Das Logo und die Kraft der Zeichen
Teil 2: Wie Sie in Ihrem Logo die geistigeKraft der Ursymbole integrieren können.
„Die Zeichen sind ein Alphabet, das du erlernen kannst, um mit der Seele der Welt zu sprechen“, sagt der Poet Paolo Coelho. Im zweiten Teil seiner Artikelreihe zur Logogestaltung geht Hans-Jörg-Müller auf die archetypische Ebene der Ursymbole ein, die auch in modernen Logos wirkt.
Vor über 30000 Jahren tauchten die ersten Zeichen als Felsritzzeichnungen auf. Heute begegnen uns erstaunlicherweise fast die gleichen Symbole in unserer modernen Medienwelt. Dem frühen Menschen galten sie als göttlich, als Mittel von Macht und Magie. Heute sind es prägnante Kürzel, um Persönlichkeit und Firmenidentität zu beschreiben. Doch was ist die Wirkungsweise dieser Zeichen, die sie anscheinend so attraktiv machten, dass sie alle Zeiten des Menschseins überdauerten ? Der Schweizer Psychologe Carl Gustav Jung – mit seiner Archetypenlehre bahnbrechender Schöpfer moderner Symbolauffassung – unterscheidet zwischen den erdachten Alltagssymbolen, die er als „Ausdruck, Name oder Bild“ bezeichnet, und einer weiteren wirkende Kraft: „Das Symbol …, das zusätzlich zu seinem konventionellen Sinn noch eine Nebenbedeutung hat. Es enthält etwas Unbestimmtes, Unbekanntes oder für uns Unsichtbares.“ Zeichen garantieren nicht nur den „horizontalen“ Austausch durch sprachliche und schriftliche Kommunikation, sondern sie besitzen ebenfalls eine „vertikale“ Komponente, die geistige Inhalte, Ahnungen, Inspirationen aus dem Archetyp des Symbols vermitteln.
Symbolon bezeichnet im Griechischen ein Siegel in Form einer Tonscheibe, die sowohl als Handelsware fungierte, bei ihrem bewussten Zerbrechen aber auch eine Bekundung der Freundschaft symbolisierte, ein Appell an die ursprüngliche und wieder zu erstrebende Ganzheit. Die Tonscherbe diente als soziale Gutschrift, die eingelöst wurde, wenn sich die beiden Teile als zusammengehörig erwiesen. Symbole bewirken die Präsenz des ihnen entsprechenden geistigen Gegenbilds, seiner „geistigen Realität“, die man durch das Zeichen rufen, finden und konkretisieren kann. Nur durch sie war es den frühen Menschen möglich, innerseelische Erfahrungen, Traumbilder, Gottheiten oder abstrakte Wahrheiten bildhaft zu beschreiben.
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