Spüren, was ist

Ein Gespräch mit Eike Georg Hensch

von Eike Georg Hensch erschienen in Hagia Chora 27/2007

Der Architekturprofessor Eike Georg Hensch hat die moderne Radiästhesie mit seiner unermüdlichen Ausbildungsarbeit -geprägt wie kaum ein anderer. Lara Mallien und Johannes Heimrath besuchten ihn in seinem Fachwerkhaus in Nienburg.

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In dem Zimmer, in dem wir mit Eike Hensch Tee trinken, hängen an den Wänden seltene Instrumente: Pommern, Krummhörner und ein Dulcian, mehrere Gamben und Fagotte. Klar, dass sich unser Gespräch erst um die unvergängliche Schönheit der Renaissance-Musik dreht – ein gemeinsames künstlerisches Interesse. Was geht schon über ein Consort-Piece von Robert Johnson? Unser nächstes Thema ist Bildung. Eike Hensch entrüstet sich über die Pläne, die Schulpflicht schon ab fünf Jahren einzuführen – solche fremdbestimmt aufwachsenden Kinder wüssten später doch nicht mehr, was sie selbst wollten. Und da ist sie, unsere erste Frage:
Hagia Chora: Wussten Sie schon als junger Mensch, was Sie wollten?
Eike Hensch: Ja, ich konnte mich immer für verschiedenste Dinge begeistern. Als junger Mann vor allem für Musik und Architektur, und eines Tages kam die Radiästhesie. Mein Vater hat mir als Kind einmal eine Astgabel in die Hand gedrückt, aber erst nach unserem Umzug nach Nienburg vor 35 Jahren kam ich mit der Radiästhesie ernsthaft in Kontakt. Anlass waren meine Nierenschmerzen seit dem Umzug. Eine Akupunkturärztin bescheinigte mir schließlich, auf einer Wasserader zu liegen. Jetzt stand ich vor der Entscheidung: Ist das Gerede über Wasseradern alles Unsinn, oder könnte doch etwas dran sein?
Eine Woche später auf einem Städtebaukongress lief jemand mit einer bunten Wünschelrute auf und ab. Da habe ich nur noch gefragt: Wo lernt man das? So kam ich in die Ausbildungsgruppe von Reinhard Schneider.
Später hatte ich das Glück, im Rahmen meiner Architektur-Professur Radiästhesie als Fach für meine Studenten anbieten und in jungen Leuten die Begeisterung für Radiästhesie wecken zu können.
In den letzten 35 Jahren hat sich in der Radiästhesie vieles geändert. Reinhard Schneider mit seinem aus der Physik abgeleiteten Ansatz war zunächst eine Revolution in der Szene der traditionellen Radiästheten. Seit einigen Jahren erweitert man das Konzept der physikalischen Radiästhesie, um auch psychische Qualitäten zu erfassen. Wie sehen Sie den heutigen Trend in der Radiästhesie?
Die psychodynamische Radiästhesie, die Hartmut Lüdeling stark geprägt hat, ist sicherlich ein wesentlicher neuer Trend. Ich halte nicht viel davon, wenn Rutengänger nur das Bett verstellen, ohne nach tieferliegenden Wurzeln der ungünstigen Resonanz zu suchen, dann bleiben die Leute krank.
Dazu ein Beispiel: Eine Betroffene litt an Blasen-Beschwerden und hatte Probleme mit den Knien und Füßen. Ich fand an ihrem Schlafplatz die Lecher- bzw. H3-Werte einer klassischen Verwerfung. Das Feld, das diesen Wert aufwies, ließ sich weiter durch den Nachbarraum verfolgen, und ich landete am Griffloch eines Aktenordners. Darin fanden wir den Schuldschein ihres geschiedenen Mannes. Nachdem eine Umschuldung erfolgt war, verschwanden die gesundheitlichen Probleme. Diesen Zusammenhang hätten wir nie hergestellt, wenn wir uns auf das Phänomen „Verwerfung“ fixiert hätten.
!Ist es schwierig, solche unkonventionellen Ansätze in Kursen zu vermitteln?
