Herbstfarben

Geomantische Wohnkonzepte
für die Generation 50+

von Gabriele Müller erschienen in Hagia Chora 25/2007

Wo über die Zukunft nachgedacht wird, fällt heute stets das Stichwort „demografische Entwicklung“. Lange genug hat es gedauert – doch kommen nun auch aus dem Fachgebiet der Geomantie erste Zeichen, dass über diese große Herausforderung kreativ nachgedacht wird. Ein Beispiel gibt Gabriele Müller mit ihren Wohnideen für ältere Menschen.

Das Alter entwickelt sich zunehmend zu einem zentralen Thema, das alle Lebensbereiche berührt: die Politik, die Gesellschaft, die Wissenschaft und den ganz persönlichen Alltag des Einzelnen. Kaum ein Tag, an dem nicht über Fragen der Rente, der Pflege und der Alterskrankheiten in den Medien berichtet wird. Die Statistiken prognostizieren für Deutschland, dass im Jahr 2050 die Zahl der -60Jährigen- mit gut einer Mil-lion doppelt so hoch sein wird wie die Zahl der Neugeborenen. Der Bevölkerungsanteil der 80-Jährigen und Älteren wird sich von heute fast vier Millionen auf zehn Millionen nahezu verdreifachen.
Dieser soziale Wandel bedeutet neben wirtschaftlichen Veränderungen wie dem Zusammenbruch des Rentensystems vor allem einen gesellschaftlichen Umbruch. Sowohl die sprunghafte Erhöhung des Lebensalters und der Anstieg des vitalen und aktiven Erlebens dieser „geschenkten“ Jahre als auch Tendenzen der Individualisierung, der Auflösung traditioneller Familienstrukturen und klassischer Lebensläufe werden neue Konzepte für Arbeitsmarkt, soziales Miteinander und Wohn- und Lebensformen fordern. „Angesichts solchen Wachstums an Alter wird jene Gesellschaft am erfolgreichsten sein, deren religiöse oder kulturelle Überzeugungen das Alter schöpferisch machen können“, schreibt Frank Schirrmacher in „Das Methusalem-Komplott“. Und weiter: „Wir müssen in den nächsten 30 Jahren ganz neu lernen zu altern, oder jeder Einzelne der Gesellschaft wird finanziell, sozial und seelisch gestraft.“ Darin schwingt die Aufforderung mit, sich von den bisher meist negativ geprägten Diskussionen über die demografische Entwicklung zu verabschieden. Es geht darum, einen realistischen und gleichzeitig kreativen Prozess einzuleiten, der sich auf die Potenziale und Chancen dieser Veränderungen fokussiert und um die Neuschaffung einer „Kultur des Alterns“ bemüht, wie sie der renommierte Entwicklungspsychologe und Altersforscher Paul Baltes fordert. Immerhin handelt es sich um einen Lebensabschnitt, der an die 30 oder mehr Jahre umspannen kann, Tendenz steigend!

Traditionelle Kulturen
In traditionellen Kulturen gab es immer Formen einer Alterskultur. Jeder Phase des Lebens kam dort eine bestimmte Lern- und Selbstveränderungsaufgabe zu, so dass Altern nicht nur als körperlicher und energetischer Abbauprozess gesehen, sondern auch mit der Zunahme bestimmter Fähigkeiten verbunden wird, die in jungen Jahren nicht zu erlangen sind. Älteren Menschen werden Aufgaben übertragen, die sie zum wichtigen Teil ihrer Gesellschaft machen: Sie übernehmen Verantwortung für die gesamte Gemeinschaft, treffen weitreichende Entscheidungen, geben das alte Wissen weiter und stellen den Kontakt zu den Ahnen und den sogenannten anderen Welten her. In der chinesischen konfuzianischen Tradition wird das Alter sogar als Kunstwerk erlebt: Je älter jemand ist, umso höher das erreichte Niveau der Selbstvervollkommnung. Das Alter steht als Synonym für Weisheit, Erfahrung und die Fülle des Lebens und gilt mehr als Jugend und Kindheit. Aus der westlichen Han-Zeit (206–9 v.Chr.) ist ein „Edikt über den königlichen Stab“ bekannt. Der Hof verlieh jedem alten Menschen, der das siebzigste Lebensjahr vollendet hatte, einen Stab. Der Träger des Stabs kam in den Genuss zahlreicher gesellschaftlicher Privilegien und erhielt einen besonderen Status: Wer den Träger beschimpfte, wurde wegen dieses Frevels enthauptet …

