhe und Erhabenheit des Zeichens betont.
Auf den Wandbildern wurde nun die Kaiserin selbst als thronende, sitzende oder tanzende Figur in das Zeichen gelegt, so dass sie lebendig in den Räumen an Präsenz gewinnen konnte. In den einzelnen Wandgemälden – umgesetzt und ausgeführt von dem Künstler Falk Nordmann – begann sie als „lebendig gewordenes Logo“ ihr Eigenleben zu führen.

Wenn Zeichen ihre Potenziale gebären – Die Immanenz-Manifestation
Viele Zeichen tragen seit ihrer Entstehung Potenziale in sich, die auf die Zeit ihrer Hebung warten. Ein Beispiel ist das neue ZDF-Logo, das nun die „2“ zeigt, die auch wie ein Z gelesen werden kann.
Die Clemens Dengler Wohn- und Gewerbebau GmbH hatte 2002 beschlossen, sich strukturell weiterzuentwickeln. In diesem Zusammenhang sollte der Personenname in einen Phantasienamen umgewandelt werden, damit das Unternehmen unabhängiger vom Gründer operieren könne. In einem kreativen und namensrechtlichen Auswahlverfahren wurde der lateinische Name Decus (Schönheit, Zierde, Fantasie, Dekoration) gewählt. In dem folgenden Entwicklungsprozess entstanden Piktogramme, die dem Leitthema Raum und Schönheit folgten. Beide Prinzipien lehnten sich einerseits an das bisherige Zeichen an, schufen aber auch durch die Verwendung von Rundung und Gerader eine lebendige Spannung. Irgendwann tauchten dann Versionen auf, welche die beiden Initialien des Unternehmensleiters verbildlichten. Dieses Potenzial wohnte schon dem alten Zeichen inne, ohne aber erkannt und klar herausgestellt zu werden. Im Zug der Umbenen­nung war ein Logo entstanden, dem die Persönlichkeit deutlich innewohnt. Seine Porportio­nen balancieren die Aspekte Unternehmen und Person, um in der dynamischen Entwicklungsphase der Firma Harmonie und Stabilität zu schaffen.

Wenn alte Zeichen neue Wege gehen – Die Symbol-Aktualisierung
Nicht selten werden, beispielsweise im Wellnessbereich, Symbole aus einem religiösen oder kulturspezifischen Kontext verwendet. Das Problem dabei ist, dass die Zeichen ursprünglich oft sehr spezifische Wirkungen beinhalten, die nicht überdacht wurden und sich erst im Lauf der Unternehmensgeschichte als wirksam erweisen. Hier ist Vorsicht geboten, doch wenn man einem solchen Zeichen auf den Grund geht, kann man es nicht nur formal modernisieren, sondern auch inhaltlich seinen neuen Aufgaben anpassen. Ein Umgang mit einem solchen Zeichen kann z. B. sein, dass man nur Teil­aspekte seiner umfassenden Bedeutung herausgreift und andere Potenziale seiner Wirksamkeit bewusst ruhen lässt. Es gilt, auf Basis der Uraussage des Zeichens neue Schwerpunkte zu setzen oder individuelle Ausformungen zu erreichen, um damit Stimmigkeit und Einzigartigkeit zu unterstützen.
Für die Yoga-Akademie Berlin haben wir z. B. ein Zeichen erarbeitet, das auf einem klassischen Sri-Yantra beruht, einem komplexen Symbol, über das bereits viele Abhandlungen geschrieben wurden. Jeder Winkel beinhaltet eine Philosophie, jedes seiner Dreiecke manifestiert eine Gottheit. Wir haben dieses Zeichen vollständig neu konstruiert und dabei kleine Abwandlungen an einer Stelle vorgenommen, wo sich das Zeichen dem europäischen Symbolkontext anzupassen hatte, um hier erfolgreich sein zu können. Gleichzeitig wurde darauf geachtet, dass die Würde und Tiefe des alten Vorbilds gewahrt blieb.

