Radar
Eine lautlose, unterschätzte Gesundheitsgefahr?
Seit dem Aufbau der GSM-Mobilfunknetze in den 1990er-Jahren ist eine mögliche Gesundheitsgefährdung durch hochfrequente elektromagnetische Strahlung öffentliches Thema. Sendeanlagen rückten ins Bewusstsein, die Gefahr bekam Struktur in Form von Mobilfunkantennen auf Masten, Silos, Schornsteinen und Hausdächern. Dies hat eine weitere Quelle für Hochfrequenzstrahlung aus der Wahrnehmung verdrängt, die weniger offensichtlich, aber genauso belastend ist – Radar.
Im Sommer 1999 wurde ich von der Bürgergemeinschaft Gemeinde Elmenhorst e. V. in Schleswig-Holstein gebeten, eine messtechnische Bestandsaufnahme der Hochfrequenzsituation in der Gemeinde vor Inbetriebnahme der Mobilfunkbasisstation von VIAG-Interkom (heute O2) durchzuführen. Ein Vorher-Nachher-Vergleich sollte den Anteil der Mobilfunkstrahlung an der gesamten Hochfrequenzintensität im Nahbereich der Anlage dokumentieren. Bei einem Mitglied der Bürgergemeinschaft maß ich im Schlafzimmer des Obergeschoßes erstmals einen Flugsicherungsradar mit der unwahrscheinlich hohen Intensität von 8900 Mikrowatt je Quadratmeter (µW/m2). Eine zweitägige Recherche war notwendig, um den Verursacher zu ermitteln: ein Radarsender in 29,3 km Entfernung, Standort Boostedt bei Neumünster. Das Problem solcher Belastung: Der Verursacher ist aufgrund der Entfernung nicht mehr sichtbar, eine potenzielle Gefahr nicht mehr einschätzbar, eine direkte Orientierung bzw. Risikoabschätzung ist ausgeschlossen.
Grundlagen der Radartechnik
Wie die Bestandteile des Wortes „Radar“ (Radio Detection and Ranging) andeuten, soll mit dieser Technik die Lage von Objekten nach Richtung und Entfernung mittels eines funktechnischen Echoverfahrens bestimmt werden. Heute ist die Radartechnik ein fester Bestandteil der Mikrowellentechnik und wird in vielen Gebieten angewendet, unter anderem
~ zur Positions- und Geschwindigkeitsbestimmung von Wasser-, Luft- und Landfahrzeugen,
~ zur Navigation und Landeanflughilfe bei Flugzeugen,
~ bei der kartographischen Vermessung der Erde über Satelliten,
~ bei der Suche nach Bodenschätzen und Wasservorkommen mit Hilfe von Flugzeugen und Satelliten,
~ bei der Wettererkundung,
~ bei der astronomischen Radiometrie,
~ in der Wissenschaft, für industrielle Anwendungen und für militärischen Einsatz.
Die Radartechnik liefert einen einzigartigen Sensor zur Beschaffung von Informationen über ferne Ziele, wie Flugzeuge, Schiffe, Raumfahrzeuge, Vögel, Insekten, sowie von Informationen über die Umwelt, wie Land, Meer, Wetter oder die Atmosphäre. Manchmal wird die Radartechnik Remote sensor (übersetzt: „Fernmessgerät“) genannt, denn sie ermöglicht die Erfassung dieser Informationen ohne direkten Kontakt mit dem Zielobjekt und ohne Störung des Ziels. Zur Ortung eines Objekts werden elektromagnetische Wellen von der Antenne des Radarsystems in eine bestimmte Raumrichtung gesendet, beim Pulsradar z. B. in Form regelmäßiger, kurzer Impulse. Treffen diese auf ein reflektierendes Objekt, so wird die Echoenergie von der Radarantenne wieder aufgefangen.
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