Der Kristallplanet, Teil 17

Ideengeschichte der globalen Gitternetze

von Marco Bischof erschienen in Hagia Chora 25/2007

Mit diesem Beitrag endet die umfangreiche Artikelserie von Marco Bischof zur Diskussion über eine mögliche geologische oder auch feinstoffliche Kristallstruktur unseres Planeten. Sein Fazit macht noch einmal deutlich, wie weit sich der Bogen des Themas spannt: von wissenschaftlichen Vorstellungen über die Struktur des Universums bis hin zu archaischen mythischen Bildern von alles verbindenden Netzen im Raum.

Nachdem in den vorangegangenen Beiträgen bereits eine Reihe von wissenschaftlichen Hinweisen auf Gitternetze und die Kristallstruktur der Erde angesprochen wurde, führe ich nun dieses Thema fort anhand der Frage, ob und inwiefern geologische Bruchzonen die Zeitwahrnehmung, Psi-Fähigkeiten und paranormale Phänomene beeinflussen.
Forschungen über den Einfluss geologischer Bodenstrukturen auf das menschliche Bewusstsein sind ein weiterer Hinweis auf die mögliche Realität einer Gitternetzstruktur der Erde. Erste solche Hinweise stammen aus Untersuchungen des (heute emeritierten) Leipziger Geophysikers -Robert Lauterbach (Lauterbach 1975). Er erforschte in den 1970er-Jahren zusammen mit der Medizinerin A. Reincke den Zusammenhang zwischen Zeitwahrnehmung und geophysikalischen Eigenschaften des Untergrunds. Sie fanden bei Personen, die während des Überquerens von geologischen Bruch- und Verwerfungszonen in regelmäßigen Abständen zählen sollten, dass „die Zeitwahrnehmung durch geophysikalische Felder beeinflusst“ wird. „Über tektonischen Störungszonen, die sich auch durch erhöhte geoelektrische Leitfähigkeit auszeichnen, stellte sich stets eine signifikante Erhöhung der gestoppten Zeitwerte heraus. (…) Die Annahme scheint plausibel, dass die Leitfähigkeitsverhältnisse im Untergrund Anlass zu einer Feldbeeinflussung an der Erdoberfläche sind“. Eine Beeinflussung des menschlichen Bewusstseins durch den Untergrund nimmt auch der kanadische Psychophysiologe Michael A. Persinger von der -Laurentian University in Sudbury, Ontario, aufgrund seiner Forschungen über paranormale Phänomene an (Persinger 1975, Persinger & Cameron 1986). Phänomene wie Telepathie und Hellsehen entstehen nach Persinger als Wechselwirkungen zwischen Menschen und Umweltfeldern, wobei die unzähligen Umweltfelder so vom „Sender“ moduliert werden, dass der „Empfänger“ ein Signal wahrnehmen kann. Zu den dabei genutzten Feldern gehören ELF-Felder (extrem niederfrequente elektromag-netische Felder), extrem niederfrequenter Schall (Infraschall) sowie elektrostatische und Hochspannungsfelder. Solche Felder entstehen in der Natur durch Wetterstrahlung (Sferics, Schumann-Resonanzen) und andere Wettererscheinungen (Wind, Blitze, Wirbelstürme etc.), Erdbeben, Geoelektrizität und magnetische Stürme (Sonnenwind). Besonderes Augenmerk legt Persinger auf elektrische und elektromagnetische Phänomene, die über geologischen Bruch- und Verwerfungszonen, über unterirdischen Wasserführungen etc. auftreten. Der Kanadier vermutet, dass diese Felder zu veränderten Bewusstseinszuständen führen, die paranormale Fähigkeiten und Ereignisse begünstigen oder auslösen. Auch der kalifornische Wissenschaftler Stanley Krippner fand mit seinen Mitarbeitern bei der Untersuchung eines brasilianischen Mediums einen Zusammenhang zwischen geomagnetischer Aktivität und verschiedenen paranormalen Aktivitäten (Spuk-ereignisse, Materialisationen) (Krippner et al. 1996). Ähnliche Hinweise wurden auch von Dean Radin (1994) gefunden.