!bKultur des Alterns und die Geomantie
Erste Tendenzen zu einer „Kultur des Alterns“ sind bereits sichtbar: Die heutige Wissenschaft beginnt, Qualitäten wie Erfahrung, Weisheit oder „Alterstranszendenz“ wieder neu zu entdecken und zu untersuchen.
Die Abschlussarbeit meiner Geomantie-Ausbildung, die ich hier in Auszügen vorstelle, trägt den Titel „Herbstfarben – Geomantische Wohnkonzepte für die Generation 50+“. Ich möchte damit einen Beitrag zur Alterskultur auf der Ebene des Wohnens leisten. Gerade für ältere Menschen, die sich sehr oft in ihren eigenen vier Wänden aufhalten, ist die Gestaltung des Wohnraums ein wichtiger Faktor für ihre Lebensqualität. Auch die Analogie, dass die eigenen vier Wände ein Spiegel der dort lebenden Menschen sind, macht den Aspekt des Wohnens so wichtig und interessant. Im Sinn der Geomantie, der Raumenergetik und der Raumpsychologie kann ganz gezielt positiv auf Wohlbefinden, persönliche Entwicklung und letztlich auf ein selbstbestimmtes, authentisches Altern Einfluss genommen werden. Denn: Das Alter hat – wie jede Lebensphase – seine Stärken und Schwächen. Trotz gewisser Einschränkungen bleibt es immer gestaltbar.

Wohnbedürfnisse
Wie sehen nun die Wohnbedürfnisse der Generation über 50 Jahren konkret aus?
Trotz individueller Präferenzen lassen sich einige zentrale Punkte herausstellen:
!Barrierefreies und altersgerechtes Wohnen, das auch Zeiten der Krankheit oder des körperlichen Gebrechens in der vertrauten Umgebung ermöglicht.
!Selbstbestimmtes, erwachsenes Leben.
!Innere Nähe bei äußerer Distanz: Ältere Menschen suchen gezielt ein Umfeld, das Geborgenheit, Unterstützung und Kontakte bietet, aber auch die Möglichkeit, sich jederzeit zurückziehen zu können.
!Mitten im Leben sein: Stimmige Infrastruktur, insbesondere betreffend Serviceleistungen, Versorgungsmöglichkeiten und Kultur- und Freizeitangebote.
!Altersdurchmischung und generationsübergreifendes Wohnen
!Passendes Milieu für Individualisierungstendenzen. Sebastian Turner von der Kommunikationsagentur Scholz & Friends schreibt dazu: „Alles gerät durcheinander. Mick Jagger und ein 25-Jähriger haben unter Umständen mehr miteinander zu tun als zwei 25-Jährige. (…) Sie können nicht mehr nach Generationen gehen, das ist mittlerweile viel differenzierter (…). Seit 1968 hören die Leute auf, alt zu werden. Sie leben heute nicht mehr das Alter ihrer Altersgruppe, sondern des Milieus.“
!Neben dem Bedürfnis nach Ästhetik, Wellness und Gesundheit steigt in der Gruppe der „neuen Alten“ auch immer mehr das Bedürfnis nach einem authentischen, sinnerfüllten Leben und Wohnen.
Die Mehrheit der älteren Deutschen möchten ihr vertrautes und mit ihnen gewachsenes Umfeld, in dem sie es sich gut eingerichtet haben, erst gar nicht verlassen und wenn, dann „nur im Sarg“. Der andere Teil sucht gezielt oder akzeptiert aufgrund erschwerter Lebensumstände eine Wohnumgebung, die speziell für den dritten oder vierten Lebensabschnitt entwickelt wurde: vom klassischen Altenheim über die Seniorenresidenz für finanzstärkere Zielgruppen, dem Service-Wohnen mit gleicher oder durchmischter Altersgruppierung bis hin zur Alten-WG. Diese Konzepte funktionieren mal mehr, mal weniger gut – aber die Betonung liegt meist auf „Funktion“. Das Thema altersgerecht Wohnen beschränkt sich oft genug auf bauliche Mindestanforderungen, DIN-Normen und Studien über geeignete Raumfarben für das Altenheim. Doch sind es nicht gerade die energetischen, seelischen und geistigen Aspekte, die nur im Alter erlebt werden können, die den persönlichen Lebensraum durch eigens kreierte Atmosphären vervollkommnen und letztlich den Menschen in seinem Sein unterstützen?

