Mut zu neuen Wegen

Eine geomantische Diplomarbeit im Fach Architektur

von Constanze Rzepka erschienen in Hagia Chora 29/2008

Noch sind Diplomarbeiten rar, bei denen die Geomantie eine Rolle spielt. Die Architektin Constanze Rzepka hat eine solche Arbeit gewagt. Ihre Planung einer Wohnsiedlung auf Grundlage einer radiästhetischen Untersuchung wurde zum persönlichen Prozess, Kraft für den eigenen Weg zu finden.

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Es ist der 17. Juli 2007, 8.25 Uhr morgens. Noch schnell die letzten Handgriffe am Laptop für die Präsentation, die Pläne habe ich gestern schon aufgehängt und die drei großen Modelle davor aufgebaut. In ein paar Minuten werde ich meine Diplomarbeit präsentieren. Es ist ein wunderschöner Sommermorgen, und ich eröffne mit meinem Entwurf die Diplomvorstellungen der nächsten drei Tage. Langsam beginnen sich die Stuhlreihen vor mir zu füllen, und ich lasse meinen Blick noch einmal durch die Halle schweifen, die ich in den Jahren meines Architekturstudiums so oft durchquert habe. Schon viele vor mir haben hier ihre Arbeit präsentiert, aber noch niemals ein solches Thema.
Meine Professoren nehmen in der ersten Reihe platz, und ich kann beginnen. Die Anspannung der letzten drei Monate voll harter Arbeit fällt von mir ab, ich bin erfüllt vom Glücksgefühl, jetzt hier sein zu dürfen und meinen Entwurf zu präsentieren. Aber beginnen wir von vorn.

Suche nach der Magie des Bauens
Ich wollte schon immer Architektur studieren. Von jeher haben mich Gebäude fasziniert, und ich war magisch von der besonderen Ausstrahlung alter Bauten angezogen. An den Ort meines Studiums lockte mich auch ein altes Gebäude, das alte Welfenschloss in Hannover, das heutzutage die Universität beherbergt.
Doch schon im ersten Semester kam dort die Ernüchterung. Wo war die Magie der Architektur geblieben, die mich hierher gebracht hatte? Baukonstruktion, Architekturtheorie, CAD-Programme, alles wirklich wichtig für eine fundierte Ausbildung, aber wer lehrt uns den Zauber, wer führt uns in die Geheimnisse ein, warum manche Bauten immer strahlender werden über die Jahrhunderte und andere wiederum schon nach 20 Jahren völlig verbraucht wirken? Ich versuchte in meinen Entwürfen immer gute Begründungen für meine Formen und Ideen zu finden, aber Intuition oder Gefühl galten nicht als Argumente bei den meisten Professoren. Harte Fakten sollten es sein, aber gerade diese erschienen mir so beliebig. Ich konnte nicht akzeptieren, dass der Entwurf eines Gebäudes oftmals nur Ausdruck des eigenen Egos ist.
Eher durch Zufall kam ich in jener Zeit mit der Geomantie in Berührung, als ich meine Mutter auf ein „Energieseminar“ an den Externsteinen begleitete. Ich freute mich darauf, etwas Neues auszuprobieren, hatte aber keine Ahnung, was genau auf mich zukommen würde. Dort hielt ich erstmals selbst eine Wünschelrute in den Händen und lernte, wie man sich damit auf die Suche nach Wasseradern oder ähnlichen Phänomenen begibt. Es ist ein erstaunliches Erlebnis, am eigenen Leib zu erfahren, zu welch feinen Wahrnehmungen der menschliche Körper fähig ist.
Zunächst eröffnete sich mir eher der gesundheitliche, naturheilpraktische Aspekt des Ganzen in Bezug auf Schlafplatz­optimierung und „Bett umstellen“. Daher war mir nicht von Anfang der Zusammenhang zwischen Radiästhesie und architektonischer Planung bewusst. Ich war fasziniert von den neuen Erkenntnissen und all den Geheimnissen, die es in der Geomantie zu ergründen gab, und spürte die Magie wieder, die ich schon verloren zu haben glaubte. Auch die Externsteine waren für mich eine enorme Inspirationsquelle, den Dingen auf den Grund zu gehen und weiterzuforschen. Ich war hin und her gerissen zwischen Architektur und Geomantie und wünschte, ich könnte die gleiche Leidenschaft wieder für mein Studium empfinden, wie es bei der Geomantie war.
Erst nach und nach erschloss sich mir die ganze Komplexität dieser Thematik, die weit über Schlafplatzuntersuchungen hinausgeht. Ich begriff, welch weites Wissensfeld da vor mir lag und welche Chancen sich eröffneten, ein Gebäude schon in der Planung so zu beeinflussen, dass es im Einklang mit der Natur ist.
Und dann verstand ich es plötzlich: Ich habe die freie Wahl, ich muss mich nicht dem willkürlichen Design-Diktat unterwerfen. Ein tiefes Vertrauen auf die eigene Intuition und darauf, dass die Natur die Antwort schon bereithält, gab mir endlich meine Liebe zur Architektur wieder. Die beiden Puzzle-Teile Architektur und Geomantie passten zusammen!