Ortsabhängige Wirkungenin Chemie und Physik
Ebenfalls ein Indiz für eine gitterähnliche Struktur unseres Planeten (oder des Raums selbst) könnten die in der Wissenschaft immer wieder beobachteten ortsabhängigen Wirkungen in Chemie und Physik sein. Es ist seit langem bekannt, dass chemische Reaktionen nicht immer gleich ablaufen, sondern bisher unerklärbare zeitliche Schwankungen aufweisen. Auch die räumliche Verschiebung einer experimentellen Anordnung im Labor um einige wenige Meter kann unterschiedliche Resultate zur Folge haben. Diesem Phänomen ist als einer der ersten der italienische Physikochemiker Giorgio -Piccardi (1895–1972) nachgegangen. Er wies nach, dass diese faktische Nichtreproduzierbarkeit chemischer Reaktionen nicht, wie traditionell angenommen, in der Unvollkommenheit der experimentellen Bedingungen begründet ist, sondern ihren Ursprung in unbekannten Einflüssen aus dem umgebenden Raum hat. Diese Hypothese überprüfte er während 22 Jahren mit Hilfe seiner standardisierten „chemischen Tests“. Die von ihm festgestellten Schwankungen führte er auf den Einfluss unbekannter Faktoren kosmischen Ursprungs auf die Struktur von Wasser und wässrigen Lösungen zurück. Sie korrelierten mit den Mondphasen und Einflüssen von der Sonne, hingen aber auch von der Stellung der Erde in Bezug auf die Äquatorialebene und von der Geschwindigkeit ihrer Bewegung durch die Milchstraße ab.
Eine ähnliche geografische Abhängigkeit von physikalischen und chemischen Prozessen, wie sie der schottische Forscher Andrew Davie („Der Kristallplanet“ Folge 3, Hagia Chora Ausgabe 9) gefunden hat, stellte auch der russische Biophysiker Simon E. Shnoll mit seinen Mitarbeitern fest (Shnoll 1998, 1999; Tennenbaum 2000). In jahrzehntelangen sytematischen Experimenten fanden sie, dass Zufallsprozesse aller Art, wie beispielsweise der radioaktive Zerfall oder das „Rauschen“ in elektronischen Geräten, eigenartige verborgene Muster enthalten, deren Ursprung bisher rätselhaft geblieben ist. Bei einer bestimmten Art von statistischer Auswertung zeigen alle Messkurven von Messungen am gleichen Ort während einer gewissen Zeit eine ähnliche Form, die nach einer gewissen Zeit von einer anderen Form abgelöst wird. Diese Kurvenformen kehren außerdem zyklisch in Perioden von 24 Stunden, 27 Tagen und ca. 365 Tagen wieder. Sie zeigen aber auch eine geografische Abhängigkeit, indem Prozesse an Orten gleicher geografischer Breite immer die gleichen Kurvenformen aufweisen. Die Muster sind zudem je nach Himmelsrichtung verschieden und verändern sich mit der Drehung der Erde. Diese Versuche, die unter Wissenschaftlern weltweit zu heftigen Diskussionen geführt haben, scheinen zu zeigen, dass jeder Moment in der Zeit seinen eigenen Charakter besitzt und auch der Raum nicht gleichmäßig ist: die Resultate könnten die Einwirkung einer Raumstruktur oder eines kosmischen Hintergrundfelds oder Vakuums wiederspiegeln, wie es Hartmut Müller in seiner Global-Scaling-Theorie vorgeschlagen hat.
