Herzens-Orte

Die Chakren-Plätze in Cottbus

von Andrea Schmidt erschienen in Hagia Chora 27/2007

Zwölf Jahre alt ist der Park der Bundesgartenschau in Cottbus. Zum zehnjährigen Jubiläum hatte man es gewagt, „besondere Plätze“ zu gestalten – und heute kann man an diesen Plätzen den -Qualitäten der sieben Chakren nachspüren.

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Der Platz des inneren Friedens
Das Zentrum des Pentagramms bildet der fünfzackige Stern aus gelbem Ziegelstein – die Sonne –, umgeben von der fünfblättrigen Blüte aus orangefarbenen Ziegeln. Den Hintergrund bildet ein silbernes Pflaster in verschiedenen Größen. Dieser Platz soll die innere Zufriedenheit und das Spüren der eigenen Mitte unterstützen.

Mutter Erde trägt und begleitet über sechs Milliarden Menschen, die inzwischen auf ihr wohnen. So können wir wohl davon ausgehen, dass ein besonderer Ort auf unserem Planeten bis zu 6 Milliarden mal unterschiedlich erlebt werden kann. Dennoch sollte es möglich sein, geomantische Arbeit in einer verständlichen Sprache zu fassen, damit sich das, was wir vermitteln wollen, nicht in Beliebigkeit verläuft. Daher will ich als erstes meine Sichtweise zu Energien und Kraftorten generell darlegen.
Wenn ich im Folgenden von Qi spreche, meine ich damit eine als „Vitalität“ erlebte Lebenskraft, wie sie beispielsweise die traditionelle chinesische Medizin kennt. Lässt man sich auf die Wahrnehmung ein, dass unser Körper von verschiedenen feinstofflichen Feldern umgeben ist, lässt sich Qi fast körperlich spüren. Und weitet man diese Wahrnehmung auf die Umgebung aus, lässt sich das Qi von Bäumen, Flüssen, Steinen etc. ebenso wahrnehmen. Qi kann sich aber nicht aus sich selbst heraus nähren. Wenn ich seine Quelle beschreiben soll, wähle ich am ehesten den Begriff Liebe: Das reine Qi wird angeregt oder genährt durch Liebe, wie sie in allem Leben, in Bäumen, Pflanzen, Blüten, Steinen und auch in unseren Herzen und in der Erde unter uns wohnt und dort ständig neu entsteht. Liebe ist eine andere -Ebene als Qi, sie liegt jenseits des Feinstofflichen. Vom Standpunkt unserer äußeren Welt betrachtet, entsteht sie autonom aus sich selbst heraus. Während Qi durch unsere Vitalität körperlich spürbar und durch verschiedene Körpertechniken aktivierbar ist, lässt sich die Liebe nur über Liebe spüren – und ebenso nur über die Liebe wecken. Erst wenn wir vom Herzen aus wahrnehmen, erfahren wir neben der Vitalkraft Qi auch die dahinterstehenden Qualitäten der Liebe, wie sie in der Schönheit der Blüten, der ruhigen Atmosphäre eines Waldes, der Freude eines Sonnentags oder in der Geborgenheit, die ein Kraftplatz vermitteln kann, liegt. Liebe kann in allem, was lebt, geweckt werden, selbst in Steinen, doch das geschieht weniger durch Technik, sondern mehr durch Zulassen und Annehmen der Wärme und Freude des eigenen Herzens.

Gesunde Orte

Der Platz der Kommunikation
Das Rad symbolisiert den Austausch mit den Welten. Es besteht aus blau gebranntem Ziegelstein, umgeben von weißen Kieseln und silbernen Pflastersteinen. Aus seinem Zentrum soll die Energie in die Kommunikationsebenen der Menschen, die sich auf den Platz einlassen, fließen und deren Ausdruck freier und lebendiger machen.