Manche Seminarteilnehmer haben bereits ein festes Konzept von Radiästhesie im Kopf, sind beispielsweise sehr „gittergläubig“ oder sind fest überzeugt, Kobolde zu sehen. Beide sagen: „Ich weiß, was hier ist“, statt in einer fragenden Haltung zunächst einmal zu sagen: „Ich spüre hier etwas“. Ich bemühe mich heute darum, eine gewissermaßen wertfreie Radiästhesie zu betreiben, orientiere mich an den gefundenen Schwingungen und versuche, sie zu deuten, möglichst ohne fixe Ideen. Ich vergleiche Radiästhesie gerne mit der Musik – schließlich ist Musik die einzige anerkannte esoterische Wissenschaft. Ein Dirigent muss hören, wenn eine Oboe in einem Symphonieorchester auch nur ein paar Cent zu hoch spielt. Um diese Genauigkeit geht es auch in der Radiästhesie, auch um Dynamik und Tempo. Vitruv sagte, jeder Architekt solle ein Musikinstrument spielen. Ich sage, das sollte auch jeder Radiästhet tun. Leider wird heute viel weniger musiziert als früher. Einer Generation, die vor dem Fernseher groß geworden ist, fehlt viel an Kreativität …
Aber es gibt auch eine gegenläufige Tendenz, Menschen, die selbstbestimmt und selbstbewusst nach ihrer Aufgaben suchen.
Ja, das erlebe ich auch in meinen Kursen. Inspirierend ist dabei besonders das Zusammensein von Menschen unterschiedlichen Alters. Da mag ein graumeliertes Vorstandsmitglied von Daimler-Benz und eine junge Kräuterheilerin gemeinsam in einem Kurs sein, und beide können voneinander lernen. Aber in der Radiästhesie geht es auch um Erkenntnis, man erlebt den berühmten Blick hinter den Vorhang. Es ist faszinierend, auch wenn es nur kleine Dinge sind: Finde einmal mit der Rute einen Maulwurf, grabe ihn aus und nimm ihn in die Hand: Den Menschen um dich herum gehen die Augen über.
Der Maulwurf macht mich aber noch nicht zu einem erkenntnisreicheren Menschen. Wo geht es dann weiter, wo ist die Radiästhesie mehr als eine technische Fähigkeit?
Das ist eine schwierige Frage: Es hat mit der Begeisterung zu tun, mit Geist. Manchmal gibt es diese Momente, in denen du weißt: Da hat etwas durch dich gesprochen, es war ein Moment der Wahrheit. Die Radiästhesie „macht etwas mit einem“. Man stellt etwas fest und weiß „es ist“. Was ich dabei gelernt habe, ist, das eigene Ego völlig beiseitezulassen. Wir sind in dem Moment gut, in dem wir aufhören zu sagen: Schau, was ich alles kann, ich bin der Größte.
Sie sprechen von Geist – was bedeutet das für Sie?
Hmm – Körper, Geist und Seele – darüber kann ich nicht gut theoretisieren, ich kann nur aus meiner Erfahrung berichten. Beispielsweise stelle ich mich auf eine Wiese, energetisiere mich, fahre meine Antennen in Richtung Sonne aus und denke meinetwegen an einen Apfel. Dann wird jeder, der später an dieser Stelle radiästhetisch sauber arbeitet und als Testobjekt auch einen Apfel verwendet, sagen können: Hier hat ein Apfelbaum gestanden. – Um die Macht der Gedanken zu demonstrieren, mache ich in Seminaren regelmäßig eine Übung: Ich installiere mental ein kurzes Stück Wasserader, Grifflänge 33. Jeder wird das mit der Rute erfassen können. Dann klatsche ich in die Hände, und sie ist wieder weg. In solchen Fällen spreche ich von einer kapazitiven, sprich, geistigen Energie.
Wenn es so ist, dass wir die Welt um uns herum dauerhaft informieren, ist es dann nicht eine essenziell spirituelle Aufgabe, sich dessen bewusst zu werden?
Es gibt ja Berufsgruppen, die das eigentlich ausüben müssten, die Seelsorger. Ich habe einmal ein Seminar nur für Pastorinnen und Pastoren der evangelischen Landeskirche durchgeführt. Da ging es z.B. um die Frage: Wie weit reicht ihr Segen, so dass man ihn radiästhetisch noch wahrnehmen kann? Reicht er noch bis zur letzten Reihe in der Kirche?
!Seelsorger – vielleicht brauchen wir heute mehr als das, brauchen „Weltsorger“, die sich um mehr als nur um die Menschen sorgen? Wie stehen Sie zum Thema Erdheilung?
Ach, das Erdheilen schadet nichts, aber ich denke, die Erde kommt von selbst wieder ins Lot, wenn wir nicht soviel technischen Unsinn mit dem Mobilfunk und anderem treiben würden. Die Menschen sollten sich nicht so wichtig nehmen. Ich denke, wir müssen mit Manipulation sehr vorsichtig sein. Heilen zu wollen, kann leicht zur Manipulation werden. Wir haben kein Recht, Phänomene zu beeinflussen, denn wir können viel mit unserer geistigen Kraft bewirken, und dabei kann leicht ein Schuss daneben gehen. Jeder Mensch überträgt seine eigenen Probleme auf sein Umfeld. Die Erde ist gesund – krank ist meistens der Mensch.
