Geopunkturkreise

Ankerpunkte für eine neue Kulturbildung, Teil 1

von Peter Frank erschienen in Hagia Chora 23/2006

Im kroatischen Zagreb und in Tamera in Portugal sind zwei neue Steinkreise entstanden, die ihre Initiatoren in einem globalen Zusammenhang sehen: Geopunkturkreise sollen auf der ganzen Welt die aufkeimenden Impulse für eine Gesellschaft in Balance unterstützen. Peter Frank beschreibt hier zunächst den Hintergrund des Projekts.

Den Samen für das Projekt der Geopunkturkreise - eines Netzwerks großer Steinkreise, die zukünftig an verschiedenen Orten der Welt entstehen sollen oder bereits entstanden sind - legten im Frühjahr des Jahres 2004 Sabine Lichtenfels, Marko Pogacnik und ich gemeinsam während unseres Aufenthalts auf den Mittelmeerinseln Gozo und Malta. Sabine Lichtenfels forscht seit über zwei Jahrzehnten zu den Fragen der Gemeinschaftsbildung - auch in ihrer Lebenspraxis in dem von ihr initiierten Projekt Tamera in Portugal. Marko Poga?cnik wirkt an der Entwicklung und Umsetzung eines Welterlebens, das uns wieder in eine lebendige Verbundenheit mit allen Erscheinungsformen der Schöpfung stellt.
Gozo, die kleine Nachbarinsel Maltas, beherbergt Zeugnisse aus weit zurückliegender Vergangenheit, unter anderen beeindruckende Steinbauten, Tempel und Steinkreise. Wir ließen diese Orte auf uns wirken und empfanden dort eine reine Kraft und tiefe Weisheit, die uns noch heute viel Wesentliches zu den grundlegenden Fragen, die auch uns drei bewegen, vermitteln:
Wie können wir Menschen untereinander, mit der Erde, dem Kosmos und der gesamten Schöpfung friedlich leben?
Wir besuchten und vertieften uns in diese Frage, oft im Spiegel der uns bekannten Plätze. In Meditationen und kleinen Ritualen wünschten wir uns, einen Raum zu schaffen, in dem eine spirituelle Präsenz auf den Inseln, die wir als Göttin beschreiben, weitestgehend unverfälscht spürbar ist und Geschenke der Inspiration übermitteln kann. Die gemeinsame Vision, ein globales Kunstwerk als Kristallisationspunkt neuer Kulturbildungen zu schaffen, sollte so intim wie möglich mit dieser Inspirationsquelle verbunden sein.
Einige Orte waren uns bereits bekannt und persönlich kostbar geworden, als ein Jahr zuvor Sabine Lichtenfels und Marko Poga?cnik eine geomantische Reise auf den Inseln geleitet haben.
Sabine Lichtenfels hatte sich bereits in der Vergangenheit während verschiedener Aufenthalte auf Gozo und Malta mit Hilfe von Reisen in die Erinnerung der Orte persönliche Einsichten in das Leben, die Spiritualität und das Weltbild der Kultur, welche die wunderbaren alten Tempel geschaffen hat, eröffnet. Ihre Einsichten in Verbindung mit der Fähigkeit von Marko Poga?cnik, das Wesentliche einer Landschaft zu erfassen und Menschen in die unsichtbaren Dimensionen der Orte eintauchen zu lassen, bildeten die Ausgangsbasis unserer Forschungen.
Gozo ist der ideale Ort, um Ideen zu formulieren, deren Ziel eine mit dem Urwissen der Menschheit und des Kosmos verbundene und gleichzeitig im Hier und Jetzt gegründete Kultur des Friedens ist.
Der Ausgangspunkt für unsere Initiative war unser Blick auf den Zustand der Welt, den wir in den wesentlichen Bereichen der Kultur als lebenshemmend erleben, als überholt und nicht mehr tragfähig für einen weiteren Weg der Menschheit. Gleichzeitig bemerken wir an vielen Stellen ein Aufbrechen und das Emporkommen einer neuen Kulturbewegung. An vielen Orten der Erde keimen sichtbar Bewegungen auf, die wesentliche Beiträge zur Antwort auf die grundlegende Frage des friedlichen und kreativen Miteinanders aller Geschöpfe und Welten entwickeln.
Die Geopunkturkreise sollen helfen, die Ideen der aufkeimenden Bewegungen zu festigen. Jeder Stein eines Kreises wird für einen Aspekt der in der Entstehung befindlichen Kulturschöpfung stehen. Als Steinkreis verschmelzen die Einzelsteine zu einem lebendigen Organismus, der die Komplexität der Bewegung in sich trägt und als Einheit erlebbar macht.
Vieles, was in dieser Zeit des Umbruchs an neuen Gedanken und Urbildern entsteht, hat einen weiten Weg bis zur Realisierung in das tägliche Leben. Diesen geistigen Kräften in Form der Steine zu einer Verkörperung zu verhelfen, bedeutet, eine Brücke zwischen der Idee oder dem Urbild und den konkreten Lebensumständen zu bauen. Der real entstehende Ort kann zur Inspiration, zum Studium und zur weiteren Ausformulierung und schließlich zur Umsetzung genutzt werden.
Steht ein Steinkreis als Kristallisa-tionspunkt des bestimmten Themas oder Themengebietes, mit dem sich die -Erbauer identifizieren und auseinandersetzen, wird durch Vernetzung der einzelnen Steinkreise ein globales Feld von Kooperation und wechselseitiger Inspiration geschaffen.
Die Wirkung der Geopunkturkreise basiert auf dem Prinzip der von Marko Poga?cnik entwickelten Lithopunktur, in der das Positionieren von Steinen auf Erd- Akupunkturpunkten einer bestimmten Landschaft mit der Sprache der Kosmogramme und dem holistischen Bewusstsein des Erdkosmos verbunden wird. Die Verdichtung der Lithopunktur hin zu einem Steinkreis, so wie sie aus vielen alten Kulturen bekannt sind, integriert das Wissen um die Anordnung von Einzelsteinen zu einem lebendigen Organismus, die sozusagen eine Gemeinschaft bilden.
So bilden die Geopunkturkreise mit ihren alten Wurzeln in Verbindung mit der heutigen Erkenntnisfähigkeit, die geistigen Strömungen der Wandlung und Erneuerung in der Gegenwart wahrzunehmen, als Ganzes etwas genuin Neues.