Eine Reihe von physikalischen und bio-physikalischen Messungen zeigen unterschiedliche Strahlungscharakteristiken an benachbarten lokalen Standorten und weisen auf unterschiedliche Standortwirkungen benachbarter Plätze auf Lebewesen hin. Messungen physikalischer Faktoren an radiästhetisch ermittelten Stellen finden sich unter anderem bei Herbert König (1986) und Christian Werbik (1978). Sie ergaben gegenüber neutralen Stellen deutlich veränderte Werte von Erdmagnetfeld, elektrischer Boden- und Luftleitfähigkeit, Erdstromdichte, ionisierender Strahlung, Luftionisierung, luftelektrischem Feld, Radioaktivität, Sferics-Einfallshäufigkeit, UKW-, LW- und MW-Empfangsqualität (Feldstärke) sowie weiteren Faktoren, wie z.B. akustischen Eigenschaften. Über bio-logische Standortwirkungen an radiästhetisch gemuteten Plätzen (Reizzonen) bei Pflanzen, Tieren und Menschen berichten unter anderen Hartmann (1972), Rüdenauer (1981), König (1986), Otto Bergsmann (1990) und Harsch (1995). Bei Pflanzen wurden vor allem Unterschiede in Keimungsgeschwindigkeit und Wachstum festgestellt, die zu Mustern in der Bepflanzung führen. Teilweise bleibt auf Reizzonen die Keimung völlig aus. Bei Tieren stellte man Verminderung der Wurfzahl und des Gewichts bei Jungen, Wachstumshemmung, gesteigerte Erkrankungsrate und Beschleunigung des Tumorwachstums fest. Biophotonenmessungen an Pflanzenkeimlingen durch Wolfgang Mehlhardt (1984) zeigten einen signifikanten Unterschied zwischen der ultraschwachen Lichtstrahlung von Proben, die sich zuvor eine Zeitlang auf radiästhetisch gemuteten Störzonen befunden hatten, und solchen, die auf neutralen Plätzen gelegen hatten. Standortwirkungen auf Menschen wurden vor allem in einer großangelegten Studie unter der Leitung des Wiener Chefarztes Otto Bergsmann studiert, die von der österreichischen Bundesregierung finanziert wurde (Bergs-mann 1990). Es wurde der Einfluss von radiästhetisch gemuteten Plätzen (starke Reizzonen mit mehrfacher Überlagerung von unterirdischen Wasserläufen mit anderen Reizzonen) auf 24 biologische Parameter bzw. Phänomene untersucht; bei einigen von ihnen handelt es sich um in der Biologie und Medizin gebräuchliche Standardtests. Dazu gehörten verschiedene Arten von bioelektrischen Hautwerten, Kreislaufuntersuchungen, die optische Flimmerverschmelzungsfrequenz, die Koordination vegetativer Rhythmen, die Muskelfrequenzanalyse, verschiedene humorale Parameter sowie die Blutsenkungsgeschwindigkeit. Von 24 Parametern zeigten 17 positive und 6 negative Ergebnisse; es wurde somit ein signifikanter Nachweis von Standortwirkungen auf das biologische Regulationsverhalten des Menschen erbracht. Alle diese Forschungsergebnisse weisen ebenfalls auf eine Inhomogenität der Eigenschaften des geografischen Raums hin, diesmal in Bezug auf eine bio-logisch wirksame Strahlungsumwelt bisher unbekannter Natur.

Diskussion der Ergebnisse und Fazit
In den vorangehenden sechzehn Folgen dieser Artikelserie habe ich die russische Kristallplaneten-Theorie der Autoren Makarow, Morosow und Gontscharow vorgestellt, habe gezeigt, dass bereits im 19. Jahrhundert eine Reihe von Geologen kristalline Modelle der Erde vorgestellt hatten, und habe geschildert, wie der Artikel von Christopher Bird über die russische Theorie 1975 zu einer Synthese mit den Vorstellungen von Vincent H. Gaddis, Ivan Sanderson und Charles Berlitz über das Bermuda-Dreieck und die weiteren elf regelmäßig über die Erde verteilten „Teufels-Friedhöfe“ sowie zu einer breiten Popularisierung der Kristallplaneten-Vorstellung in New-Age-Kreisen führte. Weitere Folgen galten der Weiterentwicklung der Kristallplaneten-Theorie durch Bethe Hagens, William Becker und John T. Sinkiewicz und dem Einfluss von Buckminster Fullers Denken auf diese, sowie der Arbeit des schottischen Forschers Andrew Davie. Wegen der großen Bedeutung des pythagoräischen Denkens auf viele der Kristallplaneten-Vorstellungen (und auf die Geomantie insgesamt) wurden mehrere Folgen der Entwicklung dieser Tradition im Lauf der Jahrhunderte gewidmet. Dabei zeigte sich auch die Bedeutsamkeit des ihr zugrundeliegenden akustisch-musikalischen Weltbilds für Kristallplaneten-Theorie, Geomantie und Radiästhesie. Schließlich kehrte die vorletzte Folge noch einmal zu den platonischen Körpern zurück, und behandelte einige seltsame archäologische Bronzedodekaeder-Funde.