Mut schöpfen für einen neuen Weg
Bald war es beschlossene Sache: Ich würde die Geomantie in meine Diplomarbeit einbeziehen und den Schritt wagen, einer breiten Öffentlichkeit diese Thematik näherzubringen.
Mein Plan war, eine Wohnsiedlung mit zwanzig Gebäuden unter geomantischen Gesichtspunkten zu entwerfen. Die Häuser sollten für Familien mit Kindern geeignet sein und auch generationenübergreifendes Wohnen ermöglichen. Ich war mir im Klaren darüber, dass ich mich auf ein großes Experiment mit noch ungewissem Ausgang einließ. Aber gerade das machte das Vorhaben so interessant für mich. Glücklicherweise konnte ich zwei Professoren für meine Idee gewinnen, die mich als Prüfer auf meinem Weg unterstützen, Prof. Alfons Dworsky und Prof. Eike Georg Hensch.
Alfons Dworsky inspiriert die Studenten in seinen Seminaren und Vorlesungen, einen ganzheitlichen Blick auf die Architektur zu wagen und sich so die wahren Zusammenhänge und Hintergründe zu erschließen. Eike Hensch beschäftigt sich seit 35 Jahren mit Geomantie und ist weithin bekannt als Wegbereiter und Experte auf dem Gebiet der modernen Radiästhesie. In vielen intensiven Gesprächen haben die beiden mich an ihrem enormen Wissen teilhaben lassen und zugleich dazu beigetragen, dass ich menschlich gewachsen bin. Beide machten mir klar, welche Verantwortung ich trage, dieses Thema professionell darzustellen, und dass ich sicherlich nicht überall auf offene Ohren stoßen würde.
Zunächst galt es, ein geeignetes Grundstück zu finden. Ich wusste nur, dass ich mir einen Bauplatz in Hannover oder Umland suchen wollte. Aber wo? Welchen Kriterien müsste er genügen? Ich entschied mich dazu, die Geomantie gleich bei der Grundstückssuche anzuwenden. Ein Stadtplan von Hannover war schnell ausgebreitet, und ich versuchte mich an der Technik des sogenannten Map-Dowsings. Ich befestigte die Peilspitze an der Rute und stellte mich mental auf das ideale Grundstück für mein Vorhaben ein. Und tatsächlich, ich erhielt einen Rutenausschlag direkt über einer großen Freifläche. Ich prüfte mein Ergebnis noch mal nach, aber die Wahl war getroffen.

Die Geschichte des Grundstücks
Das Grundstück befindet sich noch recht zentral gelegen im Südosten Hannovers, im Stadtteil Bult, im Süden und Osten vom intakten Waldrand der Eilenriede begrenzt. Im Norden liegt das Kinderkrankenhaus auf der Bult. Die „alte Bult“, so der Name dieses Areals, kann auf eine aufregende Geschichte zurückblicken. 1906 als Pferderennbahn eingeweiht, war sie 64 Jahre lang Treffpunkt für Freunde des Pferde­sports. Nachdem 1970 das letzte Rennen stattgefunden hatte, gab es große Pläne für das Grundstück. IBM wollte hier eine Transistorenfabrik bauen. Diese Pläne wurden jedoch eingestellt. Stattdessen wurde im Jahr 1983 auf einem Teilstück der Fläche das Kinderkrankenhaus erbaut. Heute ist das Gelände ein wichtiges Naherholungsgebiet und wird im Moment intensiv von Spaziergängern genutzt. Nordwestlich der beplanten Fläche ist auf dem Grundstück der Hiroshima-Gedenkhain zu finden. Mit seinen 110 Kirschbäumen soll er an die 110 000 unmittelbaren Opfer des Atombombenabwurfs am 6. August 1945 über Hannovers Partnerstadt Hiroshima erinnern. Die im Jahr 1988 ursprünglich im Rechteck angepflanzten Bäume haben mit der Zeit ihre ganz eigene Form entwickelt und bilden aus der Luft betrachtet die Form eines Kometen nach. Sie tauchen die Fläche im Frühsommer regelmäßig in ein prachtvolles Blütenmeer.
Von dem etwa 16 Hektar großen Areal wurde nur ein kleiner Teil mit der Wohnsiedlung beplant, so dass der Großteil des Gebiets auch weiterhin der Allgemeinheit erhalten bliebe. Hierzu sei erwähnt, dass es sich bei meiner Diplomarbeit nicht um ein reelles Bauvorhaben handelt. Sowohl das Baugrundstück als auch der eigentliche Entwurf dienen dem Zweck, eine Idee konzeptionell durchzuspielen, aufzuzeigen, dass es diverse Herangehensweisen an einen Entwurf gibt und die Geomantie praxis­nah anzuwenden.