Der Prozess der Errichtung
Nun stellt sich die Frage, wie diese Steinkreise Gestalt annehmen können. Für das Errichten eines Geopunkturkreises haben wir folgende Kriterien aufgestellt:
!Geomantische Auswahl des Ortes und den Kräften entsprechende Positionierung der einzelnen Steine.
!Codierung der Inhalte durch eingemeißelte Kosmogramme, so dass sie für alle Wesenheiten offenbar dargestellt werden.
!Aufbau des Geopunkturkreises als Prozess des Lernens und des Schaffens gleichzeitig - ein Akt der Gemeinschaft.
!Geopunkturkreise werden im Sinn eines Gesamtkunstwerks gebaut, das auf das künstlerische Leben fördernd wirkt. Sie stehen im Dienst des Lebens.
!Jeder Teilnehmer sollte sich in den gesamten Prozess einbringen, das entsprechende Kosmogramm entwickeln und es auch selbst in den Stein meißeln sowie bei der Aufstellung und Weihe des Steins beteiligt sein.
!Wandlungsprozesse, die die Erbauerinnen und Erbauer eines Kreises erleben, sind ebenso wichtig wie das kreative Wirken am Steinkreis selbst.
!Geopunkturkreise sollten als Orte der Verbindung, der Rituale, der Begegnung und Stille erschaffen und genutzt werden.
!Die Vernetzung der einzelnen Geopunkturkreise ist ein Thema, dem mindestens ein Stein gewidmet werden sollte.
!Nach der Errichtung sollte die Verantwortung für die Pflege und Kultivierung des Kreises auf Dauer gewährleistet sein. !Friedensarbeit - Integration von Kräften statt Ausgrenzung und Bekämpfung.
!Die Idee der Geopunkturkreise folgt keinem Dogma oder einer festen Ideologie.
!Gruppen und Initiativen, die sich zur Errichtung entschließen, sind bemüht um eine selbständige Wahrnehmung der Mehrdimensionalität des Lebens, frei von vorgegebenen Konzepten.
!Verankerung im Erdmittelpunkt.
!Jede Errichtung wird dokumentiert.
Zwei Geopunktukreise sind bereits entstanden, in der kroatischen Stadt Zagreb sowie in Tamera in Portugal. Darüber werde ich in den beiden kommenden Ausgaben berichten. +