Das Konzept „Herbstfarben“
Als Innenarchitektin geht es mir darum, ein Konzept zu entwickeln, das sowohl die Geomantie mit ihrer gesamten Klavia-tur integriert als auch einem zeitgemäßen, formal ästhetischen und innovativen Anspruch genügt und gleichzeitig praktikabel, funktional und umsetzbar ist. Ich beschränke mich aufgrund meiner Profession auf den Innenraum, den ich trotzdem in ein städtebauliches, architektonisches und infrastrukturelles Gedankengerüst, in dem wichtige geomantische Aspekte zum Tragen kommen, einbinden möchte. Dazu gehören:
!Innerstädtische Lage mit entsprechender Infrastruktur: Versorgungsmöglichkeiten, Verkehrsmittel, Gastronomie, Kultur, Freizeitangebote, Treffpunkte in unmittelbarer Nähe.
!Im Haus organisierte Dienstleistungen: Von Einkaufs-, Reinigungs- und Betreuungsdiensten profitieren im urbanen Kontext neben den älteren Menschen sowohl die Berufstätigen als auch die Familien.
!Gemeinschaft unterstützende Räumlichkeiten wie Wellnessbereich, Werkraum und Treffpunkt.
!Mehrgenerationshäuser: Das Auflösen der Großfamilie, ohne dass adäquate neue Sozialstrukturen diese ersetzt hätten, schwächt die Gesellschaft. Durch die Altersdurchmischung innerhalb eines Hauses kann ein energetischer Ausgleich zwischen den zunehmend hyperaktiven, hochenergetischen Kindern und den an mangelnder Lebenskraft leidenden alten Menschen stattfinden. Die gezielte Positio-nierung im Haus nach dem Raumpsychogramm (nach Hans-Jörg Müller, axis mundi) kann das weiter unterstützen: Junge Familien erfahren im Erdgeschoß eine erdende, öffentliche Qualität, berufstätige Singles und Paare profitieren von der privaten Qualität des Rückzugs in den Obergeschoßen, die ältere Generation platziert sich im Penthouse im Bereich des „Höheren Selbst“. Der hohe Luftäther im Dachgeschoß fördert geistige Inspirationen und bewirkt ein Über-den-Dingen-stehen und Den-Überblick-haben. Das Gefühl für alle, „dazuzugehören“ und „mitten drin“ zu sein, entsteht zum einen durch das gemeinsame Dach, zum anderen über einen Atmungspunkt, der durch geomantische Installationen an ausgesuchter Stelle alle Ebenen und Generationen verbindet. Die aufsteigende, nährende Atmungsenergie aus der Erde wird durch die Lebenskraft der jeweils Jüngeren in den darunter liegenden Geschoßen „angereichert“. Diese durchdringt das Haus bis hinauf in die oberen, energieärmeren Geschoße.
!Neubau-Lofts: großzügiges, modernes, flexibles und barrierefreies Wohnen.
!High-Tech-Wohnen: Innovative, intelligente Haustechnik, von der insbesondere die ältere Generation profitieren kann, Stichwort „virtuelles Altersheim“.
Auf der Basis dieser Überlegungen habe ich für drei Zielgruppen drei Grundrisse entworfen. Die Idee besteht darin, dem modularen Penthouse-Grundriss drei verschiedene Ziel-, Alters- und Geniengruppen als Möglichkeit für die spätere Nutzung zuzuordnen. So entstehen Räume, in denen eine ausgerichtete, übergeordnete Identität sich als tragendes Muster erweist. Das entspricht der alten Technik aus dem Tempelbau, eine Gottheit einzuladen und ihre Anwesenheit durch räumliche Gestaltung im Grundriss zu fassen. So kann ein Ort mit besonderer Erlebnisqualität entstehen, in dem die Bewohner durch die Helferkraft, einen selbst geschaffenen Genius Loci als einwohnendem Prinzip des Orts, konkret in ihrem Leben unterstützt werden. Denn: Wenn der Geist präsent ist, ist auch die Kraft präsent. Neben der baulichen Fassung im Grundrissmuster kann dem Genius zusätzlich in Form einer Skulptur an speziell ausgesuchter Stelle ein Körper verliehen und damit seine Anwesenheit verstärkt werden.
Das jeweilige Muster kann auch helfen, das Marketing dieses Konzepts durch die zugehörigen Figuren zu unterstützen.
Schmetterling:
!Symbol für Wandlung – Veränderung – Freiheit – Leichtigkeit – die Zwei (Flügel)
!Zielgruppe: Paar, 49+, „Empty-Nest-Phase“, berufstätig.
!Raumkonzept: Sehr großzügiger, moderner Grundriss alternativ zum Einfamilienhaus im Grünen, Arbeits- und Gästebereich kann bei Bedarf später separat untervermietet werden.
Engel:
!Repräsentant der geistigen, spirituellen Welt, Symbol für Beschützen, Behüten, Begleiten, Schutzengel.
!Zielgruppe: Single/Paar, 70+, bewusstes Altsein, erste Verluste (Menschen, Gesundheit).
!Raumkonzept: übersichtliche Wohnung, trotzdem Raum und Weite, Teilung des modularen Grundrisses in zwei Wohnungen, Möglichkeit der Verbindung im zentralen Raum.
Venus von Willendorf:
!Symbol für „Große Mutter“ – Weiblichkeit – das Nährende – Soziales – Intuition.
!Zielgruppe: Vier weibliche Singles, 63+, die offen sind für Neues und sich ein Leben in einer Wohngemeinschaft wünschen.
!Raumkonzept: Gemeinschaftliches Kochen und Essen im nährenden Brust- und Bauchbereich der Venus, geschützter Rückzugs- und Schlafbereich (ca. 25 m2) mit kleinem eigenem oder großzügigem, zu zweit genutztem Bad.
Anhand dieses dritten Grundrisses, der von der altsteinzeitlichen Venusfigur inspiriert ist, möchte ich im Folgenden die geomantischen und raumenergetischen Betrachtungsebenen im Detail erläutern.

