Reines Wasser

Wege zum bewussteren Umgangmit unserem Lebensquell

von Ralf Otterpohl erschienen in Hagia Chora 27/2007

Der Ingenieur Ralf Otterpohl installiert weltweit ökologische Abwasserlösungen. Seine Forderung zur Reinhaltung des Wassers gründet nicht zuletzt im Respekt vor dem Wesen des Wassers, dessen energetische Qualitäten er als Geomant wahrnimmt.

Eine dörfliche Siedlung auf Borneo. Aus den Toilettenhäuschen gelangen die Fäkalien direkt in den Fluss.

Ein großer Teil der Menschheit kennt keine andere Praxis, als in das Wasser zu defäkieren und zu urinieren. Dies lässt sich in vielen Kulturen in aller Welt und durch viele Abschnitte der Geschichte hindurch beobachten. Aber ist es nicht seltsam, das wichtigste Lebensmittel, das heilige Element Wasser, so zu missbrauchen? Die Folgen dieses Missbrauchs waren und sind tragisch: Krankheiten breiten sich im Wasser aus, die Reinigung des einen bedeutet oft den Tod für ein Kleinkind, das nichts als das Wasser aus dem verschmutzten Fluss bekommen konnte. Allzu oft kommt in Entwicklungsländern das Todesurteil aus der scheinbar modernen und begehrten Spültoilette, deren Fracht ungeklärt ins nächste Gewässer rauscht. In der Folge sterben -unzählige Kinder an Cholera, Typhus oder einer der anderen durch verschmutztes Wasser übertragenen Krankheiten. Kostete die durch die ersten Spülklosetts verursachte Choleraepidemie 1892 in Hamburg noch insgesamt Tausende das Leben, gehen die Opferzahlen der Spültoilette heute in die Tausende pro Tag. Die Weltgesundheitsorganisation WHO rechnet es vor: „Die Zahl der durch verschmutztes Wasser bedingten Todesfälle liegt bei etwa 5 Millionen pro Jahr.“ Hauptsächlich sterben Säuglinge und Kleinkinder.
Dennoch, das Thema Abwasser nimmt man nicht gerne in den Mund. Individueller Realitätsverlust wird als Geisteskrankheit wahrgenommen, gesellschaftlicher Realitätsverlust ist weniger offensichtlich. Was aber letzterer anrichtet, ist fürchterlich. Verschmutztes Wasser belastet die Entwicklung der Menschheit. Zwar nicht bei uns Europäern, aber wir sind vielfach die Verursacher und oft die treibende Kraft schrecklicher Fehlentwicklungen. Zugleich sind wir derzeit diejenigen, die handeln könnten. Bessere Konzepte als die Spültoilette sind inzwischen erprobt und auf dem Vormarsch.

Die Macht der Gewohnheit
Der erste Schritt zur Besserung ist ein Bewusstseinsschritt. Respekt vor dem Wasser fordert, dass menschliche Ausscheidungen nicht in den Wasserkreislauf gehören. Wesentlich ist eine getrennte Erfassung und Behandlung von Wasser und Fäkalien, was sowohl mit Vakuumtoiletten, mit Trenntoiletten als auch mit Trocken-toiletten erfolgen kann. Nein, kein Plumpsklo! Auch wenn unglaubliche zwei Milliarden Menschen heute mit ebensolchen das Wasser und die Brunnen in dicht bewohnten Gegenden massiv verschmutzen. Weltweit werden unsinnigerweise Fäkalien mit Wasser vermischt, dem „gelben Wasser“, dem Urin. Gestank, Grundwasser mit höchsten Nitratwerten und krankheitsübertragende Insekten sind die Folgen. Moderne Trocken-toiletten, bei denen der Urin getrennt gesammelt und abgeleitet wird, verursachen bei richtiger Benutzung keinen Geruch. Freilich muss den Benutzern die richtige Bedienung vermittelt werden. Das ist nicht einfach, weil das mentale Feld dafür bisher noch schwach ist. Doch wächst der Trend zu Trockentoiletten durch unermüdliche Aktivitäten beispielsweise der Organisationen EcoSanRes (Schweden), der GTZ (Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit) oder auch meines Instituts. Heute reagieren bei meinen Präsentationen solcher Sanitärsysteme nur noch wenige ablehnend, während vor zehn Jahren das Interesse die Ausnahme war.
Unter dem Motto „Ecosan“ für Ecological Sanitation entstehen immer mehr Projekte, die meist moderne Zweikammer-Trockentoiletten mit getrennter Urinsammlung einbauen. Inzwischen gibt es etwa eine Million solcher Installationen mit Schwerpunkten in China, Südafrika, Uganda, Indien und Mexiko. Wie so oft waren es ganz wenige Querdenker, die mit viel Einsatz andere Wege gingen.
Selbstverständlich ist die kulturell-sozia-le Ebene für eine positive Weiterentwicklung dieses Trends das Entscheidende. Für die Millionen Menschen ohne oder mit unzumutbaren Toiletten ist die Entscheidung schnell klar, wenn gute Beispielprojekte zu sehen sind. An Orten, wo der Wunsch nach der Spültoilette besonders groß ist, wird es schwieriger. Die westliche Welt geht mit schlechtem Beispiel voran und hat selber das Hygieneproblem mit ihren Kläranlagen nur halbwegs gelöst. Es ist wie in allen Bereichen schwer, anders zu denken, und noch viel schwerer, anders zu handeln …
Wenn ich mich mit solchen praktischen, existenziellen Pro-blemen unserer Welt befasse, denke ich oft über die Wirkung von Mentalfeldern nach. Wir müssen damit umzugehen lernen. Die Ansätze der Geo-mantie kommen diesen kaum messbaren Phänomenen sehr nahe.

am 14.12.2007 schrieb Bärnel Heidlberger:

Ich würde gerne in Kontakt mit den Herstellern der Trockentoilette kommen. Können Sie mir dabei helfen.

PS. Bin schon lange begeistert von Ihren Ideen und Ihrer Arbeit in Ihrer neuen Heimat. Wenn ich mal Zeit habe, besuche ich Sie mal da oben im Norden.
Ich lebe hier: www.holzland-info.de

Antwort schreiben

am 13.01.2008 schrieb Gert Brüning:

Die totale Expertin für Trockentoiletten ist Doris Leonhardt im Ökodorf Sieben Linden in Poppau.

Antwort schreiben

am 05.04.2008 schrieb Karsten Holzapfel:

Ich würde auch gern mit interessierten und informierten Leuten zum Thema TTC in Kontakt kommen. Bin selbst Entwickler und Hersteller. siehe www.bueroholzapfel.de

Antwort schreiben

Hier können Sie einen neuen Kommentar zu diesem Artikel verfassen





Bitte lösen Sie die untenstehende Rechenaufgabe und tragen Sie das richtige Ergebnis ein. Sie helfen damit, den Missbrauch dieses Online-Formulars und Spam zu verhindern. Herzlichen Dank.

vier plus vier =