Spiegelung des Lebens
Das Haus als Symbol der Seele, Teil 1
Die Resonanz zwischen Mensch und Haus erschließt sich nicht durch kausale Ableitungen, sondern im Analogiedenken.

Im Feng Shui, der chinesischen Geomantieform, liest man oft, ein Mensch könne es in einem bestimmten Haus zu nichts bringen, da es ein schlechtes Feng Shui habe. Dieser Aussage liegt das Kausalitätsdenken unserer Zeit zugrunde: Es geht mir schlecht, weil ein äußerer Faktor mich nicht vorankommen lässt. Auch in der Astrologie werden manchmal die Sterne kausal herangezogen, um Einflüsse zu erklären. Zuweilen bemüht man sogar physikalische Kräfte, um zu erklären, wie ein bestimmter Planet auf unsere Psyche einwirkt. Erst recht gilt diese Denkweise in Systemen, die sich aus den Naturwissenschaften entwickelt haben oder diesen gerne nahestehen möchten, wie z.B. die Radiästhesie oder die Elektrobiologie. Ich möchte diesem deterministischen Denken in kausalen Sachzwängen eine andere Denkart gegenüberstellen, die vielleicht zunächst etwas befremdend sein mag, die aber so glaube ich den Ursprüngen geo-mantischer Denksysteme viel näher liegt: Das Analogiedenken. Und ich möchte zeigen, dass selbst so kausal erscheinende Systeme wie die durch und durch physikalisch inspirierte Elektrobiologie sich ebenso analog deuten lassen, dass elektrische Felder in (deutbarem) Bezug stehen zu inneren Seelenereignissen und -zuständen.
Aber ist das nicht absurd? Welchen Einfluss sollten unsere Art zu denken und zu fühlen, unsere seelischen Schattenbereiche und Wünsche auf physikalisch messbare Ereignisse dort draußen haben?
Nun, es stellt sich dabei die Frage, ob es ein solches da draußen überhaupt gibt. Einige neuere Forschungsergebnisse der Gehirnforschung zeigen, dass dies ganz und gar nicht so zwangsläufig der Fall sein muss, wie wir es uns gern vorstellen.
Innen und Außen
Anfang der 1990er-Jahre erkannten die Neurophysiologen Giacomo Rizzolatti, Vittorio Gallese und Leonardo Fogassi aus Parma, dass das Gehirn keine Unterscheidung trifft, ob eine Handlung im Außen ausgeführt wird oder wir sie uns nur vorstellen: An Makakenäffchen wurden Elektroden am unteren prämotorischen Cortex platziert, einem Areal der Großhirnrinde, in dem Handlungen geplant werden. Die Messgeräte sprachen dementsprechend an, kurz bevor das Äffchen eine Nuss greifen wollte. Ein Zufall wenn es denn einen solchen gibt zeigte, dass die prämotorischen Neuronen genauso feuerten, wenn der Experimentator die Hand nach der Nuss ausstreckte. Egal, ob das Äffchen die Handlung im Innern plante, oder der Experimentator sie ausführen wollte, stets war dasselbe Hirnareal aktiv. Die entsprechenden Neuronen wurden daher auch Spiegelneuronen getauft: Sie spiegelten das Außen in unserem Inneren, oder anders ausgedrückt: Unser Gehirn unterscheidet nicht zwischen Vorstellung im Inneren und Handlung im Außen.
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