Innovationsfaktor Raumenergetik

Neue Trends im Bauwesen und das neue Studentenhaus Garching

von Hans-Jörg Müller erschienen in Hagia Chora 23/2006

Noch sind die Möglichkeiten selten, wo ein größeres Bauvorhaben von der Planung bis zur Ausführung und Detail-gestaltung geomantisch begleitet werden kann. Der 2005 errichtete Neubau eines Studentenhauses in Garching bei München stand unter solchen günstigen Vorzeichen. Hans-Jörg Müller beschreibt das Projekt als Beispiel einer -neuen Experimentierfreudigkeit im Bauwesen. Sein Fazit: Die sich wandelnde Gesellschaft verlangt nach innovativen Konzepten. Eine Chance für die Geomantie?

Im vergangenen Vierteljahrhundert wurde der Wert der traditionellen Baukünste und Standortlehren - Geomantie, Feng Shui, Radiästhesie - für das allgemeine Bauwesen in zunehmendem Maß wiedererkannt. Zunächst versprachen die Radiästhesie den gesunden Standort und Bau- und Elektrobiologie das schadstoff- und strahlungsfreie Haus, dann die Geo-mantie - im Rahmen eines erweiterten Umweltbewusstseins - ein Bauen in Harmonie mit der natürlichen Umgebung. Geomantie und Vastu boten auch erstmals eine Sichtweise für die Lebensraumgestaltung an, die eine spirituelle Tiefe besaß. Raumenergetik und Feng Shui erschlossen ein Bauen und Planen mit den Faktoren Atmosphäre bzw. Qi oder Lebenskraft. Seit dem großen Boom des Feng Shui in den letzten sieben, acht Jahren stehen Versprechen von Glück und Erfolg im Raum.
Dennoch haben alle Disziplinen bislang in der Breite - bis auf wenige ausgewählte Projekte - eher eine zur bestehenden Bauweise konkurrierende bzw. additiv ausgerichtete Leistung angeboten. Geomantie wurde meist als Reparaturleistung für bestehende emotionale oder konzeptuelle Defizite der Architektur angewendet. In den zurückliegenden Jahren stellten sich die traditionellen Lehren häufig noch als etwas Fremdes, Exotisches, Alternatives, aus grauer Vorzeit Stammendes dar und waren damit nur für ein gewisses Publikum rezipierbar und emotional akzeptierbar. Nun hat sich besonders der Feng-Shui-Markt vor allem in Marketing und Kommunikation deutlich auf den bestehenden Baumarkt zubewegt. Sicherlich waren mit der schnellen Popularisierung auch Gefahren verbunden, wie unakzeptable Heilsversprechen, Verflachung der traditionellen Lehren oder für den Laien unüberschaubare Kriterien für oft genug schlechte Gestaltung.
Seit wenigen Jahren nun treten wir nach „Gegenkultur“ und „Big Boom“ in eine dritte Phase der Renaissance der Geo-mantie ein; nennen wir sie die -Phase der Integration“. Raumenergetik, Geomantie und Feng Shui werden zu einem normalen, integrierbaren, allseits bekannten Faktor der Architektur und Landschaftsgestaltung. Die Baubranche entdeckt zunehmend ein ernstzunehmendes Instrument der kostengünstigen wie nachhaltigen Qualitätssteigerung. Man erkannte Geomantie als emotionale Zusatzleistung, aber auch als Kreativleistung und Mittel der Erfolgssicherung, sei es in den Bereichen Privatimmobilien, Ladenbau, Gastro-nomie, Bankenwesen oder im Office-Bereich, und suchte nach neuen Wegen, sinnvolle Elemente der Wellnesskultur sowie ganzheitliche Ansätze einer neuen Lebens- und Arbeitskultur in die Räume zu tragen. Die Chance dieser dritten Phase ist die Überwindung der Konkurrenz zwischen Fachwissenschaft und Alternativkultur, zwischen Architekt und geomantischem Berater, die Etablierung einer neuen, ganzheitlichen, d.h. alle Fachbereiche zur Kooperation führenden Vorgehensweise. Wenn erkannt wird, dass die einen Spezialisten für die baulichen, ästhetischen und wirtschaftlichen Fragen sind, die anderen ergänzend vitalenergetische, seelische und konzeptuell-sinnstiftende Belange zu integrieren vermögen, können wir zukünftig zu einer ganzheitlichen Lebensraumgestaltung als selbstverständlichem Teil unserer gesellschaftlichen Realität gelangen.

