Mut zu neuen Wegen

Eine geomantische Diplomarbeit im Fach Architektur

von Constanze Rzepka erschienen in Hagia Chora 29/2008

Noch sind Diplomarbeiten rar, bei denen die Geomantie eine Rolle spielt. Die Architektin Constanze Rzepka hat eine solche Arbeit gewagt. Ihre Planung einer Wohnsiedlung auf Grundlage einer radiästhetischen Untersuchung wurde zum persönlichen Prozess, Kraft für den eigenen Weg zu finden.

Ich wollte schon immer Architektur studieren. Von jeher haben mich Gebäude fasziniert, und ich war magisch von der besonderen Ausstrahlung alter Bauten angezogen. An den Ort meines Studiums lockte mich auch ein altes Gebäude, das alte Welfenschloss in Hannover, das heutzutage die Universität beherbergt.
Doch schon im ersten Semester kam dort die Ernüchterung. Wo war die Magie der Architektur geblieben, die mich hierher gebracht hatte? Baukonstruktion, Architekturtheorie, CAD-Programme, alles wirklich wichtig für eine fundierte Ausbildung, aber wer lehrt uns den Zauber, wer führt uns in die Geheimnisse ein, warum manche Bauten immer strahlender werden über die Jahrhunderte und andere wiederum schon nach 20 Jahren völlig verbraucht wirken? Ich versuchte in meinen Entwürfen immer gute Begründungen für meine Formen und Ideen zu finden, aber Intuition oder Gefühl galten nicht als Argumente bei den meisten Professoren. Harte Fakten sollten es sein, aber gerade diese erschienen mir so beliebig. Ich konnte nicht akzeptieren, dass der Entwurf eines Gebäudes oftmals nur Ausdruck des eigenen Egos ist.
Eher durch Zufall kam ich in jener Zeit mit der Geomantie in Berührung, als ich meine Mutter auf ein „Energieseminar“ an den Externsteinen begleitete. Ich freute mich darauf, etwas Neues auszuprobieren, hatte aber keine Ahnung, was genau auf mich zukommen würde. Dort hielt ich erstmals selbst eine Wünschelrute in den Händen und lernte, wie man sich damit auf die Suche nach Wasseradern oder ähnlichen Phänomenen begibt. Es ist ein erstaunliches Erlebnis, am eigenen Leib zu erfahren, zu welch feinen Wahrnehmungen der menschliche Körper fähig ist.
Zunächst eröffnete sich mir eher der gesundheitliche, naturheilpraktische Aspekt des Ganzen in Bezug auf Schlafplatz optimierung und „Bett umstellen“. Daher war mir nicht von Anfang der Zusammenhang zwischen Radiästhesie und architektonischer Planung bewusst. Ich war fasziniert von den neuen Erkenntnissen und all den Geheimnissen, die es in der Geomantie zu ergründen gab, und spürte die Magie wieder, die ich schon verloren zu haben glaubte. Auch die Externsteine waren für mich eine enorme Inspirationsquelle, den Dingen auf den Grund zu gehen und weiterzuforschen. Ich war hin und her gerissen zwischen Architektur und Geomantie und wünschte, ich könnte die gleiche Leidenschaft wieder für mein Studium empfinden, wie es bei der Geomantie war.
Erst nach und nach erschloss sich mir die ganze Komplexität dieser Thematik, die weit über Schlafplatzuntersuchungen hinausgeht. Ich begriff, welch weites Wissensfeld da vor mir lag und welche Chancen sich eröffneten, ein Gebäude schon in der Planung so zu beeinflussen, dass es im Einklang mit der Natur ist.
Und dann verstand ich es plötzlich: Ich habe die freie Wahl, ich muss mich nicht dem willkürlichen Design-Diktat unterwerfen. Ein tiefes Vertrauen auf die eigene Intuition und darauf, dass die Natur die Antwort schon bereithält, gab mir endlich meine Liebe zur Architektur wieder. Die beiden Puzzle-Teile Architektur und Geomantie passten zusammen!

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