Die Landschaft ist ein Lesebuch
Zur Entwicklung der Landschaftsarchäologie
In England hat sich mit der Landschaftsarchäologie eine seriöse Fachrichtung etabliert, deren Sicht auf das Land mit der Geomantie durchaus verwandt ist. Peter Fowler ist einer der Pioniere dieses neuen Wissenschaftszweigs.

Landschaft - das ist heute in der Archäologie ein großes Thema. Die UNESCO nimmt Kulturlandschaften in die Kandidatenliste für Denkmäler des Weltkulturerbes auf und hat auch bereits viele solcher Gegenden ausgewiesen. Seit März 2004 ist die vom Europarat vorgeschlagene Europäische Landschaftskonvention in Kraft, die die unterzeichnenden Regierungen zum Schutz von Landschaften verpflichtet, analog zum Schutz baulicher Denkmäler. Allerdigs sind noch nicht alle europäischen Länder der Konvention beigetreten, auch in England und Deutschland dauert die Diskussion über den Beitritt noch an.
Im englischprachigen Raum existieren heute eigene wissenschaftliche Zeitschriften, die sich allein mit dem Thema Landschaft befassen. Und unter den archäologischen Neuerscheinungen findet sich eine ganze Reihe umfangreicher Werke, die sich unter die Überschrift Landschaftsarchäologie stellen. Jeden Tag startet eine Arbeitsgruppe von Archäologen fast schon routinemäßig ein neues Landschaftsarchäologie-Projekt. So sieht heute die archäologische Feldforschung aus. Hier hat eine Revolution stattgefunden, aber freilich war es nicht immer so. Es gab eine Zeit v.La. (vor der Landschaftsarchäologie) - ich habe sie selbst erlebt.
Im Grund hat bereits Graham Clarke mit Kollegen aus dem Fachbereich der Paläo-Ökologie in der Gegend der Fenlands (Feuchtgebiete in Ostengland) in den 1930er-Jahren so etwas wie Landschaftsarchäologie betrieben, aber das Thema erlangte erst Mitte des 20. Jahrhunderts eine gewisse Reife mit der Arbeit des Archäologen Osbert Guy -Stanhope Crawford (Archaeology in the Field, 1953). Crawford, der für die amtliche Landvermesung tätig war, betonte immer wieder, dass Landschaftsarchäologie nicht nur Arbeit unter freiem Himmel bedeutet, sondern auch ein gutes Stück dokumentarische und kartografische Forschung. Der entscheidende Aspekt, den Crawford einbrachte, war jedoch die gedankliche Arbeit, durch die er in der spezialisierten Archäologenwelt, die am Fachwissen über Myriaden von Einzelobjekten zu erstarren drohte, die Landschaft insgesamt als ein einziges, umfassendes Forschungsobjekt einführte, das von seiner Definition her nicht einer einzelnen Periode zugerechnet werden kann.
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