Neue Wohnkonzepte
Viele Symposien und Veranstaltungen thematisieren heute die Frage, wie die Wohn- und Nachfrageprofile der künftigen, im Wandel begriffenen Gesellschaft aussehen. Visionen, neue Ideen und praktikable Lösungen sind heute mehr gefragt denn je. Derzeit besteht eine optimistische Aufbruchstimmung in Bezug auf ein -neues Verständnis von Wohnen, Arbeiten und Urbanität. Eine Herausforderung für Wissenschaft, Politik, Planungswesen und auch die Geomantie: Wieviel Wandlungsfähigkeit besitzen die Baubranche, das Planungswesen, die Immobilie selbst und die Geomantie tatsächlich?
In der Folge möchte ich stichpunkthaft die großen Entwicklungstrends des gesellschaftlichen Strukturwandels anreißen und die sich daraus jeweils ergebenden Aufgaben für Raumenergetik und Geo-mantie vorstellen:
!Flexibilität/Vielfältigkeit
Der Wandel der Arbeitswelt von der Industriegesellschaft zur Dienstleistungs- und Informationsgesellschaft bedingt neue Wohnverhältnisse. Das Existenzgut Wohnen verliert seine Bodenhaftung, fordert aber neue Bedürfnisse nach Heimat heraus. Immobilien werden kurzfristiger genutzt oder wandeln sich in immer rascheren Abständen. Hinzu kommt der Wandel und die Pluralisierung von Lebensformen und Lebensstilen in nahezu allen Bevölkerungsgruppen und Regionen.
Aufgaben: Zeitbefristete Wohnkonzepte entwickeln; Prozesse der Umnutzung begleiten; Heimat und Identifikation schaffen; individuelle (seelische) Anpassung von Räumen; geomantische Prognosen für die Stimmigkeit von Wohnexperimenten.
!Altersgerechtigkeit
Der demografische Wandel durch das fortschreitende Altern der Bevölkerung und eine wachsende Zahl von Zuwanderern aus unterschiedlichen Kulturen verlangt ebenfalls nach neuen Wohnkonzepten. Die oft zahlungskräftige -Generation 50+“ sucht ein selbstbestimmtes Wohnen für die dritte Lebensphase, das nicht Aufbewahrung und Beschäftigungstherapie meint. Häuser werden oft in der Bauphase schon für die Altersperiode flexibilisiert; es entstehen neue Wohnformen wie Alterswohngemeinschaften der verschiedensten Couleurs.
Aufgaben: Energetisches Niveau für das Alter (oder die Jugend) garantieren; altersspezifische Wohnkonzepte (Demenzthematik etc.); Alter als neu definierten Wert konzeptuell umsetzen; Umbewertung von Lebensphasen; gemeinschaftsunterstützende Raumformen schaffen.
!Reduktion
Schrumpfungsprozesse sind in den Städten ohne Wirtschafts- und Attraktionskraft seit längerem zu verzeichnen, vor allem in den Regionen der neuen Bundesländer. Für die Zukunft ist in Deutschland eine deutliche quantitative Abnahme der Bevölkerung zu erwarten. Es werden zum Teil hochwertige Immobilien rückgebaut oder umgenutzt, der Trend zum Wohnen im -Loft“ breitet sich aus. Bei solchen Umnutzungsprozessen kann die Geomantie ein besonderes Augenmerk auf den Wandel der energetischen Prägung legen.
!Einheit von Leben und Arbeit
Immer mehr Singles verwirklichen sich ganz in ihrer Arbeit, immer mehr Familien suchen aus Gründen der Zeiteffizienz die räumliche Einheit von Arbeit und sozialem Leben. Getrennte, aber raumnahe Office-Einheiten in Privathäusern, Wohnanlagen und Siedlungen werden immer mehr gefragt. Das Büro wiederum wird auch zum Ort des Lebens. Immer mehr zieht dort eine neue Kultur von Kreativität, Wellness und Lebensraumbewusstsein ein.
Aufgaben: Nähe und Abgrenzung raum-energetisch stimmig umsetzen; individuell ausgerichtete Office-Optimierung; Schaffung von übergeordneten Wohn-Arbeits-Organismen.
