Im Sonnen-Netz

Die Geomantie eines bayerischen Rathauses

von Siegfried Prumbach erschienen in Hagia Chora 24/2006

Ein oberbayerisches Rathaus wurde von Siegfried Prumbach als Prüfungsaufgabe für seine radiästhetische Ausbildungsgruppe gewählt. Aber nicht nur das Dorf Dietramszell, das für sein schönes Kloster bekannt ist, stand im Blickfeld der Gruppe, sondern die gesamte umgebende Landschaft.

Wer eine ganzheitliche Untersuchung eines Hauses erstellen möchte, muss sich zunächst einen Überblick über die Strukturen der Umgebung verschaffen. So machten sich acht Teilnehmerinnen und Teilnehmer des von mir geleiteten Prüfungskurses zum Lebensenergieberater/Radiästhesie -(LEB/R)an einem Montagmorgen auf den Weg nach Dietramszell im schönen Oberbayern. Georg Jaud, der Kämmerer der Gemeinde, hatte die Gruppe gebeten, das Rathaus zu untersuchen. Im Vorfeld ging es freilich zunächst darum, die Sprache der Landschaft zu entschlüsseln.
Geologisch besteht das Gebiet aus dem Gletschergeschiebe der Alpen. Kies, Sande und Tonschichten bilden mächtige Deckschichten, die sich manchmal zu Nagelfluhbänken verdichten. Erst in Tiefen von 1000 bis 3000 Metern stehen unterschiedliche Kalksteinschichten an, die bei der Aufwölbung der Alpen in Form einer großen Schale abgesenkt wurden. Dementsprechend sind geologische Brüche in der Region von Dietramszell eher selten, allenfalls können Nagelfluhschichten gebrochen sein und dann Rutenreaktionen hervorrufen. Diese Erkenntnis war wichtig, um Fehlmessungen zu vermeiden.
Der geologische Archetyp dieser Region ist die Schale oder der Kelch, Symbol des Empfangens und Gebens spiritueller Kräfte und Werte. Kein Wunder, dass es in diesem Land zahlreiche Keltenschanzen und Klöster gibt, die energetisch wie Relaisstationen zwischen Himmel und Erde wirken. Bei der Untersuchung des Rathauses sollte denn auch das berühmte Dietramszeller Kloster eine entscheidende Rolle spielen.
Die Landschaftsform ist durch überschiebende Gletscher entstanden. Auf den mächtigen Kies-Mergelschichten haben sich sanfte Hügel, Täler und Seen gebildet. Das Zentrum von Dietramszell ist eine breite Talsenke, die vom Zellbach in Ost-Südwest-Richtung durchflossen wird. Energetisch folgt auch die feinstoffliche Kraft in dieser Tallandschaft dem Verlauf des Flusses. Die Ortsanlage trägt dem Rechnung, da bisher keine Gebäude den Energiefluss blockieren. Der zu dieser Landschaft gehörige Archetyp ist die Welle, die Idee des Fließens und der ständigen Bewegung feinstofflicher Kräfte.
Nachdem wir die Beziehungen des Ortes Dietramszell zu markanten Punkten in der Umgebung untersucht hatten, kamen wir zu dem Schluss, dass solch ein „geistiger“ Ort offenbar schon früh Menschen dazu angeregt hat, in der Landschaft einen Sonnenkalender zu manifestieren. Alles hat den Anschein, als seien hier die Zeitpunkte der keltischen Jahresfeste als ein riesiges Sonnenrad in die Landschaft eingeschrieben. Solche Kalender waren nicht nur Symbol oder Abbild des Kosmos, wie unsere keltischen Vorfahren ihn sahen. Für sie waren Sonne und Mond tatsächlich Lebensspender. Das Lebensrad wurde in der damaligen Zeit an jedem Siedlungsplatz ausgelegt, so auch im Gebiet von Dietramszell. Vom Kreuzbichel aus konnten die Ur-Dietramszeller diesen Jahreskalender mit der Sonne als Zeiger an bestimmten Hügeln, Bergspitzen und anderen Landmarken ablesen. Genau das tat auch unsere Gruppe an einem Morgen.
Exakt im Osten des Kreuzbichel genannten Hügels liegt das Kloster, so dass diese Sichtlinie den Frühlings- und Herbstanfang markiert: die Sonne geht am 21. März und am 22. September zu den Tagundnachtgleichen genau über dem Kloster auf. Nach Westen geht sie an diesen Tagen am Hohenpeißenberg unter. Auch die übrigen sechs Jahresfeste am 21. Dezember, 2. Februar, 1. Mai, 21. Juni, 1. August und 2. November waren in der Landschaft markiert. Tausend Jahre später wurden diese Termine zu den Festen des christlichen Kirchenjahres. Wenn wir von Weihnachten, Lichtmess, Feldweih, Johanni oder Allerseelen sprechen, fällt bei jedem der Groschen. Die Kelten waren der Ansicht, dass an diesen Tagen durch die Gestirne starke Energien in die Landschaft einfließen würden. Und auch wir verbinden heute noch mit dem Frühling die Liebe, mit dem Herbst die Fülle, mit dem Winter die Stille und mit dem Sommer die Zeit, in der das Leben leicht ist. Jedenfalls treffen sich auf dem Kreuzbichel all die Sonnenlinien und spinnen von dort ein Netz, das sämtliche wichtigen Gebäude in Dietramszell verknüpft, allen voran das Kloster. Anders ausgedrückt: Das Kloster steht offenbar dort, weil sich an dieser Stelle geo-mantische Sonnenlinien treffen. Aus dem Auftrag, das Rathaus zu untersuchen, war eine geomantische Untersuchung geworden, denn diese Linien in der Landschaft sind Linien feinstofflicher Kräfte. Fließen sie frei, blüht ein Ort, sind sie blockiert, leidet er.