Wenn sich Zeichen tief verändern wollen – Die Motiv-Transformation
Durch die Transformation eines Logos wird es gewissermaßen auf eine neue Ebene gehoben. Auch das dazugehörige Unternehmen erlebt damit eine Hebung in einen neuen Aufgabenbereich. Voraussetzung dafür ist ein – zumindest zwischenzeitliches – Loslassen der bisherigen Form. Dieser Prozess ist meist nicht logisch und linear. Er erfordert einen neuen, grundlegenden Impuls, der manchmal in den Tiefen des Zeichens schon angelegt ist, oft aber eine Inspiration sucht, der mitten in der Zeichenentwicklung durch eine Kreativmethode erst seinen Raum erhält.
Ist sich der Kunde dieser Notwendigkeit anfänglich nicht bewusst, kann es geschehen, dass die Zeichenentwicklung – scheinbar – an einen Endpunkt gerät, ohne ganz befriedigend zu sein. Das Zeichen selbst zwingt nun zur Konsequenz. Nicht selten ist es uns passiert, dass in der dann entstehenden Pause dem Kunden noch ein ganz anderes Zeichen oder eine Idee einfiel, die ohne jede Logik und Inte­g­rierbarkeit erschien. Geht man den Weg in solchen Fällen vertrauensvoll gemeinsam weiter, kann es passieren, dass sich ein neuer Kontext öffnet, der sehr wohl an die ursprünglichen Vorstellungen anknüpft. Lehrinhalt dieser Übung: Vertrauen in die Intelligenz des Überbewussten und die „innere Logik“ eines Symbols.
Das ursprüngliche Unternehmenslogo des Architekturbüros Lang bestand aus einem Rechteck, zusammengesetzt aus den Buchstaben des Namens des Unternehmensleiters. Das Zeichen symbolisierte damit abstrakt Baukörper, Raum und Festig­keit. Mittlerweile hatte sich das Büro jedoch von reinen Ingenieursleistun­gen in Richtung einer kreativen und gestalterischen Ausrichtung verändert. So lag es nahe, dass das bisherige Logo als beengend, undynamisch und wenig kommunikativ empfunden wurde.
In einem ersten Schritt wurde das Zeichen an einer Stelle geöffnet, zudem in Proportion und Farbigkeit variiert. Dann wurde eine gestalterische Linie verfolgt, in welcher die linke und untere Linie des Rechtecks die Initiale „L“ des Unternehmensleiters vertrat. Zugleich wurden so die beiden verbliebenen Linien frei für unterschiedliche Bewegungen, die den neuen, kreativen Aspekt verdeutlichten. An dieser Stelle kam das Zeichen dann schnell zu einem Endpunkt, da es den architektonischen Kontext nicht mehr vermitteln konnte, wenn es auch der neuen inhaltlichen Ausrichtung mehr entsprach.
In diesem Moment brachte der Kunde nun ein Leitbild ein, das er seit geraumer Zeit mit sich trug, ohne aber bisher einen umsetzbaren Zusammenhang mit seinem neuen Logo herstellen zu können. Es war das Bild einer kronenförmigen Schale. So wurde dieses Bild erst einmal hinsichtlich seines Symbolgehalts und seiner Aussagekraft für das Unternehmen untersucht: In seiner Dreiheit entsprach es den drei Unternehmensteilen. In seiner Axialität repräsentiert es Qualitäten wie Kreativität und Inspiration. Damit das Zeichen nun das ganze Unternehmen darstellen konnte, haben wir es zu einem Kreis verbunden, der im Folgeschritt zur Kugel wurde und damit auch wieder den Raum als übergeordnetes Unternehmensthema verbildlichte. In der nächsten Phase wurde dieser – zunächst leere – Raum dann zu einer gefüllten Sphäre, so dass über deren Farbigkeit die Qualitäten der einzelnen Unternehmensteile bestens vermittelt werden konnten.
Der Clou an der Sache: Der abstrakte Kelch wurde im Negativ auf dem neuen Zeichen durch zwei Kreisausschnitte auf der Kugeloberfläche konstruiert. Dadurch, dass der rechte Kreisausschnitt kleiner als der linke wurde, entstand nicht nur eine deutlich nach rechts oben aufsteigende Dynamik, sondern es formte sich aus dem ehemals konkreten Kelch jetzt ein abstraktes „L“. Wenn auch für die meisten Kunden nicht zwingend erkennbar, so war jetzt das gewünschte Element des Unternehmensleiters integriert, und dies auch nicht mehr auf eine gewollte, „erzwungene“ Art. Das Zeichen hatte in lebendiger Weise seine innewohnende Intelligenz gezeigt. Die nachfolgenden Schritte wie Proportionierung, Farboptimierung, Schaffung von energetisch gefüllten Sphären, Setzung von impulsgebenden Lichtreflexen, Stabilisierung durch Spiegelung im Bodenbereich etc. waren dann wieder rein handwerkliche Aufgabenstellungen, die nach der Findung des Zeichens entspannt umgesetzt werden konnten.

