Heilende Landschaft
Die Region Bad Gleichenberg im Steirischen Vulkanland
Warum werden Menschen in einer Gegend gesund? Ein interdisziplinäres Forschungsteam hat diese Frage für die Region Bad Gleichenberg in Österreich untersucht.

Am Anfang unseres Projekts stand die Erkenntnis, dass sich der Landschaftsraum der Region Gleichenberg im Südosten der Steiermark heilsam auf Menschen mit Krankheiten des rheumatischen Formenkreises auswirkt. Wie sich zeigte, erfahren insbesondere Personen, die unter Fibromyalgie (Muskelrheumatismus) leiden, durch den bloßen Aufenthalt im oberen Sulzbachtal (Region Bad Gleichenberg) Linderung ihrer Krankheitssymptome bis hin zur völligen Schmerzfreiheit (Krotscheck 2004). Die Begegnung mit der von ehemaligen Vulkanen geprägten Thermenlandschaft kann offenbar bestehende Schmerzen auflösen, die persönliche Mitte stärken und betroffenen Menschen Erholung bringen.
Diese wunderbare Erfahrung bewegte und bewegt nach wie vor die Menschen der Region. So beauftragten zwölf Gemeinden zusammen mit der Steiermärkischen Landesregierung ein Forschungsteam, diesem Phänomen nachzugehen und die Ursachen der heilsamen Wirkung der Landschaft herauszuarbeiten. Im Rahmen dieser Aufgabe wurde der Landschaftsraum fach-übergreifend untersucht. Parallel dazu wurden die Ergebnisse in Workshops mit der einheimischen Bevölkerung ausgetauscht. Die Erfahrungen der Bewohnerinnen und Bewohner zu den Themen Lebensqualität, Gesundheit und Landschaft wurden in den Forschungsprozess einbezogen.
Die vom Institut für Landschaftsarchitektur an der Universität für Bodenkunde in Wien ausgeführte Forschungsstudie wurde in Kooperation mit der Fachhochschule für Gesundheit und Tourismus sowie mit den Gemeinden des Projektgebiets erarbeitet. Im Projektteam wirkten folgende Expertinnen und Experten mit: Ingomar Fritz (Geologie), Reinhold Lazar (Klima), Christa Peinhaupt und Karin Kleindienst (Soziologie), Horst Hönig und Birgit Bauer (Raumordnung) sowie Roman Schmidt (Öffentlichkeitsarbeit). Die Koordination übernahm das Technische Büro für Verfahrenstechnik von Christian Krotscheck.
In diesem Team entstand eine sich wechselseitig ergänzende Arbeit, getragen von Offenheit und gegenseitiger Bereicherung. Tiefgehende und ganzheitliche Erkenntnisse über das rund 190 Quadratkilometer umfassende Holon Gesundheitsregion führten zu zahlreichen fachlichen Synergien und verbanden den physischen mit dem psychischen Raum. Die Einbindung der Bevölkerung und politischer Referentinnen und Referenten lassen nach wie vor Wurzeln reifen, welche die Ergebnisse nachhaltig in der -Region verankern und die Beziehung der Menschen mit ihrer Landschaft vertiefen.
Archetypische Wirkung der Landschaft
Die Erhebung landschaftsästhetischer Qualitäten bezieht sich auf ihre Raumbildung und räumliche Ausprägung in ihrer archetypisch-symbolischen Wirkung auf den Menschen. In unserer Untersuchung wurden persönliche und kollektiv wirksame Faktoren der Landschaftsregion Bad Gleichenberg erhoben und speziell in Hinblick auf ihre psychische Wirkung auf den Menschen dargestellt.
Die Gegend wird von sanften, in Nord-Südrichtung verlaufenden Hügeln geprägt. Ein wiederkehrender Rhythmus von Auf- und Ab baut sich auf. Ein- und Ausblicke öffnen sich, Weite entsteht. Geborgenheit und zugleich Freiheit sind die archetypischen Qualitäten dieser Landschaft, die sich auf den Menschen übertragen. Die weichen und geschwungenen Formen erzeugen einen lieblichen Raum und wirken beruhigend auf die menschliche Psyche.
Die Landschaft vermittelt besonders deutlich den natürlichen Rhythmus des Lebens, das Ein- und Ausatmen, den Herzschlag, den Zyklus von Tag und Nacht und den Wechsel der Jahreszeiten und führt dadurch den Menschen in seine eigene Mitte. Das Ich-Empfinden wird gestärkt, das Herz öffnet sich, und innere Ruhe und Zufriedenheit bauen sich auf. Die Schönheit der Landschaft besitzt weiblichen Charme und zeigt sich in den in sich ruhenden Kogeln, die in ihrer kompakten Gestalt die einstigen Vulkane der Urzeit und somit den Urarchetyp dieser Landschaft widerspiegeln.
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