Parallele Ergebnisse
Bei der Untersuchung des Rathauses wurden am nächsten Tag drei unabhängig von einander arbeitende Gruppen gebildet. Die „Außengruppe“ führte die radiästhetischen Messungen im Umfeld des Rathauses durch, die „Innengruppe“ untersuchte die Räume des Rathauses, und die „Personengruppe“ arbeitete mit den Vertretern der Gemeinde. Die Abschlussprüfung begann. Die Teilnehmer mussten alles selbständig durchführen. Im Protokoll steht: „Im Gespräch mit Herrn Jaud bestätigte dieser, dass im Rathaus insgesamt etwas nicht in Ordnung sei. Er selbst fühle sich oft unwohl und müsse immer wieder Ruhepausen einlegen. Ein zweiter Mitarbeiter berichtete von ähnlichen Problemen bei anderen Kollegen.“
Die Messungen dauerten zwei Stunden. Die Innengruppe fand eine starke Störung im Kassenbereich und analog dazu ein Stockwerk höher im Sitzungssaal. Andere Spuren waren weniger dominant. Auch die technischen Messungen der Elektroinstallation, der Computer und Monitore lagen in den Toleranzgrenzen. Selbst die vielerorts üblichen Belastungen durch Mobilfunk und Fernsehsender waren, bedingt durch die Tallage des Orts, akzeptabel. Die Personengruppe ortete Spuren geo--mantischer Einflüsse bei Herrn Jaud, der sich freundlicherweise zur Messung zur Verfügung stellte. Da er in unmittelbarer Nachbarschaft zum Rathaus wohnt, stimmten seine Körperspuren, die durch Störfelder am Schlafplatz entstehen, mit denen des Rathauses überein. Die Außengruppe fand ein Störfeld, das vom Kloster zur Nordostecke des Rathauses führt. Jede Gruppe arbeitete für sich und legte zum Abschluss die Ergebnisse auf den Tisch: Sie waren deckungsgleich! Alle drei Untersuchungen zeigten dieselben Spuren mit denselben Blockaden. Es hatte sich gezeigt, dass die Teilnehmer die Methoden der systemischen Radiästhesie verstanden hatten und anwenden konnten.
Die Arbeit blieb jedoch nicht bei der Analyse stehen: Zum Abschluss wurden die Spuren durch vergoldete logarithmische Dipolantennen, die auf kristallinen Trägern angebracht sind (sogenannte Lithopunkte), durch die Teilnehmer im Bereich des Rathauses balanciert.

