Wissende Felder

Ortsaufstellungen als Erweiterung der geomantischen Arbeit

von Kristine Alex erschienen in Hagia Chora 22/2005

Systemische Aufstellungen können auch Orte einbeziehen. Kristine Alex beschreibt eine -ortstherapeutische“ Methode, die sich gut in die geomantische Arbeit integrieren lässt.

Energiefelder zwischen Menschen wahrnehmen: sie aus der Nähe und der Distanz wahrnehmen, Unausgesprochenes plötzlich spüren, auf das hören, was sich hinter Worten verbirgt, sich eigenen Körpersymptomen an bestimmten Plätzen stellen, wie dem berühmten Kloß im Hals, schweren Gliedern oder einem Zittern, dann durch eine räumliche Veränderung die Empfindungen wieder verlassen - das sind Prozesse innerhalb einer systemischen Aufstellung. Mir scheint, sie haben viele Parallelen zur Wahrnehmung geomantischer Phänomene.
Seit einigen Jahren unterrichte ich die Methode der systemischen Aufstellungen insbesondere im geschäftlichen Umfeld. Mit energetischen Schwingungen hatte ich im Grund schon immer in meiner Arbeit zu tun. Mein Studium der Ernährungswissenschaften schloss ich mit einer Arbeit über Mikrowellen und deren Einfluss auf Nahrung und Mensch ab. Den Einstieg in die offizielle Berufswelt begann ich im Entwicklungshilfeministerium, wo ich viel über internationale Politik und wirtschaftliche Zusammenhänge lernte. Darauf folgten einige internationale Projekt-einsätze auch in afrikanischen Kulturen wie Haiti, Mauretanien, Zaire, Tansania, Kenia. Zuletzt war ich für das internationale Rote Kreuz ein Jahr in der Ruandaflüchtlings-Operation tätig. Diese Einsätze - oft in politisch sehr unruhigen Gebieten - verschafften mir Abstand zu Europa, und ich sah und erlebte vieles, was mich das Leben neu reflektieren ließ. Vom Kontinent Afrika werden mir immer die besonderen Momente in Erinnerung bleiben, in denen man sich eins mit der Natur fühlt, seine Lebendigkeit, Kraft und Schönheit, die Menschen, aber auch die unglaubliche Härte des Lebens. Anschließend wieder in Deutschland zu sein - ich leitete eine internationale Krebsstudie - war nach den erlebnisreichen Reisen eine große Herausforderung. In dieser Zeit lernte ich das systemische Aufstellen und seine Anwendung insbesondere für berufliche Themen. Besonders reizte mich bei dieser Methode der Umgang mit abstrakten Themen und ihre Übertragung in neue Einsatzbereiche. Irgendwann war klar, dass ich der Arbeit hauptberuflich nachgehen würde.
Durch einen eigenen Grundstückskauf und anschließenden Haus- und Bürobau sowie durch viele Klienten hat sich in Zusammenhang mit den Aufstellungen ein mir besonders am Herzen liegendes Thema herauskristallisiert: das Aufstellen rund um Orte und Häuser, über das ich hier berichte.

