Ersungene Linien

Wie das Leben der Landschaft
erfahren werden kann

von Peter Risto erschienen in Hagia Chora 27/2007

Auf der Suche nach Wegen, wie die Wechselwirkung zwischen den unsichtbaren Qualitäten der Landschaft und dem wahrnehmenden Menschen ausgedrückt werden kann, hat der Landschaftsplaner Peter Risto das absichtslose Zeichnen und Singen für sich entdeckt. Auf diese Weise entstehen „Singlinien“, die ihm den Zugang zum Dialog mit dem Genius Loci erschließen.

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Ein Ausdruck des Lebens der Insel Krk.

Als Landschaftsplaner war mir ein ganzheitliches Verständnis der Mitwelt immer ein großes Anliegen. Das Leben von Landschaften ist für mich nicht auf ökologische Aspekte reduziert. Nicht nur einzelne Elemente wie die Gesteinssphäre, Boden, Wasser, Luft, Pflanzen und Tiere machen das Leben aus. Die Geomantie nennt unsichtbare Dimensionen einer Landschaft, die das Materiel-le bedingen und formen. Im Folgenden gehe ich daher der Frage nach, wie das Leben der Mitwelt sich unserer inneren Wahrnehmung mitteilen kann.
Mein eigener Weg zur Erfahrung der Vitalität der Mitwelt begann in der Kindheit, setzte sich im Beruf fort und führte auch zu einer Weiterbildung in Geomantie. Ein Schlüsselerlebnis für mein Verständnis der Interaktion zwischen Mensch und Mitwelt war bei meiner Abschlussarbeit im Rahmen der Geomantieausbildung das plötzliche „Sehen“ des Lebens einer Baumgruppe. Ich hatte das Gefühl, die Lebendigkeit der Bäume zu spüren, die farbige Bewegung des Lebens der Bäume zu erkennen. Baumstamm, Äste und Blätter waren Ausdruck von Leben und nicht Materie, die man einfach nur sieht. Dieses Erlebnis war von einer Flut weiterer innerer Bilder begleitet. Am deutlichsten war der Eindruck, dass jene Lebenskraft auch „Bedeutung“ für einen größeren Waldbereich habe. Wie kategorisiert man nun Leben, das man in aller Tiefe erfährt? Ich hatte an diesem Ort angesichts des ergreifenden Erlebnisses kein Verlangen, die Kraft des Orts einer bestimmbaren „Raumdimension“, sei es nun der urbildlichen oder der geistig-seelischen, zuzuordnen.
Ich muss gestehen, dass diese und weitere Erfahrungen mich von den in der Geomantieausbildung erlernten Sichtweisen der mehrdimensionalen Ebenen einer Landschaft etwas weggeführt haben. Stattdessen hat sich eine Art Fähigkeit eingestellt, schlicht und einfach das Leben in einem Landschaftsraum zu erfahren. Der Lebensausdruck einer Landschaft, eines Landschaftselements oder eines Wohnraums setzt sich dabei für mich aus mehreren Erfahrungsteilen zusammen. Als erstes zeigen sich Qualitäten eines Orts in meiner Gefühlswahrnehmung. Zuweilen korrespondieren sie mit Qualitäten, von denen in der Geomantie oft die Rede ist, wie jene von Herzplätzen oder Wandlungsplätzen, aber darüber hinaus zeigt sich ein noch größeres Spektrum von Gefühlsfärbungen und „Informationen“.
Zweitens habe ich oft den Eindruck, eine Landschaft „erzähle“ aus ihrer erdgeschichtlichen Entwicklung, beispielsweise von einem Meer, das sich schon vor Millionen Jahren aus einem Gebiet zurückgezogen hat, von Bergstürzen und Beben, die sich im Zug der Entstehung der Alpen ereigneten und anderem mehr. Manches bleibt für mich als „Zuschauer“ auch völlig unausdrückbar, nicht zu beschreiben, nicht zu besprechen – es bleibt nur ein Sehen des Lebens der Mitwelt.