Gesunde und vitale Räume
Gerade ältere Menschen reagieren oft stark auf Belastungen im Raum, da ihr Immunsystem durch schwindende Lebensenergie geschwächt sein kann. Schlaf- und Daueraufenthaltsräume sollten nach bekannten Krankheitsverursachern auf baubiologischer, elektrobiologischer und geopathologischer Ebene untersucht werden.
Zu den gesundheitsunterstützenden Faktoren in der Geomantie gehören neben der Schaffung von Sinn und Bedeutung im Lebensraum auch das gezielte Einbringen von heilenden Substanzen oder Schwingungen. Dies wird erreicht durch Nosodentechnik bzw. Resonanztechnologie: Für die Nosoden werden der Krankheit entsprechende oder diese auflösende Frequenzen ausgesucht. Dafür werden diese an radiästhetisch ermittelten, speziellen Resonanzpunkten oder durch energetisierte Farben in den privaten Räumen der Bewohnerinnen platziert.
Wesentlich sind auch die Proportionen der Räume: Wie harmonische Musik erzeugen Proportionen Urbilder des Harmonischen. Der Gesamtgrundriss des Venus-Entwurfs beruht auf der kleinen Terz, die eine Qualität von Freude, Beruhigung, Wohlklang, Lebendigkeit und Emotionalität in den Raum bringt – wie geschaffen für eine Wohngemeinschaft.
Zu erwähnen ist auch die Geosomatik als ein räumliches Konzept der Geomantie zur Unterstützung von Heilungsprozessen, das darauf abzielt, die Prinzipien, die einen Heilungsweg beschreiben, architektonisch zu integrieren. Als Beispiel für ein typisches „Alterssymptom“ sei die Verkalkung genannt: Das krankmachende Prinzip lautet „Die Strombahn der Vitalität wird eng und starr“ (nach Rüdiger Dahlke). Also wird auf der Raumebene eine sehr weite und großzügige „Hauptstrombahn“ realisiert: der Wohnungsflur, durch den einer „Verstopfung“ vorgebeugt wird.
Lebendige und vitale Räume, die dem Menschen als Kraftquelle dienen, entstehen durch die Erhöhung der Lebensenergie. Im Alter wächst der Bedarf an einer Lebenskraft spendenden Umwelt, zugleich wächst aufgrund langjähriger Erfahrung auch das Wissen um den ökonomischen Umgang mit der persönlichen Kraft. Gerade für ältere Menschen sollte das Anheben des Kraftniveaus von Räumen besonders sanft und in mehreren Schritten passieren. Durch das subtile Spiel mit den verschiedensten Ätherformen entstehen in der Raumgestaltung des Venus-Entwurfs besondere atmosphärische Räume, die auf individuelle Bedürfnisse, Konstitutionstypen und örtliche Begebenheiten zur Harmonisierung, Dämpfung oder Belebung abgestimmt werden können. Bezogen auf das Äther-System der vier Elemente lässt sich in Hinblick auf ältere Menschen grundsätzlich Folgendes sagen: Die Emotionalität (Wasser) und Feurigkeit der Jugend und des jungen Erwachsenenalters weichen der Besonnenheit (Erde) und dem Überblick (Luft) des Alters. Deshalb sollten diese beiden Elemente im Innenraum unterstützt werden.
Zu einer positiven Lebenskraft trägt auch eine bewusste Wegeführung und Eingangsgestaltung bei. Die Platzierung des WCs soll – wie auch das Feng Shui betont – Energieabflüsse vermeiden.