Geomantie und Aufstellungsarbeit?
Sowohl die Geomantie als auch die Aufstellungsarbeit beschäftigen sich mit Energie- oder Informationsfeldern, die Störungen bei Menschen verursachen, und versuchen, Lösungen dafür zu finden. Geo-manten verwenden als Hilfsmittel der intuitiven Wahrnehmung Ruten oder Pendel und kennen diverse bauliche oder mentale Techniken, um Felder zu klären. Beim Aufstellen übernehmen dies die sogenannten Stellvertreter - Menschen, die für die Phase der Aufstellung stellvertretend eine bestimmte Person, einen Ort oder ein Thema verkörpern. Das Bild ihrer ersten Platzierung im Raum spiegelt den Status quo einer Situation und die Ursache von Störungen. In der Folge schlägt die Aufstellungsleiterin andere Positionen im Raum vor, die die Beziehungen der Stellvertreter untereinander ändern. Dabei wird in der Regel schnell transparent, welche Faktoren Belastungen hervorrufen und welche Lösungsprozesse dafür nötig und möglich sind. Ist nicht der Ort der Verursacher, sondern zum Beispiel primär ein Beziehungskonflikt, kann auch gleich darauf eingegangen werden. Manche Themen sind schon nach einer Aufstellung geklärt, andere sind vielschichtig und benötigen mehrfaches Hinschauen.
Wenn es um Orte geht, habe ich beob-achtet, dass es oft notwendig ist, zuerst das System der dort lebenden Familie zu beleuchten, um sich anschließend der Frage zu widmen, was der Platz will und braucht. Ein typisches Beispiel dafür war ein Kon-flikt unter Brüdern, in dem es -dar-um ging, was mit zwei ererbten Häusern geschehen sollte. Einer der beiden Brüder wollte verkaufen, doch er befürchtete, dass dies sein Bruder nicht wollen würde. In der ersten Aufstellung ging es um die Beziehung der beiden zueinander. Es zeigte sich eine innerlich sehr starke Verbundenheit trotz der äußerlich eher konfliktreich gelebten Beziehung. Nach einem fruchtbaren Dialog unter den Brüdern und einer Einigung über gemeinsame Verkaufsaktivitäten kam die zweite Aufstellung, in die auch die Häuser und das Grundstück einbezogen wurden. Sie ergab konkrete Handlungsvorschläge, über welche Verkaufskanäle sie am besten veräußert werden könnten und welche Verwendung sich der Platz wünschte.
Das Aufstellen ermöglicht ein sehr neutrales Arbeiten, sofern der Aufstellungsleiter alle seine Vorschläge zu möglichen Interventionen anhand der Stellvertreter hinsichtlich ihrer Stimmigkeit überprüft. Der Leiter oder die Leiterin macht Vorschläge, die auf ihrer Intuition und Erfahrung basieren, und beobachtet dann, wie die Stellvertreter reagieren und sich die Atmosphäre im Aufstellungsfeld ändert. Das Einnehmen unterschiedlicher Per-spektiven in Aufstellungsfeldern und das Erleben von Lösungsmechanismen schärfen die Wahrnehmung und Sensibilität ungemein, so dass auch eigene blinde Flecken bearbeitet und aufgelöst werden können.
Zu mir kommen viele Klienten mit ganz pragmatischen Themen, die jeder kennt: Mein Haus lässt sich nicht verkaufen. Ich finde keine Wohnung. Soll ich wirklich umziehen? Jeder meiner Vorfahren hatte Probleme mit dem Geld. Das Haus ist nun 250 Jahre alt. Woran liegt es? Ich komme nicht richtig an im neuen Haus. Mit meiner Schwester komme ich zu keiner Entscheidung über das geerbte Haus …


Wie beginnt eine Aufstellung?
Im Vorfeld einer Aufstellung ist eine genaue Klärung des Anliegens des Klienten sehr wichtig. Je klarer der Auftrag, desto kraftvoller die Antwort der Aufstellung. Sobald die Fragestellung herausgearbeitet ist, schlage ich die Beteiligten vor. Die Stellvertreter für sich selbst und z.B. für das Haus, den Bruder oder den Kaufinteressenten sucht der Klient meist selbst aus; danach setzt er sich und beobachtet den Ablauf von der Außenperspektive. Eine Klientin meinte einmal: -Das ist wie auf einen Berg zu steigen und die momentane Situation aus der Vogelperspektive zu betrachten.“
Die Stellvertreter suchen sich ihren Platz nach ihrem spontanem Gefühl in der Rolle. Dann frage ich sie als Aufstellungsleiterin nach ihrem Befinden, so dass sich ein Bild der derzeitigen Situation ergibt. Nun liegt meine Aufgabe darin, -passende Interventionen für mögliche Lösungen zum aufgestellten Thema zu finden. Kurz gesagt, können solche Interventionen z.B. im Angebot eines anderen Platzes im Raum, kleinen Ritualen, der symbolischen Rückgabe übernommener Lasten oder dem Finden passender Sätze, die die momentane Atmosphäre beschreiben, bestehen. Ganz wichtig hierbei ist, dass jeder Vorschlag bei den Stellvertretern auf seine Stimmigkeit hin überprüft wird.
Wenn sich zwischen den Stellvertretern eine Lösung für das aufgestellte Thema gefunden hat, nimmt der Klient dieses Bild auf. Häufig stellt er sich auch selbst auf den Platz seines Stellvertreters, um das erarbeitete neue Befinden zum entsprechenden Thema und System zu spüren.
Die Zeitachse der Umsetzung ist unterschiedlich und reicht von sofortigen Lösungen über Monate und manchmal Jahre. Einmal kam noch während der Aufstellung zum Thema -Ich finde keine passende Wohnung“ eine Nachricht von einem Makler auf dem Mobiltelefon an, und am selben Abend wurde klar, dass es sich um die Wunschwohnung handelte. Einem anderen Bericht zufolge ist der Traum vom aufgestellten Wunschgrundstück nach Jahren schließlich Realität geworden.
Ganz wichtig ist bei der Aufstellungsarbeit eine phänomenologische Grundhaltung. Das heißt in der Praxis: Der Leiter oder die Leiterin schmieden keinen Plan, sondern lassen sich überraschen von dem, was während der Arbeit auftaucht und was hilft. Sie machen Vorschläge und entscheiden anhand der Reaktionen, wie es weitergeht. Es besteht keine Absicht in eine bestimmte Richtung, nur das Beobachten.
Bei dieser Art des Arbeitens geht es nicht darum, alles zu verstehen und zu erklären, warum Dinge so sind, wie sie sind. Der Aufsteller bzw. die Aufstellerin orientiert sich an den auftauchenden Phänomenen und dem, was wirkt. Es benötigt Mut, sich dem zu stellen, was sich zeigt. Das Wesentliche erscheint oft ohne Ankündigung; blitzartig ist es im Raum. Plötzlich wird es von einem oder mehreren wahrgenommen. Es kommt sozusagen ans Licht.