Radiästhetische Phänomene
Es ist historisch verbürgt, dass die Römer bei ihren Stadtgründungen einem bestimmten Ritual folgten, der limitatio, dem Festlegen des Bezirks durch Ziehen einer Ackerfurche, mit der symbolisch ein Innen und Außen entstand. Dieser Limitationsritus wurde von sogenannten Auguren, Angehörigen einer speziell ausgebildeten Priester-Kaste, vorgenommen, indem sie einen geheiligten Pflug von einer Kuh und einem Stier ziehen ließen. Damit vergleichbar wurde hier nun über Jahrzehnte hinweg von den Pferden eine Furche gezogen, ein energetischer Ring, der heute noch spürbar ist.
Schon beim ersten Spaziergang auf dem Grundstück hatte ich das Gefühl, als würde der Ort mit mir kommunizieren. Und spätestens beim Betreten des „Rings“ war klar: Genau hier muss ich die Siedlung planen. Des weiteren wurde vor Ort jetzt deutlich, was schon aus dem Luftbild zu erahnen war. Die Weiterführung des Schwungs des Gedenkhains spiralisiert sich genau ins Zentrum der zukünftigen Siedlung und trägt so zu ihrer Formgebung bei.
Bei der radiästhetischen Untersuchung des Grundstücks fand sich eine Besonderheit. Der Bauplatz wird von einer geomantischen Großraumzone überlagert. Dabei handelt es sich in der Regel um künstlich erzeugte oder unter Ausnutzung der natürlichen Gegebenheiten künstlich veränderte Zonen mit starker atmosphärischer Dichte. Sie erstrecken sich meist linear ausgerichtet über große Entfernungen und können energetische Prozesse im Menschen stark aktivieren. Diese Zone teilt nun ein Stück des Rings ab und gab meinem endgültigen Entwurf seine Form. Bei weiteren Untersuchungen stellte sich heraus, dass die Zone ausschließlich rechtsdrehende Frequenzen, hauptsächlich induktiv, d. h. auf der körperlichen Ebene wirksam, abstrahlt. Die Geomantie geht davon aus, dass sich Strahlungsfelder dieser Art wohltuend auf Gemüt und Gesundheit auswirken.
Als prägnantestes Merkmal der Siedlung ist die Zone mit ihren 5 Metern Breite als Spazierweg und zum kurzzeitigen Verweilen ausgelegt. Auf ihrer Mittelachse ist die Intensität der gemessenen Frequenzen am höchsten, fällt nach außen hin etwas ab, um dann auf den Außenkanten wieder anzusteigen.

