Quellen der Heilkraft

Kosmogramme zur Belebung des Hylligen Borns

von Silvia Reichert de Palacio erschienen in Hagia Chora 24/2006

Naturschutz im umfassenden Sinn – das möchte eine ökologisch orientierte Geomantie-Ausbildungsgruppe mit ihrer Kosmogrammgestaltung am -Hylligen Born in Bad Pyrmont bewirken.

Die Kurstadt Bad Pyrmont ist einer der Pionierorte in Deutschland, die geomantische Aspekte in ihre Planung einbeziehen. Dazu dürfte nicht zuletzt die langjährige Arbeit des englischen Geomanten Peter Dawkins beigetragen haben, der über seine Forschungen zu dieser Stadt viel publiziert hat. Im Mai dieses Jahres hat das Staatsbad Pyrmont einen großen Geomantie-Kongress veranstaltet.
Bedingt durch die vielen Verwerfungen und unterirdischen Wasserläufe hat Bad Pyrmont eine angeregte, verwirbelte geomantische Qualität, in der eine starke Wandlungskraft zu spüren ist. Es brodelt förmlich überall im Untergrund. Aber in herausfordernden Situationen stellt die Natur immer auch das Heilende zur Verfügung: Die Qualität der Heilwässer, die in der Stadt entspringen, kann dieses Zuviel an brodelnder Kraft wieder in Harmonie bringen. Bad Pyrmont ist Teil eines Landschaftstempels, der nach Marko Poga?cnik auf dem Herzmeridian Europas liegt. Dazu gehören auch die rund 20 Kilometer entfernt liegenden Externsteine und die Stadt Paderborn, ebenfalls ein Quellheiligtum, mit der Bartholomäuskapelle.
Mein erstes Geomantie-Projekt in Bad Pyrmont war ein Gutachten, um den besten Standort für den geplanten Neubau einer homöopathischen Klinik zu ermitteln. Damals erlebte ich bereits von Seiten der Kurverwaltung eine freundliche Offenheit für das Thema Geomantie. In der Folge ergab es sich, dass ich mit der von mir geleiteten Ausbildungsgruppe in Geomantie, Tiefenökologie und Naturschutz auch Bad Pyrmont besuchte.
Wir hatten während der Ausbildung viel in freier Natur gearbeitet, aber auch die ökologisch-geomantische Situation einer urbanen Umgebung sollte zu einem Teil des umfassenden Erfahrungsfelds werden. Meine Anfrage an die Kurverwaltung des Staatsbads Pyrmont, ob meine Gruppe wohl die Möglichkeit hätte, ihre Abschlussarbeit hier zu realisieren, stieß auf offene Ohren.
Alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Ausbildungsgruppe trauten sich inzwischen eine individuelle geomantische Gestaltung eines Orts zu. Verschiedene Orte von Bad Pyrmont luden geradezu dazu ein, sie beispielsweise durch geomantische Land-Art-Installationen liebevoll zu unterstützen. Während wir uns mit der Stadt, ihrem Wesen und ihrer Seele beschäftigten, zog uns ein bestimmter Ort in seinen Bann: der Hyllige Born, das Hauptquellheiligtum Bad Pyrmonts.

Die heilige Quelle
Marko Pogacnik hielt im Rahmen der Ausbildung ein Seminar zum Thema „Kosmogramm-Entwicklung“. Bezugspunkt war der Hyllige Born, die in einem von zwölf Säulen umstandenen Brunnentempel gefasste, wichtigste Heilquelle von Bad Pyrmont. Unsere innere Einstimmung auf den Ort gab uns den Eindruck, dass er dringend Unterstützung bräuchte.
Durch die Stadtbebauung hat sich der Quellspiegel im Lauf der Zeit stark verändert. Wenn man in einem solchen Quellgebiet in die Erde eingreift, erreicht man schnell den Grundwasserspiegel, und schon verändern sich die Schüttungen aller Quellen. Der Hyllige Born bildet mit zwei weiteren Quellen, dem Brodelbrunnen und der Augenquelle, ein Dreigespann, steht aber deutlich im Zentrum dieses Systems. Auch an den vorchristlichen Opfergaben, die man dort gefunden hat, lässt sich ablesen, dass der Hyllige Born bereits in der Vergangenheit als Zentrum eines Quellheiligtums begriffen wurde.
Die Gruppe fühlte deutlich, dass die Heilkraft heute nicht mehr am Hylligen Born verankert ist. Eine Heilquelle ist ein Geschenk der Natur, und vielleicht mag sich dieses Geschenk nicht mehr frei verströmen, wenn die Quellen vermarktet werden, ohne dass Anerkennung und Dankbarkeit an sie zurückfließen. Womöglich äußert sich die Konsequenz aus dieser Haltung in der materiellen Welt in den finanziellen Schwierigkeiten von Kur-orten wie Bad Pyrmont. Nach dem Boom kam die Ausbeutung, und nun ist ein neuer Impuls gefragt. Deshalb birgt Geomantie eine große Chance für Bad Pyrmont.