Verschiedene Ebenen
Welche Ebenen tauchen beim Aufstellen von Orten und Plätzen auf? Allgemein bekannt sind aus der systemischen Arbeit die Ebene der Ursprungsfamilie, der Gegenwartsfamilie sowie die klassischen Organisationsstrukturaufstellungen. In meiner Arbeit habe ich immer wieder weitere Ebenen wahrgenommen, die für Konflikte im privaten sowie beruflichen Bereich verantwortlich sind. Je mehr von ihnen einbezogen werden, desto umfassender können die Ursachen von Problemen geheilt werden. Eine gute Orientierung, um die verschiedenen Phänomene zu verstehen und einzuordnen, fand ich in der chinesischen Medizin. Paul Unschuld, der Leiter des Instituts für Medizingeschichte an der Münchener Universität, erklärt in seinem Buch -Medizin in China“ anschaulich vier Einflussfaktoren (I bis IV in der folgenden Aufstellung), die gemäß dem traditionellen chinesischen Weltbild für die Entstehung von Krankheit verantwortlich sind. Ich habe sie in mein Konzept übernommen und weitere ergänzt.
-Ahnenbefall“(I):
Mit diesem Begriff wurde im alten -China das bezeichnet, was wir heute aus den Aufstellungen als Belastungen durch übernommene Familienmuster kennen. Dazu ein Beispiel: Um die Firma eines Unternehmers stand es akut finanziell sehr schlecht. Seine Frau hatte Ängste, dass er sich etwas antun könnte. Überschnelle Autofahrten etc. deuteten darauf hin. In der Aufstellung zeigte sich eine starke Verbundenheit mit seinem Großvater, ebenfalls ein bekannter Unternehmer. Dieser hatte sich umgebracht, indem er sich aus dem Fenster stürzte, nachdem er Konkurs angemeldet hatte und die Löhne an seine Mitarbeiter nicht mehr zahlen konnte.
-Windbefall“(II):
Windbefall beschreibt die aktuellen Einflüsse von außen auf die Gegenwart, zum Beispiel durch Ereignisse, Personen, Nachbarn, neue Wohnorte etc. Immer wieder habe ich Personen erlebt, die stark dazu neigen, alle möglichen emotionalen -Päckchen“ von anderen einzusammeln und sich aufzuladen; auch das sind solche äußeren Einflüsse.
-Leichenbefall“(III):
Damit sind - moderner ausgedrückt - Seelenanhaftungen gemeint, Verbindungen von Menschen zu Verstorbenen, die noch nicht ins Licht gefunden haben. Dies kann Themen aus allen Lebensbereichen beeinflussen, wie z.B. Krankheit, Alltagsprobleme, Beruf oder Beziehung. Manche Verstorbene scheinen an Personen zu haften, andere mit bestimmten Orten oder Gebäuden stark verbunden zu sein. Werden sie ins Licht geleitet, klärt sich das Feld und damit auch der Blick des Klienten. Der Umgang mit diesem Phänomen bedarf besonderer Umsicht und Erfahrung.
-Dämonenbefall“(IV):
In diesem Phänomen äußern sich verschiedene nicht-menschliche Wesenheiten, die Störungen verursachen. Es ist nicht so wichtig, zu verstehen, um welche Kräfte es sich jeweils handelt. Wichtig ist, sofern sie den Betroffenen belasten, Wandlungsmechanismen zu finden, die sie auflösen. Ebenso in diese Kategorie würde ich einen Bann oder Fluch einordnen.
In einer Artztpraxis, bei der ich eine Aufstellung durchführte, fiel mir auf, dass bemerkenswert viele Mitarbeiter am Herzen erkrankt waren. Der Vorgänger hatte seine Praxis wegen Herzproblemen verkaufen müssen. In der Aufstellung zeigte sich als Ursache ein Energiefeld in der Heftigkeit eines Fluchs, der von der Ehefrau aus Rache auf den Erstbesitzer verhängt worden war. Vergangene Ereignisse in Räumlichkeiten spielen oft eine wichtige Rolle.
Die karmische Ebene:
Stellvertreter haben oft ein Gefühl für die Zeitachse, zu der sie gehören. Man kann sie fragen, wie alt sie sich in ihrer Position fühlen (jünger, alt, sehr, sehr alt …). Manchmal scheinen Aspekte aus sehr alten Zeiten an die Oberfläche zu kommen, nicht aus dem jetzigen Leben, aber auch nicht aus der Ursprungsfamilie. Die beschriebenen Empfindungen und Themen passen oft zu dem Thema -Reinkarnation“. Nachweisbar ist dies freilich nicht. Für die Wirkung einer Aufstellungsarbeit ist es jedoch nicht wichtig, jedem Thema einen Namen zu geben. Die Lösungsvorschläge, auf welche die Stellvertreter positiv reagieren, sind entscheidend.
Der Einfluss des Ortes:
Materie lagert prägende Emotionen von Geschehnissen und Personen ein. Alte Wunden und Gewohnheiten werden durch die Schichten der Zeit hindurchgetragen und können, solange sie nicht geheilt sind, wachgerufen werden. Die Energiefelder eines Ortes oder Hauses haben so immensen Einfluss auf die Bewohner, sowohl im privaten wie im beruflichen Bereich - ein in der Geomantie bekanntes Phänomen.
Bei der Aufstellung eines großen Tagungs- und Wellnesshotels ging es einmal um die Untersuchung einer Phase mit rückläufigem Umsatz. Dabei stellte sich heraus, dass das atmosphärische Feld des Ortes dringend gereinigt werden musste. Ungelöste Ereignisse auf diesem Platz, welche die jetzigen Betreiber des Tagungsunternehmens noch stark beeinflussten, lagen etwa 70 bis 80 Jahre zurück. Das Management sowie die Kunden reagierten intensiv auf die alten Geschehnisse.

