Heilort an der Alster
Feng Shui bei der Einrichtung einer Praxis
Zeitgemäßes Feng Shui beim Ausbau von Praxisräumen – das zeigen Steffen Gill und Carmen Breuker in ihrem Beitrag. An der Hamburger Alster haben sie zusammen mit einem Team aus Osteo-pathen, Heilpraktikern und Physio- und Bewegungs-therapeutinnen ein Innenraumkonzept erarbeitet, um optimale Räume für Heilungsprozesse zu schaffen.
Wie verstehen wir mit aufgeklärtem, modernem Geist das klassische Feng Shui, und wie lässt es sich im Westen anwenden, damit eine Atmosphäre entsteht, die Heilungsprozesse unterstützen kann? Diese und andere Fragen versuchen wir anhand der Gestaltung einer Hamburger Gemeinschaftspraxis von Physiotherapeuten und Heilpraktikern nachzugehen.
Feng Shui steht für die Wahrnehmung der Umgebung auf sichtbarer und nicht sichtbarer Ebene. In China entwickelte sich Feng Shui bereits sehr früh in der Kulturgeschichte aus einem grundlegenden menschlichen Bedürfnis: dem Schutz des menschlichen Lebens. In China gibt es Überreste neolithischer Siedlungen, die aus der Zeit von 6000 bis 2000 vor unserer Zeitrechnung stammen, und deren Lage und Ausrichtung in Bezug auf Wasserläufe und Landschaftsformen sich erstaunlich mit den Vorgaben des später entwickelten Feng Shui deckt. Aber nicht nur im asiatischen Kulturkreis gibt es über lange Zeit hinweg überlieferte Traditionen, wie man einen günstigen Wohnort gestaltet. Hippokrates von Kos, der Begründer der Medizin als Wissenschaft, schrieb beispielsweise im 1. Jahrhundert in seinem Traktat „De Aere, Aquis, Locis“ über die Luft, das Wasser und die Lage eines Gesundheit erhaltenden Orts. Jene drei Umweltbedingungen müssen in der richtigen Qualität vorhanden sein, damit der Mensch in Gesundheit leben kann, meinte Hippokrates. Er untersuchte auch die Bodenqualität von Niederlassungen, die Feuchtigkeit und vor allem die Nähe zum Wasser. Auch empfiehlt er in seinem Traktat, sich vor Nordwinden zu schützen, und beschreibt die dadurch ausgelösten Krankheitsbilder.
Feng Shui bedeutet Wind und Wasser, und diese beiden Naturphänomene sind auch diejenigen, die wesentlich unsere Gesundheit bestimmen. Wären wir in freier Natur unterwegs auf der Suche nach einem geeigneten Platz für unser Haus, würden wir uns intuitiv vermutlich genau nach diesen Umweltgegebenheiten orientieren. Für Großstadtmenschen verringert sich durch die bereitgestellte Grundversorgung die Bedeutung dieses lebensnotwendigen -Aspekts des Feng Shui. Dennoch lässt sich auch in einer Stadt an diese Naturprinzipien anknüpfen – aus dem Wunsch nach gesundem Leben und innerem Wachstum.
Das Wasser in der Umgebung
„Anne Alster, anne Elbe, anne Bill’, doa kann jeden eenen moken, wat he will,“ so beginnt ein altes Hamburger Tradi-tionslied und drückt die Freiheitsliebe der Norddeutschen aus. Das hat sich auch im 11. Jahrhundert ein Müller namens Reese gedacht, als er den kleinen Fluss Alster zu einem 180 Hektar großen, künstlichen See aufstaute. Durch einen Berechnungsfehler wurde ein großer Teil der Alsterwiesen vor den Stadtmauern überflutet. Aus heutiger Feng-Shui-Sicht ist dieser kleine Fehler mit großer Auswirkung für die Erfolgsgeschichte der Hansestadt mitverantwortlich. Denn aus Feng-Shui-Sicht würde man sagen, dass der künstliche See vom Fluss herangetragene Lebensenergie für den heutigen Stadtkern sammelt und in die anliegenden Stadtviertel verteilt.
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