Gemalte Mitwelt
Ein Beispiel für ein Erlebnis, bei dem die Geschichte eines Orts spürbar wurde, kam für mich unerwartet während eines Urlaubs in Kroatien auf der Insel Krk. In der dritten Nacht in unserer Unterkunft hatten meine Frau, meine Tochter und ich Albträume. Mir war, als ob Erinnerungsreste vom vergangenen Krieg der 90er-Jahre noch im Haus spürbar wären. Intuitiv dachte ich an den Geist des Hauses, mit dem ich womöglich in Kontakt treten sollte. Ich bin vorsichtig bei Gesprächen mit unsichtbaren Kräften, weil ich vermute, dass man dabei oft mehr mit sich selbst spricht als mit dem Außen. Noch dazu war mir damals die Vorstellung, was der Geist oder Hüter des Hauses sein sollte, sehr unklar. Trotzdem versuchte ich, zu einer Kommunikation zu kommen, und experimentierte mit dem Medium der zeichnerischen Darstellung. So zeichnete ich ein Abbild des Wesenskerns des Hauses und stellte mir vor bzw. fühlte, dass der ganze Vorgang des Malens eine Kontaktaufnahme zur feinstofflichen Lebenskraft des Hauses darstellte. Das entstandene Bild – ich nannte es die „Hausfee“ – befestigte ich über der Haustür an der Wand. Von diesem Moment an kehrte Frieden ein, wir verloren die Angst, und die Erinnerung an die Albträume hatte keine Macht mehr.
Das Schöne an dem entstandenen Bild war, dass ich beim Malen nicht wirklich nachgedacht hatte. Das Bild ergab sich irgendwie – jeder Schwung, jeder Strich kam, ohne dass ich eine künstlerische Vorstellung über das zu erzielende Resultat entwickeln musste. Das Ergebnis erlaubte mir eine neue Verbindung hin zum Leben des Hauses.

Singen mit der Landschaft

Zeichnung der „Hausfee“ des Ferienhauses auf der Adria-Insel Krk.

Durch dieses erste Erlebnis wurde mir im Lauf der Zeit bewusst, dass das intuitive Zeichnen und Malen die Ratio bei mir so weit ausschaltet, dass ich mich weder um das Entstehen des Bildes noch um bewusste geomantische Wahrnehmung kümmern muss. Die Einflüsse der Landschaft verbinden sich unweigerlich mit meiner inneren Seelenlandschaft, und ich sende Gedanken zurück an die Mitwelt. Diesen Austausch sehe ich gern als eine Art Gespräch. Subjektiv ergibt sich der Eindruck, dass das Bild als Resultat der Verbindung mit dem Außen positive Veränderungen hervorruft. Darüber hinaus bringt das Zeichnen auch immer wieder geistesblitzartig manche ungewohnte Erkenntnis.
Als Beispiel dafür ein zweites Erlebnis auf Krk: In „Kommunikation“ mit der ganzen Insel habe ich eine Gefühlsqualität erfahren, die sich in einer Zeichnung, die an einen Drachenkopf erinnert, niederschlug. Das entsprach auch den Gedanken an Drachen, an Drachenkräfte, die ich auf der Insel hatte, einer sehr ursprünglichen, unbändigen Naturkraft. Es war eine Erdkraft feuriger Qualität, die aber durch das Meer eine besondere Qualität von Weite und Zeitlosigkeit erhielt.
Bei weiteren Zeichnungen habe ich festgestellt, dass der Prozess noch mehr Qualität und Tiefe erhält, wenn ich dazu leise Melodien singe oder summe. Ablenkende Gedanken verschwinden noch mehr, ich zeichne in diesem Zustand nur noch für die Kommunikation mit dem Ort. Wegen des Singens beim Zeichnen nannte ich die Zeichnungen „Gesangslinien“, „Singlinien“ oder auch „Songlines“.
Der Begriff „Songlines“ ist von den austra-lischen Aborigines her bekannt. Aborigines geben durch Singen die Entstehung der Welt wieder. In der „Traumzeit“ sollen mythische Wesen Landschaften ebenso wie Lebewesen, Werte, Symbole erschaffen haben und – das ist das Interessante – weiterhin gestalten. Die Traumzeit (Dreamtime, Altjeringa) ist daher nichts Vergangenes, sondern eine Parallel-Zeit, wobei der Begriff „Zeit“ im Sinn der Physik hier nicht mehr anwendbar ist. Es ist eher das zeitlose Sein, aus dem heraus Archetypen geschaffen werden, die sich irgendwann in der für uns wahrnehmbaren, täglichen Welt manifestieren – ein Prozess, der, aus unserer Zeitdimension heraus gesehen, unendlich andauert. Die erschaffenden Wesen der Traumzeit bringen ihre Werke in Liedern zum Ausdruck, bzw. die Lieder bilden selbst den Schöpfungsprozess. In ihren Lieder singen die Aborigines von den Traumpfaden und können so die mythische Entstehung einer Landschaft immer wieder erleben und von Generation zu Generation weitergeben.
Da ich die „Songlines“ der Aborigines erst nach meinen Erfahrungen etwas näher kennenlernte, war es um so interessanter, gewisse Ähnlichkeiten zu sehen. Vielleicht öffnet die Beschäftigung mit der Landschaft durch Gesang und Zeichnen den Zugang zu einer sehr starken Wahrnehmungsebene, in der es möglich ist, so etwas wie den Ursprung, den Archetyp einer Landschaft, vielleicht jeder Erscheinungsform in unserem Universum wenigstens ansatzweise zu erfahren.