Mit radiästhetischen Mitteln lässt sich eine regelrechte „Energietankstelle“ einrichten, wenn z.B. gezielt belebende Verwerfungslinien einbezogen werden.
Um grundsätzlich die nährende Erdenergie, den Atem der Erde, ins Haus zu holen, bietet sich eine vertikale energetische Achse in Form einer geomantischen Installation an. Diese „Wirbelsäule“ ist mit dem Grundstein des Hauses verbunden. Sie befindet sich genau im Mittelpunkt des runden Essbereichs und wird beispielsweise durch eine mit einem Kosmogramm gestaltete Sandsteinplatte in der Bodengestaltung gefasst.
Ein Mensch nimmt mehr als den Raum ein, den sein Körper ausmacht, das jeweils individuelle Raumvolumen lässt sich radiästhetisch messen. Ist die Aura groß, kann der Mensch energetisch und atmosphärisch viel Raum ausfüllen und braucht dementsprechend viel Platz, um sich wohlzufühlen. Umgekehrt gilt: Wenn die eigenen vier Wände energetisch nicht mehr gefüllt werden können – z.B. bei Alter und Krankheit –, fließt die eigene Lebensenergie ins Haus, und es ergibt sich ein Energieverlust beim Menschen. Durch die Fokussierung des Lebensumfelds und die Reduktion des Raums auf ein definiertes Energieniveau wird das eigene Gleichgewicht gestärkt. Deshalb ist es gerade im Alter sinnvoll, Raumlösungen zu schaffen, die auf veränderte Lebenenergieniveaus räumlich flexibel reagieren können. Dies ist in der „Venus“ einfach umsetzbar: Lässt die Energie nach, können sich die Bewohnerinnen in ihre kleineren Privaträume zurückziehen.
Eine der wesentlichen Eigenschaften von Energie ist ihre Speicherbarkeit. Auch Baumaterialien sind in der Lage, Lebensenergie zu speichern. Die verschiedenen Materialien unterscheiden sich dadurch, dass sie diese entweder schnell oder langsam, stark oder schwach speichern. Außerdem haben sie eine unterschiedliche Sättigbarkeit, die dazu beiträgt, ob beispielsweise ein Raum schnell „verlebt“ wirkt. Für den Entwurf der Alten-Wohngemeinschaft habe ich folgende Materialien ausgesucht:
!Boden, Zimmer und Wohnen: Buchenparkett als mittelfristiger Speicher. Die Buche verstärkt zudem die venusische Qualität.
!Boden, Flur und Kochbereich: Solnhofer Platte oder Travertin (Kalk) zur Aufhellung der Atmosphäre und Erhöhung des luftigen Äthers.
!Wände: Kalkputz mit Silikatfarben – schnelle, starke Speicherung von Gedankenenergie.
!Runde Wandscheiben im „Bauch“-Bereich : Lehmputz als erdendes Element
Die Farbauswahl insbesondere in den Privaträumen kann nach verschiedenen Kriterien erfolgen, hier ist an Herbstfarben jeglicher Couleur zu denken.
Freilich ist es auch sinnvoll, das klassische Feng Shui mit seiner Kompass-Schule zu integrieren. So könnte man durch Anwendung der Methode des Bazhai Mingjing die Qualität von Stabilität, Zufriedenheit, Akzeptanz sowie spirituelle Weiterentwicklung unterstützen.
Beim Xuan Kong und der Methode der fliegenden Sterne wäre es für die Zielgruppe sicherlich ratsam, den Fokus primär auf den Bergstern zu legen, da dieser für Gesundheit und Stabilität steht.