Zum Abschluss stellt sich naturgemäß die Frage nach den Ergebnissen dieser umfangreichen Recherche. Unmittelbarer Auslöser der Artikelserie war ein Artikel von Siegfried Prumbach in der -Ausgabe 3 von Hagia Chora, der auf eine weitgehend identische Veröffentlichung in der Zeitschrift „Raum & Zeit“ folgte, sowie die dadurch ausgelöste Forums-Diskussion in den Ausgaben 4 bis 9 von Hagia Chora (1999–2001). Diese Veröffentlichungen wurden zum Anlass, eigene Recherchen, die ich bereits seit Jahrzehnten zu dem Thema unternommen hatte, zu veröffentlichen und mit neuem Material zu ergänzen. Dabei war es mir ein Anliegen, die von Raum & Zeit als angeblich „sensationelle globale Entdeckung“ Prumbachs gefeierte Darstellung der Gitternetz- bzw. Kristallplaneten-Vorstellungen in einen größeren Kontext zu stellen und deren Bedeutung für die Geomantie zu klären.
Die Recherchen haben gezeigt, dass es in der Tat eine Reihe von Anhaltspunkten dafür gibt, dass es so etwas wie eine Kristallstruktur der Erde geben könnte. Sowohl pentagonal-dodekaedrische wie auch rechtwinklig-quadratische Strukturen lassen sich in der Struktur der Erdoberfläche sowie auf der Meeresoberfläche und in der Wolkendecke beobachten, und es gibt auch Hinweise darauf, dass weltweit Plätze mit eigenartigen geophysikalischen Eigenschaften existieren und möglicherweise auf eine regelmäßige Weise auf dem Globus angeordnet sind. Handelt es sich also nur um materielle Strukturen der Erdkruste, oder gibt es auch entsprechende (nicht-materielle) Feldstrukturen im Raum über der Erdoberfläche? In der Tat könnten theoretisch solche Feldstrukturen elektromagnetischer Natur als Eigenschwingungen der Erdkugel entstehen, sie sind aber keineswegs nachgewiesen. Obwohl, wie erwähnt, an radiästhetisch gemuteten Stellen eine Reihe von physikalischen Faktoren gemessen worden sind, ist es bis heute nicht möglich, einen einzigen dieser physikalischen Faktoren für Standorteinflüsse verantwortlich zu machen, noch konnten über Reizzonen je Strahlungen oder andere physikalische Faktoren nachgewiesen werden, die nur dort vorhanden gewesen wären. Es ist somit sehr fraglich, ob radiästhetische Strukturen als elektromagnetische Felder verstanden werden können. Sie sind nach dem derzeitigen Stand der Forschung eher als Komplex verschiedener physikalischer Faktoren aufzufassen oder eventuell durch ein bisher unbekanntes Feld oder einen Faktor zu erklären, das bzw. der als Sekundärerscheinung diese Faktoren aufweist.
Ob das russische -Kristallplaneten-Gitternetz und z.B. die Prumbach-Daw-kins-schen pentagonalen Strukturen mit dem radiästhetischen Globalnetzgitter identisch sind, ist fraglich. Diese Vorstellung ist ja dadurch entstanden, dass einerseits seit den 70er-Jahren die Behauptung, Leylinien könnten radiästhetisch erfasst werden und seien „Energielinien“, immer weiter um sich gegriffen hat und andererseits die ursprünglich rein lokal gefundenen radiästhetischen Gitterstrukuturen von Peyré, Curry, Hartmann usw. immer mehr gedanklich zu globalen Netzstrukturen ergänzt worden sind, ohne dass es eine objektive Berechtigung dazu gab. Solange unser Wissen über die beiden unterschiedlichen Konzepte noch so gering ist, ist es vielleicht zu empfehlen, die aus Leylinien entwickelten und die aus geologischen und anderen naturwissenschaftlichen Daten erschlossenen pentagonal-dodekaedrischen Strukturen und die rechtwinkligen Gitternetzstrukturen der Radiästhesie auseinanderzuhalten und nicht vorschnell und rein spekulativ zu versuchen, sie zu einem einzigen System zu vereinigen, obwohl das, rein geometrisch gesehen, wahrscheinlich möglich wäre.

Ein universelles Hintergrundfeld?
Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Frage, ob die Kristallstruktur der Erde eine Eigenschaft der Erde selbst ist, oder ob sie vielleicht als allgemeinere Eigenschaft des Raums (bzw. der Raumzeit) selbst aller Materie, und damit auch der Erde, eine entsprechende Struktur verleiht. Eine solche Auffassung haben bereits die russischen Forscher selbst vertreten, nach denen die von ihnen gefundene Gitternetzstruktur im ganzen Universum existieren soll und für die Entstehung von Planeten, Sternen und Galaxien verantwortlich ist. Wir haben bereits in der Folge 2 (Hagia Chora Ausgabe 8) geschildert, dass der russische Astrophysiker Jakow B. Zeldowitsch in den 80er-Jahren die ähnliche Ansicht vertrat, dass die Materie im Universum in Form einer wabenartigen Struktur verteilt ist. Neuerdings vertritt nun der französische Astrophysiker Jean-Pierre Luminet sogar die Auffassung, dass das Universum selbst die Form eines Dodekaeders besitzen könnte (Luminet et al 2003). Die Messungen des kosmischen Mikrowellen-Hintergrunds (der Strahlung, die nach heutiger Auffassung vom „Big Bang“ zurückgeblieben ist) können nach Luminet nur durch die Annahme eines begrenzten Universums in der Form eines Pentagon-Dodekaeders erklärt werden. Die kosmische Hintergrundstrahlung, die ein Bild des Universums ergeben soll, wie es 400000 Jahre nach dem Urknall ausgesehen haben könnte, hat nach dem französischen Wissenschaftler die Gestalt eines Körpers aus 12 abgerundeten Fünfecken, die zusammen einen kugelförmigen Körper bilden. Dieses geschlossene Universum soll etwa 30 Milliarden Lichtjahre Durchmesser besitzen. Der deutsche Chemiker Klaus Volkamer betrachtet die rechtwinkligen Globalgitternetze der Radiästhesie als Manifestation eines feinstofflichen „kosmischen Hintergrundfeldes“ (Volkamer 2004). Das sogenannte GD2s(40)-Feld“, dessen Existenz er im Rahmen seiner „Erweiterten Speziellen Relativitätstheorie“ annimmt, ist ein hochgeordnetes, an das Schwerefeld der Erde gebundenes, formbildendes, erinnerungsfähiges Feld mit gitterartiger Struktur, das die grobstoffliche Materie der Erde durchdringt und weit in den Weltraum reicht. Die Annahme eines ähnlichen „universellen Hintergrundfelds“, das alle Materie im Universum strukturiert und für die beobachteten Strukturen verantwortlich sein könnte, liegt auch Hartmut Müllers Global-Scaling-Theorie zugrunde (Müller 2001).
Eine Reihe weiterer Fragen stellen sich in Bezug auf das Kristallplaneten-Modell, z.B. ob die Linien des Gitters in ihrer Lage festgelegt sind oder ob sie vielleicht in einem bestimmten Rahmen fluktuieren, ob die Knotenpunkte immer dieselben sind oder ob die ganze Struktur vielleicht eine gewisse historische Entwicklung durchmacht, und schließlich die Frage, ob möglicherweise – ähnlich wie das vermutlich in der Akupunktur der Fall ist – in dem System des Globalnetzgitters lediglich die Punkte real existieren und die sie verbindenden Linien nur gedachte Verbindungen sind.

Lebendiger Raum
Schließlich muss man sich auch die Frage stellen, wie ich das bereits früher in Bezug auf die Radiästhesie getan habe (Bischof 1992), ob die verschiedenen angenommenen bzw. „gefundenen“ spezifischen Netzstrukturen, wie z.B. pentagonale, Dreiecks- oder rechtwinklige Gitter, nicht möglicherweise nur die selektive Wahrnehmung bestimmter Teilmuster aus einem viel komplexeren vorhandenen Feldmuster darstellen. Ich bin damals zur Überzeugung gelangt – und sehe es noch heute so –, dass der Radiästhet möglicherweise aufgrund seines eigenen Bewusstseinszustands selektiv rechtwinklige Gitterstrukturen wahrnimmt, und dass diese selektive Wahrnehmung als Symptom eines „gitterigen Denkens“ (Dacqué 1944, Gebser 1977) bzw. des Gefangenseins im Ich-Bewusstsein zu deuten ist, die auch eine Abwehr gegen die volle Erfahrung des „lebendigen Raums“ darstellt.