Singlinien
Wenn ich Qualitäten der Landschaft auf rationale Art und Weise differenziere, komme ich auf folgende Teilaspekte des Lebens eines Orts:
!archetypische „Wurzel“, „Bestimmung“ oder „Aufgabe“;
!Informationen auf der Gefühlsebene;
!Bezug oder Hinweis zu geistig-göttlichen Aspekten.
Die Ebene der archetypischen „Wurzel“ verweist auf die vielleicht unendlich vielen Erfahrungen, in denen sich das Leben der Schöpfung ausdrücken kann. Man denke nur an die vielfältigen Archetypen des Tarot. Aber meinem Eindruck nach können Landschaften auch andere Archetypen ausdrücken, als wir aus Sicht und Erfahrung des menschlichen Lebens kennen. Uns fehlen die Worte, um sie zu beschreiben – wie lässt sich etwas nie zuvor Erlebtes in Worte fassen?
Die Informationen auf der Gefühlsebene lassen uns oft glauben, einem Landschaftsteil „gehe es schlecht“, oder man hat das Gefühl, irgendetwas stimme nicht. Oder aber die Landschaft vermittelt den Eindruck von Lebensfreude und Vitalität. Ich glaube, dass solche Wahrnehmungen vor allem auf Reize der Wahrnehmungssinne zurückgehen. Unsere klassischen Sinne, die in uns Gefühle hervorrufen, sind auch in der Lage, Gefühlsausdrücke allen anderen Lebens wahrzunehmen. In Bezug auf Mitmenschen oder Tiere ist diese Feststellung eine Selbstverständlichkeit – aber das „Gefühl“ einer Landschaft wahrnehmen? Wenn man nicht überhaupt negiert, dass eine Landschaft lebt, und wenn Leben auch Fühlen bedeutet, wird das Phänomen der „Gefühlsansteckung“ meines Erachtens in der Geomantie stark unterschätzt. Man meint stattdessen, das Wesen einer Landschaft sei nur durch übersinnliche Fähigkeiten besonderer Menschen erfahrbar. Ich denke vielmehr, dass jeder über die eigenen Sinne, die sich keineswegs nur auf optische Reize, Gerüche, Klänge oder den Tastsinn beschränken, das „Landschaftsgefühl“ authentisch erfahren kann.
Die letzte Ebene, bei der ich einen Bezug zu einer göttlichen Schöpfungskraft spüre, ist am schwierigsten zu erklären. An jedem Ort, aber manchmal ganz besonders, habe ich das Gefühl des Bezugs und der Verbindung zum göttlichen Sein, das hinter dem Ort steht. Ob nun religiös oder nicht – ich denke, dass viele Menschen oft auch unbewusst solche Eindrücke erleben, nämlich eine Ahnung von der Bestimmung, dem Ursprung des Lebens außerhalb dessen, was wir erfassen können.
Nun habe ich mit meiner Kategorisierung selbst einen Fehler gemacht, nämlich Trennungen eingeführt. Sicherlich hilft es unserer Ratio sehr, die Wahrnehmung in Kategorien zu differenzieren, aber im ersten Moment des Wahrnehmens gibt es keine Trennung in unterschiedliche Ebenen. Selbst wenn wir, wie in der Geomantie üblich, unterschiedliche Raumdimensionen einzeln aufnehmen wollen, so machen doch zuallererst unsere Sinne und unser Gehirn das, was sie am liebsten tun – alles gleichzeitig erfassen. Der spezielle Ausdruck des Lebens eines Orts zeigt sich meiner Meinung nach nur im gesamtheitlichen und absichtslosen Wahrnehmen. Dieser „spezielle Ausdruck des Lebens“ ist vielleicht der vielzitierte Genius Loci.

