Der Körper des Drachen

Das energetische Konzept des Landschafts-Feng-Shui

von Manfred Kubny erschienen in Hagia Chora 24/2006

Das Sinnbild des Drachen für die lebendige Erde schlägt eine Brücke zwischen historischer westlicher Geomantie und dem chinesischen Feng Shui. Während wir in der abendländischen Bildersprache nur noch versteckte Hinweise auf den Umgang mit der Drachenkraft finden, liefert uns die chinesische Geomantie eine Fülle von Hinweisen, wie ein Drache zu zähmen sei.

Feng Shui als traditionelle Wissenschaft durchlief eine lange Zeit der Entwicklung. Dabei bildeten sich schon sehr früh unterschiedliche Schulen heraus. Die sogenannte Struktur-Qi-Schule legte ihren Fokus auf die Orientierung und astronomisch-astrologische Einflüsse, während die Formenkraft-Schule die Geomantie der Landschaft studierte. Eine Reihe von Konzepten der Formenkraft-Schule haben Eingang in die heutige westliche Geomantie gefunden, so dass ich in diesem Beitrag den Schwerpunkt auf das sogenannte Landschafts-Feng-Shui lege.

Analogie zwischen Mensch und Erde
Die Entwicklung des Feng Shui begann in einer Gesellschaft, die sich weitestgehend nicht als isolierte Daseinsform neben der Natur, sondern als Teil der Natur verstand. Freilich kann man in so frühen Zeiten wie die der Xia-Dynastie (2100–1600 v.Chr.) noch keine wissenschaftliche Fragestellung in Bezug auf Feng Shui und auch keine echten Schulen erkennen. Mittelpunkt des Naturdenkens jener Zeit – und so sollte es auch durch die Jahrhunderte hinweg bleiben – war die Vorstellung einer alles durchdringenden Kraft, genannt Qi, die nicht nur den Antrieb der Natur selbst, sondern auch gleichzeitig alle Objekte in der Natur darstellte. Ursprünglich zeigt das Zeichen Qi Æ? bildlich die Dunstbildungen über Reisfeldern, so wie es in Asien jeden Morgen und Abend zu sehen ist. Man gewann den Eindruck, dass Qi sich aus oder über der Erde bildet und sich in der Luft, zum Himmel eilend, auflöst. Umgekehrt regnete es Qi regelrecht vom Himmel auf die Erde herab, so dass sich die Vorstellung entwickelte, dass das Yin-Qi der Erde aufsteigt, während sich das Yang-Qi des Himmels niedersenkt. Aus ihrer Mischung ergebe sich dann die Schöpfung der bekannten Welt. Diese Vorstellung ist in dem für die chinesische Kultur so wichtigen Begriff der „drei Entitäten“ §T§~(sancai) enthalten, die wechselweise auf das reine Yang, das reine Yin und die Vermischung von Yin und Yang hinweisen, oder in dem Konzept „Himmel, Erde und Mensch“, wobei letzterer der Repräsentant der Schöpfung ist und dabei das ausgewogenste Mischungsverhältnis von Yin und Yang verkörpert. Einen weiteren Dreiklang bilden Geist (Himmel), körperliche Gestalt (Erde) und Qi (als Austausch zwischen beiden). Kurz gesagt, sah man in der Natur ein Ergebnis des Austauschs von Himmel und Erde und in der Erde selbst eine Art lebendiges Tier, das ebenso wie der Mensch eine Anatomie aufweist und über Energie-Leitbahnen verfügt. Yang Xuan schreibt in seinem Werk „Wuli Lun“ („Über die Struktur der Dinge“): „Die Feinststoffe der Erde sind die Steine. Die Steine sind die Kerne des Qi. Dass das Qi Steine erzeugt, gleicht den Sehnen und Gelenken des Menschen und dem Erzeugen von Nägeln und Zähnen.“ Auch im tangzeitlichen „Zhai Jing“ ¶v?g („Der Klassiker der Wohnungen“), wird eine ähnliche Auffassung vertreten. Die Diskussion über die Qualität der Umgebung, der Landschaftsformen und der Kraft des Verweilungsorts sind voller Andeutungen auf eine Erde als belebten Organismus: „Mit Form und Kraft wird der Körper gebildet. Mittels der Wasserquelle entstehen die Blutbahnen. Mittels der Erde entsteht die Haut. Mittels der Gräser und Bäume entsteht die Behausung. Mittels der Gebäude entsteht die Bekleidung. Mittels der Türen und Fenster entstehen ‚Mütze und Gürtel‘ [gemeint ist sozialer Status]. Wenn sich alles so verhält, wie es oben beschrieben worden ist, dann ist dies das äußerste Glück.“ Wir erfahren daraus, dass selbst menschliche Kultur und Gesellschaft ein Schöpfungsprodukt des Körpers Erde sind. Auch wenn einige Autoren meinen, dass die Erde verschiedene Ausdrücke von Geschlechtlichkeit habe und z.B. von „Dornen-Bergen“ als „Erd-Männliches“ und von „Windungs-Bergen“ als den „Brüsten der Erde“ sprechen, war man sich aber insgesamt einig, dass die Erde ein weibliches Tier sein müsse. Seit dem frühen Altertum Chinas wurde die Schlange zum Symbol der Fortpflanzungskraft und des weiblichen Geschlechtsorgans. Auch in den frühen Mythen stand die Schlange in enger Verbindung mit der Weiblichkeit; so war die Urmutter oder die Kaiserin zugleich eine Drachenschlange. Auch der Drache galt als eine Art Schlange und als ein weibliches Tier.