!Neue Lebensformen
Mit der Auflösung der traditionellen Sozialstrukturen, der religiösen Normierung sowie der Zuordnung neuer Lebensformen zu einer Gegenkultur öffnet sich der gesellschaftliche Raum aktuell wieder für neue, zum Teil experimentelle Wohnformen. Zwei-Eltern-Familie, Ein-Eltern-Familie, das kinderlose Paar mit oder ohne Trauschein oder der Single stehen neben der Patchwork-Familie und neuen Formen von Gruppen und Lebensgemeinschaften. Dazu kommen deutlich erhöhte Wandlungsprozesse in Lebenspartnerschaften, die zunehmend nicht zu Auflösung, sondern zu Umstrukturierungen führen.
Aufgaben: Energetische und strukturelle Unterstützung von Beziehungen oder neuen Beziehungsstrukturen.
!Divergierender Wohlstand
Unabhängig von der noch immer weit verbreiteten Krisenstimmung ist Deutschland nach wie vor eines der reichsten Länder der Welt. Allerdings sind die Entwicklung und die Verteilung von Einkommen und Vermögen divergent. Wohlhabende Zielgruppen ermöglichen neue, umfassende Bauformen (Geomantie als Luxusgut), in der Fläche müssen allerdings kostenreduzierte Lösungen gefunden werden. Der Trend lautet: Ganz billig oder ganz teuer.
Aufgaben: Raumoptimierung im gehobenen Bereich; Kreativitäts- und Gestaltungsleistungen integrieren (Farbe, Form, Material); umfassende, stilistisch hochwertige Baukonzepte; kostengünstige, punktuelle Methoden für entsprechende Anforderungen anbieten; Strategien der -energetischen Absicherung“ im sozialen Wohnungsbau.
!Pragmatisierung
Trotz der allgemeinen Tendenz zu postmateriellen, ganzheitlichen Werthaltungen zeigen neueste Entwicklungen einen Trend zu leistungs-, macht- und anpassungsbezogenen Wertorientierungen. Schwer-punktinteresse der gesellschaftlichen Mitte ist vermehrt die persönliche Bewältigung konkreter Probleme, gemieden werden übergreifende Ziele einer Gesellschaftsreform. Dahinter steht ein -neues Zeitempfinden, das die Gegenwart mehr betont als die Verlagerung von Glück oder Erfolg in die Zukunft. Dabei bleiben die ganzheitlichen Tendenzen im Hintergrund stabil, sie sind bei -Best-Agern“ und -Generation 50+“ fest verankert.
Aufgaben: Pragmatische Lösungskonzepte anbieten; Kosten und Effizienz der Methoden und Maßnahmen bedenken; ideelle Leistungen (Umraumharmonisierung etc.) individuell begründen; ganzheitliche und spirituelle Ansätze bei den entsprechenden Zielgruppen direkt anbieten, ansonsten als Grundhaltung in Methoden und Maßnahmen integrieren.
!Gefühle und Intuition.
In allen gesellschaftlichen Bereichen treten Gefühl und Intuition als Entscheidungs-kriterien hervor - noch vor der fachwissenschaftlichen Argumentation des Experten -, auch für Kauf, Ortswahl, Bauweise etc. Weibliche Werte nehmen einen immer größeren Raum ein, Frauen dominieren als (Kauf-)Entscheidungsträger.
Aufgaben: Integration von Gefühl und Intuition der Bauherren in Planungsprozesse und bauliche Umsetzung; Systematisierung von intuitiven Wahrnehmungen; Atmosphären fühlbar vermitteln und atmosphärische Qualitäten zunehmend differenzieren.
!Wellnesstrend
In der gesamten Bevölkerung besteht ein Hang zu zunehmender Hedonisierung der Mentalität in allen Bereichen. Der mittlerweile formal etwas erschöpfte, aber doch nachhaltige Wellnesstrend sucht neue Formen der Umsetzung. Zunehmend wird das individuelle wie räumliche Lebenskraft-niveau als Basis für ein harmonisches, gesundes und soziales Leben verstanden.
Aufgaben: Lebenskraftkonzepte anbieten, die über eine Wellness-Optik hinausgehen; Raumkonzepte entwickeln, die Ausgleichsorte der Tiefe und der reduzierten Dynamik anbieten.