An gesunden Kraftorten ist nun beides zu finden: Das Qi nährt und vitalisiert den Körper eines Besuchers, die Liebe bringt ihn zu sich selbst, sie weckt seine eigenen inneren Quellen, damit er künftig auch sein eigenes Qi aus sich selbst heraus nähren kann. Wie jeder Mensch seine ganz eigene Qualität im Herzen trägt, so unterschiedlich sind auch Kraftorte. Wer sie untersucht, weckt oder schafft, sollte sich meiner Ansicht nach beider Ebenen bewusst sein, und er sollte beide bewegen können: Das Qi der Umgebung darf nutzbringend in Austausch und Einklang gebracht werden mit dem Qi eines Kraftorts, aber selbst, wenn kaum Qi vorhanden ist, vermag aus dem Nichts noch etwas zu entstehen, wenn die Liebe im Boden, in Bäumen und Steinen geweckt wird.
Ob Menschen in frühen Zeiten ihre Wahrnehmung wohl ähnlich differenziert haben wie wir heute? Vermutlich stellten sich viele unserer Fragen für sie nicht. In traditionellen Kulturen wurden Orte und Architektur genutzt, um dem spirituellen Leben Ausdruck zu verleihen. Energien wurden intuitiv wahrgenommen, geweckt, gelebt und im Alltag selbstverständlich genutzt. Heute sind wir wieder auf der Suche nach kraftvollen Orten. Allerdings sind wir dabei oft zögerlich und vorsichtig und betrachten die Plätze durch die Brille unseres materiell orientierten Zeitalters. Die Möglichkeit, einen tieferen Zugang zu finden, erzeugt noch immer bei den meisten Menschen Unbehagen.

Neue Kraft für Cottbus

Der Platz der Klarheit
Ausgehend von einem Außenkreis von silbernen Pflastersteinen führen Trittsteine aus dunklem Schiefer zur Mitte dieses Platzes. Der weiße, grobe Sand bildet anmutige, sich um die Mitte zentrierend fein geharkte Kreise. Dieser Platz repräsentiert die Polarität von Yin und Yang, die sich letztlich über die Energie der Klarheit vereinigen.