Authentische Räume
Alter ist nicht gleich Alter. Jedes Alter hat seine eigene Qualität. Die feinen Unterschiede in den Jahren sind mit dem traditionellen Sieben-Jahres-Rhythmus wunderbar zu beschreiben und zu erkennen. Die Etrusker haben diesen Zyklus, der seinen Ursprung in kosmischen Gesetzen hat, kultiviert und ihr ganzes spirituelles Leben danach ausgerichtet. Jede dieser sieben Jahre dauernden Phasen, die Hebdomaden, hat eigene Qualitäten, Lernaufgaben, Krisen und Potenziale. Für ein erfülltes und authentisches Leben gilt es, sich dieser Zeitspannen bewusst zu werden. Die Zyklen tragen den Menschen durch Raum und Zeit und helfen ihm, dem Leben einen tieferen Sinn zu geben. Leider ist dieses alte Wissen der Etrusker heute fast verlorengegangen. Die Anthroposophie nach Rudolf Steiner arbeitet allerdings weiterhin in den verschiedensten Disziplinen mit diesen Kenntnissen und ergänzte sie, indem sie den einzelnen Zeiträumen bestimmte Planetenkräfte zuweist. Da jedem Planeten wiederum bestimmte Prinzipien, Materialien und Farben zugeordnet sind, hat man mit diesen Gestaltungselementen und der Nosodentechnik ein Instrument in der Hand, um Räume gezielt mit einer Planetenenergie zu impulsieren. Die der 10. Hebdomade (63 bis 70 Jahre) zugeordnete Planetenenergie des Uranus steht für das verändernde, das exzentrische Urprinzip, welches dafür sorgt, dass alles in Bewegung bleibt und starre Strukturen durchbrochen werden können. Es treibt uns Menschen dazu, uns von überlebten Beziehungen, Situationen und Denkmustern zu befreien – also eine hervorragende Basis zur Gründung einer Wohngemeinschaft aus älteren Menschen oder Menschen unterschiedlichen Alters.
Die Planetenenergie des Uranus wird im Venus-Grundriss zum einen über eine entsprechende Planetennosode in dem im Bodenbelag besonders hervorgehobenen Bauchnabelpunkt im Kochbereich, zum anderen über die eisblaugrüne Farbgestaltung der Wand hinter der Venusskulptur im Eingangsbereich in den Raum gebracht.
Mit dem Entwurf der drei verschiedenen Grundrisse möchte ich ein Konzept vorstellen, das in modifizierter Form auch auf große Siedlungen, Gemeinschaftsbereiche in Seniorenheimen und bestehende individuelle Wohnungen übertragen werden kann. Neben dem Anliegen, ein energetisches und geomantisches Wohnniveau für die ältere Generation zu entwickeln, geht es mir in meiner Arbeit vor allem darum, das Alter als neu definierten Wert und als wichtige Lebensphase mit Potenzialen für die einzelnen Menschen wie für die Gesellschaft über das „Forever-Young-Syn-drom“ hinaus wieder in unser Bewusstsein zu rücken. +

Dahlke, Rüdiger: Krankheit als Symbol, München 2002 • Lehr, Ursula: Psychologie des Alterns, Wiebelsheim 2003 • Rühm, Bettina: Unbeschwert Wohnen im Alter, München 2003 • Schirrmacher, Frank: „Das Methusalem-Komplott“, München, 2005 • Pub-lik-Forum Extra: Wachsen ein Leben lang – Von der Spiritualität des Alterns, Oberursel 2003.