!Religion und Ganzheitlichkeit
Die deutsche Bevölkerung gehört heute noch überwiegend einer der beiden christlichen Volkskirchen an. Deren Mitgliederzahlen gehen jedoch zurück, während andere Glaubensgemeinschaften, häufig durch Zuwanderung, auf dem Vormarsch sind. Generell verliert die klassische Idee von Religion ihren Einfluss. Dafür hat sich mittlerweile die Haltung der individuell definierten Form von Spiritualität oder weltbildlicher Ausrichtung etabliert.
Aufgaben: Ganzheitliche, mehrdimensionale, Seele und Geist einbeziehende Le-bensraumzusammenhänge schaffen; ganzheitliche Vorgehensweisen statt spiritueller -Ware“ verkaufen (kein spiritueller Materialismus); Spiritualität als Haltung der Lebenskultur in alle Bereiche des -Bauens (ohne Mission, Benennung oder gar Überbetonung) als ethische Selbstverständlichkeit integrieren.

Bauen als Ausdruck gesellschaftlicher Verhältnisse und individueller Werte
Jede bauliche Umsetzung neuer Entwicklungstrends ist ein Experiment. Daher kommt heute der Prognostik besondere Bedeutung zu - hier finden wir eine zunehmend zentrale Aufgabenstellung von Raumenergetik und Geomantie: Mit ihren Werkzeugen können gezielt Prognosen über Erfolg, Stimmigkeit, Atmosphäre oder Verhaltensweisen erstellt werden, was zur Sicherheit für den Bauträger wie für die Bewohner beiträgt.
Als entscheidend für den Erfolg geomantischer Arbeit erscheint mir auch die Bereitschaft zu einer neuen Prioritätensetzung zu sein: Radiästhesie, Bau- und Elektrobiologie, Formenlehren, Richtungsanalysen etc. treten als selbstverständlich anwendbare Arbeitsmethoden in den Hintergrund. An Priorität gewinnen marketingbasierende Gesamtkonzepte, zielgruppenorientierte Erfüllung der Bedürfnisse (durch die geomantischen Methoden) sowie die optische und konzeptuelle Greifbarmachung eines Identitätskonzepts. Im Idealfall hat man als geomantischer Planer und Berater die Möglichkeit, nicht nur Reparaturleistungen an bestehender Bausubstanz vorzunehmen, sondern von vorneherein stimmige und im umfassendsten Sinn ganzheitliche Lebensraumsituationen herzustellen. Gerade die gegenwärtige Phase, in der die Baubranche händeringend nach zukunftsweisenden, den neuen sozialen Verhältnissen angemessenen Konzepten verlangt, ist sehr geeignet, um Raumenergetik und Geomantie als integralen, ja selbstverständlichen und notwendigen Teil einer baulichen Konzept-erstellung anzubieten.

Das Projekt -Campus Garching“
Im Herbst 2004 wurden wir von der Domino Bau- und Handels GmbH, einem führenden Bauträger für hochwertige Immobilien in München, beauftragt, solches Neuland zu betreten und für die Erstellung eines Studentenheims in Garching ein geomantisches Gutachten vorzulegen. Der Bauträger, vertreten durch seine Geschäftsführerin Beate Koschkar, formulierte einen hohen ethischen Standard für das Projekt und signalisierte die Bereitschaft, sich für die Umsetzung der raum-energetischen Konzepte bis ins Detail zu engagieren. Zunächst wurden in einem grundlegenden Gespräch die Werte für das Wohnen der Studenten formuliert und in umsetzbare Kriterien für das Baukonzept konkretisiert:
Studentenhäuser sind meistens auf den günstigsten Grundstücken platziert und extrem kostenoptimiert, weil es sich um eine tendenziell zahlungsschwache Zielgruppe handelt und die Objekte meist von sozialen Trägern ausgeführt werden. Dabei ist im Zug des neuen Denkens von -lebenslangem Lernen“ die Wertigkeit dieser Lebensphase deutlich gestiegen; seit PISA wurde endlich erkannt, dass Bildung - und damit die Studienbedingungen unserer Studenten - für Deutschland ein Standortfaktor höchster Priorität ist. In diesem Sinn wurde ein Wertekanon entwickelt, der mit dem Slogan -in die Zukunft investieren“ am besten verdeutlicht ist. Einzelne Punkte daraus waren z.B. das Ziel, mit dem Bau Kommunikation statt Isolation zu fördern, Gemeinschaft und Teambildung statt Konkurrenzdenken anzuregen und Selbständigkeit zu unterstützen. Es sollte nicht -billig“, sondern angemessen gebaut werden.