Vor zwei Jahren durften wir in Cottbus das Projekt „Orte der Kraft“ starten: Zum zehnjährigen Jubiläum des Parks der Bundesgartenschau entstanden sieben unterschiedliche Kraftplätze in den Qualitäten der sieben Haupt-Chakren. Meine Aufgabe dabei umfasste den Entwurf und die energetische Initialisierung der einzelnen Plätze. In den Händen von Mechthild Scharfenberg und Yvonne Kliffmann Projektleiterinnen des Gartenbaubetriebs „Grüne Gärten“, lag die Bauausführung. Wichtigste Voraussetzung für das Projekt war das engagierte Interesse der Parkleiterin Karola Komolka. Finanziert wurde das Projekt von der Congress Messe Touristik GmbH (CMT) in Cottbus.
Cottbus? Die wenigsten wissen, dass es sich hier um die zweitgrößte Stadt in Brandenburg handelt, die mitten im Spreewald an der Grenze zu Polen liegt. Fühlt man sich in die Energie von Cottbus ein, entsteht zunächst das Gefühl einer vergessenen Stadt: Haltlosigkeit auf der Qi- und Herzebene, es fehlen Erdverbundenheit und ein Zusammengehörigkeitsgefühl der Menschen untereinander ebenso wie ein Gefühl für die eigene Identität.
Wer mit dem Herzen hinter diese Ebenen schaut, entdeckt schnell eine Reihe von ungeweckten oder unzugänglichen Kraftpunkten und Kraftzonen. Mit diesem Blick lässt sich vielleicht auch nachempfinden, warum schon Fürst Hermann von Pückler seine Leidenschaft gerade in der Landschaftsgestaltung sah und in dieser Gegend viele geomantisch interessante Parkanlagen gestalten ließ. Der Cottbuser Park der Bundesgartenschau liegt genau zwischen drei solchen Punkten, die zusammen ein Kraftfeld bilden. In diesem Feld besitzt die Stadt mehr Präsenz und Halt als in anderen Bereichen.
Wer mit dem Herzen zu schauen lernt, darf entdecken, dass sowohl Ist-Zustände als auch ungeweckte Potenziale erkennbar sind, die im nächsten Schritt geomantisch zugänglich gemacht werden können. Mit dieser Wahrnehmungsmethodik erschlossen wir die verschiedenen Qualitäten des Parks, und es zeigten sich schnell Entsprechungen zu den sieben Chakren. Nur für den „Platz der Klarheit“ (Stirn-Chakra) wurde nirgends eine geeignete Grundener-gie gefunden; dieser Platz wurde daher ganz neu initialisiert.
Glücklicherweise stießen wir mit unserer unkonventionellen Arbeitsweise nicht auf Ablehnung. Parkleiterin Karola Komolka fühlte sich seit dem ersten Tag auch für die feinstoffliche Ebene des Projekts verantwortlich und konnte zu ihrer eigenen Überraschung selbst die Unterschiede der Energiequalitäten wahrnehmen.
Am spannendsten waren für uns die Reaktionen der Bauarbeiter. Anfänglich standen sie dem Thema sehr skeptisch gegenüber, fanden allerdings die Gestaltungsarbeiten der einzelnen Plätze interessant und abwechslungsreich und brachten konstruktive Umsetzungsvorschläge ein. Als sie die Beschilderung über die Bedeutung der Plätze anbrachten, waren sie sehr überrascht, hatten sie sich doch während der Bauphase immer wieder gewundert, warum sich die Arbeit an jedem Platz jeweils anders angefühlt hatte. An einem Platz verwickelten sie sich mehr und mehr in Gespräche, an einem anderen waren sie allesamt albern, beim nächsten bekamen manche Kopfschmerzen, und ein Arbeiter konnte sogar an einem Platz überhaupt nicht arbeiten. Die Beschilderung brachte die Auflösung: Der Platz mit den Gesprächen war der Platz der Kommunikation, der Platz mit den Späßen war der Platz der Freude.
Heute erblicken die Besucher beim Betreten des Parks zunächst aufwendig verlegte Boden-Mandalas, deren Formgebung aus dem goldenen Schnitt heraus entwickelt wurde. Die Materialien sind allesamt hochwertig. Es handelt sich um handlasier-tes Graupflaster in den kräftigen Farben des Regenbogens.
Die Resonanz der Besucher ist sehr unterschiedlich. Manche trauen sich nur auf die Plätze, wenn sie sich unbeobachtet fühlen, manche kommen nun seit mehr als einem Jahr regelmäßig hierher. Einige verbringen ihre Mittagspause auf den Stühlen rund um die Plätze, wohl ohne sie je zu betreten. Man kann beobachten, dass Gesprächsrunden um den Platz der Kommunikation entstehen und ruhigere Runden eher um den Platz des Friedens. Die Sonnenliegen haben mit der Zeit ihren Standort am Platz des Herzens gefunden.
Die Parkleiterin verriet uns, dass sie Arbeitsbesprechungen oft am Platz der Visio-nen durchführt. Für Menschen, die die  Plätze nicht so deutlich wahrnehmen, hat eine Seminarteilnehmerin einen Trick gefunden: Man stellt sich mit einem Bein auf den Platz, das andere Bein steht daneben. So wird der Unterschied der beiden Bereiche gut körperlich spürbar.
Seit der Einrichtung der Orte der Kraft im März 2005 hat sich die Besucherzahl des Parks verdoppelt. Es gibt inzwischen  erste Berichte über Linderung von Rückenschmerzen, Kopfschmerzen und Schwermütigkeit. Sie stammen von Menschen, die von Yvonne Kliffmann oder Mechthild Scharfenberg, die weiterhin die Plätze betreuen, eine Einführung in den Umgang mit den Kraftorten erhalten haben.
Bei jedem meiner Besuche der Kraftplätze im BUGA-Park bin ich aufs Neue gespannt, ob die Energien präsent geblieben sind, ob die Unterschiede der verschiedenen Plätze weiterhin spürbar sind, denn es gibt freilich auch viele Skeptiker, die die Plätze betreten. Wenn der Blick dann über die Rasenfelder gleitet, sind die Plätze zunächst nicht sichtbar, erst wenn man sich ihnen nähert, erahnt man die Unterbrechung der Rasenfläche. In ihrer direkten Nähe wird man dann mit dem schönen Bild des Platzes belohnt. Ja, die Kräfte der Erde haben sich nicht in ihrer Qualität und Stärke beeinträchtigen lassen, sie sind nach wie vor sehr präsent. Das stimmt mich immer wieder sehr dankbar.