Insel der Ganzheit

Lanzarote geomantisch erspürt

von Dagmar Faust erschienen in Hagia Chora 23/2006

In der letzten Ausgabe von Hagia Chora war ausführlich von Lanzarote und dem Wirken des Künstlers César Manrique die Rede. Die Geomantin Dagmar Faust knüpft dort an und schildert ihre geomantische Wahrnehmung der Insel.

Im Januar 2004 hatte mich der Besuch der Insel Lanzarote fasziniert. Ich hatte die das Leben formende und wandelnde Kraft der Mutter Erde gespürt, die dieser Insel eigen ist. Lanzarote wurde stark durch den Künstler César Manrique geprägt. 1992 tödlich verunglückt, ist seine Persönlichkeit dennoch fühlbar gegenwärtig (siehe Artikel „Schöpferischer Vulkan“, Hagia Chora Ausgabe 22). Die Inspiration war so groß, dass ich beschloss, wiederzukommen und dem Geheimnis dieser Insel nachzugehen. Ich führte eine Kartenuntersuchung zu verschiedenen geomantischen Phänomenen durch und machte dies zur Grundlage von zwei weiteren Besuchen.
Wenn ich einen Ort geomantisch erspüre, atme ich mich sozusagen in ihn ein. Es geht mir darum, in vollständiger Offenheit dem Ort und meinem eigenen unterbewussten Erfahrungsschatz gegenüber resonanzfähig zu sein. Dann erweckt der Ort in mir das, was an ihm das Wesentliche ist. Dies zeigt sich mir im inneren Bild als Zeichen, oder es formen sich Worte, die mir gegeben werden.
Die Insel Lanzarote erhebt sich in der Form einer Schildkröte aus dem Meer. Überall ist die Feuerkraft der Erde zu spüren und unweit der Küsten das Gebrüll des Meeres. Die gewaltige Wirkung des unablässig brausenden, nagenden Wassers zermahlt schließlich die Gesteine zu feinem Sand. Ein Viertel der Insel besteht aus dem Naturpark Timanfaya, den Feuerbergen - ein atemberaubendes Naturschauspiel aus Vulkankegeln in unterschiedlichsten Größen, Farben und Formen, aufgebrochener Erde, Lava-Ungetümen und Lavasand.

Unterschiedliche Regionen
Siedlungen und touristische Anlagen gibt es nur an der Ost- und der Südküste, weite Bereiche werden weder landwirtschaftlich genutzt, noch wächst hier höhere Vegetation. In der Natur, in den Farben der Gesteine und in den von den Gläubigen verehrten Heiligenfiguren begegnen mir immer wieder die Farben Schwarz, Weiß und Rot, die Farben der dreigestaltigen Göttin Mutter Erde, die für mich auf dieser Insel durch die ständigen Umwandlungsprozesse der Elemente sehr intensiv erfahrbar ist. Meiner Wahrnehmung nach ist Lanzarote von einem dichten Netz von Kraftlinien überzogen. Es verbindet die „Einstrahlpunkte“ auf der Insel, also diejenigen Orte, an denen man wahrnehmen kann, wie die Erde geistige Information aus dem Kosmos aufnimmt und die heute meist als sakrale Stätten genutzt werden. Einige der 300 Vulkankegel der Insel sind ebenfalls Einstrahlpunkte, meist gehören sie zu den die Insel überziehenden Planetenlinien der Venus, des Jupiters, der Sonne und des Merkurs.
In der Inselmitte nehme ich drei wunderbar pulsierende vitalenergetische Zent-ren wahr, angeordnet als gleichschenkeliges Dreieck von 13,5 km Seitenlänge. Die Quersumme von 13,5 ist die 9, das heißt 3 ¥ 3; an jedem dieser Zentren messe ich 13000 Boviseinheiten, die Quersumme dieser Zahl beträgt 4, die Zahl der Erde.
Von einem weiteren Phänomen, das sich am besten als -Ausgießungspunkt von Herzenskraft“ beschreiben lässt - ein Ort, an dem die Kraft der Liebe immer wieder der Erde eingeprägt wird und das Leben beseelt -, nahm ich auf der Insel ebenfalls drei Punkte wahr. Einer liegt in der Nähe des Nationalparks Timanfaya, der Feuerberge, wo die häufigen Touristenbusse zu einer Beunruhigung dieses Organs der Erde führen. Aber selbst dort ist die Verbindung des göttlichen Segens mit der Kraft der Mutter Erde zu spüren.
Die Insel scheint mir vor allem an ihrer westlichen Küste ein- und auszuatmen.
An den Papagayo-Stränden im Süden erfolgt aus dem Erdinneren heraus eine Wandlung der feinstofflichen Qualität der Erde, als durchfließe hier ein das Leben heiligender Strom die vulkanische Qualität der Erdkräfte und verwandle sie: Hier bekommt der Mensch Raum und erhält die Aufgabe, sich seines Potenzials und seines Eingebundenseins in die Natur bewusst zu sein und dieses sehr deutlich zu äußern.