Belebendes Qi
Während der Tang- und der Song-Zeit, also vom 6. bis Ende des 13. Jahrhunderts, erhielt die Vorstellung von der Erde als belebtem Organismus, der über Leitbahnen für das Qi verfüge, einen starken Entwicklungsschub. Der tangzeitliche Autor Ceng Wen ¥ø§Â vergleicht im „Qing Nian Zheng Yi“ ´C¶~•ø?q („Wahre Worte eines Jugendlichen“) die Ein- und Ausatmung des menschlichen Körpers und die Bewegungen des Blutes in den Gefäßen mit dem „Qi des Ausgleichs des Wassers“ §Ù©MÆ? (shui-heqi) in der Natur: „Die Pulsbewegungen sind das Ein- und Ausatmen des Qi. Das, was alle Körper im Fluss miteinander verbindet, ist das Blut. Wie das Wasser verstreuen die Blutgefäße das Qi nicht.“ Mittelpunkt aller Zusammenhänge ist die Philosophie über das Qi, das alle Dinge erzeugt und das sich in allen Dingen wandelt. Im Feng Shui wird dies „erzeugendes Qi“ •ÕÆ? (shengqi) genannt.
Der erste, der das Thema aufgriff und die Wirkung des belebenden Qi (shengqi) in der Erde beschrieb, war der berühmte Divinationsmeister Guo Pu ?¢ø\ im 4. Jahrhundert. Er galt als Literaturexperte ebenso wie als daoistischer Weiser aus den Bergen oder als Divinationsexperte für Knochenorakel. Sein Spezialgebiet war die „Beurteilung der Erde“ ¨€¶a (xiangdi), und er verwendete auf diesem Gebiet eine Technik, welche die „Betrachtung des Qi nach Yin und Yang“ ?±?ß±ÊÆ?ª° (yinyang wang qi shuo) genannt wurde. In seiner Anschauung von Yin und Yang wird das Konzept des Qi besonders betont. Ihm wird die Autorenschaft des ungemein wichtigen Werks „Zangshu“ -?ÆƗ („Buch der Gräber“) zugeschrieben, so dass Guo Pu als eigentlicher Ahnherr des Feng Shui gilt.
In jenem Zangshu („Buch der Gräber“) wird von einer Theorie zum „erzeugenden Qi“ bzw. „Vital-Qi“ •ÕÆ? (shengqi) gesprochen, denn man suchte für Gräber einen Ort, an dem das erzeugende Qi leuchtet, was als „großes Glück“ bezeichnet wird. Außerdem formuliert es die „Theorie über die Speicherung des Windes und die Bewahrung des Wassers“ sowie die Theorie, dass Erdformen das Qi speichern. Dem Buch der Gräber zufolge bewegt sich das Qi in der Erde, und seine Bewegungen bewirken die Formen der Erde. „Wenn es sich sammelt, dann bewirkt es ein Anhalten der Kraft. Die Knochen der Berge und Hügel, die Ausläufer (Zweige) der Umgebung folgen alle dem Qi.“ Das Buch der Gräber enthält auch bereits die Richtungstheorie, welche besagt, dass „die linke Seite den grünen Drachen, die rechte den weißen Tiger, die Vorderseite den roten Vogel und die Rückseite die mysteriöse Schildkröte“ darstellt, vier „spirituelle Wesen“, die die vier Himmelsrichtungen repräsentieren.