Wenn ein Zeichen Kraft gewinnt – Das Logo-Empowerment
Ein erfolgreiches Zeichen benötigt ein dem Unternehmen angemessenes Energie­niveau. Wir arbeiten hier nach dem Prinzip der raumenergetischen Energieniveaubestimmung, wo entsprechende Levels bestimmten Raumgrößen, emotionalen Zuständen und vor allem auch unternehmerischen Tätigkeitsbereichen zugeordnet werden können. So lässt sich generell die Angemessenheit eines Zeichens überprüfen wie auch bei der Neugestaltung immer der Stand der „Kräftigkeit“ kontrollieren. Generell gilt, dass größere, internationale Unternehmen stärkere Zeichen brauchen als Einpersonengesellschaften. Das Niveau kann nun durch die allgemeinen Mittel der Logo-Optimierung schon deutlich gehoben werden.
Eine der möglichen Empowerment-Strategien hatten wir für das Unternehmen Charisma durchgeführt, wo es schon aufgrund des Namens zwingend war, für eine gewisse Ausstrahlung zu sorgen. Dazu haben wir das fertig entworfene Zeichen von einem Künstler nochmals in vergrößerter Form in Öl auf Holz malen lassen, dieses Bild wiederum digitalisiert, wiederum farb- und bildoptimiert und dann als Logo auf allen Printmedien eingesetzt. Das Originalbild hängt heute übrigens im Büro der Unternehmensleiterin.
Allerdings ging dieser Strategie eine substanzielle geomantische Logo-Entwicklung voraus. Das Zeichen wurde aus Persönlichkeitszeichen, der Unternehmensstruktur sowie dem Unternehmens­impuls geschaffen und zeigt ein durch zwei Kreissegmente gebildetes Auge, das lebendig den Raum einnimmt. Zugleich ist es eine von innen nach außen führende Dynamik, die den Prozess der Unternehmensberatung versinnbildlicht. Eingewoben ist die Vorstellung der goldenen Kugel, die in der europäischen Symbolkunde das höhere Selbst beschreibt und damit das Ziel der Unternehmensleistungen. Durch das Logo-Empowerment erlebt das Zeichen nun neben dem Kraftzugewinn eine höhere Bedeutung des Unternehmensnamens.

Erwartungen an geomantische Logos
Ein großes Thema der geomantischen ­Logo-Gestaltung ist die Erwartung von Kunden bezüglich der „magischen Wirkung“ der Zeichen. Unbestritten besitzt die geomantische Logo-Gestaltung eine Kraftkomponente und damit einen magischen Aspekt, aber mit der Aussage, durch ein starkes Logo den Zeichenträger zu stärken, ist es allein nicht getan.
Im Prozess wird Identität erarbeitet, so dass man sich zum Kern des Unternehmens oder der Person hinbewegt. Dieser Schritt kann schon zu einer Stärkung von Umsatz oder Akquisitionsrückmeldungen etc. führen, ist aber nicht zu verwechseln mit einer nachhaltigen, positiven Wirkung des Zeichens selbst. Gelungene Entwürfe führen zu einem vergleichbaren Effekt, da bereits das Potenzial des skizzierten Zeichens entsprechende Wirkungen auslöst. Dieser persönliche und unternehmerische Schub lässt aber nach geraumer Zeit nach, (was auch gut so ist).
Erst mit der Umsetzung entsteht eine langfristig positive Wirkung. Und zuletzt besteht erst jetzt eine kommunikative Wirkung zum Kunden hin, so dass das Zeichen Kraftflüsse zwischen dem Träger und seinem Umfeld oder dem Markt herstellen kann. Das Logo macht nicht allein den Erfolg. Dazu gehört ein gut funktionierendes Unternehmen. Selbstverständlich können Logos nicht unternehmerische Fehlentscheidungen ausgleichen. In jedem Fall kann das Logo aber den Erfolgsgrad anzeigen und generell maßgeblich unterstützen, vor allem, wenn das Zeichen auch richtig eingesetzt und kommuniziert wird.
Durch das geomantische Logo-Design gelingt es, einen essenziellen Zugang zur Person oder dem Geist einer Gruppe oder eines Unternehmens zu erhalten und dem jeweiligen Inneren Ausdruck zu verleihen. Bei vielen Gestaltungssitzungen entstehen nicht nur überraschend schöne und stimmige Zeichen, sondern es wird ein erfüllender Prozess erlebbar, wenn die ­lebendige Zwiesprache zwischen Symbol und Geist der Person oder des Unternehmens entsteht. Die fast kindliche, ursprüngliche Freude, die ein Mensch bei der Findung seines Zeichens erlebt, spricht für sich. Das gefundene Zeichen ­verbildlicht mit anderen Mitteln nur schwer Beschreibbares, manifestiert lebendige Unternehmens­motive und bekräftigt essenziell erlebbare Identität.