Damit ein optimales Studieren möglich ist, sollten die Räume eine konzentrierende Wirkung haben (geringe Dynamik in der Wegeführung, ruhige Raumform) und besonderes Gewicht auf ergonomische Arbeitsplätze gelegt werden. In Bezug auf das Gelände war hingegen Dynamik gefragt, denn eine anregende, geomantische Kraft unterstützt das Lernen - umsetzbar beispielsweise durch eine dynamischere Wegeführung, ein entsprechend hohes Kraftniveau und einen in alle Bereiche ausstrahlenden Kraftpunkt im Gelände.
Pragmatisch sollte das Gebäude auch eine einfache Alltagsbewältigung gewährleisten, also funktionierende Küchen, auf das Nötigste reduzierte Badezimmer, ausreichend Stauraum und eine Bereichstrennung bei Appartements für Paare bieten.
Gerade weil ein Wohnheim nie den individuellen Raum eines Eigenheims bieten kann, sollte auf die individuelle Förderung und Privatsphäre der Einzelnen hoher Wert gelegt werden. Die gesamte Atmo-sphäre des Hauses sollte ein Heimatgefühl schaffen und eine starke Zentriertheit und Identität vermitteln. Flexible Raumgestaltungsmöglichkeiten sollten die Studenten einladen, ihren persönlichen Lebensraum bewusst einzurichten, eingebettet in eine zeitgemäße Raumästhetik, mit der sich junge Leute identifizeren können.
Der Aspekt -Gemeinschaft“ sollte sich durch zwei Gebäudekörperkonzepte realisieren: Erstens entstand ein gemeinsamer, geschützter Innenraum als Begegnungsort, zweitens wenden sich die einzelnen Wohneinheiten einander zu. Die Mitte sollte als verbindendes Grundprinzip herausgearbeitet werden. Ein zentraler Stellenwert würde dem frei gestaltbaren Gemeinschaftsraum und dem Café als lebendigem Treffpunkt zukommen.
Selbstverständlich gehörten Wohngesundheit und baubiologische sowie elektrobiologische Unbedenklichkeit zu den Prämissen des Projekts. Und da Denkleistung maximale Ruhe und hohes Kraftniveau braucht, war die Raumenergetik gefordert, dies zu gewährleisten.
Damit ist die damalige Aufgabenstellung umrissen. Nun waren wir gefordert, die Stimmigkeit und die Potenziale von Umgebung, Grundstück und Landschaftsraum zu analysieren, die positiv beeinflussbaren Faktoren herauszustellen, die üblichen Disziplinen der Grundstücks-analyse, Raumenergetik, Richtungsanalyse bis Layoutoptimierung zu erarbeiten und im Anschluss daran auch Konzept und Marketing gezielt zu unterstützen sowie Möglichkeiten der künstlerischen Gestaltung auszuloten und später umzusetzen.

Lage und Umgebung
Das Grundstück liegt im Norden des (geomantischen) Regionalzentrums München. Diese Lage fördert Mentales, Klarheit und berufliches Streben und bietet somit einen idealen Gesamtstandort.
Garching selbst ist eine alte Struktur, die an das lokale energetische Ley-System angebunden ist. Es besteht ein mittleres Maß an Vitalität und Expansionskraft. Das Grundstück liegt im -Kopf“-Bereich der Stadt, wiederum ideal. Die Universität und die Forschungsanstalt in Garching werden stark durch das hohe dynamische Qi der nahen Autobahn direkt impulsiert, doch die Dynamik geht vor allem in die Garchinger Forschungsanstalt ein. Der Baugrund selbst war relativ schwach angebunden. Deshalb haben wir sogenannte Aufmerksamkeitsfänger geschaffen, eine große Eingangssituation kreiert und innenräumlich die Wegeführung an jeder möglichen Stelle energetisch optimiert.
Auf dem sonst relativ energieschwachen Grundstück befindet sich ein herausragendes Phänomen im lokalen Landschaftsorganismus, ein -Krafttrichter“. Wir haben uns entschlossen, dieses Phänomen zentral aufzugreifen und über einen Brunnen ein hohes Maß an Vitalität über die Gesamtanlage zu verbreiten.