Erdheilung ist meiner Ansicht nach dann sinnvoll, wenn sie auch die falsche technische Nutzung der Erde einbezieht wie den Elektrosmog, und wenn die geomantische Arbeit auch politisch wird. Ich komme ja aus der Atomgegner-Szene, habe hier im Landkreis die Grünen aufgebaut. Heute bin ich längst nicht mehr dabei, denn mir geht es um zentralere Themen.
Die Grünen betreiben heute in erster Linie Maßnahmen-Ökologie, sie vermitteln nicht wirklich eine andere Beziehung zur Natur …
Ja, denken wir nur an die Windkraftanlagen. Vordergründig ist das eine grüne Technologie, aber was bewirken sie geomantisch? Ein mit Kunststoff beschichtetes Metall wirkt wie ein Halbleiter. Wenn es rotiert, entzieht es unserem Umfeld die Lebenskraft. Lebenskraft, das ist genau das, was die Wissenschaft nicht kennt, was wir aber in der Geomantie als Lebenselixier wahrnehmen. Solche Themen sind leider derzeit politisch noch gar nicht diskutierbar. Allerdings sitzen in Bauämtern zuweilen einzelne engagierte Personen, die sich eine geomantische Untersuchung von neuen Siedlungsgebieten wünschen. Aber bis Geomantie im Mainstream angekommen ist, müssen wir wohl noch zwei Generationen Geduld haben.
Eine der größten Schwierigkeit ist sicherlich, Geomantie allgemeinverständlich zu vermitteln. Schwierig ist beispielsweise das Wort Energie. Es wird inflationär eingesetzt. Wie verwenden Sie diesen Begriff?
Für mich bedeutet Energie Schwingung, und jede Schwingung hat eine Bedeutung. Ich bin kein Physiker, aber als ich die ersten Vorträge von Reinhard Schneider besucht hatte, habe ich mich erstmal wie ein Besessener mit Physik befasst. Später habe ich von Ewald Kalteiß sehr viel gelernt. Doch man muss nicht alles physikalisch begründen. Beispielsweise kann man in Kirchen mit homöopathischen Testobjekten Peilungen vornehmen und dabei interessante Resonanzen feststellen. Wenn ich dann Menschen an den gefundenen Platz in der Kirche stelle, und ihr Kopfweh verschwindet, frage ich nicht nach der physikalischen Erklärung, sondern freue mich darüber.
Oder ein anderes Beispiel: Ein Freund hat mir einen Kasten mir „Gefühlsnosoden“ angefertigt, also mit Testobjekten, die verschiedene Gefühle repräsentierten. Damit arbeite ich sehr vorsichtig, das geht in Richtung Familienaufstellung. Nicht nur körperliche Vorgänge oder geophysikalische Gegebenheiten, sondern auch das Seelische hinterlässt seine Spuren. Wenn jemand eine „Seele von Mensch“ ist, dann ist diese seelische Schwingung in seinem Haus enthalten. Sie strukturiert den Raum, wie wenn man durch einen Ton eine Chladnische Figur erzeugt. So habe ich auch den Eindruck, dass sich in den Gitternetzen die Qualitäten ihrer „Erfinder“ spiegeln. Dr. Hartmann war beispielsweise eine Seele von Mensch, deshalb schwingt meiner Erfahrung nach das Hartmann-Gitter stark auf der seelischen Ebene. Das dritte Gitter, das Schneider postulierte, hat etwas Geistiges, und Schneider war ein geisitg sehr aktiver Mensch, während das Currygitter entsprechende der Persönlichkeit von Dr. Curry eher auf der körperlichen Ebene wirkt. Interessant ist, dass alle Gläubigen ein Gitter finden, sobald es postuliert wird, es wird gemeinsam von ihnen „hochgebetet“.
Wenn wir es mit an Personen gebundenen Phänomenen zu tun haben, kann das Phänomen nur jemand finden, der diese Denkfigur in sich trägt. Ist man also, sobald man in einem bestimmten System ausgebildet wurde, nicht mehr „unschuldig“?
Ja, aber dadurch wird das System selbst nicht entwertet, man darf es nur nicht absolut setzen. Die H3-Werte erlauben beispielsweise, Wahrnehmung sehr differenziert auszuwerten und sinnvoll zu arbeiten. Und darauf kommt es in der Praxis doch schließlich an.
Herr Professor Hensch, herzlichen Dank für das Gespräch.