Das Qi des Holzes
Ein Haus-Portrait
Im oberfränkischen Weißenohe steht in Sichtweite eines ehemaligen Benediktinerklosters das sympathische Holzhaus einer TCM-Ärztin und ihrer Familie. Der Neubau verbindet Feng-Shui-Prinzipien und ganzheitliche Baubiologie.

Anmutig steht sie da, einladend, einen goldenen Apfel unter dem Arm Erytheia, eine der Hesperiden aus der griechischen Mythologie. Als Zeus noch Gärten wachsen ließ, hüteten Nymphen, die Hesperiden, einen Baum mit goldenen Äpfeln, die ewige Jugend verliehen. Heute wacht Erytheia ganz irdisch über Haus und Garten einer Ärztin, die traditionelle chinesische Medizin (TCM) praktiziert. Die lebensgroße Skulptur ist die jüngste Anschaffung von -Gerda Wittmann. Den Standort der Skulptur im Garten hat sie mit einer Geomantin ausgewählt, so wie auch die Gestaltung von Grundstück und Haus insgesamt unter -energetischen Aspekten durchgeführt wurde.
Der Impuls für ein durch und durch gesundes und lebensförderndes Haus erwachte zunächst im Berufsalltag von Gerda Wittmann. Die praktizierende Ärztin stellte in den vergangenen Jahren eine Häufung von Vergiftungssymptomen bei ihren Patienten fest. Meist waren die Ausdünstungen moderner Baustoffe die Ursache. Ihre Patienten behandelte sie erfolgreich auch dann, wenn andere nicht mehr weiter wussten. Die Behandlungsergebnisse sprechen für sich, doch Gerda Wittmanns eigentliches Bestreben ist, die Ursachen für solche Symptome zu vermeiden. Was lag näher, als beim bevorstehenden Bau des eigenen Hauses höchste Maßstäbe anzusetzen? Das Baumate-rial sollte daher baubiologisch einwandfrei sein. Hier kam für die Ärztin nur Holz in Frage. Doch die Suche nach geeigneten Anbietern war ernüchternd. Viele Hersteller verschalen lediglich das Haus mit Holz und setzen im Innenbereich nach wie vor Glaswolle, Spanplatten und Kunststoffe ein und genau das sind die Quellen vieler Beschwerden, berichtet sie. Bei ihrer Suche stieß sie schließlich auf die NaturKraftHäuser von Sigmund Schuster. Schuster ist Holzbauingenieur, Baubiologe und Querdenker jemand, den man vom energetischen Potenzial, von der Lebenskraft, von der im Zellkern gespeicherten Information des Holzes sprechen hört.
Über das Material hinaus wollte Gerda Wittmann aber auch die Aspekte des Feng Shui berücksichtigt wissen. Ihre eigene Praxis hatte die TCM-Ärztin bereits von einem Feng-Shui-Berater gestalten lassen. Wie kam sie auf einen Berater aus dem fernen Graz? Auf einem Qigong-Seminar hatte ich Frank Ranz kennen und schätzen gelernt. Nachdem ich mit den Ergebnissen seiner Arbeit bei der Gestaltung meiner Praxis sehr zufrieden war, war für mich klar, auch das Großprojekt Haus mit ihm zu starten., sagt Gerda Wittmann. Als der Entwurf eines Architekten aus der Umgebung nicht überzeugen konnte, vertraute Gerda Wittmann erneut mehr ihren Überzeugungen als der scheinbar praktikablen Variante des kurzen Wegs. Kurzerhand beauftragte sie Ursula Märzendorfer-Ranz. Die Architektin ist Ehefrau des Feng-Shui-Beraters. Weil man eine gemeinsame Sprache gefunden hatte, spielte die geographische Distanz zwischen Weißenohe und Graz im Team aus Bauherrin, Architektin und Berater nur eine untergeordnete Rolle.
Beratung und Intuition
Die erste Begehung des Grundstücks diente der Orientierung. Die verschiedenen Qualitäten von Bereichen wurden erfasst und bevorzugte Ausblicke und Aufenthaltsbereiche definiert. So gab das Hanggrundstück die Position von Schildkröte und Phönix vor, der Zugang zum Haus wurde von der Drachenseite angelegt, ein Spazierweg im Osten bildet die Tigerseite. Ein geomantisches Gutachten ergänzte die Überlegungen.
Die Südseite mit dem Gartenausgang ist dem Hang zugewandt, eine ebene Fläche wurde durch die Terrassierung ermöglicht und in geschwungener Form ins Gelände eingebettet. Die Eingangsseite ist nach Norden mit dem Blick auf die Straße orientiert. Das Haus wurde so platziert, dass noch genügend Raum für den Mingtang beim Eingang entsteht. Der Eingang selbst wurde durch ein Vordach mit zwei Holzsäulen gestärkt. Der geschwungene Weg zum Haus stellt sicher, dass genügend Qi in die Räume kommt. Auf eine großzügige Dimensionierung des Empfangsbereichs haben die Planer großen Wert gelegt: Der Empfangsbereich wirkt wie ein Qi-Verteiler. Deshalb haben wir Diele und Windfang mit rund 15 m2 großzügig angelegt. Die Türen von Windfang und Wohnzimmer sind versetzt, so dass auch hier der Energiefluss geschwungen ins Wohnzimmer geführt wird, erklärt Frank Ranz.
Die Architektin achtete bei der Planung auch auf harmonische Proportionen aus der westlichen Bautradition. Sowohl der Grundriss als auch die Fenster sind im Verhältnis drei zu vier gestaltet. Die Schlafräume und das Bad befinden sich im Obergeschoß. Doch wie konnten Schrägen in diesen Räumen vermieden werden, ohne ein weiteres Geschoß einzuplanen oder die Außenproportionen disharmonisch zu verändern? Schließlich entschied man sich für eine relativ flache Dachneigung. Auf den ersten Blick hebt sich dadurch das Haus sicherlich von den Nachbarhäusern ab, dennoch fügt es sich harmonisch in das Landschaftsbild ein.
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