Das in den nächsten Jahren verschwindende benachbarte Umspannwerk erwies sich nach elektrobiologischer Untersuchung als unproblematisch. Grundsätzlich wurden bei diesem Projekt, wo immer sinnvoll, baubiologische Materialien und Farben verwandt. Um die geologischen Standortbedingungen (tiefliegende Verwerfungen) zu verbessern, fand auf dem Gelände die größte ganzflächige Unterschüttung eines Gebäudes im bayerischen Raum mit 40 cm Kalkschotter statt. Damit ließ sich die Verwerfungen dämpfen und ihre atmo-sphärische Ausstrahlung positivieren. Ziel war, ein angeregtes Milieu herzustellen, das sich wohltuend auswirkt.

Raum der aktiven Zuwendung
Das Gebäude öffnet sich deutlich nach außen. Es besitzt einen stark ausgeprägten Innenbereich, der einen Raum der Konzentration, Privatheit und Entspannung schafft. Von der Gebäudestruktur her sind die einzelnen Wohneinheiten einander zugewandt, was die Basis für die gemeinschaftliche Ausrichtung unterstützt. Das Bauwerk ist wie ein Organismus aufgebaut. Der mittige Eingang im Süden soll den - gewollten - Ehrgeiz und die Bereitschaft zu kontinuierlichem Arbeiten bei den Studenten stärken. Dort, im Bereich -Emotionen, Genuss, Entspannung“ liegt das Café als Treffpunkt und belebt die ganze Anlage. In den Bereichen -Füße“ und -Hände“ liegen die Paar-Appartements bzw. Lehrkräftezimmer und Studenten-Klein-WGs. Der Kopf der Anlage war ursprünglich als Gemeinschaftsraum geplant, der dann später aus baulichen Gründen doch an anderer Stelle (-Reichtum“) zu liegen kam. In der Mitte steht als -Nabel“ der kraftspendende Brunnen. Insgesamt entsteht so ein Raum, der als lebendige Einheit empfunden wird.

Stimmigkeit und Motivationskraft
Die Umgebungsanalyse (Raumpsychogrammanalysen von Stadt, Umraum und Grundstück) hat die außerordentliche Stimmigkeit von Lage und Grundstück schon aufgezeigt. Die Studenten stehen -mitten im Leben“ zwischen Wohnsiedlung, historischer Stadt und Studienort. Die Analysen des Ätherprofils sowie der europäischen wie asiatischen Elementekonstellationen führten zu entsprechenden Detailoptimierungen. So wurden z.B. die Balkonformen in rhythmischen Abständen gerade und als Kreissegmente gestaltet, was zu einem Ausgleich und zugleich zu einem belebenden Spannungsfeld von (männlicher) Dynamik und den (tendenziell weiblichen) Qualitäten von Ruhe, Kooperation, Intuition und Lebenszugewandtheit führt. Entsprechend ausgleichende Gestaltungsprinzipien (Wechsel von Kreissegment und Gerade) wurden auch durchgängig im Außenraum an geeigneter Stelle umgesetzt.
Konsequent wurde die Dynamik der Wege durch die Gebäudeform aufgegriffen und im Innenhof und den weiteren Gebäudeteilen bis in die Gestaltung der Tiefgarage und der dortigen Eingänge und Flure fortgeführt. Für die Wohneinheiten achteten wir auf energetisch geschützt wirkende Raumbereiche, insbesondere für das Lernen und Schlafen. Auch vitalisierende Großraumstrukturen wurden einbezogen - eine Kreuzung eines orthogonalen Großraumgitters und einer überregionalen Leylinie. An dieser Stelle wurde ein Stein platziert, um die Dynamik jener Systeme (Ordnung, Klarheit, Vitalisierung) lokal begrenzt frei werden zu lassen. Spannend ist die durch eine Wasseranlage gefasste Achse des nahen Nymphenburger Schlosses als Teil eines übergeordneten orthogonalen Gittersystems, das an vielen Stellen im nordbayerischen Raum durch historische Bauten präzise aufgenommen wurde, so auch von der alten Kirche von Garching. Zusätzlich kommt von hier, markiert mit einem Wasserkanal, eine Leylinie, die wiederum genau über die Stadtkirche des südlich gelegenen Ismanings läuft. Im 60°-Winkel dazu verläuft die bereits beschriebene Leylinie, die wiederum exakt die beiden historischen Kirchen Echings schneidet und exakt über das Baugrundstück des -Campus Garching“ läuft. Dieses Kraftsystem, das ein hohes Maß vor allem an Vitalität verbreitet, kann nun einen Teil seiner Kraft am Ort selbst verteilen.