Vielleicht gehört das ganze Gebiet der Gitternetzvorstellungen letztlich weniger in den Bereich des Naturwissenschaftlichen, sondern in denjenigen des Archetypisch-Mythischen und Spirituellen. Es muss daran erinnert werden, das es eine weit in die Prähistorie zurückreichende Tendenz des menschlichen Geistes gibt, die aber auch im modernen Menschen noch aktiv ist, seine Wahrnehmungen in Form eines magischen „Raumnetzes“ zu visualisieren. Nach dem bekannten Religionswissenschaftler Mircea Eliade beruht das magische Denken auf der „Existenz eines ‚Raumnetzes‘, das die entferntesten Gegenstände miteinander verbindet, aufgrund einer ‚Sympathie‘, die ganz besonderen Gesetzen gehorcht (...). Der magische Zauberer kann an die Wirksamkeit seiner Handlungen nur in dem Maß glauben, als ein solches Raumnetz existiert“ (Eliade 1986). Darauf bezieht sich die weltweit verbreitete Symbolik von „Netz“, „Gitter“, „Schachbrett“, „Gewebe“ usw. Der Kunsthistoriker Anand K. Coomaraswamy weist auf die altindische „Geistfaden-(Sutrat-man-)Lehre“ hin, die in den Upanischaden, aber auch bei Homer (Ilias), Plato (Theaitetos, Gesetze), Plutarch (Moralia), Dante (Paradiso) und bei Rumi (Diwan) zu finden sei (Coomaraswamy 1977). Demnach sind die verschiedenen Seelenkräfte (Hauche, Atemflüsse) des Menschen, die als haarfeine „Nadis“ (Kanäle, Bahnen) unseren Körper durchziehen, Erweiterungen eines unsichtbaren Netzes, das im ganzen Universum existiert. Sie sind die „Fäden“ (Tantri), aus denen die „Sonnen-Spinne“, unser kosmisches Selbst, ihr siebenstrahliges Netz spinnt, das „Gewebe der Welt“. Die Sonne ist der Ur-Weber, Ur-Schneider und -Sticker, der aus einem lebendigen Faden das Gewebe der Welt webt und alle Dinge durch pneumatische Geistfäden mit sich verbindet, die die Strahlen sind, die sie aussendet. Diese werden in der Maitri-Upanischade auch „Wind-Seile“ genannt. Diese strahlenden Seelenkräfte und Bahnen des „kosmischen Atems“ haben im kosmischen „Brahma-Herzen“ (der Höhle Brahmas am Gipfel des Weltbergs) ihren Ursprung und kehren auch wieder dorthin zurück. Sie bilden ein Geflecht von unzähligen verzweigten Pfaden, sind letztlich aber doch nur ein einziger kontinuierlicher Faden, auf dem das ganze Universum aufgefädelt ist. Sie sind gleichzeitig Ströme oder Flüsse aus Licht, Klang und Leben. Ähnliche Vorstellungen stecken hinter den Moirai, den griechischen Schicksalgöttinnen, und den germanischen Nornen.
Es sind also noch viele Fragen offen in Bezug auf die Gitternetz- bzw. Kristallplaneten-Hypothese. Christopher Bird antwortete mir im November 1982 in einem Brief auf die Frage, warum er das Thema des russischen Gitters nicht in sein 1979 erschienenes Buch über Radiästhesie aufgemommen hatte: „Das ganze Problem muss, wie das Problem der sogenannten Leylinien in England, erst genauer untersucht werden, und man muss erst zu abschließenden Schlussfolgerungen kommen, bevor es in einem Buch behandelt werden kann, das Bestand hat. Mit anderen Worten, das Thema ist zur Zeit noch zu spekulativ“. Im Grunde gilt das auch heute noch. Zwar sind wir heute soweit, dass wir die verschiedenen Vorstellungen, die sich zu diesem Thema im Lauf der Zeit gebildet haben, umfassend vorstellen können, jedoch bleiben nach meiner Auffassung auch jetzt noch zu viele Fragen offen und ist vieles noch zu spekulativ für ein abschließendes und gültiges Urteil über Gitternetze und eine mögliche kristalline Natur unseres Planeten. +

Verwendete Literatur:
Otto Bergsmann: Risikofaktor Standort, Facultas Universitätsverlag, Wien 1990.