Sämtliche späteren Schulen ziehen die Theorie des „belebenden Qi“ als Kernstück heran und entwickeln daraus ihre spezielle Ausrichtung – die „Struktur-Qi-Schule“ ?zÆ?¨£ (liqi pai) ebenso wie die „Formenkraft-Schule“ ߌ?’¨£ (xingshi pai).
Letztere wurde von Yang Yunsong ?®?a™Q (834–900) eingeführt.Yang Yunsong kam aus Jiangxi und schrieb verschiedene Spezialbücher über das Feng Shui. Er begann zu spekulieren, dass es Arterien in der Erde gebe, in denen das Qi fließe, welches durch seine formende Kraft Formen auf der Erde bilde: „Die Erde ist die Quelle aller Dinge und bildet die Basis allen Erzeugens. Das Wasser ist das Blut-Qi der Erde und durchfließt diese genauso in Leitbahnen. Ohne dieses können die Wesen nicht erzeugt werden.“
Yang Yunsong machte die Suche nach Verzweigungen im Qi-Fluss, die mit einem Wasserspeicher in Zusammenhang stehen, zu einem Hauptpunkt seiner Schule. Ebenso betrieb er die Suche nach dem „Kopf des Drachen“, von dem aus die Vorder- und Rückseite eines Bergs untersucht wurde. Erst wenn er diesen Punkt gefunden hatte, überprüfte er die Verbindung zwischen einem Ort und dessen Gestalt-Kraft, so dass die „Formenkraft“ und die „Gefäße des Berg-Drachen“ letztlich dasselbe bedeuten.

Pulsbewegungen des Drachen
Das Wasser war für das Feng Shui in jeder Hinsicht sehr wichtig, was sich in den klassischen Lehrsätzen etwa so niederschlägt: „Wenn man den Drachen untersucht, betrachtet man zuerst das Wasser.“ In der Praxis war es daher schon seit dem chinesischen Altertum verbreitet, bei der Auswahl von Orten für die Ansiedlung nach folgender Methode vorzugehen: „Den Berg besteigen, bis man am Gipfel ist. Den Berg absteigen und zur Quelle gehen. Dann auf den Bergkamm schauen und dessen Yin und Yang [-Verhältnisse] untersuchen und den Verlauf der Quelle betrachten.“
Neu war dagegen Yang Yunsongs Überlegung, dass das Qi sich nicht nur in der Erde bewegt, sondern an bestimmten Orten auch aus dem Erdboden herausschießt und sich in die Landschaft ergießt. Daher konzentrierte man sich beim Studium der Landschaft auf die „Pulsbewegung des Qi im Drachen“ oder kurz auf die „Pulsbewegung des Drachen“ ¿s Ø? (longmai) und den Austrittsort des Qi, genannt Xue •? (xue). Hinsichtlich des Verständnisses der „Pulsbewegung des Drachen“ gibt es in der Literatur recht viele Definitionen. Man sprach von der Erde als dem Fleisch des Drachen, von den Steinen als seinen Knochen und den Gräsern als seinen Haaren. Die Pulsbewegungen bezeichnen die aufeinanderfolgenden Auf- und Abbewegungen der Erdoberfläche, die durch das „erzeugende Qi“ miteinander verbunden sind. Die Bewegung eines solchen „ankommenden Drachen“ kann sich in der Landschaft über sehr weite Strecken hinziehen.
In der Song-Zeit schrieb Huang Miao-ying ?¿ßÆ¿? im Werk „Bo Shan Pian“ ?’§s?g („Bewertung des Bergs“): „Die Methode zur Suche des Drachen liegt in der Suche der Ahnen, in der Suche nach dem höchsten Punkt von Vater und Mutter und den Urahnen.“
Man sucht also zuerst nach dem Berg der Urahnen und anschließend nach dem Berg von Vater und Mutter. Der Berg der Urahnen ist der Ort, von dem die Pulsbewegung der gesamten Berggruppe ausgeht. Der Berg von Vater und Mutter ist der sogenannte Xue-Ort (bzw. das Xue-Feld), an dem die Pulsbewegung der Berge in das ebene Land eintritt. Im allgemeinen ist es so, dass die Pulsbewegung der gesamten Berggruppe an dem kumulativen Ort des Bergs der Urahnen beginnt und dann von Berg zu Berg weitergereicht wird: „Zuerst beginnt [der Puls] an der höchsten Bergspitze, die den Urahn mit dem kaiserlichen Mandat darstellt, dann setzt er sich fort am Gipfel des Ahnenbergs und wird durch weitere Anhebungen zu den links und rechts verlaufenden paarigen Vater- und Mutterbergen geleitet. [Die Pulsbewegung] beginnt am Ahnberg und überträgt sich auf den embryonalen Atem [Uterus-atem], den die Vater- und Mutterberge in sich tragen. Danach bildet sich die Gestalt. Zum Schluss wählt man den Xue durch die Identifikation der Gestalt aus.“
In den Systemen zur Klassifizierung der Bergformen gibt es durchaus Varianten. Eine verbreitete Gliederung sind die im Folgenden beschriebenen neun unterschiedliche Muster:
!„Der wiederkehrende Drache“ ¶^¿s (hui-long): Die Formenkraft hat sich zusammengerollt, so dass sie dem Ahnen entgegenkommt, als ob der Drache seinen Schwanz gebogen und eingerollt oder der Tiger seinen Kopf gedreht hätte.