Der -Nürnberger Trichter“ - oder die Kunst der Inspiration
Inspiration ist eine Qualität, die sich dem heutigen Weltbild nur indirekt erschließt. In früheren Jahrhunderten wusste man, dass der Gedanke -einfällt“, dass uns eine Idee -überkommt“ wie eine Kraft, die von -oben“ kommt und prozesshaft erlebt wird - wovon viele Inspirationsprozesse von Künstlern nach wie vor berichten.
Das Garchinger Studentenwohnheim ist auf der einen Seite durch seine nach innen weisende Dachform wie ein Trichter geformt. Auf der anderen Seite haben wir das bereits erwähnte geomantische Phänomen des -Krafttrichters“ durch eine künstlerische Installation - in reduzierter Weise - aufgegriffen, um einen energetischen Fluss -von oben“ zu schaffen, eine Wirkung, die punktuell gestaltet wird, sich aber in die gesamte Anlage verbreitet. Dieses geomantische Phänomen, das wir mit dem Begriff -Erdtrichter“ umschreiben, ist eine relativ wenig bekannte energetische Struktur, die in der Nacht Kraft in die unteren Bodenregionen zieht und diese nährt. Bei der ersten Ortsbegehung blieben wir bis in die Nacht, weil man dann am besten sehen kann, welche naturwesenhaften Kräfte, ätherischen Kraftströme oder geistigen Einflüsse sich unbemerkt von menschlicher Intention und Prägung hier entfalten. Solche Strukturen werden mit ihren Zusammenhängen von uns nur dann kommuniziert, wenn eine Berücksichtigung erforderlich scheint, da diese Welten sich dem heutigen Menschen weitestgehend verschlossen haben. Hier aber sind wir auf eine bedeutsame Situation gestoßen, die einerseits für den Raumorganismus Bedeutung besitzt, andererseits zum zentralen Thema, zur Identität des Projekts wie zur Schaffung eines tendenziell -inspirativ“ ausgerichteten Geistesraumes beitragen konnte. Der Brunnen, der an dieser Stelle installiert wurde - übrigens wird er nur aus dem Grundwasser gespeist und läuft dann wieder natürlich ab - hat die Aufgabe, mit seiner Trichterform beständig Geistimpulse aus den -oberen“ atmosphärischen Schichten (im Sinn von Teilhard de Chardins Konzept der Noossphäre, der Sphäre der Gedankenwelten) aufzufangen und auch über die aufwärtsgerichtete Wasserbewegung einen rücklaufenden Kraftstrom an Vitalität zu erreichen. So partizipiert einerseits der Landschaftsraum von der Neufassung des Vorhandenen, andererseits profitieren die Studenten von einem Raum, der es ihnen leichter macht, konzentriert und krea-tiv zu arbeiten. Wir haben diese Anlage den -Garchinger Trichter“ genannt, in Anlehnung an den berühmten -Nürnberger Trichter“ - eine historische Metapher, dass man dem Menschen Wissen und Bildung mit einem großen Trichter eingießen (-eintrichtern“) könne, die heute als Synonym für die lernpsychologisch wenig sinnvollen Vortragsmethoden im Unterricht verwendet wird. Der Garchinger Trichter steht hier für eine andere Art des Lernens.

Schlussgedanken
Es ließ sich in dem innenräumlich und ideell ambitionierten, architektonisch auch an Flächenoptimierung ausgerichteten Bauwerk aufzeigen, dass eine raum-energetische Optimierung innerhalb eines gut vertretbaren Kostenaufwands machbar ist, die angestrebten Werte umgesetzt sowie dem neuen Lebensraum durch entsprechende Gestaltung lebendige Identität verliehen werden kann. Der Bau wurde im Spätherbst 2005 fertiggestellt. Innerhalb eines Monats waren alle Wohnungen verkauft. Unter den Bewohnern hat sich rasch ein starkes Gemeinschaftsleben entwickelt. Sogar einzelne eher auf Abgeschiedenheit bedachte Studenten aus dem chinesischen Kulturraum werden inzwischen von der Gemeinschaft aktiv integriert. Der Bauträger überlegt, eine langfristige Auswertung hinsichtlich Wohlempfinden, Gesundheit und Erfolg der Studenten vorzunehmen - eine interessante Perspektive. +