Ein geschütztes Feld
Was können Aufstellungsleiter tun, um ihren Zugang zum aufgestellten Feld zu verbessern? Jeder hat seine Art des Zugangs zu dem unbewussten Feld. Die einen sehen, andere hören, andere wiederum wissen intuitiv, was stört und was Lösung bringt. In meinen Fortbildungsgruppen stellen die Teilnehmer z.B. ihre Sinnesorgane auf. Dabei zeigt sich immer wieder, dass der Zugang zu besonderen Fähigkeiten auch viel Angst macht. Der Ursprung der Angst in der Zeitachse und die Heftigkeit der Reaktionen, die die Stellvertreter, die einen der Sinne repräsentieren, erleben, lassen oft an mittelalterliche Inquisitionsstrafen erinnern. Es scheint wichtig, diese Themen zu bearbeiten, und die alten, kulturell verwurzelten Ängste aufzulösen, damit wir uns angstfrei mit allen Sinnen der Welt zuwenden können.
Es ist auch wichtig, dem Klienten einen geschützten Rahmen zu bieten, in dem er sich auf eine erweiterte Wahrnehmung einlassen kann. Für Aufstellungen eignet sich daher am besten ein neutraler Ort. In den eigenen Räumen ist man sehr in der eigenen Rolle verhaftet. Ideal ist auch, mit neutralen Stellvertretern zu arbeiten; Kollegen und Familienmitglieder sind nur nach besonderer Absprache dabei.
Es ist günstig, bei Aufstellungsbeginn dafür zu sorgen, dass Türen und Fenster geschlossen sind, sonst lässt sich die notwendige Energie und Konzentration nicht gut halten. Kann jemand die atmosphärische Dichte im Raum nicht aushalten, hat dies oft andere Gründe als mangelnde Frischluft. Nach der Aufstellung herrscht dann das allgemeine Bedürfnis, gut durchzulüften. Geht man dagegen in die Natur und integriert damit die Weite des Umfelds in die Aufstellung, ist es kein Problem, konzentriert zu arbeiten. Es ist eher eine Typenfrage, ob Klienten und Repräsentanten mit der Weite der Natur umgehen können. Spaziergänger und Geräusche werden selten als Störung empfunden.
Im Verlauf von verschiedenen mehrtägigen Seminaren habe ich erlebt, dass jeweils etwa die Hälfte der Gruppe lieber draußen arbeiten wollte. Die andere Hälfte bevorzugte den begrenzten und überschaubaren Raum.

