Vom Weinen nach der Erde in uns

von Beatrix Pfleiderer erschienen in Hagia Chora 26/2007

Unsere Kultur hat uns die Erdverbindung genommen. Nicht als ein böswilliger Akt, nein, beileibe nicht, sondern eher als ein Nebenprodukt während der Ausformung des Patriarchats und dessen Kolonialisierung des Weiblichen. Vor dessen Einsetzen, vor ungefähr fünftausend Jahren, lebten wir in einer Göttinnenkultur, die in der Erdverbundenheit begründet war. Dort war die Göttin das Land, und dessen Bewohner waren daraus hervorgegangen und somit ihre Kinder. Die Kinder des Lands. Man bezog sich auf das Land, wenn man sich aufeinander bezog. In den letzten verbliebenen mutterrechtlichen Kulturen unserer Zeit kann man dem noch nachspüren. Und sogar bei Leuten, die nicht explizit mutterrechtlich sind, aber traditionell, ist der Bauch heilig, weil darin die Erde wohnt. Und bei uns muss der Bauch eingezogen werden, weil der Himmel die Herr-schaft übernommen hat.