So schön könnte Wohnen sein
Diese Konstellation war die Grundlage meiner Planung: Entsprechend dem Strahlungsbild ist auf dieser Kante eine Natursteinmauer geplant, die eine raumgreifende Wirkung hat und die Zone durch die gesamte Siedlung begleitet. Sie verdichtet sich an manchen Stellen, um sich an anderen wieder aufzulösen. So definiert sie auch klar den Eingang zur Siedlung, indem sie eine Torsituation schafft. Des weiteren ist die Mauer in ihren Proportionen auf die einzelnen Frequenzen der geomantischen Zone abgestimmt und dient so als resonierende Membran, die die vorherrschenden positiven Energien aufnimmt und großflächig abstrahlt.
Direkt an der Außenseite der ­Mauer sind zwei Gebäude angelagert, die den Eingangsbereich noch klarer definieren und als sogenannte Torhüter fungieren. Es handelt sich zum einen um ein Restaurant, zum anderen um ein Seminarhaus mit Unterbringungsmöglichkeiten für das unweit gelegene Kinderkrankenhaus. Dieses Gebäude beherbergt zwölf Mini-Appartements, die für die Eltern der stationär behandelten Kinder gedacht sind.
Beide Gebäude bilden nun Form und Gegenform und erwecken so den Eindruck einer Schlüssel-Schloss-Situation am Eingang der Siedlung. In diesem Bereich lockert sich die Mauer zuerst zu Öffnungen, dann zu einzelnen Säulen auf, die alle auf eine der vorhandenen Frequenzen abgestimmt sind (5,35 – sie steht laut Mauthe-Tabellen für den goldenen Schnitt und göttliche Heilkraft. Rudolf W. Mauthe ist Architekt und Rutengänger und hat in einem Tabellenwerk auf Erfahrung und langjähriger Forschung beruhende Frequenzwerte für diverse Naturphänomene zusammengefasst, die unter anderem auf die Forschungsarbeit des Begründers der Grifflängentechnik, Reinhard Schneider, zurückgehen.) Das Übertreten einer Schwelle wird so noch viel bewusster. An den Außenbereichen der Siedlung löst sich die Mauer langsam auf und geht in die Landschaft über. Auf der Innenseite der Mauer sind Sitzschalen geplant, die zum Verweilen einladen und einen herrlichen Blick auf den Park im Herzen der Siedlung freigeben. Diese gehen in Resonanz mit der ebenfalls vorhandenen Frequenz 3,4 CR (laut Mauthe-Tabelle Planeten­linie Merkur, Kontakt, Kommunikation).

Sonnendurchflutete Wohnungen
Auf insgesamt 17 Grundstücken habe ich Häuser für Familien mit Kindern und jeweils einer kleinen Wohnung für ein Altenteil entworfen. Durch die Siedlungsform und die sich daraus ergebenden Himmelsrichtungen bedingt, sind elf Häuser vom Haustyp „Decumanus“, das bedeutet nach Ost-West ausgerichtet, sechs weitere sind vom Haustyp „Cardo“, also in Nord-Süd-Richtung. (Die Römer bezeichneten die Haupthimmelsrichtungen als Cardo und Decumanus und richteten ihre Straßennetze danach aus.) So ergeben sich zwei sehr differenzierte Haustypen, da sie ganz unterschiedliche Umwelteinflüsse in ein angenehmes Wohngefühl umsetzen müssen.
Resultierend aus der Siedlungsform, verfügen alle Grundstücke über zwei Zugänge. Wenn man vom Zentrum her in das Haus kommt, betritt man es zu Fuß. Von außen kommend, kann der Zugang mit dem Auto erfolgen. Das Prinzip der Achse (Zone) läuft durch jedes Haus von Eingang zu Eingang. Große Bedeutung habe ich im Entwurf dem Sonnenstand und der jeweiligen Belichtung der Häuser beigemessen. Beim Haustyp Decumanus mit rund 150 m2 Wohnfläche sind die Schlafzimmer und die Küche nach Osten, der Morgensonne entgegen, ausgerichtet. Das Wohnzimmer ist nach Westen, zur Abendsonne, orientiert. Zwischen diesen beiden Zonen befindet sich eine kleine Atrium-Halle mit Sitznische, die indirekt die Südsonne für das Haus einfängt. So wird eine Staffelung der Bereiche von öffentlich zu privat und ­intim ermöglicht.
Auch der Haustyp Cardo ist von der Achse der beiden Eingänge durchzogen. Sie trennt privaten und öffentlichen Bereich voneinander, bildet aber gleichzeitig wieder ein verbindendes Element zwischen den einzelnen Bereichen und schafft fließende Übergänge der beiden Atrien und ein Verschwimmen von Innen- und Außenbereichen. Eine direkte Belichtung der Räume mit Ost- bzw. Westsonne ist bei diesem Haustyp nur über die Atrien möglich.