Anwendungen in der Geomantie

Singlinie eines unruhigen Hauses.

Das Zeichnen von Singlinien unterstützt meiner Erfahrung nach diese Absichtslosigkeit. Oft tritt dann während des Zeichnens auch ein Teilaspekt des Orts hervor, wie die Atmosphäre eines geschichtlichen Zeitalters oder ein Gefühlsausdruck, den der Landschaftsraum spiegelt.
In der praktischen geomantischen Arbeit unterstützt mich das Zeichnen auch in der Absicht, dass eine positive Änderung in der Mitwelt leichter vonstatten gehen möge. Die Veränderung erfolgt meiner Meinung aber nicht durch die Singlinie, durch das Bild selbst, sondern eher durch neues Verhalten der Menschen, für die ich die Zeichnung angefertigt habe. Sie ermutigt die Menschen zu neuen Betrachtungsweisen und positiven Veränderungen ihrer Mitwelt. Vielleicht wird auch der Kontakt beider Seiten, von Mitwelt und Menschen, auf unbekannte Art verbessert. Vielleicht wandelt sich auch einfach nur eine innere Einstellung. Ein negativer Aspekt eines Raums wird nicht mehr als solcher gesehen, weil man als Verursacher eine neue Lösung findet oder weil man die Größe und Möglichkeiten eines Orts erkennt und nicht mehr menschliche Maßstäbe anlegt. Die Landschaft ist wohl meist über Verletzungen durch den Menschen erhaben, aber die Verletzung wirkt mehrfach negativ auch auf den Verursacher zurück – etwa durch die Folgen des Verlusts des ökologischen Gleichgewichts.
In geomantischen Haus- oder Garten-Beratungen versuche ich, mit Hilfe der Kommunikation in Bild und Gesang die Gefühlslandschaft der Wohnräume der betreffenden Menschen kennenzulernen. Oft ist erkennbar, dass sich Menschen durch nachteiliges Verhalten Teile ihres Heims negativieren, z.B. indem sie Räume nicht nutzen oder nicht beachten. Hier eine neue Wertschätzung anzuregen, ist nicht schwer. Seelische Krisen und die verbundenen Erlebnisse können im Raum spürbar sein – hier kann ich oft nur Hinweise und Hilfen anbieten, zum Beispiel den Bewohnern eine meiner Zeichnungen schenken. Den Weg zur Lösung müssen sie aber selbst finden, z.B. durch psychotherapeutische oder spirituelle Begleitung.
Positive und kräftigende Plätze im eigenen Heim werden von vielen Menschen unbewusst wahrgenommen, aber wenig wertgeschätzt und gepflegt. Die Qualität von Herz- oder Ruheplätzen, vitalenergetischen Zentren etc. zu verdeutlichen, gelingt meist sehr gut mit einer Singlinie und daran anknüpfenden Gesprächen.
Zum Beispiel gewann ich in einem Haus einmal den Eindruck, dass aufgrund bestimmter Lebensumstände zu viele Sachen begonnen, aber kaum etwas zu Ende gebracht worden war. Meine Zeichnung (vgl. oben links) drückte das für mein Gefühl sofort aus. Dabei war die Zeichnung ansprechend – nur das gefühlsmäßige Zuviel an Linien, das Nicht-Wissen, von welcher Seite die Zeichnung zu betrachten wäre, waren Hinweise auf die Situation. Das Bild half in diesem Fall sowohl mir als auch den Menschen, die es sich als kleinen Impuls für ihren weiteren Weg in ein Zimmer stellten.
Schön ist für mich, wenn ich den Ausdruck der Lebenskraft von Orten durch Gezeichnetes den Bewohnerinnen und Bewohnern näherbringen kann. Meine Intention ist primär, die Wahrnehmung der Menschen für ihren Ort zu klären. Ich versuche, die Beziehung der Menschen zu ihren Orten zu stärken, sie auf gemeinsame Möglichkeiten hinzuweisen. Sehr oft schenke ich die gezeichneten Singlinien dem Ort oder den Menschen, die dort leben. Da ich das Bild ja selbst vom Platz, vom Raum, von der Landschaft als Geschenk erhalten habe, möchte ich es auch dort lassen, wo es am besten helfen kann.