Der Ort spielt mit
Arbeite ich in einem neuen Seminarraum, passiert es sehr oft, dass sich die Ortsenergien melden, falls es Klärungsbedarf gibt. Bei zwei Kongressen ist mir so etwas im Rahmen eines kurzen Workshops aufgefallen: Einmal hatte ich eine extrem unruhige Gruppe, die sonst von mir gewohnte Klarheit und Konzentriertheit stellte sich bei der Arbeit nicht ein. Erst das Aufstellen der Unruhe selbst führte zu früheren Schicksalen - Menschen, die auf diesem Platz durch Bomben ums Leben kamen -, die gewürdigt werden wollten.
Bei einem anderen Kongress in einem alten Kloster erschien mir die Atmosphäre sehr verwirrt. Kollegen berichteten mir, dass sie in ihren Seminaren keine klaren Lösungen gefunden hätten. Während meines Aufstellungsworkshops zeigte sich ebenfalls viel Verworrenheit in der Fragestellung. Ein Teilnehmer bemerkte durch Zufall, dass in dem Kloster längere Zeit psychisch Kranke untergebracht waren. Nach dieser Information stellte ich -das, was verwirrte“ auf. Nachdem wir dazu in einem recht aufregenden Prozess unter anderem ein Schicksal besonders beleuchteten, war wieder die gewohnte Klarheit im Raum möglich. Inzwischen beginne ich meine Seminare in neuen Räumen oft mit einer Ortsaufstellung, um sicherzugehen, dass wir uns in Ruhe den mitgebrachten Themen der Beteiligten widmen können.
Schließlich möchte ich noch von zwei Beispielen von Ortsaufstellungen berichten. Die Erkenntnisse daraus stammen aus den Wahrnehmungen der Stellvertreter und dem Aufstellungsprozess.
Herr W. wollte wissen, warum sein über 100 Jahre alter Hausbaum im soeben gekauften Hof am Absterben war, und ob es noch Chancen gab, ihn zu retten. Die Aufstellung zeigte, dass der Nussbaum sehr traurig war, weil ein Nachbarbaum, mit dem er sich offensichtlich sehr verbunden gefühlt hatte, gefällt worden war. Zudem war durch den Umbau eines Seitentrakts eine wichtige Wasserzufuhr unterbrochen worden. Positiv stimmte ihn das Angebot des neuen Besitzers, einen neuen Baum zu pflanzen. Darüber hinaus wirkten effektive Mikroorganismen unterstützend auf seinen Gesundungsprozess ein.
Frau H. kam mit der Frage, warum der Bau der Firma ihres Mannes schwierig verlief und warum der Geschäftserfolg sich nicht mehr einstellte. Sie wollte klären, ob dies mit dem ausgesuchten Grundstück zu tun habe, dessen Besitzerin sie war. Aufgestellt wurden die Firma, der Geschäftserfolg sowie das Grundstück. Während der Aufstellung deutete der Stellvertreter für den Faktor -Erfolg“ auf etwas imaginär Wichtiges. Es entpuppte sich als Wasser. Die zuschauende Klientin schrie auf und berichtete: -Ja, da gibt es einen ungepflegten Tümpel. Er gehört zur Gemeinde, verschandelt jedoch unsere Einfahrt. Das stört mich schon lange.“ Die Aufstellung ergab, dass sich die Stellvertreter für den Erfolg und die Firma sofort wohler fühlten, sobald der Tümpel schön gestaltet werden würde. Das Grundstück selbst hatte keinen störenden Einfluss auf das Thema.
Was ist nun wichtig für das Finden von Lösungen? Es scheint gar nicht von so großer Bedeutung, genau zu verstehen, was ein Thema negativ beeinflusst. Manchmal hindert es eher, wenn der Blick zu neugierig darauf gerichtet wird. Wichtig ist nach meiner Beobachtung das Beherrschen der Wandlungsmechanismen abstrakter Positionen sowie der Zugang zu möglichst vielen Ebenen. Man muss den Hausstaub nicht analysieren, um ein Haus zu reinigen. #

Literatur: Kristine Erb: Die Ordnungen des Erfolgs. Eine Einführung in die Organisationsaufstellung, Kösel Verlag, 2001.