Die Werke von César Manrique
Immer wieder begegnete ich auf Lanzarote dem Vermächtnis des -großen Sohns der Insel“, César Manrique. In seinen Skulpturen und Bildern, in denen er häufig den Menschen inmitten des warmen Flusses der Erde zeigt, spiegelt sich die Art, in der er sich als Teil der Natur empfunden hat. Wie sehr César Manrique die Kraft der Erde erkannt und anerkannt und im Bewusstsein seiner ganz persönlichen Aufgabe gefühlt hat, zeigt sich auch in der von ihm geschaffenen Architektur, in seinem Einsatz für die Beibehaltung der traditio-nellen Bauformen der Häuser, die meistens aus einem Kubus und einem zelt- oder pyramidenförmigen Dach bestehen. Dabei stehen der Kubus für die Erde und das Dach für den Kosmos. Die Häuser sind weiß verputzt und haben grüne, blaue oder braune Fensterrahmen. Auch die Kirchen sind kubusförmig, ihre Türen und Fensterrahmen sind rot oder schwarz - zusammen ergeben sie die Farben der dreigestaltigen Göttin Mutter Erde.
Manriques Absicht, in seiner Arbeit Natur und Kultur miteinander zu verbinden, dokumentieren unter anderen seine Bauten innerhalb von zum Teil aufgebrochenen Lavablasen: die Fundacion César Manrique und das Restaurant Jameos del Agua. So sehr diese beiden Schöpfungen dem nur oberflächlich betrachtenden Besucher Staunen und Bewunderung entlocken, so erschrocken war ich infolge meiner energetischen Verbindung mit diesen Orten über ihre Wirkung. Den Grund dafür fand ich schließlich im Fehlen von Äther als Voraussetzung alles Lebendigen. Äther, in anderen Kulturen Prana oder Qi genannt, beschreibt eine feinstoffliche Lebenskraft. Nach meinen bisherigen Erfahrungen gehört es zum Wesen der Höhlen, dass jegliche Ätherkräfte dort vollständig fehlen. Damit will ich nicht sagen, dass Höhlen grundsätzlich negative Orte seien.
In vielen Kulturen wurden Höhlen als heilige Orte für Kulthandlungen genutzt. Auf Lanzarote gibt es in den Jameos del Agua und auch in der weitgehend naturbelassenen Höhle Cueva de los Verdes eine Konzerthalle. Meist sind diese Veranstaltungen sehr erfolgreich und führen Menschen in Ekstase - einen Zustand, den ich bei solchen Konzerten so erlebte, dass alle Chakren in Resonanz mit dem Geschehen am Ort waren, nur nicht das mich erdende Wurzelchakra. Die Menschen schienen in einer Art -Abgehobenheit“ beglückt, aber körperlich erschöpft, weil ihre Lebenskräfte nicht genährt wurden. Nach meiner Erfahrung unterstützt jenes für Höhlen typische Phänomen des fehlenden Äthers Prozesse, in denen es erwünscht ist, die körperliche Ebene zu verlassen. Ein Leben in solchen Höhlen ist jedoch nicht möglich. Höhlen stehen für einen Prozess der Wandlung vom Tod zum neuen Leben, und dieser verlangt nach der dem Ort eigenen absoluten Stille. Wenn sich Menschen einfühlsam in diesen Wandlungsprozesse einbringen, kann er dadurch befördert werden, doch wenn die Atmosphäre mit Macht und Gewalt gestört wird, so wie ich es in der Jameos del Agua erlebte, wirkt die Höhle gequält.
Die Verbindung von Geist und Materie wurde von César Manrique mit Sanftheit gewollt, aber der Tod, das Schwarz der noch immer leblosen Lava überwiegt an diesen unterirdischen Orten. Bildlich gesprochen ist es nicht möglich, Luft zu holen, zu sprechen, zu leben. Der Geist braucht den Äther, um zeitlich oder räumlich wirksam zu werden. César Manrique ist aus der Fundacion weggezogen, weil sie in den weit nach oben geöffneten Teilen, die immerhin über einen schwachen Erdäther, den Lebens-äther, verfügen, ihm zwar Inspiration und Intuition schenkte, aber doch kein Ort zum Leben war. Stattdessen lebte er später in Haria, dem -Tal der 1000 Palmen“, in dem die Qualitäten des Lebendigseins stark präsent sind - Aufladung, Unterstützung bei der Offenbarung von Weisheit durch die das Tal überstreichende Planetenlinie des Merkurs.