In einer weiteren Anwendung ging es darum, die etwas bedrückte Stimmung in einem Waldorf-Schulgarten in Wien zu klären. Manche Menschen befielen hier Bilder von Kriegsgeschehen oder das Gefühl, alles wirke wie unter einem Panzer verborgen. Während eines Besuchs mit zwei Kolleginnen konnten wir diese Wahrnehmungen bestätigen und weitere hinzufügen. Dass ich eine halbe Stunde auf dem Schulhof zeichnete und sang, immer wieder von Schulkindern umringt, warf ein neues Licht auf das Gelände. Beim Zeichnen verwendete ich diesmal auch die Erde und die Blätter von Gehölzen. Mein Ergebnis war letztlich, dass das Leben dieses Raums eigentlich nicht wirklich unterdrückt wirkte. Der Ort schien zu pulsieren, bot Erfahrungen für den Menschen an, „erzählte“ von Erde und von Sonnenlicht. Was er allerdings auch spiegelte, war eine Starrheit, eine Deckelung, die sich auch in einer Kopfsteinpflasterung über hügeligen Geländeteilen ausdrückte.
Das Unterdrückte war meiner Meinung nach keine Eigenschaft des Orts. Der Ort schien vielmehr ein gesellschaftliches Problem widerzuspiegeln. In Gesprächen mit der Elternvertretung entstand das Gefühl, dass der Ort einerseits den Bedürfnissen der Nutzung (Toben und Spielen der Kinder) nicht entsprechend gepflegt wurde – es kamen im Lauf der Zeit nämlich mehr und mehr Bäume auf, die zu große Flächen beschatteten. Zudem gab es Gestaltungselemente, die nicht zum Schulgarten passten oder nicht gut eingebunden waren. Das Interessante war, dass das Spiel der Kinder in einer Pause für mich dieselbe Kraft und Intensität vermittelte, die ich auch durch die Singlinie erfahren hatte.
Schließlich habe ich entdeckt, dass die Singlinien auch bei Menschen „wirken“. So konnte ich meine erkrankten Kinder mehrfach durch ein Bild stärken. Mehr als einmal ging die Krankheit fast sofort nach Beenden des Zeichnens vorüber, obwohl die Singlinie nur ich zu Gesicht bekommen hatte. Vielleicht kann also die intensive Auseinandersetzung mit einem Menschen über eine Singlinie im Krankheitsfall auch dessen (Selbst-)Heilungskräfte hervorrufen. Ob die von mir erfahrenen Heilerfolge wiederholbar sind, ist noch unerforscht.

Der Weg
Vielleicht muss beim Wahrnehmen der Mitwelt nicht alles zielgerichtet und lösungsorientiert sein. Müssen wir uns in der geomantischen Wahrnehmung der Landschaft tatsächlich so oft unter den urteilenden Wertepaaren „gesund – krank“ oder „ungestört – gestört“ nähern? Geht es im Kontakt nicht eher darum, einen Ort zunächst einmal kennenzulernen? Geradeso, wie man beginnt, einen Menschen kennenzulernen, mit dem man zum ersten Mal ins Gespräch kommt?
Meiner Erfahrung nach erzählt die Landschaft meist frei von bisherigen negativen Erlebnissen mit Menschen, über ihre Kraft, die sie im Lauf der Erdgeschichte entfaltet hat. Sie teilt in Bildern mit, welche archetypischen Kräfte sie repräsentiert, sie zeigt, welchen emotionalen Wert die Mitwelt für den Menschen hat oder haben könnte – und sie führt zu Erfahrungen der Kraft, aus der alles hervorgeht.