!„Der aus der Unermeßlichkeit heraustretende Drache“ •X¨v¿s (chu yang long):
Hier ist die Erdkraft besonders durchdringend. Sie erzeugt eine schlängelnde, gewundene Spur. Der Drache tritt hervor wie ein wildes Tier aus dem Wald oder wie ein Schiff, das ein Meer überquert.
!„Der absteigende Drache“ ??¿s (jiang long): Die Erdkraft dieses Drachen ist emporragend und anmutig. Die Berggipfel sind hoch und steil. Der Ort wirkt so, als ob man in einen Regierungshof mit einem großem Sitz eintreten würde oder als ob man das Pferd mit einer Fahne zügelt.
!„Der erzeugende Drache“ •Õ¿s (sheng long): Die Erdkraft macht einen Buckel und fördert sich dadurch selbst. Die Kraft fließt linienförmig ab. Der Ort wirkt wie die Klaue eines Tieres.
!„Der fliegende Drache“ ??¿s (fei long): Die Erdkraft sammelt sich kreisend, schnell und drängend auf weitem Gebiet. Es ist so, als würde die Wildgans abheben oder der Adler zum Flug ansetzen oder als ob der Phönix tanzend die Flügel schlägt und sie paarig umarmend zusammenlegt.
!„Der schlafende Drache“ ™?¿s (wo long): Die Formenkraft kauert sich nieder und duckt sich. Sie hält sich in Ruhe versteckt und bewahrt ihre Üppigkeit, so wie der Tiger in tiefer Lage verharrt oder der Elefant steht oder das Rind schläft oder das Nashorn sein Haupt senkt.
!„Der versteckte Drache“ ¡Ù¿s (yin long): Die Formenkraft ist mächtig und imposant. Die Struktur der Pulsbewegung wirkt überschwemmend, tiefgehend und ausgedehnt. Schwimmend ordnen sich die Handlinien eines Unsterblichen an und entwickeln ein weites Netz.
!„Der überwältigende Drache“ ?”¿s (sheng long): Die Erdkraft reicht weit und strebt in die Höhe. Die Bergspitzen sind unerreichbar, als ob sie sich erheben würden und bis zum Brunnen des Himmels hin-auf erstrecken. Sie vervollständigen die Wolken, sammeln sie um sich und bilden ein goldenes Plateau.
!„Der Drache, der eine Gruppe anführt“ •Oª‚ÏY¿s (ling jun long): Die Formenkraft folgt den Bergen angepasst. Sie sammelt sich wie in einer Jadeschale. Die Konstellation spiegelt das Bild einer Herde laufender Rehe oder Schafe oder auch dem eines Fischschwarms oder eines Schwarms fliegender Gänse.
In Gang gebracht werden die Pulsbewegungen der Drachen durch die „fünf Kräfte“ §??’ (wu shi):
!„Die gerade Kraft“ •ø?’ (zheng shi): Der Drache beginnt im Norden und richtet sich nach Süden aus.
!„Die einseitige Kraft“ ?º?’ (ce shi): Der Drache entwickelt sich aus dem Westen, bildet im Norden einen „Kraftort“ (xue) und richtet sich nach Süden aus.
!„Die gegenläufige Kraft“ ?f?’ (ni shi): Der Drache läuft dem Wasser entgegen und öffnet sich perspektivisch nach oben, während das Wasser korrekt nach unten abfließt.
!„Die korrekt fließende Kraft“ ???’ (shun shi): Der Drache folgt dem Wasser in korrekter Richtung, und das gegenläufige Wasser fließt nach oben.