Land der Venus
Lanzarote wird ganz wesentlich durch die Kraft des Planeten Venus geprägt, durch die Göttin Venus, die für das erfüllte, volle Leben steht und in vorchristlicher Kultur als Göttin der Ganzheit verehrt wurde. Die Ganzheit realisiert sich in den drei Aspekten der weißen Göttin, die für die göttliche Geistkraft steht, die rote Göttin der vollen Lebenskraft und der schwarzen Göttin, die das Leben zur Reife und wieder zurück in den Urgrund der Erde, in den -verborgenen Raum“, das Land des Schweigens, geführt hat. Die Planetenlinie der Venus liegt zwischen einem Ort im Nordwesten der Insel auf dem Berg Montaña Ganada am Meer, den ich als weiblich geprägten Opferplatz wahrnehme, und der durch die -Jesuskraft“ männlich geprägten Kirche in Yaiza. Auch hier wird eine Ganzheit beschrieben, nämlich die zwischen dem Männlichen und dem Weiblichen.
Die Kraft, Macht und Liebe der Mutter Erde ist der Insel Lanzarote immer und immer wieder eingeprägt worden. Immer wieder ist das Feuer aus dem Inneren der Erde hervorgebrochen und hat dadurch Leben zerstört, doch die scheinbar tote Materie Erde verbindet sich immer wieder mit göttlicher Kraft aus dem Kosmos, so dass neues Leben entsteht und sich zu voller Blüte entwickelt.
Außer der Venuskraft kennzeichnen die Insel noch weitere geistig-seelische Qualitäten, wie beispielsweise die erweiternde Kraft der Planetenlinie des Jupiters, die Wachstum fördernde Planetenlinie der Sonne oder das Sich-Erinnern und Sprechen der Planetenlinie des Merkurs sowie ganz allgemein eine hohe Lebenskraft. Der Verlauf der prägenden Venus-Planetenlinie über die Insel hinweg beschreibt zusammen mit der Form der Insel selbst eine Lemniskate, eine liegende Acht. Sie ist Symbol für die -Unendlichkeit“, hier für das Bestreben, gegensätzliche Pole zu einer Ganzheit zusammenzuführen.
Das Geheimnis, das Lanzarote nach meiner Erfahrung so unverwechselbar macht, ist die Macht und die Liebe des Zusammenwirkens von Kosmos und Erde, von männlichen und weiblichen Qualitäten, von Inkarnation und Vergehen.
Der aufmerksam diese Insel Erspürende empfindet sich in beglückender Weise -ganz“: Er macht die Erfahrung und erhält die klare Botschaft, dass er selber in dieser Inkarnation ein Stück der Erde, mit ihr verwachsen ist - auch er ist die Erde, das Feuer, das Wasser, die Luft, auch er ist Werden und Vergehen. Er fühlt eine überwältigende Freiheit und gleichzeitig die Verantwortung, sein Leben zu leben. +

Demnächst erscheint von Dagmar Faust das Buch: -Geomantische Erfahrungen auf Lanzarote“.