Spüren, was ist
Ein Gespräch mit Eike Georg Hensch
Der Architekturprofessor Eike Georg Hensch hat die moderne Radiästhesie mit seiner unermüdlichen Ausbildungsarbeit -geprägt wie kaum ein anderer. Lara Mallien und Johannes Heimrath besuchten ihn in seinem Fachwerkhaus in Nienburg.

© Foto: Human Touch
In dem Zimmer, in dem wir mit Eike Hensch Tee trinken, hängen an den Wänden seltene Instrumente: Pommern, Krummhörner und ein Dulcian, mehrere Gamben und Fagotte. Klar, dass sich unser Gespräch erst um die unvergängliche Schönheit der Renaissance-Musik dreht – ein gemeinsames künstlerisches Interesse. Was geht schon über ein Consort-Piece von Robert Johnson? Unser nächstes Thema ist Bildung. Eike Hensch entrüstet sich über die Pläne, die Schulpflicht schon ab fünf Jahren einzuführen – solche fremdbestimmt aufwachsenden Kinder wüssten später doch nicht mehr, was sie selbst wollten. Und da ist sie, unsere erste Frage:
Hagia Chora: Wussten Sie schon als junger Mensch, was Sie wollten?
Eike Hensch: Ja, ich konnte mich immer für verschiedenste Dinge begeistern. Als junger Mann vor allem für Musik und Architektur, und eines Tages kam die Radiästhesie. Mein Vater hat mir als Kind einmal eine Astgabel in die Hand gedrückt, aber erst nach unserem Umzug nach Nienburg vor 35 Jahren kam ich mit der Radiästhesie ernsthaft in Kontakt. Anlass waren meine Nierenschmerzen seit dem Umzug. Eine Akupunkturärztin bescheinigte mir schließlich, auf einer Wasserader zu liegen. Jetzt stand ich vor der Entscheidung: Ist das Gerede über Wasseradern alles Unsinn, oder könnte doch etwas dran sein?
Eine Woche später auf einem Städtebaukongress lief jemand mit einer bunten Wünschelrute auf und ab. Da habe ich nur noch gefragt: Wo lernt man das? So kam ich in die Ausbildungsgruppe von Reinhard Schneider.
Später hatte ich das Glück, im Rahmen meiner Architektur-Professur Radiästhesie als Fach für meine Studenten anbieten und in jungen Leuten die Begeisterung für Radiästhesie wecken zu können.
In den letzten 35 Jahren hat sich in der Radiästhesie vieles geändert. Reinhard Schneider mit seinem aus der Physik abgeleiteten Ansatz war zunächst eine Revolution in der Szene der traditionellen Radiästheten. Seit einigen Jahren erweitert man das Konzept der physikalischen Radiästhesie, um auch psychische Qualitäten zu erfassen. Wie sehen Sie den heutigen Trend in der Radiästhesie?
Die psychodynamische Radiästhesie, die Hartmut Lüdeling stark geprägt hat, ist sicherlich ein wesentlicher neuer Trend. Ich halte nicht viel davon, wenn Rutengänger nur das Bett verstellen, ohne nach tieferliegenden Wurzeln der ungünstigen Resonanz zu suchen, dann bleiben die Leute krank.
Dazu ein Beispiel: Eine Betroffene litt an Blasen-Beschwerden und hatte Probleme mit den Knien und Füßen. Ich fand an ihrem Schlafplatz die Lecher- bzw. H3-Werte einer klassischen Verwerfung. Das Feld, das diesen Wert aufwies, ließ sich weiter durch den Nachbarraum verfolgen, und ich landete am Griffloch eines Aktenordners. Darin fanden wir den Schuldschein ihres geschiedenen Mannes. Nachdem eine Umschuldung erfolgt war, verschwanden die gesundheitlichen Probleme. Diesen Zusammenhang hätten wir nie hergestellt, wenn wir uns auf das Phänomen „Verwerfung“ fixiert hätten.
!Ist es schwierig, solche unkonventionellen Ansätze in Kursen zu vermitteln?
Manche Seminarteilnehmer haben bereits ein festes Konzept von Radiästhesie im Kopf, sind beispielsweise sehr „gittergläubig“ oder sind fest überzeugt, Kobolde zu sehen. Beide sagen: „Ich weiß, was hier ist“, statt in einer fragenden Haltung zunächst einmal zu sagen: „Ich spüre hier etwas“. Ich bemühe mich heute darum, eine gewissermaßen wertfreie Radiästhesie zu betreiben, orientiere mich an den gefundenen Schwingungen und versuche, sie zu deuten, möglichst ohne fixe Ideen. Ich vergleiche Radiästhesie gerne mit der Musik – schließlich ist Musik die einzige anerkannte esoterische Wissenschaft. Ein Dirigent muss hören, wenn eine Oboe in einem Symphonieorchester auch nur ein paar Cent zu hoch spielt. Um diese Genauigkeit geht es auch in der Radiästhesie, auch um Dynamik und Tempo. Vitruv sagte, jeder Architekt solle ein Musikinstrument spielen. Ich sage, das sollte auch jeder Radiästhet tun. Leider wird heute viel weniger musiziert als früher. Einer Generation, die vor dem Fernseher groß geworden ist, fehlt viel an Kreativität …
Aber es gibt auch eine gegenläufige Tendenz, Menschen, die selbstbestimmt und selbstbewusst nach ihrer Aufgaben suchen.
Ja, das erlebe ich auch in meinen Kursen. Inspirierend ist dabei besonders das Zusammensein von Menschen unterschiedlichen Alters. Da mag ein graumeliertes Vorstandsmitglied von Daimler-Benz und eine junge Kräuterheilerin gemeinsam in einem Kurs sein, und beide können voneinander lernen. Aber in der Radiästhesie geht es auch um Erkenntnis, man erlebt den berühmten Blick hinter den Vorhang. Es ist faszinierend, auch wenn es nur kleine Dinge sind: Finde einmal mit der Rute einen Maulwurf, grabe ihn aus und nimm ihn in die Hand: Den Menschen um dich herum gehen die Augen über.
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