Mitte und Außen
Ein Kunstwerk verbindet Stadt und Land
Ein dezentrales Kunstwerk, das die Verbindung zwischen zwei entfernten Orten sucht und sie wechselseitig „informiert“, ist Herausforderung und Wagnis zugleich. George Steinmann gelang eine solche Bezugnahme zwischen der Hauptstadt Bern und dem kleinen Bergdorf Saxeten.
Das „Werk Saxeten, eine wachsende Skulptur“ ergab sich aus einem im Jahr 2002 vom Amt für Grundstücke und Gebäude des Kantons Bern und der Kantonalen Kommission für Kunst und Architektur ausgeschriebenen Studienauftrag für eine künstlerische Intervention am ehemaligen Frauenspital von Bern, in dem die kantonale Steuerverwaltung und ab 2003 Teile der Universität Bern untergebracht werden sollten.
Das „Werk Saxeten“ ist eine Recherche über eine Möglichkeit einer „Kunst-und-Bau“-Intervention mit zukunftsfähiger Wirkung. Es definiert Kunst als gesellschaftsbezogene Praxis, deren Potenzial primär in der Entwicklung und Bereitstellung spezifischer Denk- und Arbeitsweisen beziehungsweise Kompetenzen liegt. Dies impliziert ein transdisziplinäres Engagement an der Schnittstelle zwischen dem Kunstfeld und den verschiedenen Lebenswelten. Oberste Prämisse ist die Schaffung eines Kunstwerks mit gesellschaftlicher Relevanz. Der prozessorientierte Ablauf ist von zentraler Bedeutung und integraler Teil des Werkes.
Beim Studium der Leitgedanken der Steuerverwaltung fand ich erstaunliche Maximen, nach denen sich die Verwaltung in Zukunft richten wollte: Von „ganzheitlicher Bearbeitung der Aufgabe“, „Wechsel zu einem prozessorientierten Denken“ und von der „Verstärkung des Teamgedankens“ war dort die Rede. Das stand in Kontrast zu den Beschränkungen, die für das zukünftige Kunstwerk in der Ausschreibung aufgeführt wurden. Über bloße Dekoration hinaus schien es kaum möglich, in einem solchen Rahmen eine relevante Arbeit zu realisieren. So begann ich, die Struktur des gesamten Studienauftrags radikal zu hinterfragen und studierte deshalb auch die monetären Strukturen im Kanton Bern. Das Spannungsfeld zwischen Zentrum und Peripherie begann mich zunehmend zu interessieren. Ich lagerte die künstlerische Intervention kurzerhand aus – vom vorgesehenen Ort im Zentrum der Stadt Bern in eine der steuerschwächsten Gemeinde des Kantons Bern.
Der von mir gewählte Ort heißt Saxeten, ein auf einer steilen Südost-Hangschulter gelegenes, kleines alpines Dorf mit 120 Einwohnern. Wiewohl inmitten der Tourismusregion Berner Oberland gelegen, fließen die Besucherströme bis heute an Saxeten vorbei. Das Dorf hat dadurch weitgehend seine bauliche Identität bewahrt. Die geschwächte Infrastruktur besteht noch aus einem Schulhaus und einem Restaurant/Hotel. Der Laden im Dorf sowie das Postbüro wurden 2002 geschlossen.
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