Jettas Weisheitszirkel
Geomantische Ortserfahrung mit Kindern
Wie kann man mit Kindern geo mantisch arbeiten? Das Theaterprojekt der Kinderbuchautorin Andrea Liebers ist ein ermutigendes Beispiel. Ihre Kinder wurden Zauberlehrlinge der Prophetin Jetta und ihrer magischen Orte.
Jeder, der Heidelberg besuchen kommt, wird sein Herz an diese Stadt verlieren. Ein kleines bisschen zumindest, denn die Lage der Stadt ist schlichtweg ideal. Der im Mittelalter am Ufer des Neckars angelegte verwinkelte Stadtkern, die engen Gassen und die zum gemütlichen Wohnen einladenden Häuser geben einem sofort das Gefühl, dass hier die Welt noch in Ordnung ist. In Wirklichkeit ist sie das natürlich auch in Heidelberg nicht – aber die Magie des Orts wirkt und hüllt einen mit der Illusion von natürlicher Stimmigkeit und Geborgenheit ein.
Woher rührt diese Kraft der Verzauberung? Wohl einerseits von der topografischen Lage: Hier verlässt der Neckar, dem man noch anmerkt, dass er früher ein wilder Fluss war, die engen Schluchten des Odenwalds und strebt über eine offene und weite Ebene dem Rhein zu. Der schöne Schwung der Hügel läuft wie von selbst aus, und zwischen diesen grünen Märchenhügeln windet sich der Neckar, an dessen Ufer sich die Stadt hingeduckt hat. Wie gemalt!
Dass hier ein besonderer Platz ist, wussten die Menschen schon vor Jahrhunderten, im Fall Heidelberg kann man getrost vor Jahrhunderttausenden schreiben. Der erste Europäer, der Homo heidelbergensis, lebte und jagte vor rund 600 000 Jahren in den sumpfigen Wäldern am Ufer des Neckars Waldelefanten, Säbelzahntiger und Wollnashörner. In der Steinzeit siedelten die Menschen am Flussufer, die Kelten bauten eine große, weithin sichtbare Fliehburg auf den Gipfel des Bergs, der seit dem Mittelalter den Namen „Heiligenberg“ trägt, weil er gleich drei große Klöster auf seinem waldigen Rücken beherbergte – man hatte sie an der Stelle römischer Tempel errichtet, die wiederum auf den Resten der keltischen Burganlage gebaut worden waren. Der gegenüberliegende Hügel trug den Namen „Jettenbühl“, denn hier befand sich das Reich der heidnischen Prophetin und Heilerin Jetta.
Die Sage, die die Brüder Grimm als Nummer 139 in ihre Märchensammlung aufgenommen haben, erzählt, dass sie dort, wo heute das Schloss ist, gelebt und gewirkt haben soll. Als sie einmal an einer Quelle Wasser holen wollte, sei sie von einem jungen Wolf angefallen und getötet worden. Seitdem heißt dieser Ort der Wolfsbrunnen.
Als die Erinnerung an sie verblasst war, baute man dort, wo ihr Refugium gewesen war, ein repräsentatives Schloss und nannte den Hügel um in „Königstuhl“. Die berühmt gewordenen Ruinen des Schlosses inspirierten die Romantiker zu Liedern und Gedichten und manches verliebte Paar zu heißen Liebesschwüren.
Auch viele nicht-menschliche Wesen liebten den Sagen nach diesen Flecken: Im Neckar haust bis heute der Hookemann, ein ungezähmter, wilder Wassergeist, der sich seine Zeit mit den Töchtern des Nöck, des Flussgotts des Neckars, vertreibt und ab und an auch Menschen ärgert. Riesen haben hier Wettkämpfe abgehalten; große Felsbrocken zeugen davon. Auch der Teufel hat an diesem Ort gepredigt. Eine leibhaftige Nixe hat in Heidelberg gelebt, und das sagenhafte Wilde Heer ist mehr als einmal auf seinem Weg, vom Odenwald kommend, hier durchgezogen.
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