!„Die wiederkehrende Kraft“ ¶^?’ (hui shi): Der Drachenkörper wendet seinen Kopf zu den Ahnen und findet in dieser Richtung seine perspektivische Ausrichtung.
Die neun Drachen und fünf Kräfte bilden Feinunterscheidungen bei der Beurteilung der Erde. Später gesellten sich weitere Kriterien dazu, die aus der Struktur-Qi-Schule kommen, welche sich am Himmelsbild orientiert und die immateriellen Kräfte im Raum bemisst. Darin spielen die fünf Wandlungsphasen (die chinesischen „Elemente“ Holz, Feuer, Erde, Metall und Wasser) eine wichtige Rolle. Ihre Zuordnung zu Landschaftsformen im Feng Shui geht daher eher auf die bekannte „Theorie der fünf Sterne“ bzw. der „fünf Einflüsse“ §?¨P (wu xing) zurück. Diese besagt:
!Ein Berg der Wandlungsphase Metall hat einen runden Kopf und einen breiten Fuß.
!Ein Holz-Berg besitzt einen runden Kopf und einen geraden Körper.
!Beim Wasser ist der Kopf eben und erzeugt Wellen. Die Ebene schlängelt sich wie eine Schlange, die das Wasser durchquert.
!Einen Berg der Wandlunsgphase Feuer erkennt man an seinem spitzen Kopf und seinem breiten Fuß.
!Bei einem Erde-Berg ist der Kopf flach und der Körper weiträumig.

Den Kraftpunkt finden
Neben den „Pulsbewegung des Drachen“ ¿sØ? (longmai) gibt es noch vier weitere Auswahlkriterien, nach denen ein Ort, an dem man bauen möchte, analysiert wird. Untersucht werden in der Folge auch „Sand“ ¨‚ (sha) und „Wasser“ §Ù (shui), „Form“ ߌ (xing) und „Austritts-punkt“ •? (xue) sowie „Herkunft“ ®” (lai) und „Ausrichtung“ ¶V (xiang). Daraus ergibt sich ein logischer Ablauf beim Studium der Erdstruktur: Das „Vital-Qi“ (shengqi) fließt in Pulsbewegungen in der Erde, was man an den Formen der Berge erkennen kann. Es findet einen Austrittspunkt am Fuß eines Bergs oder einer bestimmten Plateauform. Diese Ebene ist der sogenannte „Sand“ ¨‚ (sha), in die sich das Vital-Qi aus dem Xue-Punkt ergießt, weshalb dies ein Ort gesteigerter landwirtschaftlicher Fruchtbarkeit ist, ein Zeichen hoher Vitalkraft. Die den Sand umgebenden Formen sind ein Merkmal für die Qualität des am Xue hervortretenden Qi. Entsprechend der Flussrichtung des Qi ist es notwendig, sich in eine günstige Position und Ausrichtung im Sand zu begeben.
In einer idealen Umgebung sind alle Landschaftsformen miteinander verbunden, so dass das Qi zwischen ihnen kreisen kann. Auch bei der sogenannten Wasser-Methode kommt diese Ansicht zur Geltung: „Obwohl der Xue-Punkt am Berg liegt, befindet sich das Glück beim Wasser. Deshalb liegt die Methode der Fixierung des Wassers darin, das Wasser dort zum Stillstand zu bringen. Der Berg ist wie die Frau, und das Wasser ist wie der Mann.“
Der Begriff Xue wird auch in der traditionellen chinesischen Medizin für den Akupunkturpunkt verwendet. Die Punktur des Xue-Orts ist ein äußerst wichtiger Arbeitsschritt, bei dem man sich des erzeugenden Qi der Pulsbewegung des Drachen bewusstwerden muss. Der Feng-Shui-Experte des alten Chinas hält den Xue für etwas, das vom Himmel eingerichtet und von der Erde geschaffen worden ist, weshalb beide Kräfte darin vereint sind.
Der qingzeitliche Autor Meng Hao ©sØE schreibt im „Xue Xin Fu Zheng Jie“ ??§??·•ø?— („Korrekte Erklärungen zum Schnee-Herz“): „Wenn sich der Berg zu einem Xue verknotet, dann ist der Atem das in der Pulsbewegung geatmete Qi. Die Speicherung des Qi sammelt sich zur Schwangerschaft an. Die erzeugende Bewegung des Qi ist die Geburt. Ebenso wie die schwangere Frau, die einen Embryo in sich trägt, hat der Berg die Fähigkeit zur Atmung, Trächtigkeit und Geburt.“
Die Formen eines Xue-Punkts gliedern sich in folgende Varianten:
!den „Nest-Xue“ ?€•? (woxue),
!den „eingeklemmten Xue“ ?X•? (qianxue),
!den „Brust-Xue“ ®?•? (ru xue) und
!den „herausragenden Xue“ ¨?•? (tu xue).
