Landschaft der Berggöttin
Der mythische Berg Gonzen bei Sargans über dem Rheintal
Der Ethnologe Kurt Derungs hat bereits öfter in Hagia Chora seinen Ansatz der Landschaftsmythologie, die Aspekte aus Archäologie, Mythologie und Ethno-logie verbindet, vorgestellt. Hier interpretiert er die Ritual- und Kultlandschaft einer Berggöttin in der Region von Bad Ragaz und Sargans als Körperlandschaft der mit den Jahreskreisfesten verbundenen Orte.
Das Schweizer Städtchen Sargans liegt unmittelbar zu Füßen des Gonzen zwischen dem Seeztal und dem Rheintal. Schon von weitem erblickt man den alles überragenden Berg und das Schloss Sargans mit seinem Turm. Vom Schlosshügel aus, der wie ein Sporn aus dem Berg hervorragt, lässt sich die Landschaft gut erkennen. In Sichtweite sind die beiden Kulthügel von Bad Ragaz, der Spil- und Freudenberg, der Tiergarten im Seeztal, die Orte Mels, Wangs und Vilters, aber auch die Kulthügel von Balzers und der imposante Fläscher Berg, der riesenhafte Drachenberg des Sarganserlandes. Einst verkörperte auch die Lebensader Rhein einen Drachenfluss, bevor er gnadenlos begradigt wurde. Älteste Funde finden wir in Sargans aus der Jungsteinzeit, so eine Silexspitze von der Flur Prod unterhalb des Gonzen. Ebenfalls in Prod wurde ein Messer aus der Bronzezeit entdeckt. Aus der Eisenzeit (frühe und späte Keltenzeit) sind zahlreiche Einzelfunde im Bereich Vilters, Mels und Sargans zu verzeichnen. Ab dem 5. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung besiedelten rätische Stämme das Sarganserland. Rätisches und Keltisches vermischten sich und bildeten eine kelto-rätische Kultur. Um 15 v.u.Z. eroberten die Römer die Region und kolonialisierten das Alpengebiet. Seither spricht man von einer räto-romanischen Kultur. Zeugnis davon gibt eine römische Villa, die in der Malerva ausgegraben wurde. Ab dem 5. Jahrhundert besiedelten Alemannen das Rheintal, doch die Landnahme drang nur langsam ins romanische Gebiet. Noch um 1400 sprach man im Sarganserland romanisch bzw. räto-keltisch-romanisch. In diesem Sprach-Amalgam, das wir durch die Ortsnamenkunde nachweisen können, befinden sich auch vorromanische, vorkeltische und sogar alteuropäische Reliktwörter. Der Ortsname Bad Ragaz kann zum Beispiel auf eine Grundform Reg-Iz-a zurückgeführt werden, die allgemein einen Wasserort bezeichnet. Man vergleiche dazu den Fluss Regen in Bayern.
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