Ausgewogene Feinstofflichkeit

Führen Präzisionswägungen zum Verständnis des Feinstofflichen?

von Falk Fischer erschienen in Hagia Chora 22/2005

Lässt sich der ganzheitlichen Wirklichkeit, um die es in der Geomantie geht, mit apparativen Messungen näherkommen? Diese Frage brachte den Physiker und Journalisten Falk Fischer auf die Spur des Chemikers Klaus Volkamer, dessen Experimente Masseveränderungen nach feinstofflichen Einflüssen nahelegen.

Wann ist ein Phänomen ein Phänomen? Damit die Naturwissenschaft ein Phänomen als solches akzeptiert, muss es mindestens die Forderung nach Reproduzierbarkeit und Systematik erfüllen, ansonsten heißt es Zufallsschwankung. In diesem Sinn handelt es sich beispielsweise bei den vielen dokumentierten Heilerfolgen der Homöopathie ausschließlich um Zufallsschwankungen - freilich mit einer ungewöhnlich hohen Zufallswahrscheinlichkeit. Letztgültig hat sich die Homöopathie bis heute noch nie in Doppelblindstudien beweisen lassen, so dass entweder tatsächlich kein Kausalzusammenhang zwischen der Einnahme eines Homöopathikums und der Genesung besteht, oder aber die Beweismethodik ungeeignet ist. Der tief eingeschriebene naturwissenschaftliche Glaube, dass sich ein Phänomen unter Doppelblindbedingungen als solches immer zu erkennen geben müsste, kann möglicherweise den Blick dafür verstellen, ein Phänomen wahr- oder, besser gesagt, für wahr zu nehmen. Das Doppelblinddesign als Messinstrument setzt bereits ein bestimmtes naturwissenschaftliches Weltbild vor-aus, über dessen Rand sich mit der Methode des Doppelblinddesigns gerade nicht hinausschauen lässt. Darin liegt das eigentliche Dilemma aller als feinstofflich eingestuften Phänomene, so sie denn tatsächlich existieren. Das naturwissenschaftliche Weltbild weiß viele Standardbegründungen anzubieten, warum nicht sein kann, was nicht sein darf: selektive Wahrnehmung, ungenügend kontrollierte experimentelle Bedingungen, statistische Zufallsschwankungen oder falsche Voraussetzungen.
Wie schwer es fällt, über dieses Weltbild hinauszudenken, habe ich selbst einmal vor sieben Jahren auf den Basler PSI-Tagen erfahren, als Uri Geller mir einen Löffel verbog. Meinen Löffel. Ich hatte ihn vorher geprüft, er war hart wie Knochen. Aber als Uri Geller mit seinem Finger nur kurz ein paarmal über die Rückseite des Löffels strich, wurde er binnen weniger Sekunden wabbelig und weich und bog sich dann langsam nach oben. Nach oben! Gegen die Schwerkraft! Er signierte ihn und gab ihn mir zurück. Da war er schon wieder so hart wie zuvor. Und ich war platt. Jahrelang hatte ich Physik studiert und mir ein zuverlässiges Weltbild angeeignet. Und dann so etwas. Interessant war mir im Nachhinein vor allem meine eigene Reaktion darauf. Es war Erstaunen, aber kein Schock, eher ein pawlowscher Reflex: Welcher Trick steckt dahinter? Das Empfinden, womöglich einem mir völlig neuen Phänomen gegenüberzustehen, kam gar nicht erst auf. So geht es vielen Wissenschaftlern, wenn sie unbemerkt bestimmte Wissenschaftsdogmen verinnerlicht haben, so dass sie den Zugang verlieren, grundsätzlich Neues erkennen oder anerkennen zu können. Uri Gellers Fähigkeiten sind von mehreren Wissenschaftsgruppen untersucht worden. Einige meinten, ihn bestimmter Tricks überführt zu haben, was andere wiederum nicht bestätigen konnten. Seither zitiert jeder die Studien, die am besten ins eigene Weltbild passen. Ohne Bezüge zur gewohnten Lebenswirklichkeit wirkt das grundsätzlich Neue vollkommen unwirklich. Wie damit umgehen?

Etwas Neues erkennen
Es gibt kein Standardkriterium, um zwischen leichtgläubiger Naivität und der Anerkennung von etwas wirklich Neuem zuverlässig zu unterscheiden. Es bleibt immer ein Wagnis, ein Stück weit aus dem vertrauten Weltbild herauszutreten und sich auf eine andere Perspektive einzulassen. Naturwissenschaft fördert ja niemals unverbrüchliche Wahrheiten oder -Soheiten“ zutage, sondern liefert immer nur Vorstellungsbilder, die ein höchst-mögliches Maß an Ordnung, Orientierung und Vorhersage erlauben. Aus einer anderen Perspektive könnte alles ziemlich anders aussehen.
Soviel als Vorrede zu den ungewöhnlichen Experimenten bzw. Resultaten, um die es im Folgenden gehen soll: den vermuteten Nachweis feinstofflicher Energien durch Präzisionswägungen. Das Thema begegnete mir auch wieder auf den Baseler-PSI-Tagen 2004, auf jener international besetzten Veranstaltung also, die in größtmöglicher Offenheit und Seriosität alle denkbaren un-erklärlichen Phänomene zur Diskussion stellt und dabei insbesondere den Dialog zur Naturwissenschaft sucht. Eine Vorabzensur der Referenten gibt es nicht, außer dass sie sich durch ihre Forschungen oder Praktiken schon einmal öffentlich hervorgetan haben müssen und ihr Denkansatz mindestens Anregung verspricht.
Zu den interessantesten Ideen- oder Impulsgebern gehörte bei dieser Tagung der promovierte ehemalige Industriechemiker Klaus Volkamer. Seit über 20 Jahren forscht er an der feinstofflichen Erweiterung der Naturwissenschaften - so auch der Titel seines über 650 Seiten starken, eng bedruckten Buchs, das 2004 nun schon in dritter Auflage im Weißensee-Verlag erschienen ist.
Klaus Volkamer ist ein Einzelkämpfer, ein naturwissenschaftlicher Don Quichote mit ausgeprägter Fistelstimme, die ein bisschen an Albert Einstein erinnert. Und was er vorträgt, klingt tatsächlich nicht minder revolutionär - sofern seine Spekulationen und Messungen einmal allgemeine Akzeptanz und Bestätigung finden sollten. Dass der Funke zum überaus offenen, zuhörbereiten Publikum nicht unmittelbar überspringt, liegt möglicherweise an der überbordenden Materialfülle, die er vorstellt, und dem Unterton von -alles schon zu wissen“, auf alles eine Erklärung haben. Heureka! Das macht es ihm schwer, sich in naturwissenschaftlichen Kreisen Gehör zu verschaffen, obgleich seine Messungen ohne Zweifel bemerkenswert sind. Ich hatte Gelegenheit, ihn ausführlich zu interviewen und mir von ihm einen Großteil seiner Messungen und Folgerungen detailliert erklären zu -lassen. Ob er sich verrannt hat oder genial ist oder partiell beides, ist schwer einzuschätzen. Dafür ist die Ergebnisfülle schlicht zu unübersichtlich, so dass es kaum noch möglich ist, vor lauter -Bäumen den Wald zu sehen oder kreativ mitzudenken. Das weckt unweigerlich die Skepsis bis hin zur intuitiven Ablehnung der Ideen, obwohl sich der Widerstand weniger aus den Messungen, sprich Präzisionswägungen, als aus der Art der Zusammenschau ergibt.