Der Nest-Xue nennt sich auch „Xue mit geöffneten Eingang“ oder „Grotten-Xue“, seine Form ähnelt der eines Vogelnests. Typischerweise nutzte man solche Orte als Höhle für ein Grab. Solche Punkte findet man auf hohen Bergen.
Der „eingeklemmte Xue“ hat zwei Beine, die wie eine Schere geöffnet sind. Er wird auch der „Xue mit geöffneten Beinen“, oder „Schere“ oder „Tiger-Maul“ genannt. Diesen Kraftaustrittspunkt findet man auf Hochebenen hoher Gebirge.
Der „Brust-Xue“ liegt wie ein Stern zwischen geöffneten Armen und hat in der Mitte eine brustförmige Wölbung. Man findet solche Orte auf Hochebenen.
Der „herausragende Xue“ ist im Zentrum des Punkts flach und beginnt sich dann zu erheben. Er wird auch „der aufgedunsene Xue“ genannt. Er hat die Form einer Axt, dessen Spitze glückbringend sein soll. Kraftpunkte dieser Art kommen auf flachen Ebenen mit häufigem Windeinfall vor.
Als weitere Analogie zwischen Mensch und Landschaft unterscheidet man drei Arten von Xue: den Xue am Kopf, am Nabel und am Geschlechtsorgan.
Meng Hao schreibt dazu: „Der Xue, der sich im oberen Bereich bildet, gleicht dem Kopf eine Kindes und ist wie das gerade geborene Kind noch etwas unfertig. Es handelt sich hier um kleine Höhlen, wie man sie an Berggipfeln findet.
Der Xue, der sich in der Mitte bildet, ist wie der menschliche Nabel, die beiden Arme sind Drache und Tiger.
Der Xue, der sich unten bildet, ist wie das Geschlechtsorgan. Die beiden Füße sind Drache und Tiger.“
Das „Qing Nang Ao Zhi“ ´C?n?¯¶Æ („Wunderbare Anweisungen aus dem grünen Beutel“) weiß zu berichten: „Das Männliche ist das Yang, das Weibliche das Yin. Es sind die beiden Qi. … In der Vereinigung erzeugen sie die männlichen und weiblichen Kinder. Wenn sich das Männliche mit dem Weiblichen verbindet, entstehen die Dinge. Die Erzeugung von Himmel und Erde ist ein großer Organismus. Deshalb unterscheidet Yang Gongshou die männlichen und weiblichen Drachen.“
Dieser Sicht zufolge ist der untere Xue der wichtigste, denn er ist die „Wurzel des erzeugenden Erzeugens“ •Õ•Õ§ßÆ?•ª (sheng sheng zhi genben). An diesem Ort wird das Qi gespeichert. Bei der Ausrichtung des Xue wird zunächst die Gesamtausrichtung des Bergs beurteilt. Dabei kommen wieder Kategorisierungen der Drachen nach den fünf Wandlungsphasen zur Geltung. Das konkrete Vorgehen dabei wird beispielsweise im Werk „Guan Shi Dili Zhimeng“ ??§Û¶a?z´¸ªX („Fehlerberichtigungen bei der Erdstruktur von Herrn Guan“) beschrieben: „Man folgt dem Drachen vom Kopf bis zum Schwanz und überprüft die Extremitäten, die Beine, Krallen und Haare. Man folgt dem Drachen von der Schulter hin zum Becken und überprüft Hüfte, Bauchnabel, Flüssigkeiten und Brust. Man folgt dem Auf und Ab und überprüft die Därme. Man folgt dem gespeicherten Dunst und überprüft den Magen. Man folgt dem Drachen von oben nach unten und überprüft seine ganzen Umrisse.“
Es versteht sich, dass man sich schließlich auf keinem Xue niederlassen sollte, denn die Kraft ist zu stark, als dass der menschliche Körper ihr standhalten könnte. Vielmehr geht es darum, sich gemäß der Kraft des aus dem Xue austretenden Qi auszurichten, um keinen Schaden durch diese Kraft zu erleiden, und vielmehr ihre belebende, nährende Wirkung zu erleben. +