Auf der Suche nach der Heilkraft
Die Heilkraft des Hylligen Borns war für uns in einer Präsenz wahrnehmbar, die wir „die Heilerin“ nannten. Bei einer radiästhetischen Kartenmessung konnten wir sie aufspüren: Es schien, als habe sie sich in ein Refugium im nahen Kurpark an eine relativ unbeachtete und unberührte Stelle zurückgezogen, die interessanterweise offiziell „Refugium“ heißt. Dort begegnete uns eine eigenartige Atmosphäre. Man tritt in einen Raum ein, der zwar verschlossen scheint, aber dennoch die besondere Heilqualität der Bad Pyrmonter Quellen ausstrahlt. Ich kann sie nur als etwas sehr Altes, Gütiges beschreiben, eine Kraft, die alles versteht und verzeiht, die Geborgenheit, Schutz und Heilung gibt, so dass man alles loslassen kann, auch alle Krankheiten, Sorgen und Nöte.
Jeder der zwölf Ausbildungsteilnehmer entwickelte ein Kosmogramm zur Stärkung der Heilkraft und Identität des Quellheiligtums, das jeweils einem anderen Aspekt des Hylligen Borns gewidmet ist. Als wir die Zeichnungen dann an den Ort legten, spürten wir bei dieser Bewusstseinsarbeit die Verbindung mit der Quelle so intensiv, dass die Idee aufkam, man könnte die Kosmogramme in Bronze gießen und in das Bodenmuster des Säulenumgangs einbringen. Nach einer entsprechenden Anfrage stimmte die Kurverwaltung dem Projekt erfreulicherweise zu, und Marko Poga?cnik bot an, den Bronzeguss im Rahmen der Werkschulwoche zu betreuen. So konnten wir die Formen für den Guss selbst erarbeiten. Mit dem Gießen beauftragten wir eine Bronzegießerei .
Nachdem die Bronzetafeln durch städtische Arbeiter gelegt waren und wir diesen Prozess mit unserer wachen Aufmerksamkeit unterstützt hatten, verabschiedeten wir uns in einem Schlussritual von der Quelle und ihren Kosmogrammen. Dabei war uns wichtig, jeglichen Stolz darüber, als „Künstler“ etwas geschaffen zu haben, loszulassen. Wir ließen die Energie, die sich durch die Einzelnen hier manifestiert hatte, frei und übergaben sie dem Ort.
Die Installation am Hylligen Born wurde im Rahmen des Geomantiekongresses der Öffentlichkeit vorgestellt und in das im September in Bad Pyrmont realisierte Lithopunktur-Projekt von Marko Poga?cnik einbezogen. Die Kosmogramme ruhen jetzt unauffällig im Boden und können ein stilles Gespräch mit der Quelle beginnen. Um seine heilsame Wirkung ganz entfalten zu können, braucht das geomantische Werk allerdings den Austausch mit den Menschen. Deshalb ist es geplant, am Hylligen Born Tafeln zu den Kosmogrammen anzubringen. So können sie das Bewusstsein der Öffentlichkeit erreichen und die Menschen anregen, den Ort mit den inneren Augen zu betrachten.
Wer Bad Pyrmont besucht, ist herzlich eingeladen, sich mit wachem Geist und offenem Herzen liebevoll in diesen Dialog einzubringen und den Ort ein wenig mehr zu erwecken. +