Die Präsentation
Zurück in die Gegenwart: Nun stehe ich hier vor meinen Prüfern und habe eine Viertelstunde Zeit, meinen Entwurf zu präsentieren und gleichzeitig zu erklären, was Geomantie ist. Nicht gerade viel Zeit, um all das zu leisten. Wieviel Information kann ich meinen Zuhörern zumuten, ohne sie zu überfordern? Ich möchte sie neugierig dafür machen, dass die Natur Geheimnisse und Erkenntnisse für uns bereithält, die die heutige allgemein verbreitete Weltanschauung in Frage stellen könnten. Sicherlich besitzt die Geomantie eine mystische, für viele Menschen nicht greifbare Seite. Zugleich bedient sie sich auch physikalischer Begriffe, speziell aus den Bereichen der Optik und Akustik, um viele ihrer Phänomene zu erklären. Allerdings liegen diese Phänomene häufig auf feinstofflichen Ebenen und entziehen sich einer wissenschaftlichen Messbarkeit. Kritiker sollten diesen Sachverhalt jedoch nicht fehlinterpretieren als Beweis für die Nichtexistenz dieser Phänomene. Viele Naturerscheinungen, die nicht materiell greifbar sind, sondern nur durch die Sinne des Menschen wahrgenommen werden, gibt es seit jeher. Erst die Entwicklung geeigneter Messgeräte hat es der Wissenschaft ermöglicht, sie zu analysieren und ihre Existenz exakt zu beweisen.
Ich beende meine Erläuterungen und bedanke mich bei meinem Auditorium. Jetzt muss ich mich weitere 15 Minuten der Kritik stellen. Ich soll einige Fragen zu meiner Vorgehensweise beantworten und wage sogar den Schritt, eine H3-Antenne und eine Rute auszupacken und kurz zu erläutern. Ich betone, dass mein Entwurf aufzeigen soll, wieviele Wege zum Ziel führen und dass vielleicht gerade die unkonventionellen die interessantesten sind.
Wie nicht anders zu erwarten, gibt es auch scharfe Kritik von einem Zuhörer, der versucht, die Geomantie ins Lächerliche zu ziehen. Darauf bin ich vorbereitet. Ich erkläre meine Beweggründe und erläutere, dass alles, was wir entwerfen, von Menschen genutzt wird, und dass es in unserer Verantwortung als Architekten liegt, Bauten zu erschaffen, in denen Menschen sich wohlfühlen, in denen sie auftanken können oder Ruhe finden vor all den Belastungen der heutigen Welt. Schon Sir Winston Churchill hat gesagt: „Zuerst formt der Mensch das Gebäude, dann das Gebäude den Menschen.“ Es gibt keinen allgemeingültigen Fahrplan, nach dem man sich richten könnte. Jeder Entwurf, jedes Gebäude ist so einzigartig wie das Individuum oder der Zweck, für das oder den es geplant wird. Eine Entwurfsmethodik von vornherein abzulehnen, nur weil sie sich allgemein gesellschaftlich noch nicht etabliert hat, führt zwangsläufig zu Stillstand und unterbindet jeglichen Fortschritt. Für unsere Gesellschaft war es elementar wichtig, dass sich Verfechter neuer Ideen nicht von Widerständen abbringen ließen. Der Mensch kann nicht fliegen, trotzdem hat das einige Querdenker nicht davon abgehalten, es dennoch zu versuchen. Und heutzutage werden jährlich Milliarden Passagiere an den Flughäfen abgefertigt.
Mein Vortrag ist beendet. Man beglückwünscht mich zu meiner Courage, einige Gratulanten sind ganz überrascht, dass ich mich an so ein Thema gewagt habe, zeigen sich aber positiv interessiert.
Ich bin meinen Professoren Dworsky und Hensch dankbar, dass sie den Weg mit mir gegangen sind, und beide ermuntern mich, weiter in dieser Richtung zu arbeiten. Und das werde ich auch tun. Richtig angewandt, kann die Geomantie im Zusammenspiel mit ökologischen Aspekten als wertvolles Werkzeug dienen, um wahrhaft nachhaltige Architektur zu entwerfen. Wir müssen uns unserer Verantwortung als Planer noch stärker bewusst werden, und schon aus moralischen Gründen sind wir dazu verpflichtet, ökologisch vertretbare Bauten zu entwickeln. Wir werden uns auch dem wachsenden Bedürfnis der Kunden nicht mehr entziehen können, ihnen ressourcensparende und umweltschonende Architektur zu bieten, die eine Rückbesinnung auf ursprüngliche, natürliche Werte erfahren hat.
Die Geomantie ist ein nicht mehr wegzudenkender Bestandteil meines Lebens geworden, und auch wenn ich mit meinem Handeln nur einen kleinen Betrag leisten kann, ist es vielleicht ein Anreiz für andere, ein tiefes Vertrauen in das eigene Gespür zu entwickeln und zu erkennen, dass wir in Resonanz mit der uns umgebenden Natur stehen. Sie spricht mit uns, wir müssen ihr nur zuhören. Ich für meinen Teil werde mich jedenfalls in einer „schwebenden Resonanzbereitschaft“ halten, denn das ist Geomantie! +