Marco Bischof: Lebendiger Raum hinter Gittern: Gaias feinstoffliche Körper. Wetter-Boden-Mensch, Nr. 2 (1992), S.38–53.
Anand K. Coomaraswamy: Selected Papers, hrsg. von R. Lipsey. Princeton University Press, Princeton N.J. 1977, Bd. 1, S.298 und Bd. 2, S. 350–351.
Edgar Dacqué: Aus den Tiefen der Natur, Pfister & Schwab Verlag, Büdingen 1944, S. 118.
Mircea Eliade: Die Religionen und das Heilige, Insel Verlag, Frankfurt am Main 1986, S. 32–33.
Jean Gebser: Vorwort, Gesamtausgabe, Bd. V/2. Novalis-Verlag, Schaffhausen 1977, S. 11.
B. Harsch: Untersuchungen an Rindern, Pferden und Schweinen in Stallungen mit vermuteten Störzonen im Hinblick auf die Auswirkungen einer für die Beseitigung von Störzoneneinflüssen von R. Wiggenhauser entwickelten Photonenplatte. Dissertation Agrarwissenschaften, Universität Stuttgart-Hohenheim, 1995.
Ernst Hartmann: Tumorwachstum bei Ratten in Abhängigkeit von Standort und Milieu. Wetter-Boden-Mensch, 16 (1972), S. 988.
Herbert L. König: Unsichtbare Umwelt. Der Mensch im Spielfeld elektromagnetischer Kräfte, Eigenverlag, München 1986.
Stanley Krippner, Michael Winkler, Amyr Amiden, Roberto Crema, Ruth Kelson, Harbans Lal Arora, -Pierre Weil: Physiological and geomagnetic correlates of apparent anomalous phenomena observed in the presence of a Brazilian „sensitive”. Journal of Scientific Exploration, Vol. 10, Nr. 2 (1996), S. 281–298.
Robert Lauterbach: Biogeophysik. In: Physik des Planeten Erde. Ergebnisse geopysikalischer Forschung, Ferdinand Enke Verlag, Stuttgart 1975, S. 224 ff.
Wolfgang Mehlhardt: Zelle – Detektor – Indikator. Pathogene Zonen, Biophotonenemission, Physikalische Messungen. Selbstverlag W. Mehlhardt, Karlsruhe 1984.
Jean-Pierre Luminet, Jeffrey R. Weeks, Alain Riazuelo, Roland Lehoucq, Jean-Philippe Uzan: Dodecahedral space topology as an explanation for weak wide-angle temperature correlations in the cosmic microwave background. Nature, Vol. 425 (Oktober 2003), S. 593–595.
Hartmut Müller: Global Scaling. (Raum & Zeit Special, 1), Ehlers Verlag, Wolfratshausen 2001.
Michael A. Persinger: Geophysical models for parapsychological experiences. Psychoenergetic Systems, Vol. 1 (1975), S. 63–74.
Michael A. Persinger & R.A. Cameron: Are earth faults at fault in some poltergeist-like episodes? Journal of the American Society for Psychical Research, Vol. 80 (1986), S. 49.
Michael Preisinger: Das Bermuda-Rätsel gelöst, Langen Müller Verlag, München 1997.
Michael Preisinger: Bermuda Triangle Stargate? Do newly mapped magnetic anomalies point to the stars? Atlantis Rising, No. 18 (Winter 1999). www.atlantisrising.com/issue18/18bermuda.html
Dean I. Radin, S. McAlpine, S. Cunningham: Geomag-netism and Psi in the Ganzfeld. Journal of the Society for Psychical Research, Vol. 59 (1994), S. 352.
I. Rüdenauer: Die Bedeutung der Radiästhesie für die Pflanzen vorwiegend aus dem mitteleuropäischen Raum. Diplomarbeit in Ökochemie. Gesamthochschule Kassel, Witzenhausen 1981.
Simon E. Shnoll et. al.: Realization of discrete states during fluctuations in macroscopic processes. Soviet Physics – Uspekhi, Vol. 41, Nr. 10 (1998), S. 1025–1035, http://cyclesresearchinstitute.org/
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Christian Werbik: Elektromagnetische und andere physikalische Zustände an sogenannten Reaktions-zonen. Diplomarbeit Elektrotechnik, Institut für Grundlagen und Theorie der Elektrotechnik, Technische Universität Wien, 1978.