Der Sache auf den Grund gehen
Im Protokoll der Außengruppe gab es einen interessanten Hinweis auf die eigentliche Ursache der Störung:
„An der Nordostseite des Rathauses wurde eine markante geologische Bruchlinie gefunden, die nach 72° Ost führt, also genau zum Innenhof des Klosters. In dieser Linie wurde auch Wasser gefunden. Sie führt an der nordöstlichen Ecke ins Rathaus. Die Polaritätsmessung dieser Linie ergab, dass sie blockiert ist.“
Die Verbindungslinie vom Kloster-innen-hof zum Rathaus ist außerdem eine Sonnenlinie. Sie entspricht dem Sonnenuntergang am 1. Mai. Der Ort, an dem heute das Rathaus steht, ist somit Teil der Dietramszeller Landschaftsuhr, und der 1. Mai gibt einen Hinweis darauf, welche Qualität diese Linie zwischen dem geistigen Ort des Klosters und dem weltlichen Ort des Rathauses bis heute verbinden soll.
Das keltische Maifest hieß Beltane. An diesem Tag wurde ein Baum mit einem Kranz aufgestellt, um den junge Frauen und Männer tanzten. Damals wie heute war das Maifest ein Fest der Burschen und Mädchen, ein Fruchtbarkeitsfest, die Verbindung von männlichem und weiblichem Element. Heute würden wir dem Tag und der Energie dieses Tags die Qualität der Kommunikation geben: miteinander reden, sich austauschen, zusammen arbeiten oder kooperieren.
Die Untersucher hatten auf dieser Spur eine Blockade gemessen, die, systemisch gesehen, die Ursache für das Unbehagen ist. Der systemischen Theorie pflanzt sich diese Blockade in alle anderen Ebenen der Gemeinde fort. Das führt letzlich zum Gegenteil der Urqualitäten, nämlich zu Konkurrenz und Trennung.
Die Sonnenlinie des 1. Mai führt genau aus der Mitte des Klosterhofs hinaus zum Rathaus. Im Protokoll steht über diesen Innenhof geschrieben:
„Wir erkannten sofort am Baumwuchs und auch empfindungsmäßig, dass eine starke Wasserbelastung vorlag. Im Innenhof befand sich wahrscheinlich früher ein Brunnen, der abgedeckelt ist. Dies wurde uns durch einen Anwohner bestätigt. Die dazugehörige Kraftlinie führt in Richtung des Rathauses, ist aber blockiert.“
Der Brunnen in der Mitte des Hofs im Schnittpunkt alter Kraftlinien war die gestaltgewordene Garantie für die Erneuerung des Bandes zwischen Gemeinde und Kloster an jedem 1. Mai. Der fehlende, zugeschüttete oder gedeckelte Brunnen ist das Bild der Blockade. Dort, im Zentrum des Hofs, wo der Brunnen nicht steht, liegt ein trauriger Platz mit kranken Bäumchen, und so überträgt sich genau das über die Kraftlinie, die längst keine mehr ist, zum Rathaus.
Ein weitergehendes geomantisch-gestalterisches Konzept für die Wiederherstellung der Energielinie wäre für Dietramszell sehr ratsam. Im Rahmen eines Dorferneuerungsplans würde auch ein Brunnen im Klosterhof und die Gestaltung des Gemeindeangers neue Impulse für die Gemeinde bringen. Dank der Initiative von Georg Jaud ist der Anfang gemacht. Im Herbst wird eine neue Ausbildungsgruppe in systemischer Radiästhesie beginnen, die im Frühjahr darauf wieder Abschlussprüfung hat. Vielleicht kommt dann ja das Kloster auf uns zu, um die Arbeit vertiefen zu lassen. +